Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Deutschland Zur Öppenheimer-Debatte Berlin. Der neubegründete Freie Zionistische Diskus sionsklub eröffnete seine Tätigkeit am 14. März mit einem dem Oppenhe merschen Artikel gewidmeten öffentlichen Diskussionsabend, üen er gemeinsam mit der Verbindung im K.Z.V. „Hasmonäa" veranstaltete. Herr Berthold Feiwel skizzierte den Inhalt des Oppenheimerschen Artikels, ohne ihn kritisch zu beleuchten. Die Diskussion eröffnete Herr Nahum Sokolow mit einer detaillierten Kritik und-Widerlegung der von Oppenheimer aufgestellten Thesen. Insbesondere verwahrte er sich gegen die Kennzeichnung der ostjüdischen Kultur als einer minderwertigen. Im übrigen seien die Verhältnisse in West uni Ost gar nicht so grundverschieden; so sei die Assimilation unter der jüdischen Intelligenz in Russisch- Polen, dem „Polen mosaischen Glaubens", in erschreckendem Maße vorgeschritten. Redner wies auch auf das Unlogische und Widerspruchsvolle hin, das in der Oppenheimerschen Definition der Begriffe Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein enthalten sei. Auf das tiefere Wesen des Problems ging darauf Dr. Martin ßuber ein. Er stellte zunächst fest, daß die Oppenheimerschen Begriffe keineswegs eindeutig sind. Redner legte deti Unterschied zwischen Kultur und Zivilisation in lichtvoller Weise dar und wandte die Charakterisierung auf das jüdische Problem an. Sodann zeigte er, daß O. in derselben Weise Stammesbewußtsein und Abstammungsbewußtsein verwechselte. Dieses hat es in der Tat nur mit der Vergangenheit zu tun, jenes hingegen verbindet die Vergangenheit mit der Zukunft, vertritt den Anspruch des Blutes gegenüber dem des Milieus, der Erbdisposition gegenüber der gestaltenden Umwelt. Redner kommt zum Ergebnis: Zionismus ist das Streben danach, daß unsere Disposition nicht mehr von einer fremden, sondern von unserer eigenen Umwelt gestaltet wird. Im Zusammenhang damit legt Buber das Problem der Assimilation dar, das nicht bloß ein nationales, sondern auch ein allgemein menschliches und sittliches ist. Assimilation heißt: sein Leben durch den Nutzzweck bestimmen lassen; Zionismus heißt: sein Leben durch das Ideal bestimmen lassen. Es gebe aber kein Ideal „für die andern". Idealist sei der, für den das Persönliche und das Allgemeine eins geworden sind. Der, in dem das tiefste Streben des Volkstums Persönlichkeit wurde, der in seinem Leide das Leid des Volkes, in seinem Willen den Willen des Volkes erlebt, der allein ist jüdischer Idealist, ist Zionist. Dr. Markus Brau de aus Lodz schloß sich Bubers Anschauungen an und führte aus, die Nationalität bedeute für den einzelnen die Synthese zwischen ihm und der Menschheit, zwischen Individualismus und Kosmopolitismus. Es sprachen dann noch einige Herren aus der Versammlung gegen Oppenheimers Standpunkt. Wiesbaden. Das von der Zionistischen Ortsgruppe am 12. März veranstalte Purimfest hatte s:ch eines lebhaften Besuches zu .erfreuen. Nach dem Vortrag des von dem Vorsitzenden verfaßten Prologes durch Frl. Regina Karpin und den Begrüßungsworten des Vorsitzenden Herrn Bertram Stern, nahm Herr Bernhard Karpin das Wort zur Festrede, die in einer Verherrlichung Mordechais und Dr. Herzls gipfelte. Alsdann folgten Rezitationen von Frl. Rosel Stern und Herrn stud. med. Alfred Lewin. Gesangsvorträge der Herren Opernsänger Alfred Ilm a und Theodor St an dt (vom Mainzer Stadttheater) sowie des Herrn Leiser Herzog, Theateraufführungen wie .Amtsgerichtsrat David Markus" von Dr. Emil Cohn, „Ein Abenteuer im Witwenverein", „Ausgesperrt oder Überlistet". Mitwirkende waren die Damen Gerda Katz, Helma Blumenthal, Ida Stein, Paula und Rosel Stern und die Herren Bernhard Kowalski, Hermann Herz, Shamon Klein und Max Weis. Sämtliche Darbietungen fanden stürmischen Beifall. Hamburg. Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg- Altona hielt im Logenheim Hartungstraße eine sehr zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Kalmus berichtete über die Pale^tine Land Development. Company, die zur agrikulturellen Erschließung des Landes dene und bereits ihre Tätigkeit in Kinereth am Tiberiassee begonnen habe. Gleichzeitig forderte er zur Zeichnung von Anteilscheinen auf. Herr Dr. jur. Viktor behandelte dann die lokalen Ereignisse der letzten Wochen. Im Jüdischen Jugendbund sei es dank dem Eingreifen der Henry- Jones-Loge wiederum zu einer Einigung gekommen und eine Spaltung vermieden worden. Anders bei der Turnerschaft; h£er habe sich infolge der bekannten Vorgänge ein neuer, au£ nationaler Grundlage beruhender Turnverein „Bar Kochba" gegründet, der schon 160 Mitglieder zähle und über dessen Entstehung und Entwicklung der Referent nähere Angaben machte. Die Versammlung nahm diese Mitteilungen mit großem Interesse entgegen. Österreich Czernowitz. Jüd.-nat.-akad. Verein „Emunah. Tätigkeitsbericht für das abgerufene Wintersemester. De Tätigkeit der Emu nah stand in diesem Wintersemester im Zeichen rein zionistischer Arbeit. Im November veranstaltete der Vere n einen Zyklus von drei Vorträgen über Zionismus, welche von 1000 bis 1200 Personen besucht waren. Diese Veranstaltung war eine Notwendigkeit. Trotzdem unsere jüdische Bevölkerung als national gilt, herrschten bei uns die merkwürdigsten Begriffe über den Zionismus, Die Veranstalter wollten diesem Mangel abhelfen. Es sprachen: ^5alomo Schiller (Lemberg) über den Zionismus vor Herzl, Univ.-Prof. Dr. Leo Kellner (Czernowitz über Theodor Herzl und Dr. Michael Ringel (Lemberg) über den Zionismus nach Herzl. Nach den Vorträgen wurden zirka 2000 Broschüren in jüdischer und deutscher Sprache verteilt Im Dezember veranstaltete die „Emunah" eineHerzl-Makhabäerfeier, die gleichfalls massenhaft besucht war, im Februar eine große Volksversammlung, in welcher Gg. Löbel Taubes über den IX. Kongreß referierte, und in einigen Provinzstädten Vorträge über zionistische Themen.— Sehr rege war die Tätigkeit in der Verbindung selbst. Die Mitglieder hielten folgende Vorträge: Josephus Flavius als Politiker und Staatsmann (2). das Strafiecht in der Bibel (2), das jüdische Drama (2), der Judenstaat, die historische Bedeutung der Kattowit^er Konferenz, Moses Hess, der IX. Kongreß (2), die Siedlungsgenossenschaft. Ein älteres Mitglied leitete ein zionistisches Seminar, in welchem die Jüngeren die historische Entwicklung des zionistischen Gedankens von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur jüngsten Gegenwart genau studierten. Viel Gewicht legte der Leiter des Seminars auf die zionistische Literatur. Achad Haam Pinsker, Herzl u. a. wurden gelesen und erörtert. Die palästinensischen Institutionen wurden durch Spenden unterstützt. Irn Laufe von sechs Monaten wurden abgeliefert, 267 K 52 h für den Jüdischen Nationalfonds, 194 K für acht Aktien der P. L. D. C, 100 K für den Pflanzungsverein Palästina, 20 K für den Genossenschaftsfonds, nach dem Plane des Prof. Oppenheimer, 15 K für den Bezalel (jährlicher Beitrag), 25 K für den hebräischen Schulverein in Galizien und in der Bukowina und 50 K für das hiesige, jüdische Waisenhaus. Außerdem beteiligten sich die Mitglieder sehr erfolgreich an den Arbeiten des Vereins „Jüdisches Theater" und im Komitee zur Herausgabe der Schriften Dr. Nathau Birnbaums. Für das laufende Sommmersemester ist eine Reihe von Veranstaltungen in der Provinz geplänt. Iglau. Das heurige Vereinsjahr des Jüdischen Volksvereins „Theodor Herzl" für Iglau und Umgebung läßt sich a!s ein äußerst arbeitsreiches an, sowohl in bezug auf die äußere als auch auf die innere Tätigkeit. Nachdem in der Plenarversammlung Anfang Dezember der neue Ausschuß gewählt worden war, dem fast alle früheren Mitglieder wieder angehören, trat der Verein sofort in die Vorarbeiten für die Kultuswahl ein, die durch ein Kompromiß insofern ihren Abschluß fanden, als die dre vorn Vereine aufgestellten Kandidaten, die Herren Moritz Schwarzkopf, Jakob Taussig und Richard Weißenstein in den Kultusausschuß gewäh t wurden. Bei der Wahl in die Chewra Kadischa wurden 2 vom Vereine aufgestellte Kandidaten gewählt, 2 andere blieben in der Minorität. Von größeren Veranstaltungen sind namentlich der „Smolensky-" und der „Lilienblum-Abend" zu erwähnen, an denen Herr Prof. Dr. Michael Berkovicz das Lebensbild der beiden gefeierten hebräischen Schriftsteller entwarf. Der Vortragende fand bei dem zahlreich erschienenen Publikum außerordentlichen Beifall. Am 27. d. M. veranstaltete der Verein eine Kinder-Purim-Feier, die außerordentlichen Anklang in der hiesigen jüdischen Bevölkerung gefunden hat. Oderberg. Der hiesige jüdische Volksverein „Zionw hielt am. 20. d. M. die erste ordentliche Generalversammlung ab, zu der sich auch viele Gäste eingefunden hatten. Das Mähr.-Schl. D. K. war durch die Herren Finzi und Dr. Fritz Ekstein vertreten. Nach der Begrüßung durch den Obmann Zänker erstatteten der Schriftführer Stössel den Tätigkeitsbericht und Jakob Eichenbaum den Kassa- und N. F.-Bericht. Nachdem dem abtretenden Ausschuß das Absolutorium und Dank ausgesprochen wurde, erst.ttete Gg. Finzi das Referat über den IX. Kongreß. Durch die formvollendete und fesselnde Art wußte der Redner das regste Interesse bei allen Anwesenden hervorzurufen. Herr Dr. Ekstein richtete hierauf an die Versammlung einen schwungvollen Appell zur eifrigen Mitarbeit. Die Wahlen brachten fo'gendes Ergebnis: D.e Gg. Zanker, Stössel, Eichenbaum, Färber, Amann wurden wiedergewählt; neugewählt wurden die Gg. Popper, Winterstein, Glaser, Neuhaus, Berger und Safier. Lemberg. Jüdisch-akad. Verbindung „Hasmonöa". Ergebnis der Chargenwahlen für das Sommersemester 1910: Caud. iur. Heinrich Graf X (XX), Cand iur. Julius Schorr XX (X), Stud. iur. Bernard Kitz XXX,