Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 15 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 15 DIE30KELT 329 Herzl-Nummer der „Welt" In vier Wochen werden die Zionisten die 50. Wiederkehr des Geburtstages Theodor Herzls begehen. In wehmütigem Gedenken werden wir den Tag heraufsteigen sehen, der uns an den Morgen erinnert, an dem vor einem halben Jahrhundert der Erwecker und Vorkämpfer unseres Bekenntnisses das Licht erblickte, das ihm nach 44 Jahren eines an Ehren, Siegen und Mühen reichen Lebens erlosch. In mannigfacher Weise werden die Zionisten diesen Tag zum Anlaß nehmen, ihrer tiefen Verehrung für den heimgegangenen Führer Ausdruck zu geben und zu beweisen, wie sehr sein Geist unter ihnen lebendig ist. Die „Welt" wird den Geburtstag ihres Begründers dadurch feiern, daß sie in einer Gedenkausgabe Theodor Herzls Bedeutung für das jüdische Volk und für das Jungjudentum durch seine hervorragendsten Zeitgenossen, Freunde und Mitkämpfer darstellen läßt. In einer breit angelegten Revue wird die Entwicklung des Lebenswerkes Herzls, der zionistischen Bewegung, von Herzls Jüngern in Aufzeichnungen und Erinnerungen an diese bedeutungsvolle Persönlichkeit gezeigt werden. Männer von Namen und Ruf werden Herzls Bedeutung als Schriftsteller schildern. Wir ersuchen unsere geehrten Leser und Gesinnungsgenossen, insbesondere aber die zionistischen Organisationen und Vertrauensmänner, für eine intensive Verbreitung der Nummer in den weitesten Kreisen nach Kräften tätig zu sein. Kein Zionist sollte versäumen, sich diese aus einem für uns so bedeutungsvollen Anlaß erscheinende Festschrift anzuschaffen. Die Abonnenten der „Welt" erhalten die Festnummer selbstverständlich kostenlos zugesandt. Der Preis für die Einzelnummer beträgt 50 Pfg. — Zionistischen Vereinen, Vertrauensmännern und Kolpoteuren berechnen wir 10 Exemplare mit Mk. 4.60 25 „ „ „ 10.— 50 „ „ „ 17 — ,100 „ „ „ 30.— Ferner wird eine Anzahl von Exemplaren in feiner Ausführung auf Kunstdruckpapier hergestellt, die zum Preise von Mk. 1.20 pro Nummer geliefert werden. — Bestellungen (nur gegen Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme) richte man an Die Expedition der „Welt" Köln a. Rh., Karolingerring 31. Der heutigen Nummer liegen Karten bei, die wir für Bestellungen der Herzl-Gedenknummer zu benutzen bitten. Die Grundlagen Von Dr. Jacob Klatzkirs II Ost= und Westzionismus Wir haben es bereits angedeutet: Man tut Oppenheimer unrecht, wenn man gegen ihn so polemisiert, als hätte er das nationale Moment der zionistischen Idee leugnen wollen. Er möchte aber nur die zionistische Organisation von der Bedingung eines nationalen Bekenntnisses befreien, weil diese Bedingung, für einen Nicht-Ostjuden, positiv ausgedrückt: für Juden mit jüdischem Stammesbewußtsein und nichtjüdischem Volks-, Nationalitäts- und Kulturbewußtsein unannehmbar sei. Diese Emanzipierung des Zionismus als Organisation von den Grundlagen seiner historischen Idee geht von dem Gedanken aus, daß der Zionismus ein rein praktisches Programm bedeute und es daher auf die Gesinnung nicht ankomme. Die Kluft der Gesinnung zwischen Ost und West wird mithin von diesem praktischen Programm im Zionismus überbrückt: Die Ostjuden mögen aus nationalen und kulturellen Gründen, die Westjuden aus Motiven des Stammesbewußtseins die zionistische Arbeit gemeinsam verrichten. So wird jener Friede hergestellt, von dem Oppenheimer einleitend als dem Zweck seines Artikels spricht. Handelt es sich im Zionismus bloß um das Praktische, so sei es nicht nur überflüssig, sondern auch unklug, die nationale Idee in unser Programm einzuschließen oder gar als Grundlage unserer zionistischen Arbeit zu behandeln. Sie wirke nur abschreckend und hemme die Werbekraft unserer Organisation. Das ist der Gedankengang einer gewissen Anschauung, die sich mit einem National- und Kulturjudentum nie recht befreunden wollte und immer auf der Suche nach praktischer Arbeit außerhalb unserer historisch-nationalen Idee angetroffen werden kann. So durfte die Ito entstehen, die dem Zionismus alles entnahm, mit Ausnahme nur dieser historisch-nationalen Idee und daher den Vorteil einer großen Aufnahmefähigkeit genießen konnte, die von Zionisten bis zu Assimilanten reichte: handelte es sich ja nur um praktische Arbeit. .. Die türkische Revolution ermöglichte es, daß dieses Suchen eine gewisse Richtung erhalten hat. Es entstand die A. I. K. 0. Ebenfalls eine zionistische Schöpfung für praktische Arbeit. Bisher galten aber Gründungen solcher Art als unzionistisch. W7ie sehr sie auch, dank ihrem Verzichte auf jede nationale Grundlage der Gesinnung, dem assimilierten Nationalitäts- und Kulturbewußtsein mancher Zionisten, die für das Judentum nur ein armseliges Stammesbewußtsein übrig haben, angenehm und willkommen sein mußten, wagte doch niemand diese Eliminierung der nationalen Idee gar der zionistischen Organisation zu empfehlen. Wer ein Bedürfnis nach einem derart gemilderten Zionismus in sich verspürte, mußte schon irgendwie außerhalb der Organisation Befriedigung suchen. Nun wird in rücksichtsloser Aufrichtigkeit ein Geständnis abgelegt: Wir Westjuden können nicht National- oder Kulturjuden sein. Und — „dennoch sind wir Zionisten — dürfen es sein"; denn der Zionismus bedeute nicht eine Gesinnung, sondern ein praktisches Programm. Seine nationalen Forderungen sind demnach ein überflüssiger und seine Werbekraft hemmender Ballast. Hier drängt sich uns zunächst die rein praktische Frage auf: Welche andere Werbekraft, als die der nationalen Idee vermag nun der Zionismus aufzuweisen? Besteht nicht vielmehr die Anziehungskraft des Zionismus gerade in dieser abschreckenden Idee? Und wie soll die praktische Arbeit, dieses Riesenwerk, ohne den Impuls unserer historischen Idee geleistet werden können? Oppenheimer scheint diese Schwierigkeit empfunden zu haben. Er scheint zu wissen, daß ein Zionismus, der sich nur auf ein Stammesbewußtsein stützen darf,