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Die Welt · 1910-05-18 · 18 (18.5.1910) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
18 (18.5.1910)
Date
1910-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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400 DIE2(äELT No. 18 Was wir aber am meisten; brauchen, das ist die Einigkeit, denn ohne sie werden wir nie im Stande sein, das jüdische Volk für unsere Sache zu gewinnen. Wenn uns das gelungen ist, dann können wir hoffen, wir werden alle in Palästina sein „biniheiro bejomeinu!" (Stürmischer Beifall. Die Versammlung erhebt sich.) Rev. Qlushak brachte sodann das Dankesvotum für Herrn Wolffsohn ein, welches nach Unterstützung von Herren Z. Qolombok und P. Sherman einstimmig angenommen wurde. Nach der Versammlung fand in dem reich geschmückten Saale des Beth Herzl ein Bankett statt, bei dem ungefähr 300 Personen anwesend waren. Rev. Qlushak führte den Vorsitz und toastierte auf den Präsidenten. Die ülasgower Gruppe der Ancient Maccabeans überreichte dem Präsidenten eine Huldigungsadresse, die von dem Vorsitzenden, Herrn Michelson und von Herrn Halpern mit einer englischen und einer hebräischen Ansprache übergeben wurde. Der Glasgow Young IVlen's Culture-Verein sandte ebenfalls eine Huldigungsadresse, die von den Herren Grass, Estermann und Sachs mit einer Ansprache überreicht wurde. Toastreden wurden von den Herren Israel Cohen, Golombök, Teitelbaum, Sherman u. a. gehalten. Der ganze Abend verlief in harmonischster Weise. Gegen 2 Uhr morgens löste sich die Versammlung auf. Als der Präsident seinen Wagen bestieg, spannten ihm die Studenten die Pferde aus und zogen den Wagen selbst bis zum Hotel. Vor dem Hotel mußte Herr Wolffsohn nachts um 2lk Uhr noch einmal eine kurze Rede halten. Mittwoch Nachmittag um 2 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach London. Berichtigung In der Widergabe der Londoner Rede des Herrn Wolffsohn („Welt" Nr. 16, Seite 375) hat sich zu unserem Bedauern ein sinnstörender Fehler eingeschlichen. Tatsächlich hat Herr Wolffsohn, indem er auf die Möglichkeit der Leitung der zionistischen Organisation von London aus zu sprechen kam, nicht gesagt, „daß wir hier in London viel bessere Männer haben, als in Berlin", sondern „viel mehr geeignete Manner", indem lediglich hervorgehoben werden sollte, daß die Zahl der zur Leitung geeigneten Männer in London sogar eine noch größere wäre, als in Berlin. Österreich Wien, Am 19. April fand in den Sälen des Cafe Prückl eine Akademie veranstaltet von der „Chewra" statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Die Festrede hielt Reichsratsabgeordneter Dozent Dr. ArtuhrM a h 1 e r, der eine historische Schilderung derEntwicklurig des nationalen Gedankens gab und mit .einem feurigen Appell an die Versammelten schloß, an der zionistischen Idee treu festzuhalten. Rauschender Beifall folgte den Ausführungen. Die Eröffnungsrede hielt Ben Mose-Zwi, die inhaltlich und formell vollendet war und tiefen Eindruck machte. Auch die folgenden Violin- und Gesangvorträge fanden den Beifall des Publikums. Die Feier brachte auch einen namhaften Reingewinn, der den verschiedenen zionistischen Institutionen zufließt. Die Notlage der jüdischen Bevölkerung Wiens nimmt von Tag zu Tag erschreckendere Dimensionen an. Die politischen Verhältnisse sind es ebenso wie die wirtschaftlichen, die diese traurige Erscheinung gezeitigt haben. Auf der einen Seite nationale und konfessionelle Unduldsamkeit, auf der andern Seite krisenhafte Zustände im Erwerbs- und Wirtschaftsleben: und mitten drinnen, von allen Seiten gehetzt und unterdrückt, unsere armen Brüder, die allein schon durch ihre Zugehörigkeit zum Judentum in dem schweren Kampfe ums tägliche Brot weit hinter alle, andern",Mitkönküffenten zurückgedrängt sind. . Es.liat sich nun hier ein Verein 7, Wohltätige Jüdische Jugend" gebildet, der es sich zur Aufgabe stellt,. Hilfe dadurch zu bringen, daß er durch unentgeltiche Verabreichung von ritueller Mittag- und Abendkost unsere bedürftigen Brüder wenigstens vor der schwersten Sorge, der Sorge um die Mittel zur Stillung des Hungers, bewahrt, solange sie es selbst nicht vermögen. Der Verein wendet sich an alle Juden ohne Unterschied der politischen Parteistellung mit der Bitte um tatkräftige Unterstützung. Adresse: Verein „Wohltätige Jüdische Jugend", Wien II, Untere Aügartehstr. 10. Prag. Anfangs April sprach im Festsaale des jüdischen Rathauses in Prag Martin Bub er als Gast des Vereins jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" über „Das Judentum und die Menschheit". Zum zweiten Maie in einem Zeitraum von etwas mehr als einem Jahre genossen die Prager einen Vortrag Bubers. Nur andeutungsweise kann der Gedankengang seines Vortrages wiedergegeben werden. Bei einem Volke, führte Buber aus, das, wie die Juden', des freien und vollständigen Lebens entbehrt, tut es not, sich auf das zu besinnen, wozu die Zvienschheit dieses Volkes bedurft hat. Was den Juden schöpferisch gema"ht hat, ist sein Streben nach Einheit. Aus der Entzweiung des Ich nach Einheit strebend, schuf er die Idee des Einheitsgottes; aus der Entzweiung der Menschengemeinschaft nach Einheit strebend, schuf er die Idee der Allgerechtigkeit; aus der Entzweiung alles Lebendigen nach Einheit strebend, schuf er die Idee der Alliebe; aus der Entzweiung der Welt nach Einheit strebend, schuf er das messianische Ideal, das eine spätere Zeit, wieder unter Mithilfe der Juden, zum Sozialismus verendlicht hat. In der Zeit des Golus begann ein Kampf gegen die Welt, und unter der namenlosen Pein des äußern Lebens erlahmte das Streben nach Einheit. Aber noch finden wir in uns dieses Streben, und solange die Elemente gegeben sind, ist ihre unendliche Aufgabe gegeben. Wer die Einheit seiner Seele gewinnt, wer sich für die großen Kräfte des Judentums und für ihre Aktivierung entscheidet, der wirkt an der Befreiung mit. Aber diese Befreiung kann nur von dem Boden der Heimat ausgehen; dieses Land schuf all die Kräfte des Urjudentums, es wird sie verjüngen. Unsere Renaissance ist schwerer, tiefer als die irgendeines andern Volkes. Jeder, einzelne von uns muß sich von dem innern Golus befreien Für das ganze Volk kann die Befreiung vom Golus nur an einem Orte der Welt gelingen, in der Heimat. In Europa sind wir ein Keil, den Asien in Europas Gefüge trieb, ein Ding der Gärung und Zersetzung, der Ruhestörung und der Umwälzung; kehren wir nach Str Urheimat zurück, zurück zum Schaffen, zur Tat, zum reinen erdeben nach Einheit! Storozynetz. Im vorigen Monat veranstaltete der hiesige Verein „Poale Zion" einen Vortragsabend, an dem Herr Leon Chasanowitz (Kassriel) über den „Jüdischen Sozialismus" referierte. Redner schilderte sehr trefflich den tragischen Entwicklungsgang des jüdischen Sozialismus und kam dann zum Schlüsse, daß nur derjenige Sozialismus der echtjüdische sei, der auf den nationalen Forderungen und Notwendigkeiten des jüdischen Volkes basiere, denn sozial sei nicht nur die Bewegung des Proletariats, sondern auch der Fortschritt der Gesamtmenschheit. Der logisch tief durchdachte Vortrag fand sehr reichen Beifall. Trautenau. Der hiesige zionistische Volksverein „Theodor Herzl" veranstaltete am 10. April im Saale des Hotel Union eine überaus gelungene Purimfeier, eingeleitet durch eine geistreiche und humorvolle Rede des Herrn Ing. Hermann Pollaczek über „Assimilantentum und jüdische Feinde des Zionismus", welcher sich heitere und ernste, musikalische und rhetorische Vorträge der Damen Frau Jackersohn, Frau Nettel, Fräulein Lauer, Novak, Schwarz, der Herren Rabbiner Bader, Natscheradetz, Katz. Willner und Winternitz anschlössen. Ein animiertes Tanzkränzcheri, das bis in die Morgenstunden währte, machte den Beschluß. Der Besuch war sehr stark. Zagreb (Agram). Der jüdische akademische Kulturklub „Judea" wählte in seiner Generalversammlung vom 14. April für das Sommersemester 1909(1910 folgenden Ausschuß: Präses jur. Felix Kohn, Vizepräses jur. Alfred Singer, I, Schriftführer jur. Josef Tischler, II. Schriftführer jur. Hinko Neu mann, Kassierer jur. Julius Baran, und Bibliothekar jur. Philipp Bruck, zu Revisoren jur. Otto Hirschl, phil. Aleks. Szemnitz. Der Klub entfaltet eine rege interne Tätigkeit und ist heute als Zentrum des zionistischen Lebens in Zagreb zu betrachten. Allwöchentlich finden Vortragsabende statt und vor kurzem wurde ein Palästinaseminar eingeführt. Da der Klub zugleich auch als Landessammeisteile des jüdischen Nationalfonds für das Königreich Kroatien-Slawonien fungiert, so entwickelt er auch auf diesem Gebiete eine lebhafte Tätigkeit, deren Erfolg die Zentrale in Köln unlängst lobend hervorhob. — Für die Siedlungsgenossenschaft wurde ebenfalls die Sammlung eingeleitet

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