Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 8 (25.2.1910)
- Date
- 1910-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Teils des jüdischen Volkes, des jüdischen Volkes, das wir über alle Maßen lieben. Wir wollen nun zusammen arbeiten wie noch nie zuvor, nach eurem Willen, in Palästina und für Palästina. Die „Andern" Klein-Willy, — heute ein fast überschlanker Soldat im kaiserlichen Heere, — kam eines Tages zu seinem altern Bruder, einem sehr wackern Zionisten, mit folgender Kunde: „Heute habe ich den letzten jüdischen Mitschüler zum Zionismus bekehrt." „Wie hast du das fertig gebracht?" „Ich habe ihn so lange gehauen, bis er gesagt hat, er ist ein Zionist." Leider wird die Methode Klein-Willy's von vielen unserer Gesinnungsgenossen geübt, die alt genug wären, es besser zu verstehen. Uns ist der Zionismus eine Heilslehre; ist damit gesagt, daß sie es allen Juden, sein muß? Gibt es denn eine Lehre, die allgemeine Verbreitung findet? Und wenn es gelingt, viele Menschen in einer Idee zu vereinigen, trennen sie sich nicht alsbald, indem sie die Idee verschieden auslegen? Gewiß, uns ist der Zionismus das logisch zu Ende gedachte Judentum; kann ich aber alle Juden zwingen, die Schlüsse meiner Logik anzuerkennen, und kann man die Menschen überhaupt zwingen, logisch oder überhaupt zu denken? Sind wir auch sicher, daß alle Menschen hierzu fähig sind? Wenn der Zionismus eine Heilslehre ist, dann muß er uns selbst verinnerlichen und unser Glücksgefühl erhöhen. Wahrhaft glückliche Menschen, in Wirklichkeit verinnerlichte, ausgeglicheneNaturen, bedürfen nicht ihrer Fäuste, um zu gewinnen und zu überzeugen. Man kann auch gewinnen, ohne zu überzeugen. Wer dem Zionismus lebt, einen Teil seiner Arbeit oder seines Einkommens dem Volke widmet, und es doch fertig bringt, mit den Gegnern seiner Prinzipien im Frieden zu lehen, gewinnt Sympathien, ja sogar werktätige Hilfe, wenn auch ohne zu überzeugen. Es ist die still wirkende Liebe, die gefangennimmt und gewinnt. Und wir sind darauf angewiesen, Sympathien zu gewinnen, und wir müssen, um mit der praktischen Arbeit vorwärtskommen zu können, unbedingt bei den Nichtzionisten Hilfe suchen. Kann man mit derselben Hand, mit der man Schläge austeilt, Gaben heischen? Ja, man kann es; es geschieht. Es geschieht zu meinem größten Leidwesen, fast möchte ich sagen, zu meiner Schande. Man bekämpft ganze Schichten unseres Volkes mit den derbsten Waffen und ist gezwungen, fast gleichzeitig an sie heranzutreten, damit sie uns unterstützen. Ich urteile nach den Verhältnissen in Wien, wo der Kampf uns aus Gegnern Feinde geschaffen hat, uns, die wir doch gezwungen sind, schon bei jeder gesellschaftlichen Veranstaltung an die Allgemeinheit zu appellieren. Das mag ja bloß ein Übergang sein, denn schließlich alle Zionisten, auch die übereifrigen und schlecht erzogenen, sind eifrige Arbeiter. Ihre Arbeit mag zeitweilig unfruchtbar, ja schädlich sein, auf die Dauer bezwingt auch dieser Eifer. Es ist so neu und ungewohnt, daß die jüdische Jugend im Dienste ihres Volkes arbeitet, für die Zukunft des eignen Stammes lebt;, es ist an sich so rührend, daß wir bald das Schlimmste überwunden haben werden. Auch wachsen immer mehr unserer jungen Heißsporne ins Leben hinein, ins Leben, das lähmt und stählt, aufregt und besänftigt, — das uns allen aber jedenfalls die richtige Taktik aufzwingt. Ein offener Brief an das Zentralkomitee der zionistischen Organisation in Rußland In Nr. 31 des „Hed Hasman" richtet das Mitglied des Großen A. C. und des russischen Zentralkomitees, Herr Dr. Rosenbaum in Minsk, folgenden offenen Brief an das Zentralkomitee, den wir im vollen Wortlaut hier folgen lassen: „Das Zentralkomitee der russischen Zionisten hat an die russischen Kongreßdelegierten ein Rundschreiben versandt, in dem ihnen betreffs der zu erstattenden Kongreßreferate Anweisungen erteilt werden. Dieses Rundschreiben enthält zu gleicher Zeit den Ausdruck der Reue über das Vorgefallene und anderseits die Aufforderung, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Den Delegierten werden folgende Belehrungen erteilt: 1. Die Schuld an allem Unheil trifft die Presse, die aus Sensationslust sich vornehmlich mit dem Kampf um die Leitung beschäftigt, die positive Seite des Kongresses jedoch vernachlässigt hat. 2. Der Kampf war kein persönlicher, sondern ein Prinzipienkampf. 3. Wir russischen Zionisten haben einen moralischen Sieg errungen. 4. Wird zum Schlüsse an die Delegierten die Aufforderung gerichtet, den Kampf mit den bisherigen unzulässigen Mitteln weiterzuführen, d. h. nicht im Wege der Propaganda und der klaren Darlegung unseres „Systems", so daß die Zionisten aller Länder dieses System verstehen könnte«, sondern im Wege der Schaffung einer künstlichen Majorität der russischen Delegierten auf dem nächsten Kongreß. Da ich nun nicht in der Lage war, am jüngsten Kongreß persönlich teilzunehmen und auf die Berichte eben dieser so beschuldigten Presse angewiesen bin, gestatte ich mir die Bitte an das russische Zentralkomitee, mich bezüglich folgender Fragen aufzuklären: 1. Ist wirklich die Presse an ailem dadurch schuld, daß sie die Vorgänge in Hamburg nicht richtig wiedergegeben hat? Haben die Führer unserer Bewegung in Rußtand nicht selbst alles getan, um die positiven Momente des Kongresses zu verdunkeln, dieses Kongresses, der vermöge seines Arrangements, des Inhalts der auf ihm erstatteten Referate, sowie seines demonstrativen Charakters berufen war, einer der besten Kongresse zu werden? Waren sie es nicht, die das ganze Schwergewicht des Kongresses auf den persönlichen Kampf verlegt haben? Haben sie es nicht verursacht, daß die russischen Delegierten, von den persönlichen Kämpfen ganz und gar in Anspruch genommen, nach den Zeitungsberichten nicht einmal bei den wichtigsten Referaten im Kongreßsaale anwesend waren, indem sie sich darauf verließen, daß diese Referate ja ohnehin in der „Welt" zu lesen sein würden? Und was haben die Führer in ihren Petersburger und Berliner Beratungen zur Bereicherung des Inhalts unseres jüngsten Kongresses beigetragen? 2. Wenn es wahr ist, daß auf dem Kongreß nicht die Personenfrage, sondern die Prinzipienfrage im Vordergrund stand, weshalb wurde denn in Petersburg zuerst beschlossen, an die Spitze der Bewegung Max Nordau zu stellen, an den die russischen Führer Boten mit phantastischen Vorschlägen entsandten; als aber Nordau diese Vorschläge zurückwies, da wurde mit einem Male War bürg auf den Schild erhoben. Haben denn Warburg und Nordau die gleichen Anschauungen, vertreten sie etwa ein und dasselbe System? Weshalb gab es dergleichen Dinge nicht vor dem achten Kongreß, oder besser gesagt, in der frühern Ära, bevor Ussischkin und Tschlenow Frieden geschlossen hatten? Wie kommt es, daß das Zentralkomitee zu jener Zeit, — als Ussischkin ihm vorschlug, einen Kampf zu beginnen, — erklärte, es wisse nicht, wogegen es kämpfen sollte, während dasselbe Zentralkomitee jetzt ganze Systeme für einen Kampf entdeckt hat? 1. Wie läßt sich die Mitteilung des Zentralkomitees, wonach der Kampf dem System galt, dessen Vertreter Wolffsohn sei, in Übereinstimmung bringen mit der Erklärung Dr. Tschlenows, wonach das ganze Problern gelöst wäre, wenn es in einer Stadt fünf Wolffsohns gäbe? 2. Welches ist das System und welches der Sieg, von dein ihr sprecht? Auf diese Frage sind in der Presse zwei verschiedene Antworten gegeben worden, eine durch Ussischkin und die