Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 DIEEaIELT Der Jüdische Nationalfonds — ein Instrument zur Abhilfe der Judennot (Eine neue Nationalfondsbroschüre) Im Laufe dieser Woche wird im „Jüdischen Verlag" eine ausführliche Broschüre über den Jüdischen Nationalfonds aus der Feder des Qg. Adolf Böhm erscheinen. Diese Broschüre, die in Form einer wissenschaftlichen Abhandlung die innere Notwendigkeit und die hohe Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds vom sozialökonomischen und nationalen Standpunkt auseinandersetzt, entspricht einem langgehegten Bedürfnisse, indem sie die Möglichkeit gewährt, auch in den weitesten Kreisen der Nichtzionisten Verständnis und Interesse für den J. N. F. zu wecken. Sie ist insbesondere auch als Grundlage für Vorträge über die soziale Seite der Judenfrage vorzüglich geeignet. Mit Rücksicht auf die im Laufe dieses Monats gelegentlich des Purimfestes und der nachfolgenden Pessachfeiertage stattfindenden Veranstaltungen möchten wir schon jetzt alle unsere Sammelstellen, sowie unsere Kommissäre und Vertrauensleute auf diese Broschüre aufmerksam machen, damit sie sich rechtzeitig mit einem genügenden Vorrat derselben versehen können. Die Broschüre wird in einem Umfange von 64 Seiten vorläufig in deutscher Sprache erscheinen und kostet im Einzelverkauf 20 Pfennig. Ihr Inhalt zerfällt in folgende Kapitel: Vorwort. 1. Lage und Bewegung der jüdischen Massen. 2. Die Abhilfe der Judennot. 3. Der Jüdische Nationalfonds und seine Aufgaben. 4. Die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina. Schlußwort. Anhang. Organisation, Sammeltätigkeit und Wachstum des Jüdischen Nationalfonds. Die Broschüre ist gegen Voreinsendung des Betrages inklusive Porto sowohl vom Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds wie auch von den Sammelstellen zu beziehen. Um unsern Lesern ein Bild von der systematischen Darstellung des J. N. F. in dieser Broschüre zu geben, veröffentlichen wir nachfolgend einen Abschnitt aus dem Kapitel: „Die Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds." Das Grundprinzip Wir haben bereits gesehen, daß der Übergang zur jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation eine historische, psychologische, und wenn das nicht zugegeben werden sollte, sicherlich eine sozialpolitische Notwendigkeit ist. Wir wissen auch, daß eine nationale Institution geschaffen wurde, welche dazu bestimmt ist, das Werk nicht nur durchzuführen, sondern auch die Siedlung der jüdischen Kolonisten zu einer dauernden zu machen. Dies soll dadurch gewährleistet werden, daß der Nationalfonds Boden in Palästina kauft und ihn für ewige Zeiten bewahrt. Nur darin ist in der Tat eine Gewähr gelegen, daß der von Juden besetzte Boden niemals wieder in nichtjüdische Hände kommt. Würde dies geschehen, würde der Jude wieder den Boden verlieren und die Scholle verlassen, der Boden von nichtjüdischer — etwa arabischer Bevölkerung besetzt werden, dann würden die Juden in Palästina nur wieder in dieselben, keine dauernde Sicherheit gewährenden Verhältnisse kommen, wie sie seit 1800 Jahren in den Golusländern bestehen. Sie würden wieder nur Handel- und Gewerbetreibende, keine Urproduzenten sein und mit der Zeit würde, wie überall bei Wachstum der Bevölkerung und damit parallel gehender steigender Industrialisierung, eine Überflutung der Städte durch die arabischen Zuzügler vom Lande eintreten, die Juden würden wieder nur als Gastvölker angesehen werden und wahrscheinlich dürfte sich dann ihr Schicksal?enau so wiederholen, wie immer und überall im Verlaufe der 1 800jährigen Goluswanderung. Die Geschichte lehrt aber weiter, 249 daß nur ein Volk, das irn Boden wurzelt, nicht entnationalisiert werden und nicht untergehen kann. Durch Jahrhunderte unterdrückte Völker, wie Czechen, Ruthenen, Slovaken etc. konnten nicht von Deutschen, Polen, Magyaren etc. entnationalisiert werden, weil sie Bauernvölker waren. Mit dem Nachlassen des Druckes erheben sie ihr Haupt, und heute bedrohen sie in nationaler Beziehung durch den Zuzug vom Lande in die Stadt sogar ihre bisherigen Herrenvölker. Das deutsche Prag wurde in wenigen Jahrzehnten czechisch, das polnische Lemberg sukzessive ruthenisch. Die Gewähr, daß die Juden endlich wieder in eine normale Lage kommen und ihre Zukunft endgültig sichern, liegt nur darin, daß sie wieder mit dem Boden verwurzeln und von ihm nicht mehr weichen. Dies ist, wie die Geschichte lehrt, die einzig mögliche Garantie hierfür, sicherer als alle Machtmittel der Welt, Militär, Kanonen, Kriegsschiffe usw. Es ist daher eine Bestimmung von weiser Voraussicht, daß der Nationalfondsboden nie wieder an Nichtjuden veräußert werden kann. Ebenso wichtig ist es aber auch, auf Nationalfondsboden Juden als Pächter und Arbeiter zu verwenden. Denn es kommt nicht darauf an, wem der Boden gehört, sondern, was nach oben Gesagtem leicht erklärlich ist, weiche Menschen darauf siedeln und ihn bearbeiten. Zu Theodor Herzls fünfzigstem Geburtstag Am 19. Mai d. J. jährt sich zum fünfzigsten Male der Tag, an welchem dem jüdischen Volke einer seiner größten Söhne geboren wurde. Zur ewigen Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag beabsichtigt die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds eine Landspende einzuführen, die im Sinne eines auf dem letzten Kongreß gefaßten Beschlusses, jedem Juden die Möglichkeit bieten soll, ein Stückchen Land für den J. N. F. in Erez Israel zu erwerben, das für immer den Nainen des Spenders in einem besonders herzustellenden Kataster tragen würde. Wir behalten uns vor, Näheres hierüber in einer der nächsten Nummern der „Welt" zu verlautbaren. Wir machen die Freund? des J. N. F. aber schon jetzt darauf aufmerksam, weil wir überzeugt sind, daß der fünfzigste Geburtstag unseres verewigten großen Führers überall zum Anlaß genommen werden wird, um Gedenkfeiern zu veranstalten und eine wirksame Agitation für die neue Landspende einzuleiten. Büchsenleerungen zu Pessach Die Einrichtung der Büchsenleerungen an den Halbfeiertagen des Pesrach- und des Sukkothfestes hat sich in den Orten, wo diese Leerungen planmäßig und energisch in Angriff genommen worden sind, vorzüglich bewährt. Nicht nur, daß an diesen Tagen frei willige Mitarbeiter sich leichter heranziehen lassen, sondern auch die Kontrolle und Evidenzhaltung sind bei Einhaltung dieser Leerungstermine leichter durchzuführen. Die Ergebnisse der Nationalfondssammlungen in den letzten Monaten sind leider nicht so befriedigend ausgefallen, wie dies nach dem Gesamtergebnis von einer halben Million Francs im vergangenen Jahr hätte erhofft werden dürfen. Der sicherste Weg, die Nationalfondseingänge dauernd zu steigern, ist eine planmäßige Organisation der Büchsenleerungen. Es ergeht darum die dringende Bitte an die Vertrauensmänner des Nationalfonds, unverzüglich die nötigen Vorbereitungen zu treffen, damit die Büchsenleerungen anläßlich unseres nationalen Freiheitsfestes wieder eine mächtige Stärkung unseres Volksschatzes bewirken. * * * In einem Zirkular des Herrn Dr. Tschlenow an die russischen Vertrauensmänner des N. F. lesen wir mit Bezug auf die Büchsen- Sammlungen: „Eine Ihrer Hauptaufgaben, welcher Sie Ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zuwenden wollen, ist die Büchsensammlung. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Zweig der Nationalfondssammlungen sich immer mehr ausbreitet und entwickelt. Unsere