Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 14 DUNKELT 313 Schließlich wurde ein Antrag des Gg. Dr. Waldmann angenommen, wonach das Organisationsstatut als Provisorium für ein Jahr gelten soll, ferner ein Zusatzantrag des Gg. Dr. Syrop, welcher dahin lautet, daß das Organisationsstatut der nächsten Landeskonferenz wieder vorgelegt werde. Ferner wird der Antrag des Gg. Dr. Schmorak, das ganze Statut durch die Parteipresse zu veröffentlichen, angenommen. Gg. Seiinger (Stanislau) beantragt: Der hebräische Schulverein solle hebräische Unterrichtsbriefe herausgeben; die Kredit-Union solle zionistischen Mitgliedern in erster Reihe billigen Kredit verschaffen; eine zionistische Versicherungsgesellschaft solle gegründet werden. Dr. Korn grün erstattete Bericht über die Sitzungen des von der Konferenz eingesetzten Palästina-Ausschusses. Derselbe schlägt vor: Im Zentralkomitee soll ein Palästinaressort geschaffen werden, welches aus dem Palästinareferenten aus der Mitte der Z.-K.-Mitglieder und einer Palästinakommission, der vorzugsweise Palästinakenner angehören, bestehen soll. Der Unterbau solle aus einem Referenten in jedem Distriktskomitee und einer von ihm bestellten Kommission bestehen. Dieser Referent ernenne in einer jeden Stadt einen Palästinakommissär. Im weitern stellte der Berichterstatter im Namen des Ausschusses den Antrag, daß 25(,/o der Einkünfte des Z.-K. dem Palästinaressort zugewiesen, populäre Vorträge über Palästinawissenschaften veranstaltet, die Palästina-Institutionen kräftigst unterstützt und die Komplettierung des 100 000 Frcs.-Fonds für die Siedlungsgenossenschaft beschleunigt werden. Zum Schlüsse teilt Redner mit, daß der Palästina-Ausschuß beschlossen hat, eine Produktivgenossenschaft zum Absätze der Paiästinaprodukte zu gründen. (Beifall.) In der Debatte sprachen dieGg.Dr.Spindel und JoachimNeiger. Hierauf wurde die Wahl in die vom neuen Statute bestimmten Körperschaften folgendermaßen vorgenommen: In das Zentralkomitee: Präsident: Reichsratsabgeordneter Adolf Stand. Vizepräsidenten: Dr. Michael Ringel und Dr. David Schreiber. Mitglieder: Dr. Alexander Hausmann, Dr. Ignatz Reiß, Karl Stand, Salomon Schiller und Dr. Spindel. In den Legitimationsausschuß: Nathan Tartakower (Brody), Bodek(Lemberg), Dr.WilhelmLandau (Tarnopol), Tropp (Stanislau) und Max Leser (Krakau). In die Revisorenkommission: David S c h ö n f el d und Leib Ungar. Vertreter: Dr. Pacht mann und Dr. Philipp Korngrün. In das Parteigericht: Dr. Osias Thon, Dr. Salz, Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel, Dr. G. Zipper, Dr. Syrop, Simon Oranche, Dr. Feld, Julius Chierer, Dr. Hilfstein und Dr. Backenrot. Dann wurde die Debatte von den Gg. Landau, Braf und Frostig zu Ende geführt. Während der Rede des Herrn Frostig erschien Präsident Wolffsohn unter tosendem Jubel im Saale. In der hierauf folgenden Abstimmung werden die Resolutionen der Referenten und die Anträge der Gg. Schwarzbart und Neiger angenommen und die übrigen dem Z.-K. überwiesen. Dr. David Schreiber, Obmann des Lemberger Distriktskomitees, begrüßte den Präsidenten Wolffsohn in begeisterten Worten und führte u. a. aus: Als die Nachrichten vom IX. Kongreß nach Galizien kamen, da gab es viele, die der Ansicht waren, daß Spaltungen in der Partei eintreten würden. Es gab einen Augenblick, in dem die Drohung ausgestoßen wurde, der Parteileitung den Gehorsam zu versagen. Aber das Erscheinen unseres Präsidenten sei der beste Beweis dafür, das keine Gefahr mehr für unsere Organisation bestehe, daß wir wieder vereint sind, um mit frischem Mut an die Arbeit zu gehen. Es ist nicht wahr, daß ein grundlegender Unterschied zwischen Ost und West bestehe. Die äußeren Formen sind vielleicht verschieden, aber im Wesen sind wir alle gleich, wir wollen alle für das jüdische Volk arbeiten und fürs Endziel, für die Wiedergeburt unseres Volkes in Palästina. Und wir geben der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß unsere Organisation unter der bewährten Leitung unseres Präsidenten ans Ziel gelangen werde. Dafür aber, hochverehrter Herr Präsident, daß Sie uns die Gelegenheit gegeben haben, vor dem ganzen Lande und der öffentlichen Meinung unsere Einigkeit zu zeigen, tausendmal Dank im Namen der Versammlung! (Langanhaltender Beifall.) Gg. Braf dankt namens der Konferenzteilnehmer dem Vorsitzenden Abg. Stand für die ausgezeichnete Leitung der Konferenz und dem Vizepräsidenten des Zentralkomitees Dr. Michael Ringel für seine überaus gewissenhafte Führung der Parteigeschäfte. Er trat für den Frieden in der Partei ein und bat, die religiösen Gefühle unserer Massen zu schonen und ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Gg. Sofermann, hebräischer Sekretär der Konferenz, sprach Hebräisch. Präsident Wolffsohn, lebhaft begrüßt, spricht unter lautloser Stille der Versammlung und führte u. a. aus: „Nie hatte ich daran gezweifelt, daß ich hier gute Zionisten finden werde. Und dennoch muß ich Ihnen gestehen, was ich gesehen und gehört habe, hat alle meine Erwartungen übertroffen. Ich habe mir auch das jüdische Lemberg angesehen, habe hier z. B. ein jüdisches Studentenheim gesehen, wie ich es nirgends noch gefunden habe. Wenn wir nach Deutschland oder England kommen, finden wir großartige Einrichtungen und Anstalten, nur eines fehlt darin: Der jüdische Geist. In Wilna, da ist alles jüdisch, doch das Moderne fehlt. Hier in Lemberg dagegen habe ich die Synthese zwischen AI und Neu, zwischen Ost und West gefunden. Auf die hebräische Rede des Gg. Sofermann zurückkommend, meint der Präsident: Jede Sprache, die wir Zionisten sprechen, ist hebräisch, und das wird hoffentlich dazu führen, daß wir alle mit hebräischen Lauten und hebräischem Inhalte sprechen werden. In seinen weitern Ausführungen erklärt der Präsident, daß er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zur Herbeiführung des Friedens in der Partei streben werde. Die Landsmannschaften müssen aber mithelfen, vor allem materielle Mittel zur Verfügung stellen, immer mehr Anhänger werben, dann werden wir um so leichter ans Ziel gelangen können. (Minutenlanger, tosender Beifall.) Hierauf hielt Abgeordneter Stand die Schlußrede. Er resümiert die hauptsächlichsten Beschlüsse, weist auf die geleistete Arbeit und auf den glänzenden Verlauf der Konferenz hin, gedenkt der Anwesenheit des Präsidenten Wolffsohn und erklärt unter rauschendem Applaus die IX. Landeskonferenz der galizischen Zionisten für geschlossen. Präsident Wolffsohn in Lemberg (Von unserem Korrespondenten). Sitzung des Zentralkomitees Dienstag, den 29. März, um 11 Uhr vormittags, fand eine Sitzung des neugewählten Zentralkomitees unter dem Vorsitze des Präsidenten Wolffsohn statt. Zuerst wurde das Verhältnis der galizischen Organisation zur Zentralleitung in Köln besprochen. An der Debatte beteiligten sich Präsident Wolffsohn, Dr. Thon, Dr. Schreiber, Tropp und Dr. Ringel. Sodann hielt Präsident Wolffsohn ein beinahe zweistündiges Expose über die gegenwärtige Lage im Zionismus und besprach eingehend die nächsten Aufgaben und Arbeiten, welche das E. A. C. zu unternehmen gedenkt. Der Präsident verbreitete sich auch über die Aussichten unserer Bestrebungen. Die Rede machte auf die Anwesenden einen ungewöhnlich tiefen Eindruck und bekräftigte sie in der Überzeugung, daß die Leitung unserer Weltorganisation in den besten Händen ruhe und die Tätigkeit des E. A. C. das vollste Vertrauen verdiene. Präsident Wolffsohn und die Poale=Zion Montag, am 28. März nachmittags, hatte Präsident Wolffsohn eine Unterredung mit drei Vertretern der poalezionistischen Organisation Galiziens. Der Präsident teilte ihnen mit, daß bereits ein Komitee eingesetzt worden sei, welches den Bau der Arbeiterhäuser in Palästina vorbereitet. Auch Professor Oppenheimer, der sich gegenwärtig in Palästina in Angelegenheit der Siedlungsgenossenschaft befindet, sei beauftragt, die Tätigkeit des Komitees zu überwachen. Die Häuser werden nach dem System der englischen Gartenhäuser gebaut werden. Ferner versicherte Herr Wolffsohn, daß, sobald Dr. Oppenheimer mit guten Erfahrungen aus Palästina zurück gekehrt sein wird, es an Geldmitteln zur Realisierung der Siedlungsgenossenschaft nicht fehlen werde. Die Besuche des Präsidenten Wolffsohn Am zweiten Tage seines Aufenthalts in unserer Stadt besichtigete Präsident Wolffsohn die jüdischen Altertümer und Sehenswürdigkeiten Lembergs. Herr Wolffsohn besuchte einige denkwürdige Synagogen, die mehrere hundert Jahre zählende Synagoge „Türe Sohow", die sogenannte Chodoschim-Synagoge der Chassidim, den 400 Jahre alten jüdischen Friedhof mit seinen sagenumsponnenen Grabstätten großer Gelehrten und Rabbiner, das jüdische Spital und Siechenhaus. Präsident Wolffsohn spendete für den Rekonvaleszenten-Fonds desselben eine namhafte Summe. Von hier begab sich Herr Wolffsohn in das jüdische Waisenhaus, wo ihn die Zöglinge der Anstalt mit ihrer Anstaltskapelle empfingen. Frau Fanny Stroh begrüßte ihn namens des Kuratoriums der Anstalt und geleitete ihn bei der Besichtigung der Räume. Auch für diese Anstalt spendete Herr Wolffsohn einen größeren Betrag. Hierauf besuchte er das Kultusgemeindehaus, wo ihn der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Czescher, willkommen hieß. Nachmittags stattete Herr Wolffsohn dem jüd.-akad. Studentenheime einen Besuch ab, wo Dr. Sommerstein eine Ansprache an