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Die Welt · 1910-03-18 · 11 (18.3.1910) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 11 die^elt 241 Berlin über das Thema: „Der Zionismus und die deutschen Juden" sprach. Die Versammlung war gut besucht und der lebhafte Beifall am Schluß der Rede des Herrn Dr. Leszynsky zeigte, wie sehr der Redner es verstanden hatte, die Anwesenden durch seine Ausführungen zu fesseln und der zionistischen Idee näher zu bringen. Unmittelbar nach dem Vortrag erklärten 10 Teilnehmer der Versammlung ihren Beitritt zur zionistischen Organisation. Dr. Ephraim Adler-Stiftung zur Erziehung jüdischer Kinder in Palästina Wir werden um die Veröffentlichung des folgenden Aufrufes ersucht: „Die Unterzeichneten haben sich zu einem Werke pietätvoller Dankbarkeit vereinigt, das, wie wir zuversichtlich hoffen, Ihrer gabenwilligen Anteilnahme gewiß sein darf. Mit Dr. Ephraim Adler in Lübeck ist einer der Edelsten und Verdienstvollsten aus unserer Mitte gerissen worden, desseii vorbildliches Leben in allen seinen Betätigungen den hehrsten Idealen unserer Glaubensgemeinschaft zugewandt war. Ein bevorzugter Teil der reichgesegneten Wirksamkeit des Entschlafenen galt, zumal in seinen letzten Lebensjahren, Palästina, für dessen Wiederbesiedlung durch Juden und kulturell-wirtschaftliche Neuerweckung er seine reichen Geistesgaben und seine hilfseifrige Schaffenskraft bis zum verlöschenden Atemzuge mit begeisterter Hingabe rastlos eingesetzt hat. Von dem Verlangen geleitet, das Andenken des Heimgegangenen in dauernder Erinnerung zu erhalten, glauben wir, seinen eigenen Wünschen am würdigsten zu entsprechen, indem wir seinen Namen im heiligen Lande verewigen. Wir haben deshalb beschlossen, eine „Dr. Ephraim Adler-Stiftung zur Erziehung jüdischer Kinder in Palästina" zu errichten. Das Kuratorium zur Errichtung der „Dr. Ephraim Adler-Stiftung" Alexander Carlebach, Lübeck. Dr. H. Hildesheimer, Berlin. Michael Mainz, Frankfurt a. M. Dr. M. Meyer, Lübeck. Hugo Rothschild, Lübeck. Hermann Struck, Berlin. Moritz S. Wolff, Hamburg. Beiträge wolle man adressieren an die Bankfirma Louis Wolff & Co., Commanditgesellschaft, Lübeck für die Dr. Adler-Stiftung. Renaissance der jüdischen Kultur Königsberg L Pr. In der Königsberger Zionistischen Vereinigung hielt am 7. d. M. Herr N. Sokolow einen Vortrag über die „Renaissance der jüdischen Kultur". Das jüdische Volk, führte der Vortragende aus, das auch exterritorial eine eigene Existenz führe, stehe an der Schwelle einer großen Epoche. Zwar wolle man das vielfach leugnen, weil man in dem Emporblühen der jüdischen Kultur eine Reaktion erblickt, aber Argumente täten wenig Hilfe leisten, die Lebenden behielten recht. Gewiß handelt es sich zunächst nur um Keime. Aber die Keime sind stark und entwicklungsfähig. Die hebräische Literatur, die hebräische Publizistik befinden sich bereits heute in staunenswerter Blüte. Auch in der heutigen jüdischen Politik treten starke Kulturkeime zutage. An Stelle der frühern geduldigen Zurückhaltung ist die zweckentsprechende Politik des Zusammenschlusses zu tatkräftigen Organisationen getreten. Darin liege die Verkörperung eines politischen Sinnes, ein Stück sozialer Kultur. Auch der Wissenschaft sei eine andere Behandlung zuteil geworden. Sie nimmt Fühlung mit dem Volke und bildet keine Spezialität mehr für Orientalisten und Theologen. Selbst auf dem Gebiete der Kunst sei eine progressive Entwicklung bemerkbar. Alle Bestrebungen können sich aber nur entfalten und zu höchster Blüte gelangen, wenn dem jüdischen Volke die normalen Lebensbedingungen wiedergegeben werden. Das jüdische Kulturproblem könne nur in der Freiheit gelöst werden. Ein geistiges Zentrum als Mittelpunkt für alle jüdischen Kulturbestebungen müsse in Palästina, wo alles mit der Wucht des historischen Bewußtseins auf den Juden einwirke, geschaffen werden. Das sei das Moment, schloß der Vortragende seine mit äußerst starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen, den die Anhänger der national-kulturellen Richtung im Zionismus betonen und dessen Verwirklichung sie ersehnen. Köln. In der hiesigen zionistischen Vereinigung fand am verflossenen Samstag, den 12. d. Mts., ein Diskussionsabend über den in der „Welt" erschienenen Artikel Dr. Franz Oppenheimers: „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein" statt. — Die Diskussion wurde durch ein kurzes Referat des Herrn Dr. Klatzkin eingeleitet. — Redner führte u. a. folgendes aus: Stellt auch der Aufsatz Oppenheirners einen symptomatischen Versuch dar, den Zionismus zu entnationalisieren, so kann er uns jedoch keineswegs beunruhigen, vielmehr sollen wir darin das Symptom eines weitern Fortschrittes in der Entwicklung des zionistischen Bewußtseins erblicken. Der Enthusiasmus und das Pathos, die das erste Stadium des Zionismus kennzeichnen, haben sich ausgelebt, und nun tritt die zionistische Idee in ein zweites Stadium ein, das der Erkenntnis, wobei naturgemäß manche unserer westeuropäischen Gesinnungsgenossen, angesichts der immer mehr hervortretenden Prägnanz und Strenge des Kulturmoments, in dieser Idee als enttäuscht sich entdecken müssen. Dies mußte kommen, und ist vom geschichtlichen Gesichtspunkte als eine Erläuterung der zionistischen Gesinnung zu begrüßen. Zur logischen Analyse des Oppenheimerschen Aufsatzes übergehend, versuchte Herr Dr. Klatzkin des ausführlichen die Willkürlichkeit der Begriffsbildung und die mangelhafte Methodik in der Lisposition dieses Artikels darzutun, wobei er ganz besonders sich gegen die Herabsetzung der ostjüdischen Kultur wendete und sie als eine arge Verkennung und Unkenntnis der jüdischen Kulturwerte bezeichnete. Redner schloß mit der Warnung vor dem Versuche, den Zionismus durch Verdunklung oder gar Ausschaltung seines nationalen kulturellen Moments zu erweitern und somit auch für unsere bisherigen Widersacher annehmbar zu machen. Auch die folgenden Redner, die sich an der Diskussion beteiligten, und zwar die Herren: Groß, Dr. Rubensohn, Berger und Werth er, erklärten die Oppenheimerschen Ansichten als unzionistisch. — Die Diskussion nahm einen ernsten und interessanten Verlauf. Leipzig. Am 3. März hielt Dr. Georg Wittkowski-Berlin vor einer großen Zuhörerschaft einen Vortrag über Jüdische Renegaten und ihre liberalen Bundesgenossen. In klarer, fesselnder Weise führte er aus, wie die liberale Bewegung das Judentum aller historischen und nationalen Werte entkleidet und so den Weg, der zum Austritt aus dem Judentum führt, gebahnt hat. Demgegenüber sei es Aufgabe der Zionisten, die Bedeutung des historischen Elements im Judentum überall zu betonen. — In der Diskussion ergriff Dr. Heinrich Löwe-Berlin das Wort. Er wandte sich besonders gegen Dr. Porges-Leipzig. Dieser stehe auf dem Standpunkt, daß das Beireiben des Hebräischen in den Allianceschulen in Palästina die Erwerbsmöglichkeiten der Zöglinge nicht steigere. Dieser Standpunkt beruhe auf der Unkenntnis des tatsächlichen heutigen Zustandes, welcher klar erkennen läßt, daß das Hebräische die einzige gemeinsame Sprache aller Juden in Palästina wird. — Reicher Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen. Nürnberg-Fürth: „Die zionistische Ortsgruppe Nürnberg- Fürth erklärt nach eingehender Besprechung des Artikels „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein", daß sie sich den Anschauungen des Herrn Dr. Fr. Oppenheimer nicht anschließt, vielmehr der Überzeugung ist, daß die Voraussetzung des Zionismus die nationale Einheit des Judentums ist.u Rumänien Für die neu zu gründende Kolonie in Palästina sind bei der zionistischen Federation von Rumänien bis jetzt 55000 Francs von 142 Familien eingegangen, die bereit sind, nach dem heiligen Lande auszuwandern. In den nächsten Tagen wird die mit der Wahl und Erwerbung des Bodens beauftragte Kommission nach Palästina abgehen. Der Zionismus und der französische Einfluß im Orient Unter diesem Titel veröffentlichte vor einiger Zeit der Publizist Angel Marveaud, der Vertreter des „Journal des Döbats" auf dem IX. Zionistenbongreß, eine Serie von Artikeln, in denen er erklärte, er halte es für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit des französischen Publikums auf die Gefahr hinzulenken, die den französichen Interessen im Orient von zionistischer Seite drohe. Die logische Argumentation des Artikelschreibers war ungefähr folgende: Der Zionismus steht den Assimilationsbestrebungen der Alliance Israelite Universelle feindlich gegenüber, die Allianz vertritt aber französische Interessen, folglich ist der Zionismus dem französischen Einfluß im Orient schädlich. Ein weiterer Beweis für die Franzosenfeindschaft der Zionisten ist für Herrn Marveaud, daß der letzte Kongreß auf deutschem Boden stattgefunden, daß die Debatten fast ausschließlich in der deutschen Sprache geführt wurden, und daß endlich an der Spitze unserer Bewegung deutsche Juden stehen/ Wir würden auf dieses Zeitungsgewäsch heute nicht zurückkommen, wenn der Verfasser sich von seinen Freunden aus der Assimilationsgenossenschaft nicht hätte verleiten lassen, diesen schriftstellerischen Erguß aufzuwärmen und zu einer Demonstration gegen unsere Renaissancebewegung zu verwenden. Unsere Gegner,

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