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Die Welt · 1910-04-15 · 15 (15.4.1910) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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340 DIE30E:ELT No. 15 Mit diesem Angriffe, der sich nicht nur gegen den Zionismus, sondern gegen die Juden überhaupt richtet (Herr Ansebi ist ja wohl noch nicht Zionist!) stellt sich der „Taswiwi Efkiar" auf eine Stufe mit dem Haifaer Blatte „Carmel", das jüngst, um die Judeneinwanderung als recht gefährlich zu demonstrieren, sich sogar eine versteckte Pogromhetze leistete, indem es betonte, daß die Verfolgungen der Juden in Rußland vollkommen gerechtfertigt seien. Der „Jeune Türe" vom 1. April stellt diese Erscheinung ins rechte Licht, indem er sie als erneuten Versuch zur Verhetzung zwischen Juden und Muselmanen kennzeichnet und zur Feststellung der Frage, ob die Judeneinwanderung der Landschaft Palästina wirklich schädlich sei, eine eingehende Prüfung des jüdischen Siedlungsprojektes durch eine Regierungskommission verlangt. Die Phosphorminen von Es-Salt Am 30. März ging der türkischen Kammer vom Großwesierrate ein Gesetzentwurf bezüglich der Phosphorminen von Es-Salt und der damit in Zusammenhang stehenden finanziellen Operationen und auszuführenden öffentlichen Arbeiten in Palästina zu. Es ist klar, daß diese Angelegenheit das höchste Interesse der zionistischen Welt in Anspruch nehmen muß. Der Beschluß der Regierung geht dahin, die Ausbeutung der Minen in Konzession zu vergeben. Die Konzessionäre sind ein Osmane, Nasif-ül-Halidi, und ein Franzose, Victor. Sie verpflichten sich dem Projekte gemäß, der Regierung ein Darlehen in Höhe von 12V2 Millionen Franken zu gewähren, zum Zwecke der Anlage eines Hafens in Haifa sowie einer Eisenbahn von Es-Salt über Oman bis Haifa. Sie verpflichten sich ferner, jährlich 100 000 Tonnen Rohmineralien zu exportieren, ein halbes Pfund Transporttaxe pro Tonne zu entrichten, Superphosphat zu produzieren und alle im Bergwerksgesetze vorgesehenen Abgaben an den Staat abzuführen. Der Vertrag, der Entwurf der Motive sowohl wie der Gesetzartikel über die Anleihe werden von der Kammer der Kommission für öffentliche Arbeiten überwiesen, die sie der Budgetkommission vorlegen wird, bevor sie im Plenum zur Behandlung kommen. Wir werden über den weitern Gang der Angelegenheit, die für die Entwicklung Palästinas von hervorragender Bedeutung werden wird, zur Zeit berichten. Homs=Tripoli=Eisenbahn Einer telegraphischen Meldung des Wali von Beirut zufolge sind am 23. März die Arbeiten an der Linie Homs-Tripolis, die eine wichtige Verkehrsader Syriens werden wird, unter Feierlichkeiten eröffnet worden. Der Mutessarif von Tripolis, die Behörden und das diplomatische Korps wohnten dem ersten Spatenstiche bei Die muselmanischen Mohadschirs in Mazedonien Bis jetzt mögen etwa 6000 bosnische und bulgarische Familien in Mazedonien eingewandert sein. Infolge der zahlreichen lebhaften Klagen haben die Behörden in der Ansiedlung dieser Ankömmlinge einen regern Eifer entfaltet. So sind in der letzten Zeit grö?3ere Landkäufe zu einem Teile schon ausgeführt, zum andern von der Regierung beschlossen worden, im ganzen etwa 80 000 Dunam für die Summe von 20 000 türkischen Pfund, im Durchschnitt also um etwa 75 <Ji pro Dunam. Auf einem Teile der gekauften Güter sind die Bauten schon ziemlich weit vorgeschritten. Die Regierung gedenkt, jeder Familie zwei Ochsen und etwa 40 Dunam Land zu geben; falls der Boden wenig fruchtbar ausgefallen ist, soll das Quantum verdoppelt werden; zwei Drittel werden als Ackerland und ein Drittel als Weideland zu benutzen sein. Aus den Wilajets Die jüdische Bevölkerung von Nasibin, Wilajet Mossul, führt Klage über die schlimme Behandlung, die sie von einigen reaktionären Beamten bei jeder Gelegenheit zu erdulden hat. In Beirut haben sich drei Araber eines sechsjährigen jüdischen Kindes bemächtigt, um es auf grausamste Weise zu schänden; das Kind ist seinen Verletzungen erlegen. Der Großrabbiner ist, da Qie Lokalbehörden versagten, bei der Regierung wegen der Schandtat vorstellig geworden. Zwei jüdische Mädchen in Salonik, im Alter von 19 und 14 Jahren, verließen dieser Tage die Häuser ihrer Eltern. Als sie nach langem Suchen aufgefunden wurden, erklärten sie, zum Islam übertreten zu wollen. Der Vorfall erregte bei den Juden viel Aufsehen. Aus Palästina Franz Oppenheimer in Palästina Jaffa, 31. März. Heute ist Herr Dr. Franz Oppenheimer hier eingetroffen, um im Auftrage des Nationalfonds das Problem der Siedlungsgenossenschaft in Palästina zu studieren. Gäste aus Berlin Jaffa, 25. März. Herr Dr. Theodor Zlocisti, die Herren Dr. Gideon Hey mann und Pinner sowie die Mitglieder der „Hasmonea" in Berlin, Dr. Brünn und Lichtheim, besuchen zurzeit die jüdischen Kolonien. Einige von den Herren haben die ernste Absicht, sich in Palästina nach einiger Zeit dauernd niederzulassen. . Auch der Maler E. M. Lilien, der für sein Bibel werk Studien in Palästina machen will, wird vier Wochen mit seiner Frau im Lande verweilen. Eine Stiftung für Ben-Jehudas Wörterbuch Herr Alderman Moser, der sich zurzeit in Jerusalem aufhält und hier Gelegenheit hatte, bei Besuch des Herrn Ben-Jehuda in die Riesenarbeit des Ben Jehuda'schen Wörterbuches Einblick zu gewinnen und von seiner epochalen Bedeutung sich zu überzeugen, hat sich bereit erklärt, den für die Fertigstellung des dritten Bandes notwendigen Betrag von 12000 Frs. Herrn Ben-Jehuda zur Verfügung zu stellen. Das Wörterbuch erscheint in Kommission bei der bekannten Verlagsbuchhandlung von Langenscheidt in Berlin, wobei die Druckkosten hauptsächlich durch Ben-Jehuda zu decken sind. Das Werk wird 10 Bände enthalten. Bis jetzt ist es gelungen, durch die Munifizenz des Barons Edmund Rothschild, des zionistischen Actionscomites u. a. 2 Bände herzustellen, von denen Band I 1909 bereits erschienen ist und Band II im Sommer dieses Jahres fertig werden soll. Da nun die Druckkosten für den III. Band von Herrn Moser aufgebracht werden, bleibt es die Pflicht der Gönner der hebräischen Sprache, für die Beschaffung von Fonds zur Herausgabe der weitern 7 Bände zu sorgen. Zu diesem Zwecke hat sich ein Komitee, bestehend aus den Herren J. Moser-Bradford, Prof. R. Gottheil- New York, D. Jellin, Ephraim Cohn und Dr. Levy in Jerusalem, D. Levontin, Dr. A. Ruppin, Markus Kahan und E. Saphir in Jaffa gebildet. Man kann wohl sicher sein, daß ein für die hebräische Sprache und Literatur so bahnbrechendes Werk genügend tatkräftige Förderer finden wird. 3ojährig;es Jubiläum Ben-Jehudas Jerusalem, 30. März. Nach einigen Monaten werden 30 Jahre verflossen sein vom Tage, seit dem Elieser Ben-Jehuda seine Arbeit für die Belebung der hebräischen Sprache in der Schule und im täglichen Umgang aufgenommen hat. Wie auf verschiedenen anderen Gebieten, wirkte auch hier das gegebene Beispiel nachhaltiger als alles Predigen. Ben-Jehuda war nämlich vor 30 Jahren der erste, der das Hebräische in seiner Familie als Verkehrssprache für den täglichen Gebrauch einführte. Natürlich war das für die erste Zeit sehr befremdlich, zumal die hebräische Sprache, nachdem sie beinahe 1500 Jahre bloß in der Literatur gelebt hatte, auch faktisch für die mannigfachen, wechselnden Anforderungen des Tages kaum geeignet war. Insbesondere befürchtete man, daß die Kinder, mit denen zu Hause ausschließlich Hebräisch gesprochen werden soll, in ihrer geistigen Entwicklung zurückbleiben würden. Es zeugt daher von dem unerschrockenen und tapfern Sinn Ben-Jehudas, daß er sich von all den Befürchtungen nicht aufhalten ließ und seinen einmal gefaßten Beschluß beharrlich durchführte. Allmählich zeigte es sich, daß er im Rechte war, und wenn wir heute Tausende von Kindern in Palästina haben, denen das Hebräische die Muttersprache ist, so ist das unbestritten das Verdienst Elieser Ben-Jehudas. Kein Wunder daher, daß die Anregung, das herannahende Jubiläumsfest Ben-Jehudas würdig vorzubereiten, von allen Seiten mit großer Sympathie begrüßt wurde. Selbst in denjenigen Kreisen, in denen man Ben-Jehudas journalistische Tätigkeit abfällig beurteilt, ist man entschlossen, an der Feier Anteil zu nehmen, die allgemein als „Chag haiwrith", als Fest der Wiederbelebung der hebräischen Sprache, angesehen wird. Am meisten findet ein Vorschlag des hebräischen Schriftstellers Jehoschuah Eisenstadt Anklang, daß die Freunde des Hebräischen in Palästina aus Anlaß der herannahenden Feier den für die Drucklegung eines Bandes des Wörterbuchs, an dem Ben-Jehuda seit Dezennien mit so viel Liebe- und Hingebung arbeitet, notwendigen Betrag aufbringen sollen.

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