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Die Welt · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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290 ÖIE2 sein, während einer Vortragstournee in beinahe 20 Städten Galiziens die Stimmung für Palästina in der jüdischen Bevölkerung kennen zu lernen. Und zu seinem größten Bedauern habe er konstatieren müssen, daß zwar keine Feindseligkeit und Antipathie gegen Palästina, aber leider eine Ignoranz und Gleichgiltigkeit gegenüber der palästinensischen Realarbeit herrsche. Hauptaufgabe für die Zukunft wird es sein müssen, diesen Indifferentismus zu bannen und mehr Interesse für unsere Palästina irbeit, insbesondere in den Provinzstädten zu wecken. In einigen Städten haben von Stanislau angeregt sich zwar Komitees gebildet, welche die Gründung einer galizischen Kolonie in Palästina zu propagieren beabsichtigten, wir haben aber momentan davon absehen müssen, weil die Sache im gegebenen Momente wegen Mangels an Kapitalien undurchführbar ist. Einen einzigen tatsächlich großen Erfolg haben wir mit der Veranstaltung der Bezalel-Aussteilung zu verzeichnen. Wir haben zwar beabsichtigt eine Wanderausstellung zu veranstalten, welche die größeren StäJte Galiziens besuchen sollte, die Ausführung dieses Planes war aber technisch unmöglich und deshalb haben wir ihn aufgeben müssen. Ferner habe ich als Palästina-Referent des Zen ralkomitees eine Agitation für Landkauf in Palästina inauguriert und diese wird fortgesetzt werden m issen. Sie wird hoffentlich von Erfolg gekrönt sein. Redner betont, daß die materielle Subvention für das Palästinaressort erhöht werden müsse, wenn man eine intensivere Arbeit von ihm erwarten wolle. Galizien müsse von selbständigen Unternehmungen in Palästina absehen und es werde genügen, wenn wir uns für die Fundierung aller existierenden Institutionen des Zionismus mit noch größerer Intensität einsetzen werden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen meint der Redner, daß wir so schnell als möglich mit der energischesten Arbeit einsetzen müssen. (Großer Beifall.) Hierauf wurde die Debatte über die drei ersten Berichte und zwar des Zentral-Komitees, des jüdischen Klubs und der Palästina- Kornmission eröffnet. Als erster sprach Gg. Löbl Taubes, welcher die Tätigkeit des jüdischen Klubs einer scharfen Kritik unterzog, und insbesondere ihre Intervention in Sachen des jüdischen Katasters in der Bukowina bemängelte. Redner meinte, daß der Klub mit derselben Energie wenigstens für die Anlegung eines jüdischen Katasters in der Bukowina hätte eintreten sollen, wie für die Wahrung und Sicherung der konstitutionellen Rechte der bosnischen Juden. ' Und wenn der Klub diese Angelegenheit mit demselben Eifer behandelt hätte, wäre vielleicht der Erfolg ebenfalls ein .guter. Dieser Fehlschntt des Klubs sei um so energischer zu rügen, da doch die Bildung eines jüdischen Katasters und einer jüdisch-nationalen Wahlkurie für die Bukowina auch den Juden in Galizien in ihrem politischen Kampfe zustatten kommen könnte. Gg, Dr. Landesberg aus Mikolajow überbringt dem jüdischen Klub den Dank der jüdischen Bevölkerung seiner Stadt für dessen Intervention betreffs des antisem tischen Attentats seitens der christlichen M tglieder des dortigen Gemeinderats auf die Rechte der jüdischen Bevölkerung. Diese haben nämlich in einer geheimen Sitzung den Beschluß gefaßt, das Gemeinde-Eigentum als den ausschließlichen Besitz der christlichen Bevölkerung zu erklären. Der jüdische Klub hat jedoch noch rechtzeitig diesen Akt vereitelt. Ferner verlangt der Redner, daß die Parteileitung mehr Aufmerksamkeit den kleineren Städtchen zuwenden möge und ersucht um Gründung einer Filiale der Kredit-Union in Miko.ajow. Gg. Dr. Backenrot (Drohobycz) meint, daß die Palästinaarbeit energischer geführt werden müsse und verlangt, daß man endlich mit mehr Konsequenz an die Eroberung der Kultus-Gemeinden schreiten solle. Die Gg. Gg. Joachim Weiger (Tarnow) und Josef Rosenbaum (Kolomea) wenden sich in heftigen Worten gegen die Kritik des Gg. Taubes und meinen, daß der Klub seine Pflichten nach Möglichkeit erfüllt habe und wir hätten keine Ursache, mit ihm unzufrieden zu sein. Gg. Besen (Kulika) wirft den Kongreß-Delegierten vor, daß sie nach dem Kongresse nicht überall Bericht erstattet haben. Er verlangt, daß von nun ab absolut nur jenen Personen Mandate zu den Kongressen erteilt werden, die sich verpflichten, nach dem Kongresse Bericht zu erstatten. Gg. Dr. Samuel Rappaport meint, das Palästine-Ressort habe zu wenig gearbeitet und wenn in Galizien gearbeitet wurde, so sei dies ohne Zutun des C.-K. geschehen. Er protestiere dagegen, daß die Tätigkeit anderer negiert werde und erklärt, daß auch er als Palästinareferent im Jahre 1908 ersprießliches für die Palästinasache geleistet habe, jedoch von der Leitung nicht anerkannt und geradezu unmöglich gemacht wurde. Redner liest einen Brief des Prof. Warburg vom 16. November 1909 vor, in welchem er aufgefordert wird, etwas für die Palästina-Institutionen in Galizien zu unternehmen, da in dieser Beziehung nichts gemacht werde. [ELT - No. 13 Die Gg. Jassen, Sternlicht, Dr. Schmorak (Stryj), Landau, Rosmarin (Lancu) und Weiss befassen sich mit der gegenwärtig sehr brennenden Frage der jüdischen Schanker, lenken die Aufmerksamkeit der Parteileitung auf die herannahende Volkszählung und fordern, daß die jüdische Bevölkerung Galiziens darauf aufmerksam gemacht werde, die jüdische Sprache als ihre Muttersprache respektive Umgangssprache anzugeben. ' Denn nur "auf diese Weise können wir die faktische Anerkennung der jüdischen Nation in Österreich erlangen. Gg. Seelenfreund (Rymanow) verlangt von der Parteileitung die Unterstützung des Misrachi. Als letzter hielt Gg. Dr. Schurr, Obmann des Südgalizischen D. K. eine begeisterte Rede für die Palästinafrage, worauf noch Dr. Ringel auf die dem C.-K. und den jüdischen Klub,gemachten Vorwürfe erwiderte und dieselbe als ganz unberechtigt zurückwies. Dem Centrai-Komitee wie auch dem jüdischen Klub wurde sodann auf Antrag des Gg. Braf Dank und Vertrauen einstimmig votiert. (Schluß in nächster Nummer.) Wolffsohns Rede auf dem Meeting Die Parteileitung hatte für Sonntag abend ein Volksmeeting in den Saal des ruthenischen Nationalh aus es einberufen. Schon eine Stunde vor der angesetzten Zeit begann der Zuzug der Massen. Sie füllten den riesigen Saal buchstäblich bis aufs letzte Plätzchen und schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung wurden die Saaltüren polizeilich gesperrt. Tausende von Personen hatten im Saal Platz gefunden, aber doppelt soviel Menschen mußten umkehren. Lemberg hat noch nie eine so imposante Versammlung und eine so begeisterte Kundgebung für den Zionismus gesehen. Es war ein herzerhebender Anblick, diese Menschenmenge zu sehen, die sich staute, um den Präsidenten der zionistischen Weltorganisation sehen und hören zu können. Um 8l/a Uhr abends eröffnete Dr. Michael Ringe! das Meeting mit einigen Begrüßungsworten und erteilte dem Präsidenten Wolffsohn das Wort Der Präsident wurde von stürmischen Ovationen begrüßt. Er sprach über eine Stunde in glänzender Form, gab eine Geschichte der zionistischen Bewegung, besprach die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern und schloß dann mit der Legende vom „Isch-Chassid". Seine Rede endete in minutenlangen immer von neuem einsetzenden Beifall. Nach ihm sprachen Rabbiner Dr. Thon-Krakau, Dr. Max Rosenfeld (Poale Zion) und Reichsratsabgeordneter Stand. Über Antrag des Vorsitzenden Dr. Ringel nahm die Versammlung sodann per acclamationem folgende Resolution an: „Die vom 27. v. M. versammelte jüdische Bürgerschaft Lembergs erklärt, daß sie die einzige Lösung der Judenfrage im Zionismus findet, und nimmt mit Befriedigung die Erklärungen des geliebten und verehrten Präsidenten Wolffsöhn entgegen und drückt ihm ihren Dank und Vertrauen aus. II. Westösterreichischer Zionistentag in Wien (Von unserm Berichterstatter) Sonntag den 27. März, 10 Uhr vormittags eröffnete der Obmann des Zentralkomitees Herr Dr. Isidor Margulies den Delegiertentag der Zionisten Westösterreichs. 83 Delegerte aus Böhmen, Mähren, Schlesien und NieJerösterreich füllten den Saal des Hotel Central, den ein großes Herzbild schmückte. Dei Verhandlungen folgen auch viele Gäste. Nach der Eröffnungsansprache des Obmannes Dr. I. Margulies begrüßt Herr Dr. Meisel (Wien) den Zionistentag im Namen des innerösterreichischen Distriktskomitees und heißt die Delegierten in der Stadt Theodor Her*Is willkommen. Ins Präsidium werden die Herren Ernst Bechert (Teplitz), Fritz

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