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Die Welt · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 7 DIE3§KELT 153 Dr. Moses Auerbach aus Halberstadt. Es bestehen 6 Klassen mit insgesamt 150 Schülern. Neben Bibel und Talmud, die die Hauptgegenstände bilden, wird noch hebräische Grammatik, Rechnen, Naturkunde, Geographie, Geschichte und Arabisch unterrichtet. In den untersten Klassen dauert die tägliche Unterrichtszeit 6 Stunden, in den obern 8 Stunden. Außer der Talmud-Thora bestehen hier noch eine Knabenschule, eine Mädchenschule und ein Kindergarten. Rischon=le=Zion, 7. Februar. Auch bei uns wurde, wie in einigen andern Talmud-Thora-Anstalten, in letzter Zeit die Talmud- Thora wesentlich verbessert. Während bis jetzt nur im Jargon gelehrt wurde, ist in diesem Jahre die Unterrichtssprache mit Ausnahme des Talmudunterrichts, die Hebräische. Auch wird auf Ordnung und Sauberkeit bei den Schülern und in den Schulzimmern gehalten. Dieser Wandel zum Bessern ist hauptsächlich das Verdienst des Lehrers Kleis. Pflege der hebräischen Sprache Rischon=le-Zion, 7. Februar. Mit dem Jargon als Umgangssprache will ein seit zwei Jahren in unserer Kolonie bestehender Jugendverein „Pircheh-Zion" aufräumen. Der Verein hat sich die Pflege der hebräischen Sprache auch außerhalb der Schule im täglichen Gebrauche zur Aufgabe gestellt. Neuer Arzt in Rechoboth Rechoboth, 7. Februar. In den nächsten Tagen verläßt Herr Dr. Puchowsky unsere Kolonie, um auf europäischen Kliniken einige Zeit zuzubringen und sodann in Jaffa seinen ständigen Wohnsitz aufzuschlagen. An stelle des Dr. Tschernichowsky, den unsere Kolonie ursprünglich anzustellen die Absicht hatte, der aber zurzeit nach Palästina nicht zu übersiedeln gedenkt, wurde Herr Dr. Moscovitz aus Braila berufen. In weiten zionistischen Kreisen ist Herr Dr. Moscovitz durch seine eifrige Parteitätigkeit, die er als Mitglied des Großen A. C. in Rumänien entfaltet hat, bekannt. Eine technische Zeitschrift Herr Ingenieur Goldmann in Jaffa gibt in hebräischer Sprache eine technische Monatsschrift „Hitpatchuth" heraus. Vorläufig ist das erste Heft erschienen, das reichliches Material bietet. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Mazedonien Seitdem der VII. Zionistenkongreß die-Nachbarländer Palästinas mit in den Bereich des zionistischen Siedlungsplans einbezogen, die Veränderungen in der Türkei diese Ideen realisierbarer zu machen schienen und nun auch der IX. Kongreß die Möglichkeit jüdischer Einwanderung im zionistischen Sinne für alle Provinzen des ottomanischen Reiches, — immer mit Palästina als Zentrum natürlich, — statuierte, haben für uns die Kolonisationsfragen, soweit sie die türkischen Wilajets betreffen, aktuelles Interesse. Und dieses Interesse einzuflößen, dazu brauchte es nicht erst einer Organisation, die bereit scheint, eine jüdische Ansiedlung in der Türkei auch unter Ausschluß Palästinas, also nur in den Wilajets, zu akzeptieren, genau den Gedankengängen Nasim Beys entsprechend, die unlängst hier ihren Widerhall fanden. Während wir aber das Prinzip: „Palästina um jeden Preis" verfechten und uns auch der Gedanke nicht schreckt, daß wir dort große Schwierigkeiten und Opfer zu überwinden haben mögen, lassen die Fragen der Ansiedlung in allen Teilen der Türkei unser Blut wesentlich ruhiger fließen. Hier wird für uns lediglich die kühl-praktische Erwägung maßgebend bleiben, ob hier oder dort die Niederlassung flüchtiger Judenmassen tunlich, gefahrlos und von nennenswertem Vorteil ist. Wo das der Fall ist, wird der Zionismus, der allgemein-jüdischen Unternehmung die helfende Hand nicht versagen; wo aber nicht, wird er mit allem Nachdruck den kritischen Standpunkt vertreten und im Interesse des Volkswohles allen Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, an unsichem oder unvorteilhaften Punkten des türkischen Reiches mit jüdischem Blut und jüdischer Habe Experimente zugunsten ehrgeiziger einzelner oder zugunsten etwelcher einseitiger türkischer Parteipolitik zu machen, ganz energisch opponieren müssen. Das ist nicht der Fall Mesopotamien gegenüber, sobald die Ika-Expedition zu seiner Erforschung für jüdische Kolonisationszwecke ein günstiges Resultat ergeben und nicht eine (überall gefährliche) zerstreute Kolonisation dort verlangt werden sollte. Das ist aber wohl und schon heute der Fall bei Mazedonien, gegen das wir nicht zum ersten Male unsere Stimme erheben. Wir haben wiederholt schon geltend gemacht, daß die ethnische Zusammensetzung der bisherigen Bevölkerung dieses Landes mif allen aus ihr resultierenden Komplikationen, Machinationen und Eruptionen die Niederlassung ruhebedürftiger jüdischer Massen als höchst unratsam erscheinen lasse. Gleichwohl gibt es in der Türkei und in Westeuropa noch immer jüdische „Politiker", die mit dem Gedanken als mit etwas Realisierenswertem liebäugeln. Gleichwohl hat noch Dr. Nasim Bey vor wenig Wochen ein ganzes auf eben dem Gedanken gegründetes Siedlungssystem entwickelt. Gleichwohl haben sich Vertreter der Ika, wenn Dr. Nasim Bey die Wahrheit sagte, in Unterhandlungen mit ihm auf Basis dieses Gedankens eingelassen, und scheinen, — wieder wenn Dr. Nasim Bey recht berichtet ist und exakt überliefert, — hunderte rumänisch-jüdischer Familien bereit, dem nächsten Rufe nach Mazedonien zu folgen. So ist es denn an der Zeit, klare Worte zu sprechen und Gefahr zu signalisieren. Dr. Nasim Bey verfolgt, wie er selber offenbarte, den politischen Plan, das mangelnde Gleichgewicht der Bevölkerungselemente in Mazedonien, das an aller Unruhe schuld sei, durch Neueinführung reichs- und regierungstreuer Elemente herzustellen. Als solche sieht er nur mohammedanische an. Infolgedessen ist er bestrebt, aus allen ehemals türkischen Ländern des Balkans, speziell dem jüngst verlorenen Bosnien und Bulgarien, seine Glaubensbrüder ins Land zu ziehen und in allen Teilen Mazedoniens so zu verteilen, daß das türkisch-mohammedanische Element überall den christlichen Bewohnern an Zahl überlegen sei. Um aber deren voraussichtlich nicht völlig hinreichende Quantität zu ergänzen und neben den rein bäuerlichen Kräften auch städtische für Handel, Industrie und die freien Berufe zu gewinnen, zieht er auch die Juden in seinen Plan. Er tut ihnen damit die Ehre an, sie an Reichstreue und Zuverlässigkeit seinen eignen nationalen Brüdein gleichzustellen. Dr. Nasim Bey plant also etwa, überall da, wo nach seiner Meinung den bulgarischen, griechischen, serbischen oder walachischen Elementen nicht genug muselmanische gegenüberstehen, Mohadschirdö'rfer einzustreuen, an die sich jüdische zwischendurch anlehnen sollen. Wo großkolonisatorische Projekte möglich sind, wie in der Ebene des Wardar, da sollen auch größere türkisch-jüdische oder auch rein jüdische Agglomerationen geschaffen werden. Soweit reicht der politische Plan. Wir würden Dr. Nasim Bey Unrecht tun, wenn wir nicht seinen humanitär-idealistischen Ideen in diesem Zusammenhange Glauben schenken wollten. Er meint aufrichtig, daß Hunderttausenden verfolgter Juden mit der Aufnahmein Mazedonien ein Heil widerfahre und ein Heim geboten werde; genau so wie er glaubt, daß die bosnischen und mohmamedanischenMoha nmedaner mit der Niederlassung in Mazedonien das Ziel ihrer Sehnsucht, die Rückkehr unter die Herrschaft des Halbmonds, erreicht sehen würden. Trotzdem muß es erlaubt sein anzunehmen, daß diese idealistischen Überzeugungen erst sekundäre Regungen seien, Gedanken, deren Vater der politische Wunsch gewesen. Dr. Nasim Bey aber glaubt offenbar, daß die Juden, mit denen er rechnet, vornehmlich als politische Ziffer rechnet, ihrerseits lediglich dem idealen Moment, dem vermeintlichen Geschenk eines Asyls, ihre Aufmerksamkeit zu schenken hätten. Allein, das kann natürlich deren einzige Betrachtungsweise nicht bleiben. Es muß nun in diesem Zusammenhange darauf verwiesen werden, daß bis heute sich weder für Dr. Nasim Bey noch für die bosnischen mohammedanischen Immigranten die Erwartungen, die an ihre Übersiedlung geknüpft worden waren, verwirklichten. Die Bauern, die ihre ganze Habe um einen Schleuderpreis verkauften und ein Gebiet, geregelter Verwaltung verließen, fanden in Mazedonien zu ihrer Ankunft nichts vorbereitet. Sie trafen keinen fertigen Boden an, wohl aber den feindseligen Widerstand der christlichen Insassen; die vom Komitee aufgebrachten oder von der Regierung dekretierten Mittel waren absolut unzureichend, und Hunderte der immigrierten Familien, anstatt Scholle und Häuser zu bevölkern, füllen mit ihrem Elend die Moscheen, die ihnen Obdach gewähren müssen. Sie sehen sich schwer getäuscht und dem Unglück überliefert, anstatt dem Frieden und einer wahren Heimat. In der allerletzten Zeit hat sich nun etwas sehr Lehrreiches ereignet. Der Beginn der mohammedanischen Immigration hat natürlich die christliche Landbevölkerung sehr erbittert; sie sieht in ihr nicht nur ein Zeichen politischen Mißtrauens, sondern auch und vor allem eine schwere ökonomischeBeeinträchtigung.Energischer als bisher hat daher von dieser Seite der Kampf gegen das Komitee und besonders gegen Dr. Nasim Bey eingesetzt. Und da war es jüngst ein Konstantinopeler Blatt, der oppositionelle „SedaT-Millet", das den Kampf, aus Anlaß von Nasim Beys Ankunft in der Hauptstadt, hierher übertrug. Der schwerste Vorwurf, der da gegen das Komitee erhoben wird, ist seine Einmischung in Regierungsgeschäfte durch die Förderung der Einwanderung. Aber das Interessanteste

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