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Die Welt · 1910-04-08 · 14 (8.4.1910) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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ihn hielt, in welcher er versicherte, daß die jüdisch-akademische Jugend über die gegenwärtigen Ziele nie das Endziel aus dem Auge lassen werde. Auch dieses Haus bedachte der Präsident mit einer Spende. Im zionistischen Bürgervereine „Tikwath-Zion" begrüßten die Schüler der hebräischen Schule den Präsidenten, und der Obmann des Vereins, Dr. Samuel Rappaport hielt eine hebräische Ansprache. Hierauf begab er sich zur Kredit-Union, wo ihm vom leitenden Direktor Eisler Aufschlüsse über den Geschäftsgang des Instituts erteilt wurden. Schließlich besuchte Herr Wolffsohn den vom zionistischen Frauenverein veranstalteten Purim-Kinderball und die Räume der akad. Verbindung „Emunah". Das Bankett zu Ehren des Präsidenten Wolffsohn Am zweiten Konferenztage fand zu Ehren des Präsidenten Wolffsohn ein Festbankett statt, an dem sich viele Lemberger und auswärtige Gesinnungsgenossen mit ihren Damen beteiligten. Den Reigen der Toaste eröffnete Gg. Dr. Schreiber, welcher Wolffsohn als den Führer der Partei feierte. Dr. Thon toastierte auf die Lebenskraft des Zionismus, auf den er das Wort Sudermanns „Es lebe das Leben" anwandte. Frau Rosa Pomeranz-Melzer zog eine Parallele zwischen Herzl und Wolffsohn und schloß: ,,Herzl lebt in unserer Erinnerung. Wolffsohn aber lebt und möge noch lange, lange Jahre in unserer Mitte leben und wirken." Dr. Max Rosenfeld sprach im Namen der poale-zionistischen Organisation. Er wies darauf hin, daß Wolffsohn den Forderungen der poale-zionistischen Arbeiterschaft wohlwollendes Verständnis entgegenbringe, daß er die ersten Arbeiterhäuser in Palästina gestiftet hat und gegenwärtig für die schleunigste Durchführung dieser Aktion eintritt. Es sprachen noch Dr. Samuel Rappaport (hebräisch), Dr. Malz, Isidor Schneider namens der galizischen Akademiker- Organisation und Abgeordneter Adolf Stand. Allen Rednern erwiderte sodann der Reihe nach Präsident Wolffsohn in einer humorvollen, sinnigen Rede. Bis zwei Uhr nachts saß man so in angeregter, freudiggehobener Stimmung beisammen. Die Abreise des Herrn Wolffsohn Dienstag abend reiste Herr Wolffsohn nach Berlin ab. Schon ejne Stunde vor Abgang des Zuges war eine mehrhundertköpfige Menge von Gesinnungsgenossen am Perron des Hauptbahnhofes versammelt. Abg. Stand sprach vor Abgang des Zuges tief empfundene Worte des Abschieds, Wolffsohn erwiderte, Heidad-Rufe -ertönten, und unter den Klängen des Hatikwahliedes setzte sich der Zug in Bewegung. Zwei Stipendien für die Bezalel-Schule in Jerusalem Während der Konferenz hat die Leitung der zionistisch-akademischen Organisation Galniens beschlossen, zwei jährliche Stipendien im Betrage von je 600 K für zwei Schüler der Bezalel-Schule in Jerusalem zu stiften. Unter dem Protektorate der Gg. Dr. Osias Thon und Dr. Michael Ringel hat man mit der Sammlung für den Stipendienfonds begonnen. II. Westösterreichischer Zionistentag in Wien Schluß aus Nr. 13. Am zweiten Tag, dem 28. März kam die Stellung der Zionisten zu den Kultusgerneinden zur Beratung. Gg. Dr. Egon Zweig erstattete ein längeres, sehr interessantes Referat, in dem er die bisherigen Kämpfe der Zionisten um die Kultusstube, besonders in Wien historisch darstellte. Er befaßte sich dann mit dem Verlauf und den Ergebnissen des im Mai des Vorjahres in Wien stattgehabten Gemeindetages und ging dann zu einer Besprechung des Kultusgemeinde-Progamms der Zionisten über. Es folgten Referate über den gleichen Gegenstand, welche von den Herren Dr. Lichtwitz in Troppau (verlesen durch Herrn Finzi) und Dr. Jakob Kohn-Wien et stattet wurden. Nach lebhafter Debatte beschloß der Parteitag folgende Thesen: I. Wir erstreben die Gewinnung der Kultusg ^meinden, um auch unser nationales, auf die Erhaltung und Förderung* des jüdischen Volkes in seiner Eigenart gerichtetes Programm zu verwirklichen. II. Die israelitischen Kultusgemeinden sind zu jüdischen Volksgemeinden auszugestalten und haben sohin alle zur jüdischkulturellen, wirtschaftlichen und körperlichen Hebung der Juden dienlichen Einrichtungen, soweit hierfür besondere Vorsorge not tut, zu organisieren. III. Treu den altüberlieferten demokratischen Grundsätzen des Judentums fordern wir das allgemeine, gleiche Wahlrecht mit Minderheitsvertretung. IV. Wir streben die Zusammenfassung der Kultusgemeinden zu einer öffentlich-rechtlichen Reichsorganisation an, wie sie der Judentag vom 5. Mai 1909 beschlossen hat, beharren jedoch auf der Forderung, daß an Stelle der dort vorgeschlagenen indirekten Wahl durch die Kultusvorstände das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht durch die Mitglieder der Kultusgemeinden trete. V. Es ist Pflicht der Zionisten und ihrer Organisationen, allerorten die Kultusvorstehungen - mit den zionistischen Bestrebungen vertraut zu machen sowie zu allen Gemeindefragen Stellung zu nehmen. Hierauf folgten die Referate über Palästina (Adolf Böhm) und Nationalfonds (W. Beigel). Nach einer längeren Debatte wurden die Thesen des Gg. Böhm einstimmig angenommen: I. Der westösterreichische Zionistentag spricht dem Leiter des Palästinaressorts, Prof. O. Warburg, sein unerschütterliches Vertrauen aus, sieht die von ihm vertretenen Prinzipien als die richtigsten an und verlangt, daß die von ihm nach diesen Grundsätzen geführte Palästinaarbeit die nachdrücklichste und vorbehaltlose Unterstützung aller Parteiorgane finde. II. Der westösterreichische Zionistentag spricht insbesondere seine Genugtuung darüber aus, daß mit der Siedlungsgenossenschaft, welche von der österreichischen Organisation schon seit Jahren propagiert wurde, eine vielversprechende sozialfortschrittliche Kolonisationsmethode in Angriff genommen wurde. Zum Schlüsse wurde folgender Antrag Böhm angenommen: „Der westösterreichische Zionistentag beauftragt das ZK. im Verein mit dem „Jüdischen Klubu Schritte zu unternehmen, damit bei der am 31. Dezember d. J. stattfindenden österreichischen Volkszählung die Rubrik „Umgangssprache" durch die Rubrik „Nationalität" ergänzt werde." Damit waren die Verhandlungen zu Ende. Gg. Strauß dankte dem Präsidium für die objektive Leitung der Verhandlungen. Der Vorsitzende Gg. Bechert faßte das Ergebnis der Verhandlungen zusammen und dankte den Delegierten für ihren Arbeitseifer. Unter Absingen der „Hatikwah" und Hedadrufen gingen die Delegierten auseinander. Bericht des Informationsbureaus für Palästina und die Türkei in Wien Im Frühjahr 1909 wurde in Wien von Mitgliedern der akademischen Vereine „Bar-Kochba" und „Cheruth" ein Informationsdienst für Auswanderer nach Palästina eingerichtet, der einem lange empfundenen Bedürfnis entsprach. Das zionistische Zentralbureau für Westösterreich hat daraufhin die Leitung übernommen und das nunmehr bestehende Informationsbureau ins Leben gerufen. Dem Bericht des Leiters dieses Bureaus, der dem westösterreichischen Zionistentag unterbreitet wurde, entnehmen wir nachstehende interessante Statistik der Auswanderung nach Palästina (über Wien) in der Zeit vom 1. März bis 31. Dezember 1909: Das Informationsbureau war bestrebt, den Emigranten durch Vermittlung von Ermäßigungen auf der Bahnstrecke Wien—Triest, wie auch auf der Dampferlinie des österreichischen Lloyd Triest— Jaffa die Reisespesen zu verringern und durch Anweisung entsprechender Quartiere in Wien, Triest, Alexandrien und Port Said oder Hilfe beim Geldwechseln vor Übervorteilung zu schützen. Das Bureau hat sich mit allen inner- und außerhalb Palästinas für dies Land in Betracht kommenden Bureaus in Verbindung gesetzt und in schwierigeren Fällen stets Fühiung mit ihnen genommen. Durch Veröffentlichung von Informationen über die Erwerbsmöglichkeiten in Palästina haben wir uns bestrebt, die Emigration in richtige Bahnen zu lenken und die derzeit nicht erwünschten Elemente von der Einwanderung abzuhalten. Während der Berichtszeit haben den Weg über Wien nach Palästina 333 Personen genommen, hiervon gaben als Herkunftsland 257 Europa und 76 Palästina an. Von diesen waren aus Galizien 85, Russ. Polen 84, dem übrigen Rußland 69, Rumänien 10, Ungarn 5, Bukowina 4. Von den Palästinensern haben sich während kurzer Zeit krankheitshalber 41, geschäftlich 17, studienhalber 4, aus andern Motiven 14 in Europa aufgehalten. Was das Alter betrifft, waren unter 15 Jahren 31, von 15—30 Jahren 180, von 30 bis 50 Jahren 58 und über 50 Jahre 64 Personen. Wenn wir also das Alter zwischen 15—50 Jahren als das produktive annehmen, so ergibt sich die erfreuliche Tatsache, daß mehr als 70% arbeitskräftige Leute hingewandert sind. Noch deutlicher tritt

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