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Die Welt · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 13-- — DIE2 Volk politisch aufzuklären. Auf ökonomischem Gebiete kann die Partei in diesem Jahre zum ersten Male einen realen Erfolg aufweisen: die Gründung der Kredit-Union mit ihren derzeitigen fünf Filialen. Die sechste in Krakau ist im Werden begriffen und wird sobald als möglich ihre Tätigkeit beginnen. In bezug auf den innern Ausbau der Partei hat sich das Zentralkomitee mit der Abfassung eines Organisations-Statutes befaßt, welches der Landeskonferenz zur Diskussion vorgelegt werden wird. An ziffermäßigen Leistungen für die Parteiinstitutionen hat der galizische Zionismus folgende Positionen aufzuweisen: Schekelzahler gab es im Jahre 1909 — 6116 gegen 3655 im Jahre 1908. Die dem 'Nationalfonde zugeführten Spenden weisen in diesem Jahre ein Plus von 7650 K auf, denn sie betrugen 1909 circa 36550 K, während sie im Jahre 1908 nur 28900 K ausmachten. Die Leistungen der Palästina-Arbeit übertrafen in diesem Jahre alle bisherigen. Insbesondere sei darin die systematische und planmäßig geleitete Propaganda seitens des Palästina-Referenten, Dr. Alexander Hausmann zu erwähnen. Bezüglich des Verhältnisses zum engeren A.-C Komsatiers der Referenz und größter Genugtuung der Zufriedenheit eine entscheidene Besserung. Der ganze Geschäftsgang sei ein überaus glatter und der Kontakt mit Köln ein innigerer als bisher. Auch aus Wien sind die gegenseitigen Beziehungen geregelt worden und haben eine entschiedene Urnnäherung erlfahren. Nicht nur von Fall zu Fall ist ein gemeinsames Vorgehen ermöglicht worden, sondern es sind auch gewisse Gruppen von Angelegenheiten festgestellt worden, in denen ein konstantes Zusammengehen bestimmt wurde. Ferner zählt es das C.-K. zu seinen Verdiensten, daß eine allgemeine zionistisch-akademische Vereinigung uud der Aufbau der zionistischen Frauenorganisation im Berichtsjahre zustande gebracht worden ist. Zum Schluße seiner Ausführungen hebt Dr. Ringel hervor, mit welchen schwierigen Verhältnissen die Leitung ihre Arbeit müsse. „Einerseits von den inneren Feinden befehdet, andererseits von der polnischen Presse, welche von den jüdischen Renegaten falsch informiert wird, angefeindet, hatten wir. einen sehr schweren Stand. Wir werden als Polenfeinde verschrieen und verleumdet. Aber wir sind überzeugt —, führte Dr. Ringel aus — daß die allpolnische Piesse uns nur zu dem Zwecke als Zielscheibe wählten, weil sie dadurch besser ihren Antisemitismus maskieren könne. Aber uns schreckt dieser israelitisch-antisemitischallpolnische Kreuzzug nicht ab. Mit unserer Partei muß schon heute gerechnet werden und ein Teil der polnischen Presse beginnt schon jetzt umzuschwenken und wir hoffen, daß in kürzester Zeit die polnische Nation ohne „Faktoren" sich direkt an uns und unsere Organe um Aufklärungen wenden wird und nicht aus den israelitischen Organen ihre Informationen schöpfen wird: Wir befinden uns in Galizien quasi in einem Belagerungs-Zustande und deshalb müssen wir in Eintracht all unsere Kräfte zusammenschliessen um unserem Feinde Trotz bieten zu können, und nicht durch Nörgeleien und Gehässigkeiten unsere Arbeit unmöglich machen. Hoffen wir, daß das neu zu wählende Centrai-Komitee in diesen Bahnen seine Arbeiten führen wird. (Starker Beifall). Hierauf werden die Wahlen in den Legitimations-, Permanenz-, Organisations- und Palästina-Ausschuß vorgenommen. Gg. Herr Kahan aus Budapest überbrachte der Konferenz Namens des ungarischen Landeskomitees die Grüße der ungarischen Zionisten. Reichsratsabgeordneter Adolf Stand erstattet den Bericht über die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs'/ im österreichischen Parlamente. Der Klub unterließ keinen wichtigen Moment im Leben des österreichischen Parlaments, um die Forderungen der jüdischen Bevölkerung Österreichs aufs Tapet zu bringen. So war es die Frage der Regelung der Bosnischen Konstitution und Verfassung in erster Reihe, in welcher der Klub alles daransetzte, um den bosnischen Juden eine konstitutionelle Vertretung im bosnischen Landtage zu sichern. Die Reform des Wahlsystems zum Bukowiner Landtage gab dem Klub Gelegenheit, sich für die Schaffung einer jüdisch-nationalen Wahlkurie einzusetzen. Leider aber gelang es den Professoren, die immer negativer fürs Judentum leisten, den Professoren von Schlage eines Gomperz, der sich so lange in Plato vertiefte, bis er ein platonischer Jude geworden, die Anerkennung der jüdischen Nation in der Bukowina zu hintertreiben und die jüdische Sache zu begraben. In der Frage der Schänker- Konzessionen hat die Partei reges Interesse durch Teilnahme an der großen Schänkerkundgebung bekundet. Diese Frage hat eine große Bedeutung für Tausende von jüdischen Familien, deren Existenz bedroht ist. Redner sprach zweimal beim Stadthalter D. v. Bobrzinski vor und habe den Eindruck gewonnen, des er ein objektiver und gerechter Mensch sei. Redner erinnerte, wie er sich in seiner letzten Budjetrede der jüdischen Lehrerschaft angenommen hatte und gegen Professor Sternbach, den „Altgriechen" aufgetreten sei. Deshalb ist er von der gegnerischen Presse, von den bezahlten Pressbanditen, Press- und Freßstrolchen mit Kot besudelt'worden. Sie sagten, daß die Lehrerschaft Galiziens JKELT 289 ihn mit Stöcken für seine letzte Rede empfangen werde. Aber der Hunderte von Dankschreiben, welche er aus allen galizischen Städten erhalten hatte, taten sie keine Erwähnung. Und darüber, das selbst polnische Patrioten sich um Interventionen in ihren Privatangelegenheiten an den jüdischen Klub wandten und das er mit Erfolg für sie gewirkt hatte, darüber schweigen sie sich tüchtig aus. Aber diese Preßbanditen mögen bedenken, das hinter ihnen die Verräter mit dem Geld stehen und hinter dem jüdischen Klub die armen jüdischen Lehrer und das arme jüdische Volk. „Mich werden sie mit Stockhieben empfangen, aber Professor Sternbach wird hinausfliegen". (Starker Applaus). In seinen weiteren Ausführungen befaßte sich Abgeordneter Stand mit der von hüben und drüben geübten Kritik und wiederlegte sie in vortrefflicher Weise. Er wies entschieden den Vorwurf zurück, als ob die Abgeordneten des jüdischen Klubs keine Zionisten wären. „Wir sind Zionisten in erster Reihe — sagte Stand mit gehobener Stimme — und dann erst jüdische Politiker. Wir waren überall im Dienste der zionistischen Sache, die bei mir insbesondere mein Obergedanke ist. Jüdische Politiker sind wir erst unter dem Zwange der alltäglichen Lebensverhältnisse, weil es von uns die jüdischen Massen verlangten. Wir sind Diener des jüdischen Volkes. Mit ihm stehen wir, mit ihm fallen wir, wir mit allen zugleich!" (Lang anhaltender, sich immer erneuernder Beifall. Tücher werden geschwenkt. Redner wird beglückwünscht). Die Konferenz stand ganz unter dem Eindruck dieser Rede, als sich von der Gasse her ein lautes „Heidad" Rufen vernehmen ließ, welches sich immer mehr näherte. Es war dies die Verkündigung der Ankunft des Präsidenten Wolffsohn. Die ganze Versammlung erhob sich und in lautloser Stille wandten sich alle, zum Eingange in den Saal Bald öifnete sich die Tür und von einer Suite „Heidad"-rufenden Gesinnungsgenossen begleitet, trat David Wolffsohn in den Saal. Ein förmlicher Beifallssturm entstand und es währte einige Minuten, bis sich die Versammelten beruhigten und den Vorsitzenden Stand zum Worte kommen ließen. Abg. Stand begrüßte aufs herzlichste den Präsidenten der Weltorganisation David Wolffsohn und sagte, daß wir stolz seien, daß er zu uns gekommen ist. Als Soldat kommt er her, dessen Pflicht es ist, als Führer die Leute kennen zu lernen, die er kommandieren, die er ins Schlachtfeld führen müsse. Und was Abg. Stand bald nach dem IX. Kongresse in einer großen Volksversammlung über die Person des Präsidenten in seiner Abwesenheit gesagt hatte, das wiederholte er jetzt. „In der Taktik gehen wir auseinander, aber in der Weiterschauung sind wir vereint. Und keiner perversen Manie wird es gelingen, das Tischtuch zwischen uns und Wolffsohn zu zerschneiden." (Starker Beifall.) Sodann ergriff Präsident Wolffsohn das Wort. (Wir werden seine Rede vollinhaltlich in der nächsten Nr. der „Welt" bringen.) (Nachmittagssitzung.) Der Vorsitzende Abg. Stand erteilt das Wort dem Vertreter der Bukowiner Zionisten Herrn Kormann, welcher der Landeskonferenz die Grüße der Bukowiner überbrachte. Hierauf werden die Begrüßungsschreiben und Telegramme vorgelesen. Besondere Aufmerksamkeit lenkten auf sich die Depeschen des gleichzeitig in Wien tagenden westösterreichischen Zionistentages und die der in Berlin abgehaltenen Vertrauensmännerversammlung Deutschlands. Die erste lautete: „Der westösterreichische Zionistentag begrüßt den Parteitag der galizischen Zionisten in Lemberg und unseren dort weilenden Präsidenten Wolffsohn und gibt der Erwartung ausdruck, daß die Entwicklung wieder zum Zusammenschlüsse beider Organisationen führen wird." Das zweite lautete: „Die Versammlung der zionistischen Vertrauensmänner Deutschlands begrüßt den galizischen Delegiertentag in der Hoffnung, daß der Wille eines brüderlichen Zusammenarbeitens der Zionisten aller Länder zur Erreichung unseres Endzieles auch das Ergebnis seiner Tagung sein möge." Es wurden noch vorgelesen Begrüßungstelegramme des Zentralbureaus, des jüdischen Nationalfonds, vom Gg. Reichsratsabgeordneten Prof. Dr. Mahler, Lucian Brunner, Dr. Leon Reich (Paris), Dr. Egon Zweig, Rabbiner Schmelkes aus Przemysl, vom akademischen Vereine „Emunah" Czernowitz, und vielen, vielen Vereinen des Landes, wie auch von der Landesorganisation Ungarns. Sodann erteilte der Vorsitzende dem Gg. Dr. Alexander Hausmann zum Berichte über die Tätigkeit des Palästina-Ressorts des Zentralkomitees das Wort. Der Bericht erstreckt sich über einen Zeitraum von nur 10 Monaten, da der Berichterstatter durch seine Palästinareise verhindert war, die Agenden zu übernehmen. Als Hauptaufgabe seiner Arbeit betrachtete Referent ihre Einlenkung in systematische Bahnen. Das hat er auch erreicht. Ferner begründete er eine kleine Informationsstelle für Palästina-Angelegenheiten, die wegen Mangels an Geldmitteln keine größere Arbeit leisten konnte. Redner ließ es sich angelegen

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