Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 14 - DIE] das zutage, wenn man erwägt daß unter diesen Arbeitskräftigen mehr als die Hälfte im Alter von 15—30 Jahren stehen. Dem Geschlechte nach waren 249 Männer, davon 148 ledig, und 84 Frauen, davon 31 ledig. Die Zahl der Familien betrug 31. Von den 333 Personen waren bis nun 238 in verschiedenen Berufen tätig, 33 Kinder und 56 Frauen ohne selbständige Beschäftigung, und 6 Chalukajuden. Die Betätigung in den einzelnen Berufen stellt sich folgendermaßen dar: Es waren 67 Handwerker, 21 Landwirte, 20 Angehörige der freien Berufe, 14 Jeschibabachurim oder Talmudisten, 12 Studenten und 23 diverse Handwerker, 51 Kaufleute, 32 Handelsangestellte, 11 Schneider, 8 Schlosser und Mechaniker, 9 Holzarbeiter, 12 Schuster, 4 Setzer, 8 waren im Elternhause behilflich. Von diesen 238 beabsichtigten als ihren künftigen Beruf in Palästina zu wählen: 91 die Landwirtschaft, 39 ein Handwerk (und zwar 3 als Schuster, 6 als Schlosser und Mechaniker, 11 Schneider, 8 Holzarbeiter, Tischler, Böttcher, 3 Setzer und 8 diverse Handwerker), 18 den kaufmännischen Beruf, 16 einen freien Beruf, 3 als Handelsangestellte, und 10 begaben sich dahin, um die Schulen, wie Bezalel und hebräisches Gymnasium oder die Lämmelschule, zu besuchen. Von den 91 Personen, die sich in Palästina der Landwirtschaft zu widmen beabsichtigten, waren früher nur 19 als Landwirte, ferner 27 als Handelsangestellte, 20 als Handwerker, 12 als Angehörige freier Berufe, 9 als Kaufleute tätig, und 4 waren Studenten. Die meisten Handelsangestellten, die sich der Landwirtschaft widmen wollen, kommen aus Galizien. Die aus andern Berufen kommenden Personen waren durchweg aus Rußland, darunter 4 Kaufleute, die über ein Kapital von je 80 — 100 000 Kronen verfügten. Als Reiseziel gaben 164 Personen Jaffa und die jüdischen Kolonien, 66 Haifa und Kolonien, 25 Safed, 72 Jerusalem und 6 Beirut an. Während früher die meisten produktiven Arbeitskräfte nach Jaffa sich begaben, fahren jetzt viele nach Haifa. Sämtliche Auswanderer beherrschten Jüdisch (hiervon 203 auch noch die Landessprachen), 32 mehr als 3 Sprachen. 127 waren der hebräischen Sprache in Wort und Schrift mächtig. Ein Übel, welches bei der Emigration zutage tritt, ist der Mangel an Informierung über Palästina und die Reise. Daher kommt es, daß in der Berichtszeit 48 Auswanderer nur über einen Teilbetrag der Reisespesen verfügten. Diese Erscheinung ist um so unangenehmer, als das Bureau über keinen Emigrationsfonds verfügt und auch die philanthropischen Institutionen in Wien gerade den Palästinaauswanderern keine Unterstützung gewähren. So z. B. verweigerte die „Allianz" bisher diesen Emigranten prinzipiell jede Unterstützung. Von den andern Auswanderern hatten nicht mehr als die Reisesepsen 233, 2 verfügten über 1000 Kronen, 8 über 5000 Kronen, 2 über 20000 Kronen, 2 über 50000 Kronen, 2 über 100000 Kronen. Der physische Zustand der Emigranten war nach ihren Angaben nnd dem äußern Aussehen im allgemeinen zufriedenstellend. * Die Zahl der Auswanderer betrug im März 22, April 13, Mai 47, Juni 34, Juli 35, August 68, September 24, Oktober 37, November 22, Dezember 31. Die relativ große Zahl der Auswanderer im August ist durch die in den September fallenden hohen Feiertage zu erklären. Deutschland Die erweiterte Sitzung des Zentralkomitees Am Sonntag, den 27. und Montag, den 28. März fand im Saale des Börsenhotels zu Berlin die erweiterte Sitzung des Zentralkomitees statt. Von den Mitgliedern waren die Herren Dr. Bodenheimer, Dr. Friedemann, Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Hantke, Dr. Jungmann, Dr. Kalmus, Dr. Kollenscher, Dr. Leszynsky, Zahnarzt Schachtel, Julius Simon, Rechtsanwalt Steinitz, Hermann Struck, Arnold Wiener und Max Wollsteiner erschienen. D'.e Ortsgruppen Königsberg, Insterburg, Dtsch.- Eylau, Posen, Schönlanke, Filehne, Kattowitz, Tarnowitz, Gleiwitz, Ratibor, Breslau, Eberswalde, Guben, Halberstadt, Hannover, Dessau, Hamburg, Lübeck, Köln, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mannheim, München, die Berliner Zionistische Vereinigung, die Ortsgruppe Charlottenburg, die Jüdisch-nationalen Frauenvereinigungen Berlin und Lübeck, der Herzl-Klub Berlin, die Gruppenverbände Posen, Oberschlesien und Mitteldeutschland, die der Landesorganisation angehörigen Misrachigruppen Berlin und Hamburg, das Präsidium des K. Z. V. und des B. J. C. und die Verbindung „Hasmonäa" hatten £ELT 315 Vertreter entsandt. Auch die Institutionen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der Verlag und die Redaktion der „Jüdischen Rundschau", die Palästinakomission, die Nationalfondskommission usw. hatten die Tagung beschickt. Vom Engeren Aktions-Komitee war Herr Profesor War bürg erschienen. Insgesamt nahmen etwa 100 Personen an den Verhandlungen teil. Die Debatten erstreckten sich über beide Tage und ergaben eine umfassende und aufklärende Aussprache über die jetzige Lage des Zionismus. Die Verhandlungen schlössen mit der En-bloc-Annahme folgender Resolutionen, die eine aus den Vertretern der verschiedenen Parteischattierungen zusammengesetzte Kommission vorbereitet hatte: I. Die Versammlung konstatiert mit Genugtuung: Alle Redner haben sich dahin ausgesprochen, daß die praktischeArbeit in Palästina nach Kräften zu fördern ist. Allgemein ist als wünschenswert erachtet worden, daß jede Chance einer Arbeitsmöglichkeit in Palästina und für Palästina ausgenutzt, insbesondere die Schaffung des Agrarkreditinstitutes unter Heranziehung aller Freunde Palästinas mit allen Mitteln unterstützt werden muß. Des weiteren erscheint es als dringend notwendig, für die landwirtschaftliche Kolonisation Palästinas eine planmäißge Tätigkeit in die Wege zu leiten. II. Die Versammlung hält es für wünschenswert, daß die Vertreter der in Betracht kommenden Landesorganisationen und Föderationen mit einander zwecks Aussprache in Fühlung treten. Das Zentralkomitee wird beauftragt, die vorbereitenden Schritte einzuleiten. III. Die Anwesenden verpflichten sich, gemeinschaftlich für die Propaganda der nationalen Idee und die Stärkung der deutschen Landesorganisation mit allen Kräften einzutreten. Die Konferenz hat die Erwartungen, die wir an sie knüpften, voll gerechtfertigt. Die Aussprache über die gegenwärtig in Palästina zu leistende Arbeit hat zu allgemeiner Genugtuung ergeben, daß nach dieser Richtung hin im wesentlichen Einmütigkeit unter den deutschen Zionisten herrscht, wenn auch selbstverständlich in manchen Einzelpunkten Differenzen hervortreten. Anderseits hat die Konferenz mit Recht den Versuch unterlassen, die bei uns wie in anderen Parteien bestehenden gegensätzlichen Anschauungen und Bestrebungen uniformieren zu wollen. Die Konferenz war sich auch darüber klar, daß die Frage einer Bestätigung oder Abänderung der Parteileitung auf dem nächsten Kongreß außerhalb ihrer Befugnisse liegt und hat daher jedwede Meinungsäußerung über diesen Punkt abgelehnt. Die Debatten haben nach einhelliger Ansicht manche Aufklärung gebracht und die Lust zu gemeinsamer Arbeit neubelebt. Die deutschen Zionisten aller Richtungen werden sich daher der gemeinsamen Propagierung unserer Idee in Deutschland und der Stärkung, unserer Organisation nunmehr mit frischen Kräften widmen. Es wurde auch allgemein empfunden, daß die Aussprache, die hier im Kreise der deutschen Landesorganisation Früchte getragen hat, mit den Parteigenossen anderer Länder weiter geführt werden sollte Aus diesem Grunde soll der Versuch gemacht werden, mit den übrigen Landesorganisationen und Föderationen in Verbindung zu treten und eine gemeinsame Aussprache mit den berufenen Vertretern derselben zu ermöglichen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Der Geschäftsführende Ausschuß des Zentralkomitees. Belgien Antwerpen. Am 6. und 7. März d. J. fand die VI. Jahreskonferenz der Belgischen Zionistenföderation statt. Dem auf der Konferenz erstatteten Bericht des Landeskomitees entnehmen wir folgende Daten: Im Jahre 5669 wurden aus Belgien 1017 Schekolim abgeführt (gegen 814 im Jahre5667 und 520 im Jahre 5668). Hiervon entfallen 414 auf die Misrachisten. Für den Nationalfonds gingen im Berichtsjahre 9000 Frs. ein (gegen 5200 Frs. im Jahre 5667 und 6800 Frs. im Jahre 5668). Der Bezalel hat im ver-