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Die Welt · 1910-03-18 · 11 (18.3.1910) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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No. 11 DIE3^I ELT 237 verehrten Herrn Dr. Nordau sind den programmlosen Russen nicht ganz fremd und neu. Es ist allerdings richtig, daß die unpraktischen Russen den Landerwerb in Palästina für eine äußerst wichtige, unaufschiebbare Aufgabe halten, und daß sie die vorbereitenden Schritte zur Schaffung einer Agrarbank mit aller Kraft durchzuführen suchen. Ich will aus demselben Memorandum zwei Stellen anführen, die nur unsern prinzipiellen Standpunkt in diesen Fragen klarlegen, ohne mit den Details der Ausführung den Leser zu belästigen. „Die türkische Umwälzung", heißt es dort, „muß Palästina zu einem Lande der Immigration machen und die politische Macht einer jeden dieses Land bewohnenden Nation muß zweien Faktoren proportional sein: der Anzahl der Bevölkerung und den reellen Interessen. Eine vorherrschende Stellung in diesem Lande einnehmen, heißt einerseits den Strom einer verstärkten Immigration dorthin leiten, anderseits, über bedeutende Kapitalien verfügen. Je schneller dies die Juden tun, desto weniger Konkurrenz werden sie an Ort und Stelle von Seiten der Immigranten anderer Nationen finden. Wir haben Grund, anzunehmen, daß unsere Partei auf diesem Wege Mitwirkung anderer, nicht zionistischer Gruppen finden wird. Mögen diese Gruppen unsere idealen Bestrebungen nicht teilen; auf dem Boden der Immigration können und müssen wir sie gutheißen." „Wir müssen wiederum wiederholen, daß auf diesem Gebiete, — dem Gebiete des Zuflusses nach Palästina von Leuten und Kapitalien, — wir von Seiten unserer Partei keine Merkmale von Initiative und Tätigkeit sehen. Wir haben das Recht, zu verlangen, daß unsere Partei diese Sache in ihre Hand nimmt, mit einer Energie, die der Wichtigkeit des gegenwärtigen Momentes entspricht. Wie auch der Ausgang der politischen Umwälzung in der Türkei sich gestalten möge, jeder jetzt erleichterte Gewinn im Gebiete des Landbesitzes und der Industrie in Palästina wird ein bedeutendes Plus für unsere Bewegung ergeben." Dies sind die Gründe, weshalb wir betreffs der Wichtigkeit des Bodenerwerbs nicht mit Herrn Dr. Nordau übereinstimmen können. Und nun noch über unsern Standpunkt in der Frage des Bodenkredits. Folgendes sagten wir in unserm Rundschreiben: „In Anerkennung, daß die Gründung eines großen Instituts für langfristigen Agrarkredit jetzt, wo die Entwicklung in weitem Maßstabe einer praktischen Arbeit in Palästina notwendig und möglich ist, als wichtigste und dringende Notwendigkeit der Bewegung erscheint; daß einerseits die neuen politischen Verhältnisse in der Türkei in kurzer Zeit eine Veränderung der Rechtsformen hervorrufen müssen, die es ermöglichen werden, die entsprechenden Institute auf fester juridischer Basis zu gründen; ferner, voraussehend, daß solch eine Gründung alle Chancen jetzt besitzt, die Sympathien und Kapitalteilnahme sowohl der weiten Volksschichten als auch der Vertreter der jüdischen Finanzwelt und der öffentlichen jüdischen Organisationen zu gewinnen, — bestimmt die Konferenz usw." ■ Herr Dr. Nordau hält die erste dieser Aufgaben augenscheinlich für nicht wichtig, die zweite für „unweigerlich zum Bankerott verurteilt". Wir wollen jetzt darüber nicht streiten. Die Zukunft wird beweisen, auf welcher Seite die richtige Auffassung war. Eines will ich aber gleich bemerken. Die Versuche zur „Heranziehung nichtzionistischer Kräfte zur gemeinschaftlichen Arbeit in Palästina", wie auch die Unternehmung aller Schritte, um „das Zustandekommen eines starken Agrarkreditinstituts zu fördern", — diese Punkte finden wir jetzt im offiziellen Programm der russenreinen Leitung („Die Welt", Nr. 4). Interessant ist nur dabei, daß die Leitung, wie es scheint, außer acht gelassen hat, wer eigentlich diese Forderungen noch vor 1 lk Jahren aufgestellt hat und „nachdrücklich konstatiert", daß nur sie ein Programm hat, die Russen — keines, nichts . . . So wird bei uns Geschichte geschrieben! Max Nordaus Antwort. Hochgeehrte Redaktion! Empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank für Ihre Freundlichkeit, mir den Aufsatz des Herrn Dr. E. W. Tschlenow vor seinem Erscheinen zum Zweck einer Äußerung meinerseits mitgeteilt zu haben. Ich übernehme selbstverständlich keinerlei Verantwortung, sei es für den W'ortlaut, sei es selbst für den Gedankengang eines Berichtes aus fremder Feder, der nur eine gedrängte Zusammenfassung einer 40 Minuten langen Rede ist. Ich habe in der Pariser Versammlung kein „Programm" entwickelt, sondern allgemein von dem gesprochen, was meines Erachtens jetzt das unmittelbare Ziel der zionistischen Arbeit sein sollte. Ich habe nicht gesagt, wir sollten „in Palästina neue zionistische Vereine gründen" — eine derartige Albernheit traut man mir hoffentlich nicht zu, — sondern ich habe gezeigt, daß es eine unserer dringendsten Aufgaben ist, die Zionisten Palästinas einheitlich zusammenzufassen und ihnen eine Landesorganisation zu geben; ich habe auch nicht gesagt, „nicht Landerwerb sei augenblicklich für das jüdische Volk von großer Wichtigkeit"; wichtigeres als Landerwerb kann es für das jüdische Volk jetzt und später ja überhaupt nicht geben; was ich sagte, ist, daß der Erwerb von einigen Hektaren oder Dutzend Hektaren Landes für das jüdische Volk unerheblich ist; Ich brauche den Unterschied zwischen beiden Lesarten wohl nicht zu erläutern. Ich habe auch unsern Freunden aus Rußland nicht in einer Verallgemeinerung, die nicht in meiner Gewohnheit liegt, Programmlosigkeit und Mangel an praktischem Sinn vorgeworfen. Die schmückenden, homerischen Beiworte „die unpraktischen programmlosen" Russen, die Herr Tschlenow zwischen Anführungszeichen setzt, sind von ihm, nicht von mir. Ich habe ganz konkret vom IX. Kongreß und von der Haltung der russischen Landsmannschaft auf diesem Kongreß gesprochen, und da habe ich allerdings gegen sie die bestimmte Anklage erhoben, daß sie immer tadele, immer kritisiere, aber selbst keinerlei positives Programm vorschlug, es wäre denn, man ließe den Ruf: „Weg mit Wolffsohn!" als ein positives Programm gelten, was ich für meinen Teil nicht tue. Dr. Tschlenow führt jetzt Stellen aus einem Schreiben an, das, wie es scheint, im November 1908 versandt wurde. Ich habe es nicht gekannt. Mein Freund Dr. Marmorek teilt mir nicht seinen ganzen Briefeinlauf mit. Die Zuschrift, auf die Dr. Tschlenow anspielt, hat er mir nicht gezeigt. Die Auszüge aus ihr, die Herr Tschlenow jetzt veröffentlicht, haben zum großen Teil meinen Beifall. Wie schade, daß ihr Verfasser sie nicht auf dem IX. Kongresse wiederholte und weiter entwickelte! Ich zweifle nicht daran, daß die große Mehrheit mich inbegriffen, sich mit Dr. Tschlenow einverstanden erklärt. Das alles gilt von den Punkten des Tschlenowschen Programms,.die sich auf die Organisierung der türkischen und palästinensischen Juden und auf die Aufklärung der maßgebenden öffentlichen Meinung im ottomanischen

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