Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 16-17 (22.4.1910)
- Date
- 1910-04-22
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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380 DIE ELT No. 16 Was bewußte Förderung einer Industrie zur Hebung eines Ortes beizutragen vermöge, zeige Bethlehem, das durch seine Perlmutterindustrie sich bereits eines bescheidenen Wohlstandes erfreue, während in dem industrielosen Jerusalem große Armut herrsche und die Bevölkerung nur auf den Verdienst durch die Fremden angewiesen sei. Die Spitzenkollektion soll dem größern Publikum durch Auslage in der Volkskunstausstellung bei Wertheim zugänglich gemacht werden. Die „Jüdische Central=Bibliothek" in Jerusalem Die Verwaltung der „Jüdischen Centrai-Bibliothek" in Jerusalem veröffentlichte dieser Tage eine kleine Schrift, betitelt: Die „Jüdische Centrai-Bibliothek in Jerusalem, ihre Entstehung und Entwickelung". Beim Durchlesen dieser Schrift gewinnt man einen interessanten Einblick in den Werdegang eines hervorragenden jüdischen Kulturwerkes Neu-Palästinas. Aus geringen Anfängen hervorgegangen, hat sich diese Institution in kaum zwei Dezennien zu einem bedeutenden Kulturfaktor entwickelt Mit ihren 32 000 Bänden ist die Bibliothek ein ergiebiger Born geworden, der den geistigen Boden Jerusalems und des übrigen Palästinas befruchtet/ Mit Hilfe der zahlreichen wissenschaftlichen Werke des Instituts kann auch hier auf dem Gebiete der jüdischdn Wissenschaft erfolgreiche Arbeit geleistet worden. Sowohl die Rabbinen "als auch die modernen Gelehrten, die Studierenden der Geschichte wie diejenigen der modernen Schulen entnehmen dieser Bibliothek ihre Hilfsmittel für ihre Studien und wissenschaftlichen Arbeiten. Besonders reichhaltig ist die Hebräica-Sammlung, die mit ihren 20 677 Bändern, darunter vielen Incunabeln und seltenen Ausgaben, den entsprechenden Sammlungen der größten Weltbibliotheken an die Seite gestellt werden kann. Hervorgehoben zu werden verdient die 680 Exemplare zählende Sammlung. Im (Jahrn 1892. unter den Auspicien der Brai Brith Loge in Jerusalem gegründet, gewann die „Jüdische Centrai-Bibliothek" bald die warmen Sympathien der Freunde eer jüdischen Kultur und Palästinas. Durch die hochherzige Bücherschenkung des wegen seines selbstlosen Idealismus in jüdischen Kreisen wohl bekannten Bialystocker Arztes Dr. Joseph Chasanowitz sowie durch anderweitige reiche Bücherzuwendungen erhielt die Bibliothek die Bedeutung, die sie jetzt besitzt. Seit dem Jahre 1902 besitzt die Bibliothek ein eigenes Heim, das zunächst aus dem rechten Flügel eines geplanten monumentalen Gebäudes .besteht, der aber inzwischen für die Bedürfnisse zu eng geworden ist. Bedauerlich ist es, daß ein großer Teil der Bücher wegen Mangels der Mittel zur Errichtung von Bücherschränken nicht nutzbar verwendet werden kann. Die Bibliothek wird von mehreren jüdischen Organisationen, dem Exekutiv-Komitee des Brai Broth-Ordens in Amerika, dem Hilfsverein der Deutschen Juden, der Großloge für Deutschland U. 0. B. B. und der Israelitischen Allianz in Wien, gefördert. Im Interesse einer weiteren Ausgestaltung dieses ausgezeichneten Kulturwerkes nach innen und außen hin wäre, speziell angesichts des in Palästina wachsenden und nach der Herrschaft trachtenden kulturellen Einflusses der verschiedenen europäischen Nationen, eine tatkräftige Förderung desselben seitens aller unserer Stammesgenossen sehr wünschenswert. Wir möchten bei dieser Gelegenheit auch unser tiefstes Bedauern ausdrücken, daß der uralte Kongreßbeschluß, wonach jede Organisation das so eminent wichtige Lebenswerk des Herrn Dr. Chasanowiz mit 3 Rubeln jährlich unterstützen solle, niemals befolgt worden ist. Ernteergebnisse der Kolonie Maskereth-Bathia (Ekron) im Jahre 5669 Die Kolonie Maskereth Bathia umfaßt eine Fläche von 10 400 Dunam, die unter 31 Kolonisten verteilt ist. Die Ernte des letzten Jahres ergab an 14000 Kel Weizen, 2 350 ,. Gerste, 780 „ Ful (Bohnen), 835 „ Kersenne (Wicke). Da zur Erntezeit die Preise pro Kel sich bei Weizen auf 6 Frcs., bei Gerste auf 3 V2, bei Ful und Kersenne auf je5 Frcs. stellten, repräsentierte die Ernte einen Wert von 8400o Frcs. in Weizen, 8325 „ „ Gerste, 3900 „ „ Ful, 4175 „ „ Kersenne, 100400 Frcs. Hierzu kommt die Sesam-Ernte im Werte von 33800 Frcs., so daß die gesamte Ernte in brutto einem Werte von 134200 Frcs. gleichkam. Hiervon sind die Oscher-Abgabe im Betrage von 18 000 Frcs. und die Koloniesteuern in Betrage von 7 500 Frcs. abzuziehen, so daß 108700 Frcs. als Reinertrag zu rechnen sind. Demnach hatte eine Kolonistenfamilie in Maskereth-Bathia im Durchschnitt ein Einkommen von 3 500 Frcs., wovon sie die Kosten der Wirtschaft (Unterhaltung des lebenden und toten Inventars, Anschaffung von Saatgetreide, Arbeitslöhne u. dergl.) und ihren eignen Lebensunterhalt zu decken hatte. In der Verteilung des Besitzes sind unter den Kolonisten von Maskereth-Bathia keine besonders großen Unterschiede zu vermerken. Den niedrigsten Besitz von 180 Dunam hat nur ein Kolonist. 3 Kolonisten besitzen 230—250 Dunam, 6 „ „ je 260 6 - „ „ 270—300 „ , 4 „ „ 320-340 3 „ „ 360-380 „ , 2 „ „ 410-420 „ , 5 t, „ 450--500 1 Kolonist besitzt 575 Ein Bruttoeinkommen von nur nahezu 2000 Frcs. hatten nur 2 Kolonisten, von 2200 „ hatte „ 1 Kolonist, 2700 „ „ „ 1 „ 3000—3500 „ hatten „ 7 Kolonisten, „ 3500—4000 „ 2 „ , „ 4000—4500 „ „ „4 „ „ 4500—5000 „ „ „6 „ „ 5000-5500 „ „ „2 „ „ 5500—6000 „ „ „4 „ 6600 hatte „ 1 Kolonist, 6700 „ „ „1 „ Im allgemeinen ist die Lage der Kolonie Maskereth-Bathia als eine günstige zu bezeichnen, was hauptsächlich dem Umstände zu verdanken ist, daß die einzelnen Kolonisten von der J. C. A. in ausreichendem Maße Boden, Inventar und Häuser erhalten haben. Die Kolonisten haben auch mit der Abzahlung ihrer Schuld an die J.C. A. in den letzten Jahren begonnen. Ernteergebnisse in Qederah im Jahre 5669 Gederah. Vor einigen Wochen sind die Abrechnungen für das verflossene Jahr in unserer Kolonie abgeschlossen worden, aus denen sich nachfolgende Resultate für die Winterernte ergeben: Von 1780 Dunam wurden erzielt in brutto: 1000 dz. Weizen 566 „ Gerste 648 „ Bohnen (Ful) 189 „ Erbsen. Diese Erträge repräsentieren annähernd folgende Geldwerte (nach den gegenwärtigen Getreidepreisen in Palästina): 20 000 Frcs. für Weizen 7 400 „ „ Gerste 9 600 „ „ Bohnen 3 100 „ „ Erbsen 40 100 Frcs. Als Sommerernte wurden von 512 Dunam 1785 kg Durrah, die einen Wert von 180Frcs. darstellen und 2140 „ Sesam „ „ „ „ 970 „ „ abgeerntet. Von den Pflanzungen ergaben 150 Dunam Mandel-Plantationen 9 600 kg Frucht 900 „ Weingärten 1800 Kantar 540 000 kg Die Mandelernte stellt einen Wert von ca. 8000 Frcs., die Wein ernte von ca. 13 000 Frcs. dar. Somit repräsentiert die gesamte Sommerernte einen Wert von 22 000 Frcs. und die Ernte des ganzen Jahres 62 000 Frcs. brutto. Diese Ergebnisse sind in bezug auf den Weizen als günstig, in bezug auf die übrigen Fruchtarten als mittelmäßig zu bezeichnen. Der an die Regierung bezahlte Oscher machte 14.5° 0 von der Winterfrucht und 15ü/o von den Pflanzungen aus. Im laufenden Jahre stellten sich die Regen leider erst spät ein, so daß nur der Weizen rechtzeitig gesät werden konnte, die Gerstensaat dagegen verspätet wurde und die Bohnensaat bei trockenem Boden vorgenommen werden mußte. Auch nach der Weizenbestellung blieb leider der Regen allzulange aus. Es ist deshalb eine ungünstige Ernte zu befürchten. Im allgemeinen hat sich in unserer Kolonie die Methode des Körnerbaues bedeutend verbessert. Bei den Bemühungen, eine rationelle und intensive Kultur einzuführen, werfen sich zahlreiche Fragen auf, die die Kolonisten allein zu beantworten nicht im