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Die Welt · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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NO. 13 ÖIEE^ELT 291 Low (Proßnitz und Dr. Po Hak (Wien) gewählt. Zu Schriftführern Ing. Koppel und Franz Steiner (Prag). Vorsitzender Bechert dankte für die ehrende Wahl. Der Zionistentag soll eine Kundgebung des festen Willens der Zionisten Westösterreichs sein, imponierend nach außen und versöhnend und stärkend nach innen. Die Meinungsgegensätze mögen in würdiger Form ausgetragen werden. Der Vorsitzende begrüßt die Abordnung der Zionisten aus den südlawischen Ländern, den Obmann des Czernowitzer Distriktskomitees Herrn Prof. Dr. Kellner und Frau Smolenskin, die der Tagung als Gäste beiwohnen. Es wird die Absendung einas Begrüßungstelegramms an die Landeskonferenz der galizischen Zionisten in Lemberg und den dort weilenden Präsidenten des Aktionskomitees Herrn David Wolffsohn beschlossen. Dr. Margulies unterbreitet hierauf dem Zionistentag folgenden Bericht des Z. K. Der Präsident des Z. K. legte sodann den Delegierten den Bericht des Z. K. vor, dem wir folgen es entnehmen: Dem Z. K. gehörten seit seiner Schaffung im Juni 1908 folgende Herren an: Dr. Isidor Margulies (Wien), Adolf Böhm (Wien), Ing. Robert Stric ker (Wien), Dr. Julius Beer (Brünn), Ernst Bechert (Teplitz), Dr. Ludwig Singer (Prag), Dr. Emil Margulies (Prag), Ob-Ing. Josef Lau (Baden), Fritz Low (Proßnitz). Infolge Ausscheidung der Herren Dr. Beer und Dr.* E. Margulies traten die Ersatzmänner Dr. Otto Abeles und Lud vig Steiner an ihre Stelle. In dem Berichte wird mitgeteilt, daß der Präsident des E. A. C. Herr David Wolffsohn, anläßlich seiner Anwesenheit in Wien vor wenigen Tagen, sich mit den in Wien wohnhaften Mitgliedern des Z. K. und andern Leitern der westösterreichischen Organisation in Verbindung gesetzt hit. Es fand eine Aussprache statt, welche die Hoffnung rechtfertigt, daß der Kontakt mit der Zentralleitung ein innigerer sein und die Wünsche der westösterreichischen Landesorganisation in Zukunft mehr Berücksichtigung finden werden. Mit dem galizischen Landeskomitee ist dasZ. B. wiederholt in schriftlichen und mündl chen Verkehr getreten wegen der Schaffung einer österreichischen Gesamtorganisation, bisher aber ohne greifbares Resultat. EHe wesentliche und für die nächste Zeit kaum zu überwindende Schwierigkeit bietet dabei der Umstand, daß die galizis:he Organisation zugleich national-politisch ist, während ein Teil der Gg. in Westösterreich und die Mehrheit der westösterreichischen Distriktsleitungen nach wie vor auf dem Standpunkte des Krakauer Parteitages steht, wonach d e jüdisch-nationale politische Arbe t von einer besondern Parteiorganisation — in Westösterreich ist dies der Jüdische Nationalve ein — zu leisten ist. Die Organisation in der Bukowina, welche gewissermaßen in der Luft schiebt, hat dem Wunsche Ausdruck gegeben, mit der Wiener Organisation in engen Kontakt zu treten. Des weitern enthält der Bericht Mitteilungen über den Stand der Presse, die Propagandaarbeit, das Pal'isLina- Reformationsbureau, sowie über die Stellung der österreichischen Landsmannschaft auf dem Hamburger Kongreß. Über den derzeitigen Stand der Organisation in Österreich sagt der Bericht: „Die zionistische Organisation hat sich in den letzten Jahren bedeutend entwickelt. Die Zahl der Vereine beträgt: im Distrikte Mähren- Schlesien 24 (9 Bürgervereine, 3 Frauen- und Mädchenvereine, 12 Studentenvereine) mit zusammen zirka 800 Mitgliedern; im Distrikte Böhmen 28 (24 Bürgervereine, 3 Studentenvereine, 1 Frauenverein); im Distrikte Innerösterreich 24 (3 Bürgervereine, 1 Frauen verein, 19 Studenten vereine). Die Zahl der eingezahlten Schekel ist im letzten Jahre erheblich gestiegen. Sie beträgt: in Böhmen 2216, in Mäiren-Schlesien 1800, in Innerösterreich 1401, zusammen also 5417. In allen Distrikten herrscht reges zionistisches Leben, der Einfluß der Zionisten ist in allen jüdischen Organisationen im Steigen begriffen, insbesondere sind die Bemühungen und Kämpfe der Zionisten um eine entsprechende Vertretung in den Kultusgememden von Erfolg begleitet. Anschließend an diesen Bericht erstattete Herr W.lhelm Beigel den Bericht des Informationsbureaus für Palästina. (Wir werden diesen Bericht in der nächsten Nummer der „Welt" veröffentlichen.) Der Kassabericht des Z. K. weist 2156 K Einnahmen und ein Saldo von 310 K auf. Die Kassagebahrung wurde genehmigt. Die Debatte über diese Berichte der Leitung verlief äußerst temperamentvoll und endete mit der Erteilung des Dank- und Vertrauensvotums an das abtretende Zentralkomitee. Sodann wurde ein Antrag Frischer auf Herausgabe einer Monatszeitschrift für die Schekelzahler und eine Resolution des Herrn Dr. Kohn (Wien) angenommen, welche die Umwandlung der „Jüd. Ztg." in eine Tageszeitung fordert. Zur Verhandlung gelangte sodann der zweite Punkt der Tagesordnung: „Die Situation im Zionismus nach dem IX. Kongreß. Der Referent, Herr Dr. Emil Margulies (Prag), legte nach einem längern Referat folgende Resolutionen vor, die nach längerer Debatte mit großer Mehrheit bei einigen Stimmenthaltungen angenommen wurden. I. Der Westösterreichische Zionistentag begrüßt freudig das auf dem IX. Kongreß von offizieller Stelle und in offizieller Form erfolgte Aufgeben des Chartergedankens und gibt seiner Überzeugung Ausdruck, daß im Mittelpunkt aller zionistischen Arbeit nunmehr im Rahmen der in der Verfassung des türkischen Reiches gegebenen Möglichkeiten eine von Initiative und Energie erfüllte systematische, großzügige, intensive wirtschafts- und kulturpolitische Arbeit im Lande Palästinas stehen muß. II. Der demokratische Gedanke ist nicht eine zufällige, aus praktischen Notwendigkeiten geborene Äußerlichkeit, sondern ein essentieller, integrierender Bestandteil der zionistischen Idee und mit deren Wesen und Entstehung unlösbar verwachsen. Eine Zurückd:ängung oder Behinderung der Entwicklung dieses Prinzips in der Organisation müßte das Verantwortüchkeitsgefühl weitester Kreise für die Ereignisse und Geschehnisse in der Bewegung und damit das Interesse schwächen und den gerade durch das Bewußtsein der gemeinsamen, auf jedem lastenden Verantwortung fest geschlossenen Zusammenhang alier Teile der Organisation lockern. Der Westösterreichische Zionistentag hält daher für notwendig: 1. daß das Große A. C, das in der Kongreß Verfassung als oberste Behörde vorgesehen ist, gegenwärtig aber jeden maßgebenden Einfiuß auf den Fortgang der Bewegiing verloren hat, den ihm gebührenden Einfluß auf die Organisation und die Arbeit der zionistischen Bewegung in Anspruch nimmt und ausübt; 2. daß das heute im Organisationsstatut für die Organisation der obersten Exekutive vorgesehene Kollegialprinzip eine wirksame Ausgestaltung erfährt, wobei für die Möglichkeit einer innigen Verständigung und des engen Zusammenarbeitens der Mitglieder des E. A. C. als notwendige Voraussetzung anzusehen ist, daß die Majorität der zu erweiternden Exekutive an dem Sitze der Zentrale wohnt; 3. daß die nunmehr bereits auf zwei aufeinanderfolgenden Kongressen eingetretene Ausschließung des moralisch und politisch, national und kulturell wichtigsten östlichen Teiles unserer Organisation von aktiver Einflußnahme auf die Leitung, die den Unterschied zwischen Ost und West verschärft und wachsende Verstimmung in unsern Massen bewirkt, nicht mehr wiederholt und d-tm Osten der ihm gebührende aktive Einfluß auf die Leitung eingeräumt werde. Zweiter Tag Vormittagssitzung. Vor Eingang in die Tagesordnung wurden die Wahlen in das Zentralkomitee vorgenommen. Herr Dr. Isidor Margulies lehnte die Annahme einer Wiederwahl ab. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Adolf Böhm, Obmann; Dr. Otto Abeles (Wien), Emil Stein (Wien), Dr. S. Werner (Iglau), Dr. Gustav Zweig (Proßnitz), Süßmandl (Troppau), Dr. Gustav Kuh (Prag), Dr. Emil Margulies (Prag), Dr. Hugo Rappoport (Trautenau). Als Ersatzmänner wurden gewählt: Dr. Karl Pollak (Wien), Fritz Low (Proßnitz), Dr. Ludwig Singer (Prag). Es folgte sodann das Referat des Herrn Dr. Egon Zweig über die Stellung der Zionisten zu den Kultusgemeinden. Wir werden den Bericht hierüber in der nächsten Woche nachtragen. Beitritt einer orthodoxen Gemeinde zur Zionistischen Organisation Preßburg, Die „Ungarländische Jüdische Zeitung" berichtet aus Nyitra (Neutra), daß die dortige angesehene orthodoxe Kultusgemeinde als solche der Zionistischen Organisation beigetreten ist und auch dem Jüdischen Nationalfonds einen Jahresbeitrag von 20 Kronen votiert hat. Dies ist umso bemerkenswerter, als die offizielle Leitung der ungarisch-jüdischen Orthndoxie sich dem Zionismus gegenüber ablehnend, ja feindselig verhält. Jahresversammlung des ungarischen Landes- Komitees Budapest. Montag, den 28. März hielt das große zionistische Landeskomitee seine ordentliche Jahresversammlung ab. Dem engeren Landeskomitee wurde nach Anhörung seines Rechenschafts berichtes Entlastung erteilt und der Bericht der Nationalfondssammelstelle sowie der Organisations- und Preßbericht zur Kenntnis genommen. Die achte Landeskonferenz der ungarischen Zionistenwurde für den 15. und 16. Mai d. J. nach Kassa einberufen.

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