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Die Welt · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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316 DIE3 flossenen Jahre 150 Mitglieder gewonnen mit. Jahresbeiträgen von 1200 Frs. Außerdem liefen Spenden in der Höhe vbn ungefähr 1000 Frs. ein. Für das Mikro-biologische Institut wurden nahezu 1000 Frs. gesammelt. Ferner wurden 40 Aktien der A. P.C. und eine Anzahl Anteilscheine der P. L. D. C. abgesetzt. In Brüssel wurde im Berichtsjahre ein zionistischer Verein „ Ahawath Zion" gegründet, der alle Aussicht hat, zu prosperieren. Zum Schluß der Jahreskonferenz wurde eine von Gg. Gottdiener eingebrachte Resolution einstimmig angenommen, die folgendermaßen lautet: „Die am 7. März stattfindende Jahreskonferenz der Belg. zion. Föderation spricht dem wiedereingesetzten A. C. und an deren Spitze Herrn David Wolffsohn ihr volles Vertrauen aus. Die Jahreskonferenz verurteilt entschieden die von mancher Seite unternommenen Schritte, welche geeignet sind, die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zu verschärfen." Druckfehlerberichtigung In der letzten Ausgabe der „Welt" sind durch die Hast der Fertigstellung und infolge des durch die Feiertage verspäteten und vermehrten Andranges des Materials zahlreiche Fehler unkorrigiert geblieben. Die meisten stellen sich dem Leser sofort von selbst richtig. Auf pag. 289, 1. Spalte, Zeile 19 von oben ist zu lesen: „konstatiert der Referent mit größter Genugtuung und Zufriedenheit." Auf pag. 294, 2. Spalte, Zeile 18 v. o. lies „mißverständlicher". Rußland Eine Abordnung der Rabbinerkonferenz bei Stolypin Am 29. März wurde die Abordnung der Konferenz, aus zehn Mitgliedern bestehend, vom russischen Premierminister empfangen, nachdem sie im Vorräume gute zwei Stunden gewartet hatte. Stolypin wandte sich an den Vorsitzenden der Konferenz, Baron D. Günzburg, mit der Frage, wie die Konferenz arbeite. Günzburg antwortete: Sehr gut. Darauf bemerkte Stolypin: „Wie ich erfahre, stellte sich heraus, daß es bei euch zwei Arten Rabbiner gibt; die geistlichen Rabbiner existieren aber nur dank der Nachlässigkeit der Behörden.*4 Polakow ersuchte den Minister, die Beschlüsse der Konferenz zu sanktionieren, worauf Stolypin antwortete, er werde der Sache seine Aufmerksamkeit schenken. Stolypin wandte sich sodann an Günzburg mit der Frage, ob die Konferenz sich nicht in Politik einlasse. Günzburg versicherte, die Konferenz gehe aus dem Rahmen der Tagesordnung nicht hinaus. Darauf Stolypiir. „Ich rechne auf Sie. Ich bin sicher, daß Sie nicht ablenken werden." Rabbiner Zirelsohn dankte sodann dem Premier für die Einberufung der Konferenz und bat ihn, auf die traurige Lage der Juden seine Aufmerksamkeit zu lenken. Darauf Stolypin: „Die Juden haben sich selbst durch ihre Beteiligung an der Revolution geschadet. Der „Bund" und die andern haben der Regierung viel Böses zugefügt. Erziehet eure Kinder in Treue zum Thron, so wird sich der schlechte Eindruck mit der Zeit verwischen. Möglicherweise werden sich sodann auf diesem Gebiete andere Ansichten zeigen." Günzburg erwiderte: „Außer den Juden haben sich doch auch andere Völker an der Revolution beteiligt. Juden gibt es ja nur sechs Millionen. Um zu den Juden zu sagen: „Seid gut," ist es nötig, daß man ihnen verspricht, daß ihre Lage dann verbessert werden wird." Darauf Stolypin: „Ich übernehme überhaupt keine Verpflichtungen. Wechsel habe ich nie ausgestellt." (Der Herr Premier scheint vergessen zu haben, daß er in seiner Deklaration in der zweiten Duma diesbezüglich ein feierliches Versprechen abgegeben hat, und niemand der Herren von der Deputation fand den Mut, ihn daran zu erinnern.) Stolypin reichte dann Polakow und Günzburg die Hand, nickte den andern mit dem Haupte zu und entfernte sich. Tolmatschew contra — Lilienblum Der Stadthauptmann von Odessa, Tolmatschew, verbot dem „Rate der geistigen Verwaltung", der hinterlassenen Familie des verstorbenen hebräischen Schriftstellers Lilienblum, der mehr als 25 Jahre Beamter der Gemeinde war, eine Pension zu gewähren. Offizielle Begründung für die Öffentlichkeit: die Gemeinde habe keine freien Mittel. Tatsächliche Begründung dem Rate gegenüber: Lilienblum sei ein Führer der Revolutionäre gewesen! ELT No... 14 * Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die Gründung der „Association des anciens Cleves" Am Sonntag, den 26. März, wurde, wie schon kurz berichtet, die Vereinigung der ehemaligen Allianceschüler endgültig konstituiert. An dieser zweiten, wichtigen Versammlung nahm nur etwa die Hälfte der in der ersten Erschienenen teil, ungefähr 80 Personen, darunter dreiviertel Zionisten. Die übrigen Ehemaligen, und das sind Tausende, hielten es nicht für nötig, zu erscheinen. Auf Antrag eines Mitgliedes des Turnvereins „Makkabi" wurde beschlossen, dem Verbände einen hebräischen Namen zu geben. Alsdann wurden die Statuten durchberaten und genehmigt. Endlich wurde das definitive Präsidium gewählt, das aus zwölf Mitgliedern besteht Neun der gewählten sind Zionisten. Die Versammlung leitete Herr S. Mitroni, Direktor der Anglo-Levantine Banking Cie. — Es steht zu hoffen, daß diese aus zionistischem Fleisch und Blut erbaute „Association" gute nationaljüdische Arbeit leisten und insbesondere zur Judäisierung der hiesigen Allianceschulen, wie der Konstantinopeler allzu indifferenten jüdischen Jugend überhaupt, beitragen wird. Antisemitismus in der Türkei Soll die Judenfeindschaft in der Türkei eine ständige Rubrik in unseren Berichten werden? Fast will es scheinen. Von den zwei entgegengesetzten Polen des Reiches kommen diesmal die bösen Töne, aus dem griechischen Nordwesten und dem arabischen Südost. Und beide Male handelt es sich um Preßorgane, die schon zuvor Ursache zu Beschwerden über judenhetzerische Haltung gegeben hatten. Da ist erst in Salonik der„Pharos", dasselbe Blatt, das im vergangenen Jahre einen antisemitischen, die Blutlüge illustrierenden Roman veröffentlicht hatte. Diesmal nimmt der „Pharos" den Militärdienst der Juden zum Gegenstand. Entweder aus reiner Bosheit oder um von Vorgängen im eigenen Lager die Aufmerksamkeit abzulenken, verbreitet er das Märchen, daß alle Juden ohne Ausnahme unter Aufwendung aller möglichen Mittel sich der Dienstpflicht entzogen hätten, so daß es keinen einzigen Juden in der ottomanischen Armee geben werde. Aber die tatsächlichen Verhältnisse liegen zu offensichtlich vor Augen, als das anzunehmen wäre, daß diese Lügen bei den anderen Reichselementen irgendwelchen Glauben fänden. Im zweiten Falle handelt es sich um die arabische Zeitung „Carmel" in Haifa, die gleichfalls schon wiederholt versucht hatte, die Bevölkerung Syriens und Palästinas gegen unsere Volksgenossen aufzuhetzen. Schon hatte sich die Regierung einmal genötigt ge1 sehen, das Erscheinen des „Carmel" zu suspendieren, weil seine Publikationen die öffentliche Ruhe gefährdeten. Trotz dieses bösen Ertrages seiner Hetzsaat unternimmt es dieses Blatt von neuem, gegen die jüdische Einwanderung, gegen den Zionismus wie gegen die Juden Palästinas überhaupt, sein verleumderisches und aufrührerisches Gift zu verspritzen. Es steht aber zu hoffen, daß ihm wiederum das Handwerk gelegt werden wird. Wen:gstens hat der Chachambaschi sich auf zionistische Intervention hin entschlossen, ein Einschreiten der Behörden zu verlangen. Das Ritualmordmärchen in Salonik Am Sonntag den 17. März hörten einige bulgarische Frauen im Quartier Wardar zu Salonik im Vorbeigehen Weinen und Schreien aus einem Hause. Sie schlugen die Tür ein und fanden einen kleinen Knaben, der in einem Zimmer eingeschlossen worden war. Im Hause war niemand. Sofort schlugen sie Lärm, es sei ein Christenkind, das geraubt worden sei, um rituell geschlachtet zu werden. Bald umlagerte ein Haufen Männer und Frauen das weinende Kind. Glücklicherweise löste sich das gefährliche Rätsel bald. Es war von seinem Brüderchen in Abwesenheit der Eltern zum Spaß eingesperrt worden, — das war alles. Die fanatische Menge zog sich beruhigt zurück, — was freilich nicht ausschließt, daß morgen schon aus ähnlichem Anlaß sich ähnliche und vielleicht furchtbar ausartende Vorgänge begeben. Neue Zeitungen Soeben erschien die erste Nummer des „Trait d'Union", einer Monatsschrift in französischer und spaniolischer Sprache. Herausgeber ist die „Association des anciens eleves de l'Alliance" in Smyrna. — In Saloniki erscheint demnächst eine neue spaniolische Zeitung „La Razon", herausgegeben von einer Kommanditgesellschaft junger Leute.

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