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Die Welt · 1910-02-25 · 8 (25.2.1910) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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178 DIEXaXELT No. 8' Summe stellte. Die Londoner Tagespresse und die übrigen großen englischen Zeitungen brachten spaltenlange Berichte über das Leichenbegängnis des hervorragenden russischen Rabbiners. S# Brodetzky Herr Selig Brodetzky, der vor anderthalb Jahren die hohe Würde eines Senior Wrangler, die höchste Ehrung der mathematischen Abteilung der Cambridge-Universität, erreichte, hat nunmehr für die Dauer von drei Jahren den Isaac-Newton-Preis im Betrage von 200 Pfund erhalten. Herr Brodetzky ist ein begeisterter Zionist und Präsident der Cambridge University Zionist Society. g° jC ORRESPONDENZENj^ Diese Rubrik, für die die Redaktion keine Verantwortung trägt, ist Zuschriften aus dem Leserkreise zum freien Meinungsaustausch offen Eine Zuschrift des Herrn Cowen Herr Joseph Cowen sendet uns eine auf die Richtigstellung des Herrn Prof. Warburg in Nr. 6 der „Welt" bezugnehmende Zuschrift, in welcher er erklärt: „Ob das Schriftstück „Memorandum" oder „Protest" genannt wird, ist ganz ohne Wichtigkeit. Ich habe mich geirrt, als ich sagte, daß Herr Professor Warburg das Schriftstück unterschrieben hat, und bitte ihn wegen meines Irrtums um Entschuldigung. Nach seinen . eigenen Worten aber (siehe „Welt", Beilage zur Kongreßausgabe Nr. 6, p. 2, erste Kolonne) hat er geholfen, das Schriftstück zu „redigieren". Ich meine, wer ein Schriftstück „redigieren" hilft, ist mindestens so verantwortlich für den Inhalt desselben, wie einer, der es unterzeichnet. Wenn Herr Professor Warburg in dem Memorandum eine Schädigung der Bewegung nicht erblicken kann, so muß ich ihn doch daran erinnern, daß, als die betreffenden Stellen im Kongreß verlesen wurden, sich allgemeine Entrüstung kundgab. Also mit der Ansicht des Kongresses stimmt die Ansicht des Herrn Professors Warburg nicht überein. Herr Professor Warburg durfte ein Memorandum nicht passieren lassen, welches auch nur die Möglichkeit bot, daß es in gehässiger Weise gegen den Zionismus ausgespielt wurde. Sehr verehrte Redaktion! Sie verpflichten mich wahrlich zum Danke, wenn Sie sich so freundlich zeigen, meinen folgenden Zeilen in Ihrem gesch. Blatte ein Plätzchen einzuräumen. Mit Bezug auf unsere in „der Welt" No. 4 ursprünglich irrtümlich unter Sanok — was aber schon berichtigt ist — abgedruckte Vertrauensresolution für den Präsidenten Herr Wolffsohn, wo wir auch über die schwer zu fühlende Amtsniederlegung des Generalsekretärs der Organisation, Herrn N. Sokolow, den wir berechtigterweise „einen Repräsentanten des jüdischen — wenn gerade nicht eigentlich misrachistischen — Geistes" nennen zu können glaubten, unserm Bedauern Ausdruck gaben, macht uns Herr Ch. J. Eiß aus Zürich in einem offenen Briefe in der hebr. Wochenschrift „Hamicpe" No. 7 den bittern Vorwurf, wir hätten mit letzterem ein mit den Zielen und Ansichten des Misraehi nicht im Einklang zu bringendes, vielmehr arg verstoßendes Vergehen begangen, so daß dies ihn niederzuschreiben zwingt, daß wir entweder den Herrn Sokolow in seiner Eigenschaft eines Anführers der Kulturzionisten oder das Wesen des Misraehi nicht gut genug kennen, sonst wäre es ja gar nicht möglich, daß wir ein solches Bedauern ausgedrückt hätten! Herr Eiß wird uns sehr entschuldigen, indem wir weder das eine noch das zweite uns nehmen oder absprechen lassen wollen. Zu gut sind wir mit den Anschauungen des Herrn Sokolow wie mit den Grundsätzen des Misraehi, zu dem wir uns ja stolz bekennen, vertraut, als daß wir erst einer Aufklärung oder Instruktion seitens des Herrn Eiß bedürften. Nicht nur vom misrachistischen» ich meine rein religiösen, aber auch vom zionistischorganisatorischen Gesichtspunkte haben wir den Austritt Sokolows bedauert. Wir wollen verstanden sein, wir meinen, daß wir dies einzig und allein in Anerkennung seiner organisatorischen und geistigen Verdienste taten, welche, wiewohl sie nicht misrachistisch sein mögen, zu ersetzen, das wird ja auch Herr Eiß wohl zugeben, nicht bald der richtige Mann zu finden sein wird. Dies haben wir in einem solch kritischen Momente überhaupt, wo es der Leitung besonders an geistiger Stütze und flammendem Rufe, wie wir sie in den Spalten dieser Zeitung von Herrn Sokolow zu hören gewohnt waren, gebricht, bedauern müssen, was wir nur jetzt wiederholen können. Gerade wie wir die unverdienten Angriffe auf unsern Organisationspräsidenten, der auch kein Misrachist ist, parallel mit der Kongreßtaktik des Misraehi bedauerten. Das kann meines Erachtens von keinem Misrachisten als Disziplinarvergehen erachtet werden. Dem Herrn GG. Eiß haben wir noch hinzuzufügen, daß wir uns auch unserer sonstigen Misrachipflichten, über die er uns in seinem erwähnten Briefe zu ermahnen für nötig hält, genügend bewußt sind, und kann er uns auch diese ruhig überlassen. Nur wollen wir noch betonen, daß wir als Misrachisten seinen allzu herben Standpunkt nicht teilen können, wie wir im allgemeinen kein Sektenwesen bilden wollen! Damit erachte ich die Sache als erledigt, und für die Aufnahme dieser Bemerkung bestens dankend, zeichne ich mit vorzügl. Hochachtung und Zionsgruß Abraham Kohane Vorstand der Misrachistengruppe zu Tarnow. Für das Hygienische Institut Dr. Max Nordau sind bei der Jüdischen Kolonialbank eingegangen: Per russische Sammelstelle, Moskau......... Rbl. 2.— Für den Bezalel sind eingegangen bei der Jüdischen Kolonialbank: Donation from the Sydney Ladies' Zionist League . . . £* 4.0.0 Bei dem Unterzeichneten gingen ein: JDurch die Federation of American Zionists, New York: Harrisburg, per Boney Zion Society $ 10.—; Healdsburg, per J. Farbstein 1—; Colorado Springs, per Boney Zion 4.50; Johnstown, per Tikwath Zion Society 19.35; East New York, per Cheruith Society —.50; Brooklyn, per Degel Zion 2.51; Terrell, per Chovevi Zion 3.—; Detroit, per Pirche Zion 15.50. Durch Herrn Dr. med. Ch. Hilfstein, Krakau: Mitgliedsbeiträge: H. Ohrenstein Kr. 5.—, Israel Obstfeld 5.—, Raf. Spira 5.—, Durch Herrn M. Heinrich Schein in Galatz: Verein „Abarbanel" in Harlau, Mitgliedsbeitrag Lei 25.—. Spenden: Kurmann Kr. —.40; ferner: Rabbiner Dr. Johann Stössler, Trebitsch, Mitgliedsbeitrag Kr. 5.—. Bertrand Hamburg Schatzmeister des Vereins „Bezalel". Georg Hirschfeld: Hans aus einer andern Welt. (S. Fischer, Berlin.) Man soll sich nicht einschüchtern lassen, zumal wenn man Talent hat. Da ist vor nicht gar langer Zeit ein Drama von Georg Hirschfeld, „Spätfrühling", im Wiener Burgtheater heftig abgelehnt worden. Und war just kein schlechtes Stück. Was war aber die Folge der Ablehnung? Der Dichter ließ sich von seinem Wege abdrängen. Zu seinem Schaden. Denn gerade auf dem dramatischen Gebiete blühte für ihn der wahre Erfolg. Nicht so sehr darum, weil er ein Beherrscher der bühnenfähigen Form, sondern vielmehr weil er in dieser Form sein Bestes gab, sein Innerstes, sein Wissen und Ahnen um die Seele des modernen Westjuden, seine Kenntnis eines bis dahin unentdeckten Milieus. Zuweilen sprengte zwar dieser neuartige, tiefgeschöpfte Inhalt die Form» wie in „Agnes Jordan". Aber der Dichter rang weiter um das Drama. Leider mit nicht viel Glück. Und das schüchterte ihn ein, so daß er diese Domäne verließ und den breiten Weg der Epik betrat. Zuerst gab er nur Novellen und Erzählungen, dann auch Romane. Mag sein, daß diese Gattung, als die bequemere und mehr gangbarere, ihren Mann besser ernährt, allein sie reizt zu sehr zu raschem, ausgiebigem Schaffen und verwandelt oft die Dichter im Handumdrehen zu Unterhaltungsversorgern des lieben Publikums. Freilich darf man Hirschfeld keineswegs zu der Mehrheit dieser Modelieblinge zählen, jedoch wer an sein Talent glaubt, wird ihn warnen und bitten, entweder den frühern ernsten Kampf um das Drama wieder aufzunehmen, oder seinen Roman mit dem Inhalt zu beleben, der

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