Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 11 DIE ELT 247 worden. Nach einigen Monaten Tätigkeit wurde er plötzlich infolge einer Denunziation, die ihn als einen gefährlichen russischen Anarchisten, der in den jüdischen Kolonien einen Aufstand vorbereite, hinstellte, verhaftet und nach sechs Wochen Haft unter Überwachung nach Rußland abgeschoben. In Belgien gelang es ihm dann, sich die völlige Freiheit zu verschaffen. Ober seine Ausführungen wird uns aus Wien berichtet: Die Jahresberichte der Pariser Direktion der Jca, so sagte der Redner im wesentlichen, wissen von steigendem Wohlstand und dem Fortschritt der jüdischen Siedlungen zu erzählen. Die Kolonisten zahlen ihre Schulden pünktlich zurück und senden Geld nach Rußland. In der Tat zwingt die Allmacht der Administratoren und d e völlige Abhängigkeit der Kolonisten die letzteren, ihr Vieh zu verkaufen, Darlehen für 12, 24 und 36°/o aufzunehmen, um die Schulden zu zahlen. Das Geld nach Rußland wird nicht von den Kolonisten, sondern von den „Grünen", den Landarbeitern, geschickt, aber durch Vermittlung der Kolonisten und der Administration. Die Behauptung ist somit eine bewußte Täuschung der Öffentlichkeit. Die bisherigen Ergebnisse der Jca-Kolonisation in Argentinien sind das Erwachen des Antisemitismus im Lande, die Schande des Mädchen- und Schwindelhandels, an dem Juden stark beteiligt sind. Die Schwierigkeiten der Kolonisation in Argentinien sind bedeutende. Die Landwirtschaft ist extensiv, eine Konzentration der Ansiedler nur mit Mühe erreichbar. Die Jca aber fördert direkt die Zerstreuung, statt ihr entgegenzuarbeiten, wie es die deutschen und italienischen Kolonisten mit Erfolg tun. Dadurch wird das Kulturniveau der jüdischen Farmer herabgedrückt. Dazu kommt noch die aktive Assimilierungspoiitik der Regierung, die wohl mit den widerstandsfähigen Italienern Frieden hält, die Schwachen, vor allem die Juden, national nicht aufkommen läßt. Schließlich ist die argentinische Kolonisation relativ teuer, die Kolonisierung einer Familie kostet im Durchschnitt 40 000 Frs., also mehr als dreimal soviel als in Palästina, fünf bis sechsmal soviel als in den Vereinigten Staaten. Das größte Hindernis der Kolonisation ist aber das System der Jüdischen Kolonisationsgesellschaft. Jeder Kolonist muß einen Vertrag unterzeichnen, der ihn zum „occupant", bloß Nutznießer der Jca macht, solange er nicht die ganze Schuld zurückgezahlt hat. Hat also ein Kolonist 90% seiner Schuld getilgt, ist noch immer die Administration die rechtliche Besitzerin seines Bodens, seiner Ernte, seiner Häuser, kurz seiner ganzen Habe. Es ist klar, daß die Kolonisten nicht kreditfähig sein können, während die argentinische Landwirtschaft mit ihren Heuschrecken und häufigen Viehseuchen große Investitionen erfordert. Es ist bezeichnend, daß der Vertrag den Administratoren das Recht gibt, die Ernte eines rückständigen Kolonisten zu konfiszieren, — was auch die übliche Methode ist, um die pünktliche Rückzahlung zu erzwingen, — dagegen darf der Kolonist in guten Jahren im voraus nicht bezahlen, um rascher Besitzer seines Bodens zu werden. Nur ein kleiner Teil der Kinder und Söhne der Kolonisten wird angesiedelt. Die meisten verlassen die Kolonien und vergrößern das Heer der Mädchenhändler und Schwindelkrämer. Die Willkür der Administratoren bei der Auswahl der Kolonistensöhne, die kolonisiert werden sollen, ist schrankenlos und bildet eine Quelle ärgster Demoralisation. Trotzdem herrscht unter den Juden Argentiniens ein wahrer Bodenhunger, die Schnorrertypen der ersten Zeit sind verschwunden, die Kolonisten wünschen nichts sehnlicher, als auf die Gnade der Jca nicht mehr angewiesen zu sein. Der Vortragende bittet die Juden Europas und Amerikas, die Kolonisten im Kampfe gegen die Jca moralisch zu unterstützen. Es gilt die Befreiung, von 15 000 Seelen von wirtschaftlicher und geisliger Not, es gilt, den jüdischen Namen, der in Südamerika mit Spott und Schande bedeckt ist, reinzuwaschen. Der Vortrag, durch Beifall und Entrüstungsrufe häufig unterbrochen, fand stürmische Zustimmung. Nach einer kurzen Diskussion gelangte folgende Resolution zur Annahme: Die am 27. Februar 1910 im Restaurant „Zum Goldenen Widder" von der Wiener Organisation der Jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale-Zion Österreichs einberufene jüdische Volksversammlung nimmt mit tiefer Entrüstung Kenntnis von der kritischen Lage der jüdischen Kolonisten Argentiniens, deren Wohlstand und Entfaltung untergraben und verhindert wird durch die unglaubliche Bevormundung und zügellose Willkür der Jca-Adnvnistration, die bestrebt ist, die Abhängigkeit der Kolonisten zu verewigen und ihre Emanzipation zu vereiteln. Die Versammlung verlangt eine Änderung der Siedlungsmethoden auf Grundlage der Selbsthilfe und Selbstverwaltung der Kolonien, sowie die Verwaltung des dem jüdischen Volke von Baron Hirsch überlassenen Vermögens durch Vertreter des Volkes. Die Versammlung gibt ihrer Empörung darüber Ausdruck, daß Beamte der Jca, die vom jüdischen Volksgelde leben, dieser Regierung Henker¬ und Denunziantendienste leisten und an der Unterdrückung der jüdischen Arbeiterbewegung des Landes mit teilnehmen." Jüdischer Bildungs- und Geselligkeitsverein in Mödling In Mödling hat sich ein jüdischer Bildungs- und Geselligkeitsverein gebildet, der vorläufig 20 Mitglieder zählt. Der Verein will eine Lesehalle, verbunden mit einer Bibliothek, einrichten, und von Zeit zu Zeit Vorträge veranstalten. Das Lokal des Vereins befindet sich in Goldhammers Restaurant, Babenbergergasse 40. Schriftführer ist Herr Leopold Moses. SPRECHSAAL ==^=1 Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie höflichst um Abdruck der folgenden Erklärung in nächster Nummer Ihres geschätzten Blattes: Gegenüber der in verschiedenen Zeitungen von Herrn Rabbiner Dr. Breuer veröffentlichten Erklärung stelle ich namens des Vorstandes der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona fest, daß die in der Hamburger Versammlung von Herrn Dr. Klee abgegebene Erklärung nicht in jener Form erfolgt ist. Wahrheitsgemäß hat Herr Dr. Klee entsprechend seiner eignen am 27. Februar im „Hamburger Fremdenblatt" veröffentlichten Zuschrift der Versammlung mitgeteilt, daß die Gründer der „Moria" ohne Vorwissen der organisierten Orthodoxie vorgegangen seien. Diese Mitteilung war Herrn Dr. Klee von einem Vorstandsmitgliede der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" durch Vermittlung eines Parteigenossen unmittelbar vor der Versammlung zu seiner Information zugegangen. Die Richtigkeit dieser Darstellung dürfte von keiner Seite bezweifelt werden. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Hamburg Dr. Kalmus Bei der Administration der „Welt" in Köln sind eingegangen: Für die russisch-jüdischen Waisenkinder: Erinnerung an W. H. Kr. 5.—............Jt 4.25 Für den Lilienblumfonds des Odessaer Komitees: M. Sackheim-Bern Frcs. 1.—............Jt —.80 Bei der Jüdischen Kolonialbank in London sind eingegangen: Für das Hygienische Institut: Per Sammelstelle Moskau............. . Rbl.503. - Per South African Zionist Federation, Johannesburg: Cape Share and National Fund Club £ 2.15.0 Johannesburg Nordau Comittee . . . .1.11.0 £ 4. 6.0 abzüglich 5°/o Kommission,, 0. 4.4 ... £ 4.1.8 Für den Bezalel: Per South African Zionist Federation, Johannesburg: Roodeport Zionist Association...........£ 1. 1.0 Mr. S. Getz of Roodeport.............., 0.10.6 £ 1.11.6 Von der Zentrale des Jüdischen Nationalfonds für Deutschland, durch Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg: Für die misrachistische Mittelschule......JL 60.50 Für die russisch-jüdischen Waisenkinder . . . . „ 5.— Für das hygienische Institut....... . „ —.95 Rückerstattung der pro Januar von den Eingängen für das hygien. Institut zu viel in Abzug 5 V0 Kommission..................„ 1.38 Am 8. März 1910 wurde uns ein kräftiger Stammhalter geboren, den wir Horst Leo Wolf gang David genannt haben. Dr. med. Julius Loewenheim u. Frau Frida geb. Senator. BERLIN W., Neue Bayreuther Str. 8.