Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 10 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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no. 10 —— . ' die: Der Gedanke der Vereinigung der jüdischen sozialistischen Parteien, der in Amerika angeregt und der Verwirklichung näher gebracht wurde, wird in einer Resolution mit Genugtuung begrüßt; das Verbandsbureau wird ermächtigt, die Vereinigungs- und Föderierungsbestrebungen in den einzelnen Ländern nach Kräften zu unterstützen. Die umfangreiche Tagesordnung wurde in anstrengenden Sitzungen gewissenhaft erledigt. Die Abstimmung allein über die vielen Paragraphen des Organisationsstatuts und die Satzungen des Palästina-Arbeiferfonds war schon eine bedeutende Kraftleistung. So dauerte die letzte Sitzung ununterbrochen 17 Stunden. Die gefaßten Beschlüsse waren das Ergebnis eines mitunter heftigen Kampfes. Im großen und ganzen standen sich zwei Gruppen gegenüber: ein Block der ös!erreichischen, amerikanischen und palästinensischen Delegierten, dem in den entscheidenden Fragen die Poale-Zion Rußlands stürmisch opponierten. Den stärksten Widerstand leisteten die russischen Delegierten in der Organisationsfrage, bei der Stellungnahme zum Zionistenkongreß und zur genossenschaftlichen Siedlung. Bei der Beratung des Statuts des Verbandes verlangte die russische Delegation, richtiger die Gruppe Stendiger, eine Einschränkung der Kompetenz der Weltkonferenz, deren Beschlüsse erst von den Landesparteitagen sanktioniert werden sollen, um für alle Organisationen bindend zu sein. Die Zentralkomitees sollten ein Vetorecht bei der Festsetzung der Tagesordnung der Konferenz besitzen. Alle diese Anträge wurden von der Mehrheit verworfen. Ebenso vergeblich war die Opposition der Delegation Rußlands gegen die Teilnahme am Kongreß und gegen die Siedlungsgenossenschaft. Sie blieb völlig isoliert. Die häufigen Erklärungen des Delegierten Stendiger, die Unnachgiebigkeit der Mehrheit könne eine Spaltung herbeiführen, haben sich trotzdem keineswegs bewahrheitet. Denn die vernünftigsten Vertreter der Poale-Zion Rußlands wußten, daß ihre Wähler keineswegs geschlossen hinter der intransigenten Stendigergruppe stehen, daß die poale-zionistischen Arbeiter Rußlands die Einigung mit den Parteigenossen in Österreich und Amerika um jeden Preis aufrechterhalten wollen. Es herrschte deshalb auf der Konferenz trotz einiger stürmischer Zwischenfälle eine durchaus friedliche, ja, begeisterte Stimmung, die in den ergreifenden, hoffnungsvollen Schlußansprachen erhebenden Ausdruck gefunden hat. Die II. Weltkonferenz offenbarte den Willen der großen Mehrheit der Poale-Zion, den müßigen Streit um orthodoxen Marxismus und Revisionismus auszuschalten und eine Partei der fruchtbaren jüdisch-sozialistischen Aktion zu werden. Austriacus Landeskonferenz der galizischen Zionisten Das Zentralkomitee der galizischen Zionisten hat die neunte Landeskonferenz der zionistischen Organisation in Galizien für den 27. und 29. März einberufen und veröffentlicht in der Parteipresse folgende Tagesordnung: 1. Eröffnungsrede (Abgeordneter Adolf Stand); 2. Annahme der Geschäftsordnung; 3. Wahl des Präsidiums und der Ausschüsse; 4. Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomitees; 5. Bericht über die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs" (Abgeordneter Stand); 6. Die jetzige Situtation im Zionismus (Rabbiner Dr. O. Thon); 7. Palästinaarbeit (Dr. A. Hausmann); 8. Unsere kulturellen Aufgaben (S. Schiller); 9. Unsere wirtschaftlichen Aufgaben (M. Frostig); 10. Wahl des Zentralkomitees. — Dieses reiche Programm weist auf die ernsten und schweren Aufgaben hin, welche die nächste zionistische Landeskonferenz zu erledigen haben wird. Unsere Gesinnungsgenossen in Galizien haben nämlich einen besonders schweren Standpunkt und eine große Verantwortlichkeit der jüdischen Bevölkerung gegenüber. Einerseits muß die rein zionistische Arbeit vollführt und eine große, intensive Propaganda unter den 800 000 galizischen Juden getrieben werden, anderseits hat die galizische Partei auf sich noch die schwere Last geladen, die jüdische Politik im Lande zu leiten, und sie muß daher einen großen Teil ihrer Kräfte für die Führung der „Landespolitik" verwenden. Der Zionismus ist in Galizien zu einer mächtigen Bewegung herangewachsen, die nicht nur die überwiegende Majorität der galizischen Juden, sondern auch einen großen Einfluß im Lande gewonnen hat. Es ist daher zu erhoffen, daß die neunte Landeskonferenz sich nicht-mit einem rein äußerlichen, demonstrativen Effekt begnügen, sondern auch dahin streben wird, die zionistische Arbeit im Lande noch mehr zu verbreiten und unsere Organisation zu stärken. Bukowinaer zionistischer Landesparteitäg Sonntag den 27. Februar d. J. wurde um 10 Uhr vormittags im Sitzungssaale des Jüdischen Hauses in Czernowitz der Bukowinaer zionistische Landesparteitag durch den Präsidenten des D. K., Herrn Siegmund Weißglas, eröffnet. Aus Czernowitz und den andern Orten ^ELT 213 der Bukowina waren zirka 50 Delegierte erschienen, die Galerie war voll besetzt. Der Präsident hielt zuerst dem tags vorher verstorbenen Mitgiiede des D. K., dem A. H. der „Hebronia", Herrn Ing. Misalles, einen warmen Nachruf, der stehend angehört wurde. Dann erstattete er den Rechenschaftsbericht. Die Bewegung in der Bukowina sei zurückgegangen, doch treffe die Schuld nicht die Leitung, sondern die einzelnen Vereine. Gg. Weißglas hebt aber besonders die rege und intensive Arbeit der zionistischen akad. Korporalionen hervor. Hierauf wurde auf Antrag Israel Taubes, Gg. Dr. Josef Ellenbogen, Suczawa, zum Vorsitzenden und Gg. Dr. Werber zum Stellvertreter gewählt Schriftführer waren die Gg. Dr. Rath und Retter. Bei der Debatte über den Rechenschaftsbericht des Präsidenten sprach zuerst Gg. Sommer („Zephira"). Er will keine Kritik des Vergangenen, sondern Vorschläge für die Zukunft machen, bespricht die zionistischen Verhältnisse und gibt zahlreiche Anregungen für die weitere Arbeit. Gg. Dr. Fleischer ist für die Trennung der zionistischen von der landespolitischen Tätigkeit. Gg. Bikel, Nepolokoutz, beklagt sich ebenfalls darüber, daß die zionistische Tätigkeit stark unter der politischen leide. Gg. Adv.-kand. Simon Holdengräber, Suczawa, bespricht eingehend die mangelhafte Organisation in der Bukowina und entwickelt einen Plan für die weitere Tätigkeit. Gg. Dr. Berl Kinsbrunner ist für eine größere Agitation für die palästinensischen Institutionen. Gg. Meier Teich („Tikwah") wendet sich in überaus scharfer Weise gegen die bisherige Leitung. Der Bukowinaer Zionismus kranke an den allzu großen Separationsbestrebungen einzelner Vereine. Es sei daher eine größere Solidarität erforderlich. Man müsse sich gegenseitig in der Arbeit unterstützen und nicht behindern. Dann gebe es zu viele „Nationale", zu viel falschverstandenen jüdischen Nationalismus. Galizien z. B. habe, scharf geschieden, Nationale und Assimilanten. In der Bukowina aber sind alle nach Bedarf „national". Von allen Nachläufern, die nur, um Ehrenmandate zu erhaschen, hie und da national werden, müsse man daher die Bewegung reinigen, damit sie gesunde und das zionistische Ehrenschild rein bleibe. Für die' weitere Arbeit ist ein starkes L. K. nötig, das autoritäre Anregungen zu geben imstande ist, das die bestehenden Vereine kontrollieren und neue Vereine gründen soll, damit der Zionismus zu einer wirklichen Volkspartei werde. Zum Schluß beantragt er, dem Präsidenten dis Absolutorium nicht zu erteilen. Gg. Israel Taubes („Emunah") hebt hervor, daß in der letzten Zeit ein Rückgang in der Tätigkeit des D. K. zu bemerken sei und daß die Propagandaarbeit nur von einzelnen wenigen Gruppen, nicht aber von der Leitung geleistet wurde. Redner unterbreitet dem Parteitag mehrere Vorschläge betreffend die Verwirklichung aller Aufgaben der zionistischen Partei, welche der Kongeß dem Palästinaresbort zugewiesen hat. Die Hauptaufgabe der zionistischen Organisationen sei die rein palästinensische Arbeit. Man dürfe jedoch nicht, und besonders heute in der Bukowina, die realpolitische Arbeit vergessen, die jedoch auf zionistischer Grundlage sich entwickeln muß. Zwecks besserer Ausgestaltung der Propaganda sei die Herausgabe zionistischer Broschüren in jüdischer Sprache erforderlich. Zum Schluß besprach er das Verhältnis der Nafionalfondszentrale in Wien zum Buko* inaer D. K. und schlug eine Lösung vor. Er ist gegen die Erteilung des Absolutoriums. Gg. Retter, Bojan, erklärt, man dürfe nicht das D. K. angreifen, während die Vereine selbst nichts tun. Gg. Krämer („Zephira") spricht für die Errichtung einer Auskunftei für Palästinaangelegenheiten. Gg. Schnee („Hasmonaea") verlangt die Wahl eines tüchtigen L.K,, daß die vom Parteitage gemachten Anregungen zu verwirklichen imstande sein solle. Gg. Löbl Taubes verlangt die Zentralisierung der zionistischen Arbeit und bespricht die Aufgabe der Zionisten als solcher in der Politik des Landes. Redner verweist auf den unlängst stattgefundenen Judentag, auf welchem die Zionisten ihre Stellung zu den landespolitischen Fragen präzisiert haben. Dann sprachen noch Gg. Gottfried („Chermonia") Frl.- Taubes, Sadagora, und Gg. G. R. ICörner, Suczawa. Gg. Dr. Mendel Kinsbrunner gibt im Namen des Präsidenten Weißglas die Erklärung ab, daß dieser infolge Zeitmangels eine Wiederwahl nicht annehmen könne und stellt den Antrag, dem D.K. das Absolutorium zu erteilen und dem Präsidenten für seine unermüdliche achtjährige Tätigkeit im Bukowinaer zionistischen D. K. den Dank auszusprechen. Der Antrag wurde angenommen. Behufs Besprechung über die Neuwahl des L. K. wurde die Sitzung unterbrochen. Nach Wiedereröffnung derselben um 8 Uhr abends, wurde auf Antrag des Gg. Theodor Weisselberg er („Emunah"), Gg. Univ.-Prof. Dr. Leon Ke'lner unter großem Beifalle der Delegierten und des Auditoriums zum Präsidenten des Bukowina^ zion. L.K. einstimmig gewählt. Prof. Kellner wurde hiervon telegraphisch verständigt. Der Antrag des Gg. Holdengräber (Suczawa), daß die zehn Dele-