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Die Welt · 1910-03-25 · 12 (25.3.1910) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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262 DIE ^ELT No, 12 Präsident Wolffsohn in Lemberg (Telegramm der „Welt".) Der Präsident des E. A. C, Herr Wolffsohn trifft am Sonntag in Lemberg zum Parteitag der galizischen Zionisten ein. Für den Aufenthalt des Präsidenten werden hier große Vorbereitungen getroffen. Zu seinen Ehren findet Sonntag ein Volksmeeting und Montag abends ein studentischer Kommers statt. Dienstag trifft Präsident Wolffsohn in Czernowitz ein, wo gleichfalls große Vorbereitungen für seinen Besuch getroffen worden sind. BielitZe Am 6. März hielt Rechtanwalt Lacbmann aus Königshütte einen Vortrag über „Das Schicksal der Juden und ihr Anteil daran". Der jüdische Gemeindehaussaal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Der Referent besprach zuerst das Schicksal der Juden und verurteilte die reichen Juden, in deren Hand es gelegen sei, die Lage ihrer Brüder zu bessern, die aber aus Mangel an Interesse das Zusammengehörigkeitsgefühl unterdrücken. Herr Lachmann berichtet von der großen praktischen Arbeit in Palästina durch die Zionisten, die ihr Geld für Palästinazwecke hergeben und damit ihren unglücklichen Glaubensgenossen helfen. Der Redner schloß seine Ausführungen mit dem Appell an die Anwesenden, der zionistischen Organisation beizutreten und an der großen Nationalarbeit nach Kräften mitzuarbeiten. Reicher Beifall folgte dem Referate.' Der Obmann des „Haschachar", Herr Sobel, dankte Herrn Rechtsanwalt Lachmann für seinen ausgezeichneten Vortrag. Eine Anzahl der Anwesenden meldeten ihren Eintritt in die Organisation an. Es wurde für den N. F. gesammelt. PrzemysK Die akademische Verbindung „Agudath Herzl" beschloß die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit. Für das XII. Semester wurde folgender Ausschuß gewählt: Leon Lauterbach X, Witold Fried XX, Isak Friesel XXX. Rzeszow. Die hiesige zionistische Organisation hat in einer Versammlung, in welcher Herr Dr. A. Kornhäuser seinen Rechenschaftsbericht als Delegierter beim IX. Kongreß erstattete, eine Resolution beschlossen, in welcher Herrn D. Wolffsohn, dem Präsidenten des E. A. C, die vollste Anerkennung und der Dank, für seine bisherige Tätigkeit in der Partei votiert wird. Troppau. An drei Sonntagen d. M. fanden die Neuwahlen für den Ausschuß unserer Kultusgemeinde statt. Da es vor Durchführung derselben zu einer Vereinbarung zwischen den offiziellen Kreisen und dem zionistischen Vereine „Jeschurun" gekommen war, konnte derselbe eine gemeinsame Liste für die drei Wahlkörper allen Wählern empfehlen und ging auch die Wahl glatt vorüber. Mehrere jüngere Gg. wurden auf diese Art neu gewählt. Die organisierten Zionisten haben nunmehr Vs der Kultusgemeindemandate in Besitz genommen. Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslawischen Ländern „Bar Giora".) Chargenwahlen: Präses JUC Adolf Wiesler, Vizepräses MUC Isak Eskenazy, 1. Schriftführer MUC Wilhelm Schmu ekler, 2. Schriftführer JUC Samuel Pinto, Kassierer MUC Nathan Tajtacak, Bibliothekar med. Bela Milhofer. Ungarn (Von unserm Budapester Berichterstatter.) Laut Beschluß des engern L.-K. ist behufs Besprechung der gegenwärtigen Lage die Sitzung des großen L.-K. für den 28. d. M. nach Budapest einberufen worden. Diese Sitzung wird von höchster Wichtigkeit sein, nachdem dieselbe außer den laufenden Angelegenheiten auch in der Frage der Statuten der Landesorganisation, die von der Regierung noch immer nicht bestätigt worden sind, zu entscheiden haben wird. Es soll in dieser Richtung eine Aktion eingeleitet werden und es ist zu erhoffen, daß sie vom gewünschten Erfolge begleitet sein wird. Auch in der Provinz bekunden die Zionisten lebhaftes Interesse für diesen wunden Punkt der Organisation; die Zionistische Vereinigung in Eperjes hat in diesem Sinne sogar an den Ministerpräsidenten und Minister des Innern," Graf Khuen- Hederväry telegraphiert, indem sie ihn bat, er möge den Zionisten Ungarns „Gerechtigkeit widerfahren lassen'4. An der Agitation in den Budapester Bethäusern und Tischgesellschaften wird weiter flott gearbeitet. Von den hauptstädtischen Vereinen zeichnet sich insbesondere dieMakkabäa, Vereinigungzionistischer Hoch?chüler, durch ihre Aktivität aus. Im verflossenen Wintersemester veranstaltete sie 15 Vortragsabende über jüdische Geschichte, Zionismus und Palästinakunde. Das Sommersemester ist am 26. Februar mit einem literarischen Abend im Prunksaale der Pester Isr, Gemeinde eröffnet worden. Nach der Begrüßungsrede des Präsidenten med. Viktor Jordän hielt Herr Ing. Arnim Beregi einen meisterhaften Vortrag über die „Bildende Kunst im Judentum". In geradezu frappanter Weise schilderte er die Geschichte und das Wesen der jüdischen Kunst von ihren Anfängen in den biblischen Zeiten durch das Zeitalter der Zerstreuung bis zu den bewußten und unbewußten jüdischen Künstlern der Jetztzeit. Nach ihm las Herr Redakteur Max Viola zwei Novellen, getreue Skizzen aus dem Leben der assimilierten Hochfinanz und der einfachen Landjuden. — Am 12. d. M. sprach in der Makkabäa med. Blau über das Oppenheimer'sche Projekt der Siedlungsgenossenschaft. Am 5. d. M. veranstaltete der Budapester zionistische Turnverein „Vivö es Atletikai Club" einen mit einer Soiree verbundenen Ball. Ein elegantes Publikum füllte die Lloyd-Säle, in welchen der Abend, der einen sehr schönen Verlauf nahm, veranstaltet wurde. Als erster Redner fungierte Herr Reichstagsabgeordneter Karl Eötvös, der bekannte Verteidiger im Tisza-Eszlärer Blutbeschuldigungsprozeß. Nach ihm las der ungarisch-jüdische Dichter Josef Patai einige Gedichte, die großen Beifall ernteten. Es gefielen auch die musikalischen Leistungen des Herrn Fenyvesi und anderer Herren. Am 29. Februar fand in Eperjes unter zahlreicher Beteiligung der jüdischen Kreise die Gründung eines zionistischen-Klubs statt, dem auch die jüdischen Rechtshörer als selbständige Gruppe beigetreten sind. Bei der konstituierenden Generalversammlung, an der nahezu 300 Personen teilnahmen, wurden die vorgelegten Statuten angenommen und folgendes Präsidium gewählt: Präsident: Dr. Karl Färb st ein, Präsident-Stellvertreter: Leo Bärkäny (Sebeskellemes), Vizepräsidenten: Leopold Schreiber und Dr. Leopold Fuchs, ferner ein 30gliedriger Ausschuß. — Die Festrede hielt Herr Leop. Leböwitsch (Budapest), der in einer einstündigen, sehr beifällig aufgenommenen Rede das Wesen des Zionismus auseinandersetzte. Nach der Gründungsfeier fand ein Festessen statt, an welchem 200 Personen teilnahmen. Es wurden 120 Kr. gesammelt, die zu dem Ankauf von 5 J. C. T.-Aktien bestimmt wurden. Der neugegründete Klub führt den Namen „Ahavat-Zion", verfügt über schöne Räume, eigenes Telephon, Lesehalle und Bibliothek. — Noch vor der mißglückten Gründung der Organisation „Moria" wandte sich Herr Dr. Lern er an einige ungarische Orthodoxen mit dem Ersuchen, ihm an die Hand zu gehen, doch scheinen seine diesfälligen Schritte mißlungen zu sein. Nachdem nun der ganze so wohlersonnene Plan Schiffbruch gelitten hat, bemüht sich Herr Dr. Lerner, mindestens den ersten Punkt seines Programms, die Bekämpfung des Zionismus, zu verwirklichen. In einem hiesigen jüdischen Blatte (Allg. Jüd. Zeitung), welche das Sprachrohr der orthodoxen Landeskanzlei ist, bemüht er sich, den Zionisten und insbesondere den Misrachisten ein Schnippchen zu schlagen. Indem er nochmals für sein Projekt plaidiert, gibt er der Mitwelt kund, „daß er mit den Misrachisten nicht sympathisiere." Ihm folgte Rabb. Dr. Jung (Ung.-Brod) in derselben Zeitung mit einem längeren Artikel über die zionistische Gefahr. Das Bureau der Misrachi-Föderation gab Herrn Dr. Lerner im selben Blatte die gebührende Antwort. Auch Herrn Rabb. Dr. Jung ist bereits heimgeleuchtet worden, und er wird es wohl kaum mehr unternehmen, mit böswilligen Verleumdungen den Zionismus zu bekämpfen. Deutschland Druckfehlerberichtigung In Dr. Max Nordaus Aufsatz „Ober den Gegensatz zwischen Ost und West,", S. 232, Spalte 1, lies statt: ^Und das Sonderbare ist, daß die erstem . . . sich für die Praktiker, die andern sich für bloße Theoretiker halten", „die andern für bloße Theoretiker halten". Statt: „Sie griffen Herrn Wolffsohn ... an, sagten aber nie, welche bestimmte, konkrete Handlung oder Unterlassung sie ihr vorwarfen", „sie ihm vorwarfen". In Nordaus Antwort an Tschlenow, S. 237, Spalte 2, lies statt: „und da habe ich allerdings gegen sie die bestimmte Anklage erhoben, daß sie immer tadeln, immer kritisiere", „daß sie immer tadelte, immer kritisierte". Statt: „Ich zweifle nicht daran, daß die große Mehrheit . . . sich mit Dr. Tschlenow einverstanden erklärt", „mit Dr. Tschlenow einverstanden erklärt hätte". Köln. Wir haben in der vorigen Nummer einen Bericht über einen Diskussionsabend der Kölner Ortsgruppe veröffentlicht, auf welchem der bekannte Oppenheimersche Artikel „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein" erörtert wurde. Gesinnungsgenosse Nathan Gross ersucht uns, den Bericht dahin richtig zu stellen, daß er gegen die Oppenheimerschen Ansichten polemisiert, nicht aber dieselben als „unzionistisch" bezeichnet habe.

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