Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 10 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 DIE^EELT 215 Der Delegierten tag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland^ wird im Spätsommer in Frankfurt a. M. stattfinden. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben werden. Offenbach. Am 27. Februar fand die konstituierende Versammlung der hiesigen zionistischen Orfsgruppe statt, zu der mehrere Frankfurter Gesinnungsgenossen erschienen waren. Dem geschäftlichen Teile ging ein mit begeisterter Zustimmung aufgenommener Vortrag des Herrn L. Perlmutter-Frankfurt a. M. voraus über „Entwicklung der deutschen Judenheit seit der Emanzipation'*. Die schmerzlichen Erinnerungen, so ungefähr führte der Redner aus, die sich an fast alle Perioden äußerer Freiheit in der jüdischen Geschichte knüpfen, werden durch die Begleiterscheinungen der Emanzipation um eine besonders traurige vermehrt. Redner schilderte die bis in die heutige Zeit hineinreichende Verwirrung bei einem großen Teile der Judenheit, die direkte Folge der Emanzipation, zeichnete in großen Zügen ein Bild der sich weiter bildenden Strö7 mungen und zeigte schließlich, wie gerade in der jüngsten Zeit die geschichtliche Entwicklung auf eine jüdische Renaissance hinarbeite. Nach längerer geschäftlicher Debatte wurde die Gründung der Ortsgruppe mit den Vorständen Herren Lehrer Diamant, Oppenheimer, Podowsky, Bentaschik und Erbesthal beschlossen. Hieran schloß sich eine allgemeine Aussprache, in welcher die Übernahme der jüdischen Bibliothek und Lesehalle in Offenbach besprochen wurde und in der ein „bundistischer" Gegner in iängern Ausführungen den Zionismus bekämpfte. Ihm antworteten unter allgemeiner Zustimmung mehrere hiesige Zionisten sowie Herr Selka aus Frankfurt a. M. und in einem Schlußwert der Referent, dessen Hinweis auf den hohen sozialen Inhalt der jüdischen Gesetzeslehre besondern Anklang fand. Es traten mehrere Anwesende der Ortsgruppe bei, so daß seit der letzten Versammlung nun 15 neue Mitglieder gewonnen wurden. R. Hohensalza. Am 26. Februar fand im Hotel Foraita eine vom Posener Distriktsbureau einberufene Versammlung statt, die von etwa 70 Personen besucht war. Es sprachen Herr Dr. Sandler-Breslau über „Das Programm des Zionismus" und Herr Kareski-Posen über „Die Organisation des Zionismus". Beide Vorträge wurden mit sichtlichem Interesse angehört und fanden stürmischen Beifall. Es entspann sich dann eine lebhafte Diskussion, in der eine Reihe Fragen, die von Verständnis und Sympathie für die zionistische Sache zeugten, aufgeworfen und von den Referenten eingehend beantwortet wurden. Der Erfolg der Veranstaltung fand in der sofortigen Meldung von 44 Schekelzahlern Ausdruck, eine stattliche Zahl, die sich jedoch inzwischen schon auf 56 gesteigert hat. Besonders erfreulich ist, daß auch führende Persönlichkeiten der Gemeinde, darunter der Vorsteher der Repräsentantenversanimlung, Herr Justizrat Latte, sich zur Entrichtung des Schekels bereit erklärten. Ein provisorisch gebildeter Vorstand, dem z. Z. die Herren Direktor Herzfeld, Fabrikant Librowicz, Apotheker Reich mann, Kaufmann Lach mann, Kaufmann Philipp R Osenberg und Kaufmann Spiro angehören, wird in den nächsten Tagen die Konstituierung einer Ortsgruppe in die Wege leiten. Mainz. Am 28. Februar fand die Generalversammlung unserer Ortsgruppe statt. Nach Erstattung des beifällig aufgenommenen Jahresberichts, der auf einen in der letzten Zeit erfolgten Mitgliederzuwachs hinweisen konnte, wurde dem Vorstande die Entlastung erteilt. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: H/Bloch, 1. Vorsitzender, S.Lazarus, 2. Vorsitzender, H.Meyer, Schriftführer, S. Guggenheim, Kassierer, L. Friedmann, Ph. Weil und Is. Berney, Beisitzer. Als Revisoren wurden die Herren Dr. Duschinsky und J. Rosanzki gewählt. — Sodann erstattete Herr Bender aus Frankfurt a. M. ein Referat über den Zionismus vor und nach Herzl und erntete für seine trefflichen Ausführungen reichen Beifall. Die darauffolgende Diskussion hatte die neuesten Begebenheiten in der zionistischen Bewegung zum Gegenstande und führte nach lebhaften Erörterungen zur einstimmigen Annahme der folgenden Resolution: Die am 28. Februar tagende Generalversammlung der Mainzer Ortsgruppe verurteilt aufs schärfste den in den letzten Tagen von einer Anzahl deutscher Zionisten veröffentlichten Aufruf und spricht dem Präsidenten Herrn David Wolffsohn und der Gesamtleitung ihr volles unerschütterliches Vertrauen aus. Leipzig. Zur Förderung der Tachkemonischule in Jaffa hat sich hier infolge der Bemühungen des Herrn Jakob Blumenfeld ein Lokalkomitee gebildet, dem außer dem Genannten noch die Herren Blümlein, Ettlinger, Lieber, Rosenfelder und Rechtsanwalt Dr. Wohrizek angehören. Der über Erwarten gute Erfolg eines Aufrufs zeigte, daß in allen jüdischen Kreisen reges und gabenfreudiges Interesse für ideale Bestrebungen herrscht, wenn es nur durch rührige und sich der Sache mit Hingebung widmende Männer geweckt wird. England London. Am 23. Februar fand hier eine Sitzung des Zentralkomitees der zionistischen Föderation Englands statt. Es wurde beschlossen, die Gründung eines Propagandafonds energisch zu betreiben und einen diesbezüglichen Aufruf zu erlassen. Es wurden ferner eine Kommission für Palästinaarbeit und eine für hebräische Kultur eingesetzt. Die Vorschläge der „Ibriah" wurden eingehend erörtert und es gelangten folgende Beschlüsse zur Annahme: 1. Das Zentralkomitee befürwortet die Gründung von Ibriah- Vereinen. 2. Die Föderation soll sich nach Möglichkeit der hebräischen Sprache bedienen. 3. Die Föderation fördert moralisch die Herausgabe hebräischer Werke durch die Ibriah, insbesondere wird sie ihre Aufmerksamkeit der zu begründenden Vierteljahrsschrift der Ibriah widmen. 4. Das Zentralkomitee empfiehlt der Jüdischen Kolonialbank, ihre Berichte auch in hebräischer Sprache zu veröffentlichen. 5. Die Mitteilungen der Föderation sollen auch in hebräischer Sprache und in den hebräischen Zeitungen publiziert werden. Es wurde ferner beschlossen, den Familien des verstorbenen Rabbiners Gordon aus Telschi, des Schriftstellers Lilienblum in Odessa und des Col. Cond er zu kondolieren. Im Verein „Beth Zion" in London sprach Herr Josef Co wen über das Zirkular des russischen Zentralkomitees, das er auf das schärfste kritisierte. Er erblickt in diesem Manifest den Aufruf zum Kampf gegen die Leitung. In seinen weitern Ausführungen befaßte er sich mit dem Artikel Franz Oppenheim ers in der „Welt", dessen Gedankengang er nicht akzeptiert. Es gibt, sagte der Redner, keine Differenzpunkte zwischen Ost und West. Wer solche hineinträgt, versündigt sich an dem Geist und der Einheitlichkeit der Organisation. Der Zionismus in Serbien (Von unserm Korrespondenten in Belgrad) Nachdem sich die schwierigen politischen Verhältnisse in Serbien geklärt hatten, vereinigte sich der Jugendverein „Gideon" mit dem Verein „Zion", um eine rege Tätigkeit entwickeln zu können, und in der Generalversammlung des Vereins „Zion" wurde ein koalierter Ausschuß von den Mitgliedern beider Vereine gewählt, welcher sich folgendermaßen konstituierte: Präsident Dr. D. Alcalay, Vizepräsident Dr. Sam. Pops, Sekretäre S. Sch. de Majo und Avram Beissak, Kassier Adolf Reschofsky, Beisitzer Avram Arveti, Haim Audi na und Abraham Mevorach. Der neue Ausschuß hat sofort zu Beginn seiner Amtsperiode eine rege Tätigkeit entwickelt. Gelegentlich der Chanukafeier veranstaltete der Verein einen Vortragsabend mit Konzert. Herr Dr. D. Alcalay hielt eine Rede über den Zionismus, seine Bedeutung und seine Entwicklung. Der Vortragende besprach besonders interessant und ausführlich den Nationalfonds, die Kolonialbank und andere Institutionen der zionistischen Organisation und erörterte auch die Frage Zionismus und Patriotismus. Diese Rede wurde gedruckt und nach allen Städten Serbiens, wo Juden wohnen, geschickt. Diese Art der Propaganda hatte auch einen guten Erfolg. Die Rede wird auch in der spanischen Sprache erscheinen, weil ein großer Teil der serbischen Juden die spanische Sprache besser beherrscht. Um auch die öffentliche Meinung mit dem Zionismus bekannt zu machen, wurde allen Zeitungen ein Exemplar zugestellt, leider ohne Erfolg. Die serbische Presse nimmt vorläufig von dem Zionismus keine Kenntnis. Herr Behor Assaria aus Philippopel, Delegierter des IX. Zionistenkongresses, hielt sich einige Tage in Belgrad auf. Auf Einladung des Vereins „Zion" hielt er einen allgemeinen Vortrag über den Zionismus, welcher verhältnismäßig gut besucht war. Es wurde für den Nationalfonds gesammelt. Eine besondere Tätigkeit entwickelten die hiesigen Zionisten für den Nationalfonds. Es wurden bisher bedeutende Summen gesammelt. Der Verein „Zion" hat seinen Präsidenten Herrn Dr. David Alcalay für sein opferwilliges Wirken in das Goldene Buch des J. N. F. eingetragen.