Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Weibes sähe, schwarz verhüllt und ohne Schmuck, jeder Zier beraubt, ihre Augen voll Tränen — und siehe, sie winkt über ihn mit dem Haupte. ... Dann erwachte der Rabbi wie aus,tiefer Ohnmacht, und wieder ließ er sich über seinen Traum trösten und saß fastend bis zur Nacht. Und als er ein wenig Nahrung zu sich genommen und wieder begonnen hatte zu lernen, befiel ihn sofort tiefer Schlaf, — und siehe, die Tore des Himmels standen vor ihm offen. Voll sind alle Räume der Himmelswölbung von zahllosen Seelen. Manche davon schweben zwischen dem reinen Morgengewölk, und manche kauern in einer finstern Ecke, von schwarzen Wolkenmassen niedergeworfen. Manche Seelen blitzen zwischen den Sternen, sind getaucht in die Strahlen des Mondes. Und mitten unter all diesen verbannte und irrende Seelen, wie im Blinden wandelnd und tastend, die einen hierhin, die andern dorthin, nach jenem Wesen suchend, die sie zum Paare ergänzen, und eine um .die andere auf ihn mit dem Finger deutend, vor großer Seelenbetrübnis . . . Und plötzlich empfindet der Rabbi ein sengendes Feuer in seinem Angesicht, — zwei Augen heften sich auf ihn, wie ein Feuer, das ein anderes verzehrt . . . Ben Uri steht vor ihm, blickt ihn an, und seine Stimme brennt in sein Herz hinein: „Warum hast du mich von dem Anteil an Qottes Erbe vertrieben?" Und die Stimme fährt fort: „Bei den Werken Qottes, nicht lasse ich dich frei, bis du mich und meine Lade an unsere Stätte gebracht hast, nach Jerusalem, dem heiligen Wohnsitz." Dann erwachte der Rabbi vor tiefem Wehe und erkannte, was dies alles zu bedeuten habe. Er wusch seine Hände, legte sein Qewand an, nahm seinen Stab, hängte ein Bündel um seine Schulter, und von der Schwelle des Hauses rief er zur Rabbanith'): „Suche mich nicht, mein Kind, zu einer Pflicht des Qolus bin ich verurteilt, Verbannten aufzuhelfen!" ... Dann küßte er noch die Mesusah und war verschwunden. Sie suchten ihn und fanden ihn nicht wieder. Man sagt, daß er noch immer umherirrt. Einmal kam ein frommer, greiser Sendling aus dem Qolus her, und dieser erzählte, daß er ihn, den Raw, mit eignen Augen gesehen. Auf welche Weise? Einmal verspätete sich jener Sendling des Nachts an einem „heiligen Orte" in Litauen und schlummerte vor Schläfrigkeit ein. Plötzlich vernahm er ein heftiges Schreien, und als er die Augen aufschlug, siehe, da stand jener Rabbi neben einem jungen Manne, den er nach sich zog. Darauf erfaßte ihn ein Zittern, und er schrie: „Du bist hier, Rabbi?" Noch hatte er aber nicht geendet, so war jener verschwunden. Und der Jüngling erzählte ihm sogleich vor Furcht seine Versündigung. Denn zur Zeit, da kein Mensch sich im Bethamidrasch befindet, zog es ihn an, ein Gemälde des „Misrach" zu zeichnen. „Dieses Bild" fügte der Sendling hinzu, „war wirklich ein bewundernswertes Händewerk." Und während jener Jüngling in sein Malen versunken war, stand plötzlich ein Greis vor ihm, begann ihn sich nachzuziehen und flüsterte ihm ins Ohr: „Komm, gehen wir nach Jerusalem!" Und seither begannen viele zu erzählen, daß der Rabbi in der „Welt der Nichtigkeiten" umherschweife, — daß Gott sich erbarmen möge. Viele Sendlinge bezeugen, daß sie ihn selbst gesehen. Und gewöhnlich erzählten sie von ihm Wunder- und Schauergeschichten. Rabbi Nissim, sein Andenken sei gesegnet, der von dem „Kolel" Holland und Deutschland gesendet war, er, der viele Jahre in „Teutschland" herumgekommen, pflegte so zu erzählen: „Bei Gottes Schöpfung! Mit meinen eignen Augen habe ich ihn gesehen, wie er über dem großen Meere auf einem roten Tuche schwamm, einen Säugling in seinem Schoß. Und obwohl es damals Dämmerung war, kann ich es doch bei allem, was heilig ist, beschwören, daß ich ihn gesehen habe, daß er es war, kein anderer; nur weiß ich nicht, wer der Säugling gewesen." ... Und jetzt behauptet man, daß jener Greis im Heiligen Lande selber umherwrandere. Die Großen zweifeln, manche spotten sogar darüber. Aber die Jüngsten derer, die die Heilige Schrift studieren, erzählen, daß ihnen manchmal in der Abenddämmerung ein Greis begegnet, sich ihnen nähert, in ihr Auge guckt und wieder seines Weges geht . . . Und wer jene Geschichte kennt, die wir früher erzählt haben, sagt: „Der Greis ist kein anderer als jener Rabbi." . . . Und bei Gott ist die Deutung. ... (r o o o o o o o 1 o o o o o o o . AUS DER BEWEGUNG f5^. k o o o o o ---4 o o o o o o o Gesinnungsgenossen! Stärker noch als bei früheren Anlässen ist auf dem 9. Kongreß Jn Hamburg das Bestreben hervorgetreten, die in unserer Bewegung vorhandenen Kräfte praktischer Arbeit in Palästina dienstbar zu machen. Aus den Worten fast eines jeden Redners klang die Liebe zu dem Lande der Jugend unseres Stammes, zu dem Boden, auf dem der ruhelose Wanderer unter den Völkern Frieden finden soll. Das Ziel aber allen Strebens ist die Schaffung eines freien, kraftvollen Bauernstandes auf der eigenen Scholle. *) Gattin des Rabbi. Die P. L. D. C. will diese Pläne verwirklichen, indem sie größere Grundstücke urbar macht, parzelliert und an neue Ansiedler verkauft oder an Arbeiter verpachtet, die von ihr selbst sorgfältig auf allen Gebieten landwirtschaftlicher Tätigkeit ausgebildet worden sind. Die Gesellschaft, die nunmehr zwei Jahre besteht, verfährt dabei auf rein geschäftlicher Grundlage. Sie bewirtschaftet gegenwärtig das dem Nationalfonds gehörige Landgut Kinereih am Tiberiassee. Leider hat das für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas so überaus wichtige. Unternehmen bisher nur in SQhr geringem Maße die Unterstützung der Zionisten gefunden. Die Zahl derjenigen, die sich mit