Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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174 DIE^ELT No. zu hören, daß sich unsere Institutionen in günstiger Entwicklung befinden. Als praktischer Erfolg des Kongresses sei die Oppenheimersche Siedelungsgenossenschaft anzusehen, für deren Realisierung jeder tatkräftigst eintreten müßte. Von großer Wichtigkeit sei ferner die in Aussicht gefaßte Begründung einer Agrarbank. Die zahlreich erschienenen Versammelten nahmen den Bericht sehr beifällig auf. Eine von der „Zionistischen Vereinigung Leipzig" einstimmig angenommene Resolution drückte dem E. A. C. und dem Präsidenten Wolffsohn das Vertrauen aus. S. P. Frankfurt a. M. Die Föderation „Misrachi" hat in Frankfurt a. Main, Battonnstraße 4, ihr ständiges Zentralbureau bereits eröffnet. Es wird gebeten, alle für die Föderation bestimmten Postsendungen in Zukunft folgendermaßen zu adressieren: Zionistische Föderation „Misrachi" Zentralbureau Frankfurt a. M., Battonnstraße 4 Nürnberg: Am 18. d. M. hat hier eine Versammlung der Misrachi-Ortsgruppe Nürnberg-Fürth stattgefunden, welche folgende Entschließungen faßte: 1. Die Misrachi-Ortsgruppe Nürnberg-Fürth spricht Herrn Dr. Feuchtwanger (Frankfurt a. M.) nach Anhörung des Kongreßberichts ihres Delegierten ihr vollstes Vertrauen und besten Dank für die bisherige erfolgreiche Leitung des Misrachi aus. 2. Nach Anhörung des Kongreßberichtes ihres Delegierten spricht die Misrachi-Ortsgruppe Nürnberg-Fürth dem Präsidenten des E. A. C, Herrn David Wolffsohn, ihr vollstes Vertrauen aus. Hamburg: Dienstag den 15. Februar fand hier die erste große öffentliche Versammlung der Frauenvereinigung der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona im Logenheim statt, die sehr gut besucht war. Die Vorsitzende Frau Huldschiner begrüßte die Referentin Frau Lina Wagner-Tauber aus Berliji, die dann einen Vortraghielt über: „Die Jüdin in der Frauenbewegu ng und der Zionismus." Die Rednerin verstand es, das Thema aufs trefflichste zu erschöpfen, indem sie es in drei Hauptfragen zergliederte und zwar in die soziale Arbeit, Frauenfrage und Arbeiterfrage. An der Hand dieser drei Faktoren zeigte die Referentin, wie sehr es an der Zeit sei, endlich auch der Gleichgültigkeit der jüdischen Frauin jüdischen Fragen ein Ende zu machen und sich dem Zionismus anzuschließen, der, fortschrittlich in jeder Beziehung, auch die Frauenfrage durch völlige Gleichberechtigung innerhalb der Bewegung gelöst hat. Mit einem warmen Appell an die jüdische Frau schloß Frau Wagner-Tauber ihren vorzüglichen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. In der Diskussion, an der sich Herr Abraham und die Damen Blumenthal, Sandowitsch und Lübke beteiligten, gelangten noch einige Anfragen betreffs zionistischer Frauenarbeit, Hamburger Schulverhältnisse und Kongreßbeschlüsse zur Sprache. Nach einem kurzen Schlußwort der Referentin schloß Frau Huldschiner die Versammlung. Es meldeten sich ca. 10 neue Mitglieder, und auch für den Nationalfonds wurde gesammelt. Österreich Westösterreichischer Zionistentag Das zionistische Zentralbureau für Westösterreich beruft auf Grund des Beschlusses der am 13. d. M. in Wien stattgefundenen Sitzung des Zentralbureaus den ordentlichen Zionistentag für den 27. und 28. März nach Wien ein. Die Tagesordnung umfaßt folgende Gegenstände: 1. Bericht des Zentralkomitees; 2. das Verhältnis der zionistischen Organisation zu den Kultusgemeinden und das zionistische Kultusgemeindeprogramm; 3. Aufgaben der Landesorganisation : a) über die durch den IX. Kongreß geschaffene Situation, b) über die nächsten Aufgaben des Z. K.; 4. Palästinareferat; 5. Bericht der österr. Sammelstelle des N. F.; 6. Bericht des Palästina-Informationsbureaus; 7. Budget des Zentralbureaus und Inf:rmationsbureaus; 8. Neuwahlen. Freies zionistisches Seminar in Wien Unter dem Vorsitz des Distriktspräsidenten Dr. Leopold M ei sei fand am Donnerstag den 17. Februar die Eröffnung des letzthin vom innerösterreichischen Distriktstag beschlossenen freien zionistischen Seminars statt. Den einleitenden Vortrag hielt Herr Adolf Böhm, der den Mangel einer theoretischen Feststellung der zionistischen Leitideen besprach, die Unterschiede zwischen der politischen, praktischen und synthetischen Auffassung des Zionismus erörterte und zu der These kam, daß die Evolution' in Palästina Selbstzweck und ihre Förderung die zentralste Aufgabe des Zionismus sei. Palästina, sagt Redner, wird das Golus erobern, nicht das Golus Palästina. Die Diskussion über diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag findet am 3. März statt. Pilsen. Am 29. Januar d. J. referierte unser Delegierter Herr Dr. Emil Margulies, Advokat in Prag, über den IX. Zionistenkongreß' in Hamburg vor einem zahlreichen und distiugnierten Publikum. Seine in vollendeter Form vorgebrachten Ausführungen wurden mit Beifall entgegengenommen. Über seine Haltung beim Kongreß interpelliert, rechtfertigte er dieselbe, wobei er es aber keinesfalls an gerechter Würdigung der Verdienste Wolffsohns mangeln ließ. Hierauf wurde dem Referenten sowohl für seinen Bericht Dank als auch für seine Vertretung auf dem Kongresse Anerkennung und Zustimmung mit seiner Haltung ausgedrückt. Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Die durch den IX. Kongreß inauguierte Arbeit wird flott fortgesetzt. In Budapest ist vom D. K. ein Agitationskomitee eingesetzt worden, welches die Verbreitung der Idee nach Newyorker Art betreibt. Die Verhältnisse in Budapest, das Juden aus aller Herren Ländern beherbergt, lassen sich am meisten mit denjenigen des amerikanischen Judenzentrums vergleichen. Es wurden bereits in mehreren Bethäusern und Tischgesellschaften Propagandareden gehalten, und sind die Redner überall sehr freundlich empfangen worden. Der Erfolg ist auch nicht ausgeblieben, und wird die Agitation eifrig fortgesetzt.. Dieser rührigen Arbeit ist auch die Gründung einer zweiten Poale Zion-Gruppe zuzuschreiben, welche aus lauter autochthonen jüdischen Arbeitern besteht, welcher Umstand — die bisherige Apathie dieser Kreise in Betracht ziehend — zu den besten Hoffnungen berechtigt. Eine rege Agitation wird weiter für Absatz von Shares eingeleitet, und es wird demnächst eine ungarische Broschüre über die A. P. C. erscheinen, welche mit dem bereits vorhandenen P. L. D. C.-Flugbiatt zur Verteilung gelangen wird. Die Agitation hat auch durch die Stärkung der hierländischen Presse eine Unterstützung erfahren. Die vom Gg. Samuel Bettelheim, Mitglied des A. C, redigierte „Preßburger Jüdische Zeitung" erscheint seit Anfang des Jahres unter dem Titel „Ungarländische Jüdische Zeitung" in verstärktem Umfange. Ferner hat die in Budapest unter der Redaktion des Gg. Leop. Lebo witsch herausgegebene „Allg. Jüdische Rundschau" ihr Erscheinen wieder aufgenommen, und zwar als offiziöses Organ der Misrachi-Föderation. Dieser Tage wird auch die als Beilage der „Ungarländischen Jüd. Rundschau" erscheinende erste Nummer der hebräischen Monatsschrift „Hajehudi" die Presse verlassen. Der „Hajehudi" wird vom Budapester „Jüdischen Klub" herausgegeben und wird die erste moderne hebräische Zeitung Ungarns sein. — Schließlich sei noch das sehr sympathische Verhalten der neuen jüdischen Wochenschrift „Szombat" erwähnt, welche unsern Bestrebungen sehr freundlich gegenübersteht und berufen erscheint, die gehässigen Angriffe der offiziellen Presse des Repräsentationsiudentums im Kreise der Nichtzionisten zu parieren. Der Redakteur des „Szombat", der bekannte ungarischjüdische Feuilletonist, Peter Ujväri, hatte auch die Liebenswürdigkeit, an einer Soiree des Budapester zionistischen Mädchenvereins „Deborah" mitzuwirken. Er las ein Kapitel aus seinem demnächst erscheinenden Romane „Der tausendjährige Traum" vor, welcher in rührender und zugleich meisterhafter Weise das tnessianische Ideal schildert. Dieser Roman dürfte eine Sensation auf dem jüdischen Büchermarkte bedeuten. i Nachdem der IX. Kongreß die Anerkennung des Misrachi als Föderation bestätigt hat, sah sich dieselbe veranlaßt, auch in Ungarn zu organisieren, bzw. das Verhältnis ihrer Mitglieder zur Ungarländischen Zionistischen Organisation zu regeln. Diesbezüglich ist zwischen beiden Parteien ein Übereinkommen getroffen worden, wonach sämtliche in Ungarn zur Ausgabe gelangenden Schekelquittungen des Misrachi mit einer Allonge zu versehen sind, welche ausdrücklich auf die Misrachi-Föderation aufmerksam macht; demgegenüber werden die ungarischen Misrachisten durch Ablieferung eines Teiles der von ihnen geleisteten Parteisteuer als vollwertige Mitglieder der Ungarländischen Zionistischen Organisation betrachtet. Auf Grund dieses Übereinkommens geht auch der Misrachi eifrig an die Arbeit, und es ist ihm bereits gelungen, uns bisher völlig fernstehende orthodoxe Kreise der Idee zu gewinnen. Das jähe Ende der „Moria" hat so manchem Gesetzestreuen die Augen geöffnet... Vor einigen Tagen fand hier die konstituierende Versammlung des Orthodoxen Landesverbandes statt. Es ist dies ein alter Plan der ungarischen Orthodoxen, nur hat die Ausführung desselben den Erwartungen bei weitem nicht entsprochen. Der Verband ist nämlich, — was übrigens schon im voraus zu befürchten war, — ganz in den Bannkreis der orthodoxen Landeskanzlei geraten, welche entschlossen ist, jede freiere Regung im Keime zu ersticken. Auf Vorschlag der Landeskanzlei, welche den Zionismus von sich weist, weil an dessen Spitze freisinnige Juden stehen, ist beschlossen worden, in den Verband auch nichtkonservative Elemente