Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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294 DIE No. 13 Aus Palästina Ii rllti t% — :' fc £ ■, ite ff ■■'': -mm r| #PS - ''' J* ■ \ * 4 a 1: j|: I? *" •!■$ i-V: * Vi; i-fc. Neue Spende für das Hebräische Gymnasium Anläßlich der Anwesenheit des Herrn Moser aus Bradford wurde vom Hebräischen Gymnasium eine kleine Feier veranstaltet. Herr Moser legte dabei den Schlußstein des Gymnasiums und gab in kurzen Worten seiner Freude über den fortgesetzten Fortschritt des Gymnasiums Ausdruck. Im Namen der Lehrerschaft dankte Herr Dr. Mossinsohn Herrn und Frau Moser für ihre großzügige Unterstützung des Hebräischen Gymnasiums. Daraufhin sang ein Chor der Schüler einige nationale Lieder. Herr Moser hat ursprünglich 80 000 Francs für das Gymnasium gespendet, hat aber bald die Spende auf 100 000 Francs erhöht. Bei seinem jetzigen Aufenthalt in Jaffa hat er wieder 25 000 Francs dem Gymnasium zugewiesen. Für das, hiesige Krankenhaus „Scharei Zedek" hat Herr Moser 1000 Francs gespendet. Zionistische Vereinigung in Jaffa Jaffa, den 16. März. Gestern fand eine von Dr. B ernst ei n- Kohan einberufene, zahlreich besuchte Versammlung, statt, auf der von vielen Seiten auf den engern Zusammenschluß der Jaffaer Zionisten hingewiesen wurde. Gemäß der Erkenntnis, daß durch eine Vermehrung der Schekelzahler die Zionisten Palästinas mit 'einer größern Anzahl von Delegierten am Kongresse werden auftreten und dadurch mit größerm Gewicht für ihre Forderungen werden einstehen können, wurde beschlossen, mit großer Energie die Schekelsammlung aufzunehmen. In den Vorstand wurden gewählt: Dr. Bogratschoff, Frau Scheinkin, Herr Jakob Schelousch 'Kassier der A. P. C), Herr Tschertok und Herr Freier. Verpachtung der „Athid-Fabriken" Die Aktiengesellschaft „Athid", die bis in letzter Zeit ihre beiden Öl- und Seifenfabriken in Haifa und in Beth-Arif bei Lydda in eigener Regie verwaltete, hat nun beschlossen, sie für mehrere Jahre zu verpachten. Die Fabrik in Haifa hat Herr Hillels, die von Beth- Arif hat Herr Kpdriansky gepachtet. Beide Pächter sind im letzten Jahre aus Rußland nach Palästina eingewandert. Dampfpflüge in Palästina Die Landwirtschaft in Palästina schreitet technisch, wenn auch langsam fort. Vor einigen Monaten haben Kolonisten aus Pethach- Tikwa einen Dampfpflug kommen lassen. Leider erhielt er auf dem Wege einen Defekt und konnte bis jetzt nicht in Betrieb gesetzt werden. Jetzt hat eine Vereinigung arabischer Großgrundbesitzer bei Gaza durch Vermittlung eines Jaffaer Kaufmanns einen zweiten Dampfpflug bestellt, der vor einigen Tagen hier eingetroffen ist. Fest zugunsten des Hospitals Schaare Zion Jaffa, 18. März. Das gestrige, von den Vorstandsdamen des hiesigen Hospitals veranstaltete Fest ist in jeder Weise als sehr gelungen zu bezeichnen. Hervorzuheben sind die musikalischen Darbietungen der Frau Minkow aus Rechowoth und des Herrn Dr. Kohan-Bernstein. In der Aufführung eines Einakters von Sch oiem-Alechem und Tschechoff zeichneten sich besonders die Herren Teitelmann und Gnessin, Mitglieder der hebräischen Bühne, aus. Alle Plätze wurden ausverkauft, und auch die Lotterie, die reichlich beschenkt wurde,, machte gute Geschäfte. Insgesamt wurde eine für Jaffa sehr schöne Netto-Einnahme von 1500 Frcs. erzielt. Mit der Erkenntnis, wie unentbehrlich das hiesige Hospital für Jaffa und die Kolonien der Umgebung ist, wächst auch das Interesse der Bevölkerung für diese Anstalt und das Bestreben, einen festen Etat ihm zu sichern, damit es nicht, wie das oft zu geschehen pflegte, aus Mangel an Mitteln monatelang geschlossen bleibt, während arme Kranke — zumeist aus Arbeiterkreisen — in schmutzigen Hotels sich herumtreiben mußten. Es war eine besonders gute Tat vom Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina, daß er seine Tätigkeit im Lande damit begann, daß er durch Anstellung einer gut ausgebildeten Krankenschwester dem Krankenhause zu Hilfe kam. Vor einigen Monaten hat auch der Moskauer Zweig des 'Frauenverbandes am hiesigen Krankenhause eine Abteilung für Wöchnerinnen eingerichtet. Die Komiteedamen verstanden auch die Aufmerksamkeit wohlhabender Touristen auf das Krankenhaus zu lenken, die stets bemüht sind, es zu fördern. Jüngst haben auch Herr und Frau Moser dem Krankenhause bei einem Besuche iOOO Frcs. gespendet. Sterbefälle Wie die „Neue Jüdische Korrespondenz" erfährt, starb am Abend des 27. Mär^ in Frankfurt a. M. Herr Rabbiner Dr. Horowitz im 66. Lebensjahr. Seine großen Verdienste um das Judentum sind bekannt. Mehr als durch sein Schaffen noch, wirkte er durch seine warmherzige, alle Richtungen des Judentums mit gleicher Liebe umfassenden Tätigkeit im Sinne einer Judithen Gemeinbürgschaftu, die er mit der ganzen Kraft seiner starken und sympathischen Persönlichkeit anstrebte. Dr. Horowitz war ein hervorragender Kanzelredner, eine talmudische Autorität von einer Bedeutung, die in allen religiösen Kreisen der Welt geradezu als maßgebend anerkannt wurde. Von Schriften allgemein-wissenschaftlichen Werts sind sein wertvolles Werk „Die Frankfurter Rabbiner" und die von ihm bewirkte Herausgabe der Inschriften des alten Frankfurter Friedhofs besonders zu erwähnen. Dr. Horowitz hatte s. Zt. den bekannten Rabbinerprotest gegen den Zionismus an leitender Stelle unterzeichnet, wohl in rechtverständlieher Auffassung des Gewollten. Im Laufe der Jahre nälierte er sich der Bewegung, m t der er bald sympathisierte, Immer mehr und nach dem Ausgang des letzten Jörn Kippur forderte er die Anwesenden von der Kanzel aus auf, nicht nur gute religiöse, sondern auch gute nationale Juden zu sein. In Philadelphia starb am 15. d.M. Mr. David Sulzberger im 72. Lebensjahre. Er war Präsident des Lokalkomitees der Alliance Israe)lite Universelle in Philadelphia, Sekretär im Ehrenamte der Hebrew Education Society, und hervorragendes Mitglied der Jewish Publication Society und der Jewish Historical Society. Eine Abordnung der rumänischen Juden bei König Karl Dieser Tage empfing der König von Rumänien eine Deputation des Zentralkomitees der eingeborenen Juden Rumäniens, bestehend aus den Herren Dr. Adolf Stern und Max Gaster, die dem König eine Denkschrift betreffs der Lage der rumänischen Juden überreichten. Insbesondere wird in der Denkschrift darüber Beschwerde geführt, daß die Juden noch immer zur berüchtigten Eidesleistung more judaico gezwungen werden, obgleich der Kassationshof sich wiederholt gegen diese Eidesformel ausgesprochen hat. Dieselbe Denkschrift wurde auch dem Senatspräsidenten Generar Brudistemu und dem Kammerpräsidenten Michael Ferikide überreicht Organisation für hebr. Sprache und Kultur in Lemberg Unter der Leitung bekannter Persönlichkeiten wie Dr. Oshs Thau-Krakau, Dr. Abraham Korkis, Salaman Schiller-Lemberg u. v. a. entstand dieser Tage in Lemberg eine Filiale des Berliner Bureaus. Das Lemberger Bureau, welches sich die Organisierung von Ortsgruppen in Galizien zum Ziel steckte, versandte soeben einen in warmen Worten gehaltenen hebräischen Aufruf, der hoffentlich nicht wirkungslos verhallen wird. Die jüdische Sprache bei der amerikanischen Post Aus New-York wird uns gemeldet: Eine bemerkenswerte Verfügung hat soeben die amerikanische Postverwaltung getroffen. Um den Verkehr mit der ausschließlich jüdisch sprechenden Bevölkerung zu erleichtern, sollen von jetzt ab in den Postanstalten des jüdischen Viertels in New-York und der andern großen nordamerikanischen Zentren ständig Beamte im Dienst sein, die der jüdischen Sprache mächtig sind. Machsike Hadas In Brünn hat sich ein orthodoxer Verein unter dem Namen „Machsike Hadas" gebildet, dem sich eine bedeutende Anzahl von Mitgliedern angeschlossen hat. Die erste Loge des Bnai-Brith-Orcfens in England * Wie die „N: J. K." aus London erfährt, hat die Absicht der Verpflanzung des Bnai-Brith-Ordens nach England feste Form angenommen. Die Gründung der ersten Loge des U.O.B. B. in England dürfte demnach schon in den nächsten Wochen erfolgen. Als erster Präsident der Loge ist ein bekannter englischer Zionistenführer in Aussicht genommen.