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Die Welt · 1910-03-18 · 11 (18.3.1910) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Philadelphia, Justizrat Timendorfer-Berlin, Dr. Tschleno w-Moskau, D. Wissotzky-Moskau, J. Zetlin-Moskau. Das ungefähr 45 000 qm umfassende Terrain, das, wie wir bereits im Vorjahr berichteten, in Haifa am Fuße des Carmel für das Technikum angekauft worden ist, ist auf den Namen des Vorsitzenden Herrn James Simon eingetragen. Es ist bereits mit einer Mauer umfriedet, und von der Munizipalität in Haifa haben wir heute schon die Erlaubnis zur Errichtung der Hauptgebäude erhalten. Über die innere Ausgestaltung des Technikums, über die Fächer, die dort gelehrt werden sollen, ist der Rat hervorragender Sachverständiger eingeholt worden. Am 27. September fand eine Besprechung dieser Sachverständiger statt, an der unter anierm teilnahmen: die Herren Professor Dr. Arthur Binz, Stadtbauinspektor Broniatowski, Geh. Regierungsrat Götte, Geh. Bau rat Dr. ing. Theodor Landsberg, Prof. Dr. Martitz, Geh. Regierungsrat Dr. J. Pieck, Prof. Dr. ing. Georg Schlesinger von der Charlottenburger Techn. Hochschule und Direktor Vojck vom Städtischen Technikum in Berlin. In dieser Besprechung wurden die Grundlinien festgelegt, nach denen der Bau und die Einrichtung des Technikums sich zu vollziehen haben. Die genaue Gestaltung des Technikums kann natürlich nicht ohne weiteres von vornherein festgelegt werden. Die Anstalt muß, sowohl was den Bau als auch den Unterricht anbelangt, so angelegt werden, daß sie mit dem Fortschreiten der Entwicklung im Orient gleichen Schritt halten kann. Um in der Türkei selbst festzustellen, welche Zweige der Technik für die Anstalt in Betracht kommen, hat sich in dankenswerter Weise Herr Prof. Dr. Schlesinger von der Hochschule in Charlottenburg erboten, im Frühjahr 1910 eine Reise nach Konstantinopel zu machen, außerdem wird binnen kurzem Herr Dr. Nathan sich aufs neue nach dem Orient begeben, um an Ort und Stelle die unmittelbare Inangriffnahme des Baues nach jeder Richtung hin vorzubereiten. Inzwischen sind die technischen Vorarbeiten für den Bau selbst in diesem Jahre so weit gefördert worden, daß voraussichtlich im Frühjahr 1910 der Grundstein für das Technikum gelegt werden kann, denn Ende Oktober 1909 begab sich im Auftrage des Kuratoriums des Technikums Herr Regierungsbaumeister Bärwald nach Haifa und machte in einer zweimonatlichen Reise die nötigen Studien' für die Ausführung der Arbeiten. Herr Regierungsbaumeister Bärwald wird bei der Ausarbeitung der Pläne von den Herren Professoren Dr. Franz und Dr. Georg Schlesinger unterstützt. Wenn auch für die Durchführung des Projekts in seinem vollen Umfang noch große Mittel notwendig sind, so steht doch das Institut auch finanziell auf einer gesunden Basis. Für den Erwerb des Grund.und Bodens, den Bau und die Einrichtung des Instituts stehen rund 700 000 Mk. zur Verfügung. Zu den oben erwähnten Schenkungen tritt noch ein Darlehen des „Jüdischen Nationalfonds" von 100 000 Frs. Für die Unterhaltung des Instituts sind einstweilen über 320 000 Mk. vorhanden, darunter die Zinsen von 300 000 Mk. vom Hilfsverein der Deutschen Juden. Bei dem großen Interesse, das der Errichtung des Instituts entgegengebracht wird, dessen Bedeutung nicht nur für die Juden des Orients, sondern auch für die Fortschritte der Entwicklung im osmanischen Reich von allen Seiten anerkannt wird, wird es sich hoffentlich bald ermöglichen lassen, diejenigen Mittel, die noch fehlen, um das Institut den Bedürfnissen entsprechend auszubauen und zu erhalten, aufzubringen. Die Errichtung eines Technikums im Orient ist ein weiterer und bedeutender Schritt vorwärts auf dem Wege zu unserm Ziel, die jüdische Jugend im Orient zu einer heimfrohen, bodenständigen und erwerbstätigen Bevölkerung heranzubilden, die auf eigene Kraft gestellt, unabhängig von der Wohltätigkeit des Abendlandes wirkt und durch ihre Tüchtigkeit sich selbst und ihrem ottomanischen Vaterlande in gleicher Weise Nutzen bringt. Aber das Technikum soll darüber hinaus auch denjenigen Juden des europäischen Ostens, die infolge der Bedrückungen und der Hindernisse, die ihrer Bildung in den Weg gerückt werden, die technischen Anstalten ihrer Heimat nicht besuchen können, eine Stätte bieten, an der sie ihre Ausbildung erhaiten können. Wird dieser doppelte Zweck erreicht, dann wird sowohl für die Juden Europas wie für die des Orients die Errichtung eines jüdischen Technikums in Haifa von epochemachender Bedeutung werden," Moderne Buchhandlung in Jaffa Die Jerusalemer Buch- und Kunsthandlung der Herren Dr. Wiese und Meyer hat in Jaffa eine Filiale eröffnet. Ein neues Kulturinstitut für Palästina Wir erhalten aus Chicago bedeutsame Informationen über die geplante Gründung eines neuen jüdisch-kulturellen Instituts für Palästina. Dem bekannten palästinensischen Agronomen Aaronsohn, der seit einiger Zeit in Amerika weilt, ist es gelungen, dort einflußreiche jüdische Kreise für die Gründung der von zionistischer Seite schon lange geplanten landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina zu gewinnen. Es hat sich bereits eine Organisation zu diesem Zwecke gebildet, die es unternehmen will, diese Versuchsstation als ein allgemein-jüdisches Institut ins Leben zu rufen. Vorsitzender der Organisation ist Herr Julius Rosenwald aus Chicago, als Schatzmeister fungiert Herr Paul M. Warburg, die Sekretärsgeschäfte versieht Miß Henrietta Szold. Von bekanntern Mitgliedern des Vorstandes nennen wir noch die Herren Dr. Cyrus Adler, Samuel S. Fels, Louis Marshall und Dr. J. L. Magnes. Die Herren Schiff und Rosenthal sowie eine Reihe anderer Spender haben bereits eine Summe gezeichnet, die hinreicht, um die Versuchsstation zu errichten und ihre Wirksamkeit für mehrere Jahre zu sichern. Hochbedeutsani ist, daß auch die amerikanische Regierung dem Plane großes Interesse entgegenbringt. Das Ackerbauministerium hat der neuen Organisation die Stiftung einer agrikulturellen Bibliothek versprochen, die nach der Aussage einer Autorität „einzig in der Alten Welt" sein soll. Herr Julius Rosenwald wird der Versuchsstation eine Sammlung von 24 000 Pilzen und Schwämmen zuwenden, die ihresgleichen in der ganzen Welt nicht hat. Es liegt auf der Hand, daß ein derartiges Institut, ausgerüstet mit solchen Mitteln und unterstützt von einer so hervorragenden Organisation, für die landwirtschaftliche Entwicklung Palästinas von allerhöchster Bedeutung werden muß. Rußland Ein Ministerialzirkular Aus Petersburg wird uns weiter berichtet; Vom Ministerium des Innern wurde kürzlich ein vertrauliches Rundschreiben an die Gouverneure der Grenzgebiete (mit Ausnahme Polens und einiger Provinzen des Innern) versandt, Juden, die kein Wohnrecht besitzen, unauffällig auszuweisen. Unter solchen Juden, die „kein Wohnrecht besitzen", befinden sich Personen, die 10—20 Jahre am Ort gewohnt und ihr Gewerbe ausgeübt haben. Um den Leuten das Aufenthaltsrecht zu nehmen, wird vom Minister eine alte Bestimmung der vielen „Judengesetze" geltend gemacht. Die Gouverneure haben mit der Ausweisung begonnen; im Innern und an der Grenze müssen zahlreiche Familien ihre Besitztümer für Schleuderpreise losschlagen, und ein Teil der Verfolgten hält es für besser, Rußland zu verlassen und nach überseeischen Ländern auszuwandern. Die neue Ausweisungsära Aus Petersburg wird uns gemeldet: Die Hiobsposten über die neue Ausweisungsära vermehren sich von Tag zu Tag. Unaufhörlich laufen jetzt Nachrichten aus allen Städten und Städtchen außerhalb des Ansiedlungsrayons über bevorstehende Judenausweisungen ein. In Wornesch sind viele Familien schon seit einigen Monaten von der Ausweisung bedroht, und haben nur auf Grund von Protesten und Bittschriften eine Verzögerung der Ausweisungen erlangt. In Riga und Kasan, ebenso in Petersburg und Moskau sind neuerdings mehrfach Familien ausgewiesen worden. Am schrecklichsten ist aber die Lage der Juden in Kiew, wo über 1200 Familien ausgewiesen werden „müssen". Die Ausweisungen richten sich gegen solche Juden, die nur bedingtes Wohnrecht haben, so z. B. unter der Bedingung, ein bestimmtes Handwerk zu treiben, oder die auf Grund der Eingabe eines Kaufmanns usw. die Wohnerlaubnis nur für eine gewisse Zeit, gewöhnlich für 6 Monate, erhalten haben. Im allgemeinen werden diese Bestimmungen nicht ernst genommen. Jetzt aber hält man sich streng an ihren Wortlaut und weist alle diejenigen aus, die sie nicht auf das genauste befolgt haben.

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