Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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248 DIESqK ELT No. 11 Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes su erwerben. Vom V. Zionistenkoncireß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Höhe von nahezu 2 Millionen Marie erreicht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Kindersammlungen zu Purim Mit Bezug auf unsere letzten Veröffentlichungen über die Kindersamtnlungen zu Purim und die Herausgabe einer Kindermünze werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß bereits vor Jahren Frau Bertha Markus, Florenz, die Organisation der Kinder zwecks Sammlungen für den Nationalfonds angeregt und nach dieser Richtung eingehende Vorschläge gemacht hat. Wir veröffentlichen daher nachfolgend einen Aufsatz von Frau BerthaMarkus, den wir dem VIII. Jahrgang der „Welt" entnehmen: Anregung zur Vergrößerung des Nationalfonds Es sind bereits viele Vorschläge zu diesem Zwecke gemacht worden, welche mir fast alle ausführbar erscheinen, aber immer nur die pekuniäre Seite im Auge haben; ich möchte es mit einem Vorschlage versuchen, welcher gleichzeitig mit dieser auch die erzieherische und propagandistische Seite im Auge hat Ich möchte nämlich proponieren, daß wir unsere Kinder, diese allmächtigen Bundesgenossen, als Hilfskräfte verwerten, und bin überzeugt, daß die kleinen Lieblinge durch diese Mitarbeit keinen Schaden leiden, sondern ethisch in hohem Grade gewinnen werden. Vor allem sollen sie uns noch die säumigen Mütter zuführen- Die Organisation, welche eine sehr einfache sein soll, denke ich mir wie folgt: Ein Komitee von zionistischen Frauen und Mädchen, geleitet von einer erfahrenen, anerkannt tüchtigen Frau, macht es sich zur Aufgabe, die Kleinen anzuwerben, und zwar vorerst die Kinder der eigenen Bekannten; ferner Frauen und Mädchen, welche ihnen dazu behilflich sind und immer neue zuführen. Die Neuzugezogenen nehmen dieselbe Verpflichtung auf sich so lange, bis alle zionistischen und auch nichtzionistischen jüdischen Kinder eines Ortes in unserm Lager sind. Jedes anzuwerbende Kind im schulpflichtigen Alter erhält einen Brief, in welchem demselben zu Qemüte geführt wird, daß es die Pflicht auf sich nehme, zur Verbesserung des Loses seiner unglücklichen Mitbrüder sein Scherflein beizutragen, indem es einmal wöchentlich, etwa am Sabbatabend, zwei Heller bringt, beziehungsweise einen Sous, einen Soldo, einen Penny, eine Kopeke usw% aber ja nicht mehr, weil weder die Eitelkeit noch der. falsche Ehrgeiz in unsern Kindern gezüchtet werden soll, wohl aber das Gleichheitsgefühl. Es wirft also seine Münze in eine zu diesem Zwecke bestimmte schlichte, tönerne Sparbüchse, welche das Kind selber zu beschaffen hat. Hinzufügen darf es nur jene Pfennige^ welche ihm von seinen erwachsenen Angehörigen oder Freunden beigesteuert werden. Die Büchsen sollen einmal im Jahre, und zwar an einem hierzu bestimmten Tage des Chanukkah, bei Gelegenheit eines Kinderfestes der Obmännin des Komitees übergeben werden. Die Präsidentin hat in jedem Monat an den Obmann des Nationalfonds einen kle:nen Bericht über die Erfolge oder Mißerfolge zu erstatten. Selbstverständlich müßte diese höchst einfache Organisation in allen Ländern eine stramme und einheitliche sein, wenn das Ziel erreicht werden soll. Wir lesen in der jüngsten Nummer der Prager „Selbstwehr": Bausteine für dieOppenheimersche Siedlungsgenossenschaft Eine nachahmenswerte Anregung Aus Komotau kommt eine wertvolle Anregung, die zur Nachahmung aufs dringendste empfohlen wird. Man schreibt uns von dort: In der letzten Ausschußsitzung des Vereins „Theodor Herzl" beantragte der äußerst rührige Schriftführer desselben, für die geplante Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft 25 Bausteine zu je 20 Kronen unter den Mitgliedern des Vereins aufzubringen. Diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden, denn bereits in den ersten acht Tagen wurden nachstehende ganze bzw. halbe Bausteine gezeichnet resp. zugesagt, und zwar von Herrn Dr. Hermann Hirsch zwei Bausteine; von Herrn Kultusvorsteher Edm. Feldmann, Herrn Josef Konirsch, Herrn Fritz Konirsch, Frau Charlotte Mann, Herrn Ingenieur S. Weil, Herrn Josef Kohn, Herrn Albert Ritter, Herrn S. Feig, Fabr. Görkau, Herrn Gustav Epstein je ein Baustein; von Herrn Willy Konirsch, Herrn Max Pick, Herrn Leop. Schiller, Herrn Josef Deutsch, Herrn S. Otto Lichtner, Herrn Otto König je ein halber Baustein. Zur Erklärung dieser Anregung sei bemerkt, daß vor ca. einem Jahre der bekannte Dichter Peter Rosegger an die österreichischen Deutschen die Aufforderung ergehen ließ, daß jeder zum Zwecke der Errichtung von deutschen Schulen an den Sprachgrenzen bedingungsweise einen „Baustein" zeichnen möge, d.h., jeder bemittelte Deutsche soll sich öffentlich verpflichten, 2000 Kronen für den gedachten Zweck zu spenden, w7enn innerhalb einer bestimmten Zeit zwei Millionen Kronen gezeichnet sein würden. Es ist ein schönes Zeugnis für die nationale Opferwilligkeit der Deutschen in Österreich, daß im Verlaufe von zehn Monaten „Bausteine" im Betrage von mehr als zwei Millionen Kronen aufgebracht wurden. Als Gegenaktion haben die Polen in gleicher Weise in noch kürzerer Zeit eine größere Summe als die Deutschen aufgebracht. Diesen Beispielen folgen nunmehr auch die Tschechen. Ist es nicht für das jüdische Volk geradezu beschämend, daß es zur Aufbringung von zwei Millionen Mark für den Jüdischen Nationalfonds fast so vieler Jahre bedurfte, als bei den Polen und Deutschen Monate — für Schulen an der Sprachgrenze! . . . Wir wollen hoffen, daß unsere Gesinnungsgenosen sich an vorstehendem ein Beispiel nehmen und zumindest die Sammlungen für die Siedlungsgenossenschaft, die für uns etwas mehr bedeuten als „Schulen an den Sprachgrenzen", in der einen oder andern Form bald auf die notwendige Höhe bringen werden.