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Die Welt · 1910-03-11 · 10 (11.3.1910) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 10 o o o o o o o o o o o o o o DIE^ELT AUS DER BEWEGUNG 211 ff o o o o o o o I 2> o o o o o o o An die Vereine! Die Redaktion ersucht nachdrücklichst die Herren Schriftführer der Vereine, Berichte über Versammlungen, Veranstaltungen, Vereinstätigkeit usw. so rasch als möglich an die „Welt" abzusenden. Berichte z. B. über einen Vortrag oder eine Versammlung drei Wochen nach der Veranstaltung sind nicht mehr aktuell und daher wertlos. Auch wird gebeten, Manuskripte nur auf einer Seite zu beschreiben. _______ Rußland Das 25jährige Jubiläum des Vereins Bne Zion in Moskau Moskau, 1. März. Die älteste Organisation der zionistischen Bewegung hat im vorigen Monat den Gedenktag ihrer Gründung festlich begangen. Es ist' dies der Verein „Bne Zion" in Moskau, der vor 25 Jahren von Dr. Tschlenow, Rabbiner Mase h, Ussischkin, J. Lewontin, Marek und andern gegründet wurde. Am 20. Februar fand die Festfeier im Hause Dr. Tschienows statt. Rabbiner Mas eh begrüßte in einer warmen Ansprache im Namen der Mitglieder des Vereins Dr. Tschlenow, Dr. Tolkaczowski sprach über die Tätigkeit des Vereins in den 25 Jahren seines Bestandes, Ingenieur J, Lewontin (der unter dem Pseudonym „Chuschi hoarki" bekannte hebräische Schriftsteller) hob die Verdienste Dr. Tschienows um den Verein und die zionistische Arbeit hejvor, durch die sich Dr. Tschlenow eine so große Popularität erworben habe. Am selben Tage fand ein Festmeeting der Mitglieder des jubilierenden Vereins statt. Dr. Tschlenow eröffnete die Versammlung mit einer gehaltvollen Ansprache, in der er die verschiedenen Entwicklungsstadien der zionistischen Idee besprach. Besonders eingehend schilderte er die Zeit zu Beginn der 90er Jahre, als die Ausweisung der Juden aus Moskau erfolgte und die Türkei die Tore Palästinas vor den Juden schloß. In warmen tiefempfundenen Worten verweilte der Redner bei der Erscheinung Herzls und deren Einfluß auf die Gestaltung des Vereins. Die nächste Rede, der 1 Vs stündige Vortrag des Rabbiners Mas eh, war dem Andenken Lilienblums gewidmet, dessen Schaffen und Wirken der Redner trefflich den Zuhörern vor Augen führte. Sodann erfolgten Beglückwünschungsansprachen verschiedener Deputationen; so sprachen Herr Raskin im Namen des zionistischen Lokalkoinitees Moskaus, Herr Aritzkin für den Verein der Jungzionisten, Frau Kahn für den Moskauer Frauenverein für Kulturarbeit in Palästina, Herr Günstling für das russische Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds, Herr Wischniak für das Moskauer Komitee der Geulah; im Namen derlbriah sprach Herr Killrich. Der hier zufällig anwesende Herr Dr. Goldberg aus Berlin rühmte die zionistische Tätigkeit Dr. Tschienows und berührte die in der letzten Zeit aktuell gewordene Frage des Ost- und Westjudentums. Der Historiker Marek, eines der ältesten Mitglieder des Vereins, gab einen geschichtlichen Rückblick über den Verein. Abends gaben die Herren Neiditsch, Alpern und Tschirikower zu Ehren des Vereins ein Bankett, zu dem sich 80 Personen einfanden. Der bekannte hebräische Humorist Lewinski (Odessa) hielt eine bemerkenswerte geistreiche Ansprache und begrüßte den Verein im Namen des Odessaer Komitees. Sodann betonte Rechtsanwalt Gissin (Mohilew) die Notwendigkeit zionistischer Erziehungsarbeit und Propaganda unter den Frauen. „Haben wir", — fragte er — „das Geschlecht -vorbereitet, dem wir die zionistische Fahne übergeben wollen?" Ein Begrüßungsschreiben des Herrn Ussischkin, der am Erscheinen verhindert war, stellte die gleiche Frage. Auf dem Bankett wurde auch die Errichtung eines hebräischen Theaters in Palästina angeregt. Die Teilnehmer an der Feier sammelten die zur Eintragung des Vereins in das Goldene Buch nötige Summe. Der offene Brief des Herrn Rosenbauni, Minsk, an das russische zionistische Zentralkomitee „Hed Hasman" veröffentlicht in Nr, 35 folgende Antwort des russischen Zentralkomitees auf den von uns in Nr. 8 aus demselben Organ entnommenen offenen Brief des Herrn Rechtsanwalts Rosenbaum, Minsk: „An das Mitglied des Großen Aktionskomitees Herrn Sch. Rosenbaum. Sehr geehrter Herr Kollege! Auf Ihr offenes Schreiben an uns, das Sie in Nr. 31 des „Hed Hasman" publizierten, beehren wir uns, folgendes zu erwidern: „Sämtliche von Ihnen in Ihrem offenen Schreiben berührten Fragen sind bereits in unserm ersten Zirkular („Haolam" Nr. 4 und '„Rasswjet" Nr. 6), das, wie Sie sehen, Ihrem Briefe voranging, beantwortet. Wir haben dem dort Ausgeführten nichts hinzuzufügen." Das russische zionistische Zentralkomitee teilt uns mit, daß Herr Rechtsanwalt Sch. Rosenbaum auf der Konferenz der russischen Landsmannschaft in Hamburg ins Zentralkomitee nicht wieder gewählt worden und a-so nicht mehr Mitglied des Zentralkomitees ist. Das Komitee besteht nunmehr aus neun Herren, und zwar: M. Boruchow, B, Goldberg, J. L. Goldberg, J. Grünbaum, A. Idelson (als Redakteur des Parteiorgans „Rasswjet"), L. Jaffe, H. Farbstein, N. Sokolow und H. Drujanow (als Redakteur des „Haolam"). Die offizielle Adresse ist: J. L. Goldberg, Wilna. Österreich Die zionistischen Organisationen Wiens gegen Oppenheimers Artikel: „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein" Sonntag den 27. v. M. fand in den Räumen des Zionistischen Zentralvereins in Wien eine Besprechung der zionistischen Vereine Wiens statt, um zum Aufsatz Dr. Franz Oppenheimers in der „Welt" Stellung zu nehmen. Der Einladung des Zentralvereins hatten die Vorstände nachstehender Organisationen Folge geleistet: Jüd.-akad. Verbindung „Unitas", Klub zionistischer Arbeiter, Jüd.- akad. Verbindung „Makkabäa", Vereinigung zionistischer Hochschüler „Judäa", Zionistischer Mädchenverein „Hyrkania", Vereinigungjüdischer Hochschüler aus den südslawischen Ländern „Bar- Giora", Hebräischer Konversationsklub „Ivriah", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus der Bukowina „Jordania", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizie.n „Bar-Kochba", Akad. Verbindung „Ivriah", Jüd.-akad. Verbindung „Kadimah", Sektion „Jung- Juda", Akad. Verein „Theodor Herzl", Verein jüdischer Handelsangestellter „Achwah", Landessammelstelle des Jüdischen Nationalfonds „Keren Kajemeth Lejsroel". Der Vorsitzende, Herr Dr. Jakob Kohn, begrüßte die erschienenen Vereinsvorstände und stellte fest, daß es nicht die Aufgabe der Besprechung sei, gegen die Ansichten Dr. Franz Oppenheimers aufzutreten. Er habe lediglich die Absicht, die Tendenz des Aufsatzes und die Tatsache, daß er im Zentralorgan der Bewegung ohne Widerspruch erschienen ist, zur Diskussion zu bringen. Nach einer kurzen Debatte gelangte folgende Entschließung zur Annahme: „Die am 27. ds. Mts. in einer Versammlung des Zionistischen Zentralvereins erschienenen Vorstandsmitglieder der gefertigten Wiener zionistischen und jüdisch-nationalen Vereine erklären zum Artikel Dr. Oppenheimers — „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein" in Nr. 7 der „Welt": Nach unserer Überzeugung gibt es keinen Zionismus ohne jüdischen Nationalismus. Denn der Zionismus ist „die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland". Wir sprechen daher unser Bedauern aus, daß die „Welt" als zionistisches Zentralorgan diesen Standpunkt des offiziellen Kongreßzionismus dem besagten Leitartikel nicht sofort entgegengehalten hat." Hierzu ist zu bemerken, daß die Redaktion der „Welt" in einer Randbemerkung keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß sie den betreffenden Aufsatz nicht als ihre Meinungsäußerung betrachtet, sondern ihn als Diskussionsartikel zum Abdruck bringt. Wir glauben, daß die zionistische Bewegung stark genug ist, und die Erörterung wichtiger Probleme des Zionismus von einem abweichenden Standpunkt niemanden irremachen kann. Am wenigsten sollten sich die Wiener Zionisten darüber aufregen, die ja stets theoretische Vertiefung und grundsätzliche Klarheit verlangen.

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