Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 DIE^ELT 263 Bad Mergentheim. Das am Samstag den 1. Weadar von der hiesigen Ortsgruppe „Bnei Zion" veranstaltete erste Konzert zugunsten des Jüdischen Nationalfonds nahm einen schönen Verlauf und brachte einen ansehnlichen Reinertrag. Die Mitwirkenden und das Publikum waren voll Begeisterung bei der Sache. Die Begrüßungsansprache hielt Herr Rabbiner Dr. Kahn. Prankfurt a. M. Am 15. d. M. sprach in der hiesigen Misrachi-Ortsgruppe Herr Kantor Blitz aus Dessau über seine Reise durch Palästina. Die Liebe zum Lande unserer Väter klang aus seinen Worten und die eingehende Besichtigung und Prüfung der gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in Palästina ermöglichte es dem Referenten, in einem 1 ^ständigen Vortrage allen Anwesenden Anregung und Belehrung zu bringen. Er wies besonders darauf hin, daß jüdischer Landerwerb und Landbau die Bemühungen aller Juden bilden müssen. In. der Debatte, in welcher sowohl ein Palästinenser als auch ein gerade von Palästina zurückgekehrter, nichfzionistischer Frankfurter Herr zu Worte kamen, wurden die Angaben des Referenten bestätigt. Vorträge In der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona hielt der Parteisekretär Herr Kurt Blumenfeld am Sonntag den 13. d. M. einen Vortrag über „Probleme des modernen Judentums". In streng wissenschaftlicher Beweisführung und in außerordentlich anregender Form gab der Redner u.a. eine eingehende Darlegung des Nationalitätsproblems und kam zu dem Schlüsse, daß eine Lösung der Judenfrage im jüdischen Sinne "nur durch den Zionismus herbeigeführt . werden könne. Die hochinteressanten Ausführungen des Redners fanden den lebhaftesten Beifall der sehr zahlreichen Versammlung. Nach Schluß der öffentlichen Versammlung verbreitete sich Herr Blumenfeld im Kreise der Gesinnungsgenossen noch eingehend über die Arbeitspläne der nächsten Zukunft und machte insbesondere genauere Mitteilungen über eine am 27. und 28. d. M. in Berlin stattfindende erweiterte Sitzung des Zentralkomitees, in der über die verschiedenen Vorschläge zur praktischen Arbeit und damit über die Mittel und Wege zur Ausgleichung der bestehenden Differenzen beraten werden soll. Am 17. März sprach Herr Blumenfeld in Breslau über „Das Judenproblem im 19. und 20. Jahrhundert". In interessanten historisch-philosophisclien Ausführungen, die aber stets auch dem weniger gebildeten Zuhörer verständlich blieben, versuchte der Redner den bekanntlich noch durchaus nicht feststehenden Begriff der Nation auseinanderzusetzen. Eine Nation muß sich natürlich einmal auf Grund gemeinsamen Blutes herausentwickelt haben. Redner kommt zu dem Schluß, daß ein Volk solange eine Nation darstelle, als alle Glieder die eines Blutes sind, die gemeinsame Methode des Denkens haben. Die Juden sind jedenfalls eines Blutes, wenigstens seit Jahrtausenden, und zwar allesamt, so daß ein Unterschied zwischen Ost- und Westjuden eine willkürliche Konstruktion sei. Für die Nation gelte aber wie für jedes Einzelindividuum als höchstes Ziel die Ausladung zur geschlossenen Persönlichkeit, zur Individualität. Alle bisherige Kultur vollzog sich auch als Nationalkultur. Soll das Judentum erhalten werden, so gibt es dafür nach diesen Voraussetzungen nur die eine Möglichkeit: Normalisierung der Verhältnisse, d. h. geographische Zusammenfassung im eigenen Lande. Das ist die Vorbedingung für den Fortbestand und Weiterfortbildung einer jüdischen Kultur. Dieser Möglichkeit Verwirklichung strebt der Zionismus an, der am letzten Ende ein Persönlichkeitsproblem sei, das Verlangen nach Freiheit. Der Redner schließt mit einem begeisterten Appell, sich aus Persönlichkeitsgründen der zionistischen Bewegung anzuschließen. Der Redner hatte es verstanden, mit seinen interessanten Ausführungen das den weiten Saal kaum fassende Publikum über l1/* Stunden zu fesseln. An den Vortrag schloß sicfi eine kurze Diskussion an, in der Herr Dr. Sandler auf eine Anfrage hin Gelegenheit nahm, den Zionismus noch in seiner praktischen Tätigkeit und im Verhältnis zum Religiösen darzustellen. Durch Flugblätter, die am Eingang verteilt wurden, wurden die Anwesenden um Beiträge zu dem Genossenschaftsfonds ersucht. Der Zionismus in Schweden (Brief aus Stockholm.) Bis vor kurzem gab es hierzulande bloß in Lund einen kleinen zionistischen Verein. Ich kann Ihnen nun die erfreuliche Mitteilung machen, daß sich jüngst aveh in der Landeshauptstadt Stockholm unter dem Namen Svenska Zionistföreningen eine zionistische Gruppe gebildet hat, die bisher 40 Mitglieder zählt. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren S. Bloch, Vorsitzender, M. Tarschis, Sekretär und S. Glück, Kassierer. Der neue Verein hält seine Zusammenkünfte alle II- Tage im Hotel Kronprinsen, Drottnenggatan 29, ab. Am 27. d. M. werden wir ein großes öffentliches Schekelfest mit musikalischen und deklamatorischen Darbietungen veranstalten. Wir haben hierzu Einladungen an die verschiedensten jüdischen Gesellschaftskreise ergehen lassen und rechnen auf einen guten Besuch. Vielleicht gelingt es uns auf diese Weise, die hiesige Judenschaft für die zionistischen Bestrebungen zu interessieren. Leider herrscht unter den eingeborenen Juden in Schweden allem Jüdischen gegenüber ein eisiger Differentismus. Die Assimilation hat hier einen Umfang gewonnen, der in andern Ländern seinesgleichen sucht. Die Mischehe« und Taufen stehen im höchsten Flor. Aber auch die aus dem Osten eingewanderten Juden lassen vielfach ein reges Interesse an jüdischen Fragen vermissen und haben es bis jetzt zu keinem organisatorischen Zusammenschlüsse irgendwelcher Art gebracht Der erste Versuch nach dieser Richtung hin bildet eben unsere zionistische Vereinigung. Um jedoch in weiteren Kreisen des schwedischen Judentums Verständnis für den Zionismus wachzurufen, hat der Unterzeichnete Max Nordaus vortreffliche Broschüre „Der Zionismus" ins Schwedische übersetzt. Diese Übersetzung haben wir in schöner Ausstattung drucken lassen und in einer großen Anzahl von Exemplaren unter den schwedischen Juden verbreitet. Wir hoffen zuversichtlich, daß es uns mit der Zeit trotz aller Widerstände gelingen wird, mit unserer beharrlichen Propaganda durchzudringen und eine festgefugte zionistische Organisation in Schweden zustande zu bringen, der sich allmählich auch weitere autochthone Kreise der hiesigen Judenschaft anschließen werden. M. Tarschis. Bulgarien Rustschuk. Am 13. März hat hier im deutsch-jüdischen Tempel eine Versammlung stattgefunden, in welcher Herr Siegmund Reitel seinen Bericht als Delegierter auf dem IX. Kongreß erstattete. Die Versammlung nahm nach dem Referat einen Beschluß an, wonach dem E. A. C. und dessen Präsidenten, Herrn Wolffsohn, einmütig Dank und Vertrauen ausgesprochen wurde. Amerika Die Federation of American Zionists hat den 27. März d. J., als Schekeltag für Amerika festgesetzt. In New-York sollen an diesem Tage freiwillige Kräfte die Einsammlung der Schekolim in den einzelnen Stadtteilen durch Besuche von Haus zu Haus bewerkstelligen. Durch diese neue Methode der Schekelsammlung hofft die amerikanische Federation die Zahl der Schekelzahler in New-York zu vervielfachen. Die Juden in Griechenland (Brief aus Korfu) Es dürfte die Leser der „Welt" interessieren, über die Juden in Griechenland, von deren Leben sonst kaum etwas in die jüdische Öffentlichkeit dringt, einige authentische Mitteilungen zu erhalten. Von einem irgendwie regen jüdischen Leben kann hier allerdings schon vermöge der geringen Anzahl und der Zerstreutheit der jüdischen Bevölkerung nicht die Rede sein. Man zählte im Griechenland im Jahre 1907 6127 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 2 600 000 Seelen. Die Juden in Griechenland sind bis auf einige aschkenasische Familien in Korfu sämtlich sephardischer Abkunft, die jüngere Generation spricht aber nicht mehr das spaniolische 3 diom, sondern bedient sich ausschließlich der griechischen Sprache. Die größte jüdische Gemeinde im östlichen Griechenland befindet sich in Larissa; sie zählt zirka 1500 Seelen. Die Gemeinde ist finanziell nicht besonders günstig gestellt und kann nicht einmal einen Rabbiner anstellen. Die gesamte Leitung und Verwaltung ruht in den Händen eines gewählten Vorstandskollegiums. Die Gemeinde besitzt' eine Elementarschule, deren Budget von der Regierung bestritten wird. Diese Schule wird von ungefähr 100 jüdischen Knaben besucht Der Unterricht in hebräischer Sprache wird nach der alten traditionellen Methode, wie sie in den"sephardischen Talmud-Thora-Schulen üblich