Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 19 (13.5.1910)
- Date
- 1910-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRO. KÖLN, 13. Mai 1910 q-yir6 NO'Wn t\s "l No' ARBEIT IM DIENSTE DES VOLKES Von Dr. L. Sofer, Wien:::) der Deutsche Schulverein, der Qeld auch von Juden nimmt und es ausschließlich für deutschnationale Zwecke verwendet. Doch hat das Verhalten der der Schulvereinsleitung angehörenden deutschen Abgeordneten in der Abstimmung über die Resolution Schmidt sehr viel zur Aufklärung der österreichischen Juden (besonders in den Sudetenländern) beigetragen, was sich namentlich in dem langsamen Gang der Roseggersammlung zeigte. Der Trebnitzer Volksrat ist asemitisch, doch ist ihm jüdisches Geld immer willkommen. Die Mitgliederzahl aller Schutzvereine beträgt ca. 400 000, die sich auf ungefähr 5000 Ortsgruppen verteilen. (In den Zahlenangaben folge ich einem Artikel von K. Landerer.) Jn einer Stadt befindet sich gewöhnlich eine Männerortsgruppe des betreffenden Schutzvereins, ferner eine Frauen- und Mädchenortsgruppe, außerdem (in den Universitätsstädten) eine akademische Gruppe der Studenten. Überdies bilden Gesangvereine, Turnvereine innerhalb ihres Verbandes noch eigene Gruppen der verschiedenen Schutzvereine, ohne Rücksicht auf die bereits im Orte bestehenden; natürlich ist letzteres nur in größern Städten der Fall. Die Tätigkeit der Schutzvereine ist eine mannigfaltige. Der Deutsche Schulverein befaßt sich hauptsächlich mit Gründung von Volksschulen und Kindergärten an der langgestreckten Sprachgrenze. Er besaß 1908 23 eigene Vereinsschulen und 47 Kindergärten, außerdem unterstützte er 74 Schulen und 102 Kindergärten. Dabei muß man bedenken, daß der Verein oft die Schule in dem Augenblicke, in welchem die Gemeindeverwaltung auf absehbare Zeit in vertrauenswürdige konfessionale Hände gelangt, die Schule unter Wahrung ihrer Tendenz in die Verwaltung dieser Gemeinde übergibt, so daß die Zahl der Schulgründungen eigentlich eine größere ist. Die Förderung des Schulwesens findet sich auch bei andern Schutzvereinen; dazu kommt noch die Errichtung von Schüler- und Lehrlingsheimen, die deutsche Handwerker heranziehen sollen, dann die Unterstützung von Lehrpersonen und Verleihung vonStipendien. Nehmen wir z. B. den Bericht des B u n d e s der Deutschen für Böhmen für 1906: Die Zahl der Ortsgruppen betiHJg 689 mit 45 000 Mitgliedern (3000 mehr III Die deutschen Schutzvereine in Osterreich Die deutschen Schutzvereine sind geographisch gegliedert; es bestehen der Bund der Deutschen in Böhmen, in Nord mähren, in Südmähren, in Niederösterreich, der Bund der christlichen Deutschen in Galizien, der Verein der christlichen Deutschen in der Bukowina, die Vereine „Südmark", der die Alpenländer umfaßt, die „Nordmark" in Schlesien, der deutsche Böhmerwaldbund, der Bund der Deutschen in Bosnien und der Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn, der seinen Sitz in Wien hat. Während diese Körperschaften eine ausgesprochen antiklerikale Haltung einnehmen, ist der Tiroler Volksbund, der gegen die von Südtirol her vordringenden Italiener gerichtet ist, neutral und hat einen Klerikalen an der Spitze. Überdies haben die klerikalen Christlichsozialen als Konkurrenzverein die „Ostmark" gegründet, die die Schutzvereinstätigkeit im deutsch-klerikalen Sinne betreiben soll. Eine besondere Stellung nimmt der Deutsche Schulverein ein, der, 1880 gegründet, seine Tätigkeit über ganz Österreich erstreckt. Jeder dieser Schutzvereine bedeckt das oder die betreffenden Kronländer mit einem Netz von Ortsgruppen, die, in Bezirks- oder Gauverbände geeinigt, der Hauptleitung unterstehen. Die Mitgliederbeiträge sind gering (sie schwanken zwischen 2 bis 4 Kr. pro Jahr), so daß auch Minderbemittelte an der Tätigkeit der Vereine teilnehmen können. Alle Schutzvereine haben eine Hauptgeschäftssteile in W7ien. Diese Zentralstelle beruft alljährlich Schutzvereinstage, die, von allen Schutzvereinen beschickt, gemeinsame Angelegenheiten beraten. Zentralstellen zweiter Ordnung sind der Deutsche Volksrat in Böhmen (mit dem Sitze in Trebnitz), der Deutsche Ortsrat in Prag, der Deutsche Volksrat für Niederösterreich (Wien), dem die Christlichsozialen einen Volksrat eigener Führung entgegengesetzt haben, und der Deutsche Volksrat für Kärnten in Klagenfurt. Alle Schutzvereine sind antisemitisch und nehmen keine ^uden als Mitglieder auf; eine Ausnahme macht nur ::) Vgl. „Welt", Nr. 13 und 14.