Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 16-17 (22.4.1910)
- Date
- 1910-04-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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der Unterschied. Wir dürfen nicht die kleinen Arbeiten als Selbstzweck betrachten, wir müssen bei allem, was wir tun, das große Ziel, das wir uns gestellt haben, im Auge behalten und nur solche Arbeiten durchführen, die Vorbedingungen sind für die Erreichung des großen Zieles. (Lebhafter Beifall). Wir müssen aber auch bei allem, was wir in Palästina unternehmen mit großer Vorsicht vorgehen. Wir können nicht so hingehen und alles unternehmen, was vorgeschlagen wird, wir können uns nicht von unsern Freunden in Rußland zu Dingen drängen lassen, von denen wir nicht wissen, ob sie gut sind. Unsere Brüder in Rußland durchleben schwere Tage, sie haben ein schweres Dasein und es ist begreiflich, daß sie sich hinaussehnen. Aber wäre es etwa besser, wenn wir schlechte Arbeit machen würden? Als wir hier in London unsern Jewish Colonial Trust gründeten, da haben uns die hiesigen reichen Juden, die Finanziers prophezeit, daß wir nicht 2 Jahre bestehen werden. Man kann, sagten sie, keine Geschäfte machen, man kann keine Bank gründen in einer Bewegung, in der jeder mitzureden hat. Es werde alles in kurzer Zeit zu Grunde gehen. Diese Leute, die so prophezeit haben, hätten Recht behalten, wenn wir uns nicht mit eiserner Kraft gegen die Dränger gestemmt hätten, wenn wir nicht die paar Groschen, dieuns das jüdische Volk anvertraut hat, bewacht und beschützt hätten! (Lebhafter Beifall) Die Männer, welche die Bank verwalten, Herr Jakobus Kann, der hier anwesend ist, (stürmischer Beifall) unsere Freunde Cowen und Greenberg, die in _der Bank arbeiten, wie werden denn diese Männer belohnt? Glauben Sie nicht, meine Damen und Herren, es wäre diesen Männern nicht angenehmer, wenn sie alle Wünsche erfüllen könnten? Wenn sie entgegenkommen könnten, um sich populär zu machen? Wir müssen ihnen danken, daß sie trotz der Dränger, trotz der Kritik sagen: „Man hat uns auf einen Posten gestellt, wir wollen das, was man uns anvertraut hat, halten und schützen!" (Lebhafter Beifall). Unsere Freunde, die praktische Arbeit verlangen, meinen es gewiß gut, sie beschäftigen sich aber nicht mit praktischer Arbeit. Ich will ein kleines Beispiel anführen und Sie werden mich besser verstehen. Herr Dr. Weizmann, gewiß ein guter Zionist, einer der Führer der Opposition in Hamburg, der sein Leben lang für unsere Idee gearbeitet hat, der mit Leib und Seele dabei ist, hat in seiner großen Oppositionsrede auf dem letzten Kongreß wörtlich gesagt: „Es kann ein großer Fehler gemacht werden, der das ganze Aktienkapital der Bank, die ganzen 300 000 £ kosten kann. Aber schreckt denn eine historische Bewegung davor zurück?" Dr. Weizmann meint: Die Hauptsache ist die Idee. Wenn die nur bleibt! Nun die Idee ist nicht neu, nicht von Dr. Herzl oder irgend jemand ^nderm erfunden, sie ist tausende Jahre alt und wird immer bestehen, solange es noch einen Juden auf Gottes Erdboden geben wird. (Lebhafter Beifall.) Aber, wenn Dr. Weizmann sagt: Was tut es denn, wenn die 300 000 £ verloren gehen! da muß ich sagen, daß Dr. Weizmann in geschäftlichen Dingen ein unpraktischer Mann ist (hört, hört!). Ich muß sagen, wenn wir nicht gewußt hätten, wer Dr. Weizmann ist, wenn wir ihn nicht gekannt hätten, so hätten wir denken müssen, unser schlimmster Feind habe uns diesen Rat gegeben. Denn wenn wir diese 300 000 £ verlieren, so wird zwar nicht die Idee bankerott gehen, aber die zionistische Organisation! Ich glaube, wir könnten es nicht vor Gott und der Welt, nicht vor dem jüdischen Volk verantworten, wenn wir das Erbe, das uns Herzl hinterlassen hat, leichtfertig aufs Spiel setzen wollten. (Stürmischer Beifall.) Wir müssen das, was uns das jüdische Volk anvertraut hat, hüten, wir dürfen nur etwas unternehmen, von dem wir die Überzeugung haben, daß es gelingen wird. Sind wir aber dieser Überzeugung nicht, dann dürfen wir es nicht wagen. Wir dürfen mit den Mitteln der. zionistischen Organisation nicht va banque spielen. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist merkwürdig, daß in den meisten Fällen nur solche Leute von praktischer Arbeit sprechen, und dafür mit der größten Schärfe eintreten, die sich mit praktischer Arleit weder bei uns, noch privatim beschäftigen. (Hört! hört!) Gerade die Leute, die nicht imstande wären, einen Beruf auszufüllen, die glauben, daß sie ganz Palästina und den Klal Isroel versorgen können. Sie sind die einzigen, die alles genau und besser wissen. Diese Herren halten lange und schöne Reden. Das ist notwendig für unsere Idee, um Zionisten zu werben. Aber mit Reden kann man keine praktische Arbeit leisten. (Sehr richtig!) Mit Reden kann man nicht eine einzige Weintraube zum Reifen bringen. Und wenn der Kongreß praktische Leute bestellt und gewählt hat, so, glaube ich, ist es die Pflicht eines jeden Zionisten, diesen Leuten zu folgen, und das zu tun, was unsere Fachleute vorschlagen, und nicht zu verlangen, daß das geschieht, was diejenigen vorschlagen, die nichts von der Sache verstehn. Ein Wunsch unserer Freunde aus Rußland und der Opposition auf dem Kongreß war, daß' die Leitung vergrößert werde, daß 7 oder 8 Mitglieder hinzugewählt werden und zwar hauptsächlich deswegen, — so lautete der Ausdruck — damit auch unsere Freunde aus Rußland Einfluß in der Leitung haben, damit man sie üicht aus der Leitung ausschalte. Was unsere Freunde in Rußland unter Einfluß in der Leitung verstehen, das haben sie auf dem Kongreß gezeigt. Von 7 Mitgliedern wollten sie 5 aus ihren Reihen haben. Sie wollten noch zwei andere zulassen, weil sie diese beiden brauchten, damit diese arbeiten. Denn die andern 5 Herren haben selbst erklärt, daß sie die Arbeit nicht leisten können. Das nennt man in Rußland Einfluß nehmen. Nun sagt man von mir. ich sei ein Autokrat, man sagt, ich möchte alles allein machen. Nun, meine Damen und Herren, wenn von mir gesagt wird, daß ich ein Autokrat bin — was durchaus nicht richtig ist, so finde ich das doch noch verständlich. Daß man mich aber für einen dummen Kerl hält, das begreife ich nicht. (Heiterkeit, lebhafter Beifall.) Ich wäre ja der dümmste Mensch, wenn ich die ganze Last allein tragen wollte und die Möglichkeit hätte, daß mich 4 oder 5 Leute unterstützen. Es ist verlangt worden, daß das E. A. C vergrößert werde. Man vermutet, ich wäre dagegen. Ich hätte aber gar nichts dagegen, wenn man ein paar Leute hineinwählen würde, die mitarbeiten, die nicht tausende Meilen weit von einander wohnen und nur 3 oder 4 mal im Jahre zusammen kommen, um zu kritisieren. Diese Forderung ist doch nicht neu, sie ist doch keine neue Entdeckung. Wir hatten ja schon ein E. A. C. von 7 Mitgliedern, es hat sich aber herausgestellt, daß wir damit nicht von der Stelle gekommen sind. Nun haben die Herren noch andere Wünsche. Die Leitung soll nach Berlin verlegt werden, Köln ist nicht der richtige Ort, aber einigermaßen erstaunt war ich doch, daß Herren aus England verlangen, daß die Leitung nach Berlin verlegt werde. Warum verlangen sie nicht London? In London ist die beste Regierung der ganzen Welt. Eine bessere Regierung als die englische gibt es überhaupt nicht. London liegt im Zentrum der Welt und wir haben ja auch unsere sämtlichen Institutionen nach London verlegt, wir haben hier den Sitz des Jewish Colonial Trust, des jüdischen Nationalfonds, der Anglo Palestine Company, der Anglo Levantine Company und der P. L. D. C. Wir haben ja alles aus diesem Grunde nach London gebracht. Warum verlangt man also Berlin und nicht London? Ich weiß es, die Herren werden antworten: „Weil wir in London die Männer nicht haben, die die zionistische Organisation leiten können." Ja meine Damen und Herren, ich, der ich in Deutschland wohne, darf doch sagen, ohne unseren Herren in Berlin nahezutreten, daß wir hier in London viel bessere Männer haben, als in Berlin, Männer, wie Sir Francis Montefiore (großer Beifall), Männer wie Dr. Qaster, Männer wie Cowen, Greenberg und Bentwich und sogar einen Zangwill. Aber meine Damen und Herren, da antworten Siemir: „DieseHerren wollen nicht alle zusammen arbeiten!" Ja, dann sorgen Sie doch, anstatt große, zionistische Politik zu treiben, daß diese Männer hier in London zusammen arbeiten. Strengen Sie sich doch an, wir arbeiten ja alle für ein Ziel. Strengen Sie sich an, das Sie zusammen arbeiten können! Aber dennoch müssen Sie nicht etwa glauben, daß ich gegen Berlin gewesen bin. Aber wissen Sie, warum die Sache nicht zustande kam? Einzig und allein, weil die Oppsition unfähig war, die Sache zu übernehmen. Sie hat von Anfang an so gearbeitet, daß sie alles verkehrt gemacht hat. Und heute, nachdem wir auf dem Kongreß vor der Frage standen, beinahe ohne Leitung auseinandergehen zu müssen, heute beginnt die Opposition mit einer neuen Bewegung. Ein Aufruf ist von Berlin aus erschienen und sogar englische Herren haben diesen Aufruf unterschrieben. Ja, wozu führen sie denn den Kampf, sie können ja die Leitung bekommen, ich werde ihnen dankbar sein, und will ihnen sogar das Mittel dazu geben;. sie, sollen arbeiten und lernen, so wie ich gearbeitet und gelernt habe. Ich bin nicht als Präsident in die zionistische Bewegung gekommen, ich habe gearbeitet, praktisch