Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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\To. 32 DIE lä£E LT 771 Stamme Juda zur Wonne und Freude und zu fröhlichen Festzeiten sein, liebet aber Wahrheit und Frieden." An dieses Trostwort Zacharias wollen wir heute denken. Und arbeiten, damit es sich erfülle. Sir Moses Montefiore Von Sir Francis Montefiore Viele meiner liebsten und frühesten Erinnerungen knüpfen sich an meinen Onkel. Mein Vater war Sir Moses' ältester Neffe. Sie waren in großem Maße einander zugetan, und dies war zweifellos einer der Hauptgründe für das große Interesse, welches mein Onkel Himer an mir nahm. Sehr, sehr zahlreich waren die beweise der Zuneigung, die ich von ihm erhielt, und :h werde zeitlebens nur mit Gefihlenderallertiefstenund innigsten mnkbarkeit daran zurückdenken. Meine erste Erinnerung an ihn fällt in die Zeit, als ich noch ein sehr kleiner Junge war und mit meinem Vater ihn besuchen ging. 1t war schon damals ein sehr alter Mann, und für ein Kind von meinem Alter erschien er beinahe patriarchalisch. Aber so wunderbar eine Erscheinung jugendlich war, o groß war seine Energie, und o stark war sein Eindruck auf iie, mit welchen er in Berührung am, daß er jedem, der ihm gegenüberstand, in der vollsten Blüte Jes Lebens zu sein schien. Nach englischem Brauche mußte ich einen großen Teil meiner Jugend ■ern vom Elternhaus in Schulen und Gymnasien verbringen, so daß es für mich natürlich unmöglich war, so oft mit meinem Onkel zusammen zu sein, als ich es wohl gewünscht hätte. Doch sah ich ihn in den Ferien sehr häufig, entweder in seinem Hause in London oder sonst in East Cliff, seinem angenehmen Landsitze, welcher auf einer hohen Klippe, die See überschauend, dicht bei Ramsgate gelegen ist. Hier war sein liebster Aufenthaltsort, und als die Jahre vorrückten und er die Beschwerlichkeiten eines hohen Alters zu tragen hatte, verließ er East Cliff so selten als möglich. Er hatte in nächster Nähe eine kleine Synagoge gebaut, und so lange es ihm seine Gesundheit erlaubte, war er ein ständiger Besucher des Gottesdienstes, der dort abgehalten wurde. Hier befand sich auch das Mausoleum, in welchem seine Frau bestattet worden war und wo er selbst zur ewigen Ruhe beigesetzt wurde/ Zwischen ihm und seiner Frau herrschte das herzlichste Verhältnis. Sie wirkte mit ihm in jedem guten Werke zusammen, und, wie wohl bekannt, begleitete sie ihn auf seinen Reisen in das Heilige Land und auch auf all seinen andern Fahrten, welche er unternahm, um sich für seine Brüder zu verwenden oder irgendwo die Lage der unterdrückten und leidenden Menschheit zu verbessern. Ich war so jung, als meine Tante starb, daß ich natürlich keine persönliche Erinnerung von ihr habe, aber alle, die sie kannten, haben mir immer erzählt, daß sie eine liebenswürdige und gute Frau war, eine wahre Tochter Israels, und daß sie, ob sie nun in einfacher Kleidung sich einem ihrer vielen Akte der Nächstenliebe widmete, oder ob sie in prunkvoller Kleidung an ihres Gatten Seite an irgendeiner der prächtigen Hofunterhaltungen teilnahm, immer eine edle und bemerkenswerte Erscheinung war. Ihr Tod nach fünfzig Jahren einer idealen Ehe bedeutete für Sir Moses tiefe und dauernde Trauer. Er hatte bei der zweiunddreißigsten Wiederkehr seines Hochzeitstages in sein Tagebuch geschrieben: „An diesem glücklichen Tage, dem 10. Juni, sind zweiunddreißig Jahre verflossen, seit mich der allmächtige Gott Israels in seiner großen Güte mit meiner teuren Judith gesegnet hat, und für ewig werde ich ihm wahrhaft dankbar sein für seinen Segen, der großen Ursache meines Glückes während meines Lebens. Vom ersten Tage unserer glücklichen Verbindung bis zu dieser Stunde habe ich nur Grund für eine stets wachsende Liebe und Achtung gehabt, und ich will aufrichtig sagen, jedes Jahr hat mir größere Beweise ihres bewunderungswürdigen Charakters gebracht. Eine bessere und gütigere Gattin hat niemals existiert, eine Frau, deren ganzes Sinnen darauf gerichtet ist, ihren Gatten gut und glücklich zu machen. Möge der Gott unserer Väter ihr seinen Segen verleihen, mit Leben, Gesundheit und jeder andern Glückseligkeit. " Einige Jahre nach Lady Montefiores Tod gründete Sir Moses in Ramsgate zum Andenken an seine Gattin ein bedeutendes Institut, welches er ein Seminar nannte. Es hat zwei große Zwecke: das Studium der Heiligen Schrift zu fördern und zehn Personen, die sich durch ihr Wissen der Heiligen Schrift sowie durch einen hohen sittlichen und religiösen Charakter auszeichnen, Wohnung zu bieten. Ebenso ist mit diesem Seminar eine Art Galerie oder Museum vereinigt, wo eine Anzahl von Adressen aufbewahrt werden, die Sir Moses zu verschiedenen Zeiten überreicht wurden und von denen viele in Verbindung mit den Aktionen stehen, die er zugunsten seiner Glaubensgenossen unternommen hat. Auch befinden sich dort verschiedene Geschenke, welche ihm aus denselben Gründen überreicht wurden. Dasallerbedeutendstevondiesenist das Ehrengeschenk, welches ihm als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für seine Anstrengungen zugunsten derjenigen Juden, die in Damaskus des Ritualmordes angeklagt waren, überreicht wurde. Es hat die Form eines über drei Fuß hohen silbernen Obelisken, welcher durch eine Figur überragt wird, die David darstellt, als er den Löwen besiegte und das Lamm befreite. Dieses Geschenk wurde von Sir George Hayter entworfen und ist ein großartiges Kunstwerk.