Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316414--52926-3346662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 7 DIEE^EE LT 155 der Levante und der Statistik". Hier sind fleißig die maßgebendsten Zählungen und Berichte zusammengetragen und so ein annähernd wirklichkeitstreues Bild von dem heutigen Stande des sephardischen Judentums entworfen. Interessant ist in diesem Kapitel besonders die Feststellung von dem unaufhaltsamen Untergange des Spaniolischen als Muttersprache der Sephardim. Im dritten Kapitel wird die „Sprache der spaniolischen Juden" historisch-philologisch erörtert und auf die neuesten Forschungen auf diesem Gebiete aufmerksam gemacht. Eine kleine Tabelle veranschaulicht die Differenzen innerhalb des Spaniolischen nach den lokalen Dialekten in Konstantinopel, Salonik, Adrianopel, Bosnien und Bulgarien. Den Schluß bildet eine orientierende Abhandlung über die „Gelehrte und volkstümliche Literatur der spaniolischen Juden, Folklore und Zeitungen". Die Broschüre ist nicht das Resultat eigener Forschung, sondern eine gelehrte und fleißige Kompilation, wird aber ein recht brauchbarer Wegweiser für alle diejenigen sein können, die sich mit Geschichte und Sprache der Spaniolen näher beschäftigen wollen. A. Neues jüdisches Vereinsliederbuch Nachdem die 2. Auflage des einzigen jücjischen Vereinsliederbuches, welches wir besitzen, nämlich des vom Jüdischen T. V. Bar Kochba, Berlin, herausgegebenen, fast vollständig vergriffen ist, bereitet der Ausschuß der jüdischen Turnerschaft, dem das Urheber- und Verlagsrecht an diesem Liederbuch übertragen worden ist, die Herausgabe einer 3. Auflage vor. Die neue Auflage wird sich wesentlich von den bisherigen sowohl an Umfang wie an Inhalt unterscheiden. Es werden nicht bloß die allbeliebten Kommers-, Studenten-, Turn- und Wanderlieder in größerer Anzahl Aufnahme finden, sondern es wird vor allem auch Sorge getragen werden, daß der jüdische, insbesondere der hebräische Teil des Liederbuchs eine erhebliche Verstärkung erfährt. Der jüdischen Turnerschaft liegt daran, ein Liederbuch herauszubringen, welches sich nicht nur für den Gebrauch von Turnvereinen, sondern für alle Jüdischen Vereine, seien es Studenten-, Handlungsgehilfenvereine oder zionistische Ortsgruppen usw. eignet. AuA für die Vermehrung der Noten wird gesorgt werden. Das Unternehmen ist um so freudiger zu begrüßen, als in der Tat das Bedürfnis nach einem allgemeinen jüdischen Liederbuch ein ganz außerordentliches ist. Die Pflege edler Geselligkeit und guter jüdischer Gesinnung kann gerade durch ein solches Liederbuch außerordentlich gefördert werden. Um das Liederbuch möglichst für alle Vereine brauchbar zu machen, wird die Redaktion des Liederbuches, an deren Spitze sich eine in der jüdischen Literatur wohlbekannte Persönlichkeit befindet, um die Aufnahme möglichst vieler Vereins- und Farbenlieder bemüht sein. Die Vereinsvorstände werden daher gebeten, möglichst umgehend ihre Vereinslieder zur Aufnahme in dieses Liederbuch an das Bureau der Jüdischen TurnerscrTaft, Berlin, Alexanderstraße 39, zu senden.- Auch alle Privatpersonen, welche besondere Wünsche für die Gestaltung des Liederbuches, haben, mügen sich ungesäumt an die obige Adresse wenden. Preisausschreiben Die Jüdische Turnerschaft wird in allernächster Zeit zu Propagandazwecken eine Tendenzschrift, welche sich mit den Zielen der jüdisch-nationalen Turnsache und der Geschichte der jüdischen Turnbewegung befaßt, herausgeben. Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft hat mehrere Preise (50 Jt und 2§Jt) für die Einsender der besten dieses Thema behandelnden Schriften ausgesetzt. Die nähern Bedingungen dieses Preisausschreibens sind aus dem demnächst erscheinenden Februarheft der Jüdischen Turnzeitung (Berlin, Alexanderstr. 39) zu ersehen. Die betreffende Turnzeitungsnummer ist gegen Voreinsendung von 30 Pf. erhältlich. Schmuckwaren» und Uhrengeschäft mit Palästina Wir lesen im „Edelmetallhändler": Von allen orientalischen Ländern ist Palästina nahezu das einzige, das keinerlei Bedarf für luxuriöse Schmuckwaren, Uhren und überhaupt Edelmetallwaren hat, sondern nur für verhältnismäßig einfache Sachen, einerseits, weil ihm eine reiche und luxuriöse und anderseits, weil ihm eine unsolide Bevölkerung fehlt. Die Türken und die arabischen Eingeborenen sind zum größten Teil arm oder mäßig situiert, die Juden sind fast durchweg arm, und die dort ansässigen Europäer sind meist, wenn auch gut situiert, so doch fast durchweg einfache, anspruchslose Leute. Typisch für die hiesigen Europäer sind die Templer, die sehr blühende und wohlhabende Kolonien bewohnen, in ihrer Lebensführung und in ihren Bedürfnissen jedoch bis heute die unverfälschtesten Bauern aus dem Schwarzwald geblieben sind. Hiernach können die Edelmetall-Industriellen beurteilen, was sie nach Palästina anzubieten haben, jedenfalls nicht allzu kostspielige Gegenstände, weder in Schmuck, noch in Tafelgeschirr, noch in Uhren. Wo einmal zu Hochzeitsgeschenken oder aus anderm Grunde sehr luxuriöse Stücke verlangt werden, lassen sich hiesige Interessenten diese mittels Postpakets direkt aus ihrer europäischen Heimat kommen, um so mehr als hier nicht nur türkische, sondern auch österreichische, deutsche, französische und russische Postämter bestehen, so daß sich solch direkter Bezug sehr einfach und billig macht. Von nicht unwesentlicher Bedeutung für den Schmuck- und Edelmetallwarenabsatz in Palästina sind auch die vielen Pilgerzüge aus den römisch-katholischen und griechischen Ländern, ganz besonders aber aus Rußland. Jeder dieser Pilger will natürlich ein Andenken aus dem Heiligen Land mit in die Heimat nehmen, und zu diesem Zweck sind „religiöse" Schmuckstücke am begehrtesten. Diese „religiösen" Schmuckstücke sind natürlich in allen Preislagen und auch im allerbilligsten Material um der armen Pilger willen vorhanden. Sie werden jedoch in Silber oder anderm edlen Metall selbstredend von allen "denen vorgezogen, die den Preis auch nur einigermaßen erschwingen können, und ungezählte arme Pilger, die in ihrer Heimat bestimmt nicht daran denken würden, ein silbernes Schmuckstück zu kaufen, erstehen hier in Palästina ein solches für viel teureres Geld. Männer kaufen gern solche Sachen, die an die Uhrkette angehängt werden. Sehr häufig aber werden hier von Pilgern auch gleich vollständige Uhrketten, die dann mit einem Anhängsel religiöser Art verbunden sind, gekauft. Auch mancher arme Pilger hat schon aus Palästina eine Taschenuhr mit nach Hause gebracht, natürlich für einen doppelt so hohen Preis, als dasselbe Stück in seiner europäischen Heimat gekostet haben würde. Sehr gern wird in dieser Beziehung mit der Frömmigkeit das Praktische verbunden, wie mir einmal hier in Jerusalem ein biederer Bayer sagte: „Wenn ich schon einmal so etwas kaufen soll, dann will ich auch gleich eine Uhr haben, die ich sowieso gebrauchen kann." Um nun diesen Absatz von einfacheren, aber auch teureren Taschenuhren an die Pilger in Palästina zu vermehren, wäre es sehr angebracht, die „Pilgeruhren", wie ich sie nennen möchte und wie sie der Fabrikant in seinen Angeboten nach hier bezeichnen könnte, mit irgendwelchen, etwa auf dem Deckel eingravierten sinnbildlichen Darstellungen, mit Bildern aus der biblischen Geschichte zu versehen. Dann würden diese Uhren hier entschieden sehr viel von Pilgern gekauft werden. Selbstverständlich ist es von großer Bedeutung, wenn solche eingravierte oder in erhabener Arbeit angebrachte Darstellungen auch auf Schmuckstücken, auf Gebrauchsgegenständen, wie Zigarettendosen, Bechern und andern edelmetallenen Artikeln jeder Art erscheinen. Was bis jetzt in dieser Hinsicht gebracht worden ist, ist so unschön und unkünstlerisch, daß es an der Zeit wäre, etwas mehr Aufmerksamkeit auf dieses religiöse Genre zu verwenden. Es gibt für religiöse wie andere Schmuckwaren, wie Uhren, silberne Löffel, Bestecke, Schalen, Servierbretter, Leuchter, Galanterie- und andere Waren der Edelmetallindustrie in Jerusalem, Jaffa und Haifa gute deutsche, jüdische und andere Detailgeschäfte, die direkt beziehen und deren Adressen bei der Redaktion dieses Blattes oder bei den Konsulaten in den genannten Städten erfragt werden können. Die meisten Geschäfte jedoch beziehen durch hiesige Kommissionäre, wie überhaupt das größte Geschäft sich durch diese macht, deren Adressen wir gleichfalls etwaigen Interessenten angeben können. Wie überall in der Türkei, so ist auch in Palästina gegenwärtig England sehr eifrig um Erweiterung seines Absatzes auch mit Uhren, Schmuck- und andern Edelmetallwaren bemüht. In Anbetracht des großen Geschäftes, das zwar nicht in luxuriösen und allzu teuren, wohl aber in einfachem und mittelmäßig teuren Stücken und in Imitationen nach hier gemacht wird, ein Umsatz, der in keinem Verhältnis zu der Kleinheit des Landes steht, ist es von größter Wichtigkeit, daß die österreichischen und deutschen Edelmetallindustriellen, Uhrenfabrikanten usw. gleichfalls eifrigst nach Geschäftsverbindung mit Palästina trachten. Der vorliegende Bericht wird hierzu jedenfalls die nötigen Anregungen und Winke unsern Lesern erteilt haben. Die Juden im Oranje-Freistaat Nach der Volkszählung von 1890 lebten im Oranje-Freistaat 68 940 Niederländisch-Reformierte, 1353 Angehörige der Englischen Staatskirche, 312 Lutheraner, 466 Römisch-Katholische und 113 Juden. Die Gesamtbevölkerung betrug 77 716.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.