Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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152 DIEIaKELT No. 7 □ PALÄSTINA DO Einzug in Achusath-Baith Jaffa, 7. Februar. Die Bauarbeiten im neuen jüdischen Stadtteil „Achusath-Baith" sind nun so weit fortgeschritten, daß die meisten Hausbesitzer ihre neue Wohnung zum Umzugstermin beziehen konnten. Das neue Viertel ist bereits mit einer Wasserleitung versehen, die vorzügliches Wasser liefert. Obwohl der Bau der Straßen und die Planierung des Bodens noch eine geraume Zeit beanspruchen werden, und auch an den einzelnen Häusern bis zur endgültigen Fertigstellung noch viel Arbeit vorzunehmen ist, so läßt sich dennoch schon jetzt der große Wert dieser jüdischen Kolonie in Jaffa — wie man sie am besten nennen kann — ermessen. Am größten ist der Segen, der für die jüdische Jugend an diesem Platz erwächst. Hier spielen die Kinder scharenweise und ungestört auf den Straßen, a'men mit voller Brust die reine Luft ein und erfüllen mit ihrer Lustigkeit die ganze Gegend. Auch die arabische Presse drückt ihre Anerkennung für die hier geleistete Kulturarbeit aus. So schrieb unlängst das in Ägypten erscheinende arabische Blatt „Muktatam" folgendes: „Vorige Woche besuchte ich in Jaffa das neu errichtete jüdische Viertel „Achusath- Baith" mit seinen schönen Häusern, seinen geraden, abgemessenen Straßen und mit seiner herrlichen Aussicht auf das Meer und die Orangengärten. Das ganze Viertel ist in einer unglaublich kurzen Zeit entstanden, denn vor vier Monaten hat man die Bauarbeiten begonnen und zu Mucharram (Umzugstermin in Palästina) werden bereits die meisten Hausbesitzer darin wohnen. Wahrlich, wenn wir nicht selbst Zeugen dieser Erscheinung \vären, wir würden sie für ein Märchen längst verschollener Tage halten. Das ist wohl die Folge der guten Erziehung, der Intelligenz und Einmütigkeit des jüdischen Volkes." Die offizielle Einweihung fand am Chamischa Assar b'Schwath statt. Ober 1000 Schüler und Schülerinnen des Hebräischen Gymnasiums, der Mädchenschule, der Schule des Hilfsvereins und der Allianceschule zogen durch die Herzlstraße, wo die Lehrer S. Gutmann und Dr. Mossinsohn kurze Ansprachen hielten. Die Schuljugend verbrachte dann den Tag mit Gesang und Spiel und wurde vom Vorstand von Achusath-Baith mit allerlei Leckerbissen beschenkt. Perez Smolenskyhain Jerusalem, 7. Februar. Die Anregung der Arbeiter in Beth- Arif, zu Ehren von Perez Smolensky anläßlich seines 25jährigen Todestages einen Hain in Erez Israel zu pflanzen, hat hier großen Anklang gefunden. Besonders ist es Herr Ben-Jehuda, der im „Hazwi" in einigen Aufsätzen warm für diese Idee eintritt. In seiner Gedächtnisrede über Smolensky hat Ben-Jehuda besonders betont, daß er selbst fast seine ganze Arbeit für die hebräische Sprache und die nationale Wiedergeburt in Erez Israel Smolensky zu danken habe. „In einer Zeit", führte Ben-Jehuda aus, „in der die Assimilationsbestrebungen ihren Höhepunkt erreicht und auch die Besten in Israel nur zur Aneignung von allgemeiner Bildung angeeifert haben, war Smolensky der einzige bedeutende Schriftsteller, der zuerst mit Feuereifer und mit großer Energie den nationalen Gedanken verfochten hat. Seine Monatsschrift „Haschachar" war eine Zeitlang das einzige, das mich noch, wegen seines gediegenen Inhalts, mit der hebräischen Sprache verknüpfte. Ich pflegte sie heimlich zu lesen, damit mich meine assimilierten Hochschulkollegen nicht auslachten. Auch mein erster zionistischer Aufsatz, der vom „Hamagid" abgelehnt wurde, fand bereitwillige Aufnahme im „Haschachar". Es ist daher begreiflich, daß nun Ben-Jehudah seine Dankespflicht an Smolensky erfüllen will und mit Energie für Sammlung von Ölbaumspenden zur Pflanzung eines Smolenskyhains auffordert. In einem seiner diesbezüglichen Artikel schreibt er: „Vor wenigen Tagen hat sich hier ein Komitee gebildet, das für die türkische Flotte Spenden entgegennimmt. Da haben sich bald die reichen Juden Jerusalems mit mehreren hundert Francs beteiligt. Gewiß ist das ein sehr löblicher Zweck. Nun aber wird für einen Smolenskyhain gesammelt, für die Ehrung jenes Mannes, der zuerst in der neuen Zeit die jüdische Fahne erhob und für unsere Wiedergeburt kämpfte. Wir zweifeln nicht, daß die breiten Schichten des jüdischen Volkes sich an diesem Werke beteiligen werden. So wird denn in kurzer Zeit der Hain gepflanzt und die Gibeine Smolenskys aus dem fernen Meran dorthin gebracht werden können." Bis jetzt hat der „Hazwi" bereits drei Listen mit Spenden aus Jerusalem für den Smolenskyhain veröffentlicht. Wahlen in Jerusalem Jerusalem, 7. Februar. Die hiesige jüdische Bevölkerung ist jetzt mit den Vorbereitungen zu zweierlei Wahlen beschäftigt. In erster Reihe stehen die Wahlen des Stadtrates (Munizipalität), ~ die diesmal um so größere Bedeutung haben, als jetzt außer fünf neuen Mitgliedern auch der Ras Belladie (Bürgermeister) gewählt werden soll. Wahlberechtigt sind 800 Muhammedaner, 200 Christen und über 300 Juden. Es ist daher zu hoffen, daß auch die jüdischen Wähler ihre Vertreter im Qemeinderat haben werden. Die andern Wahlen werden innerhalb der jüdischen Gemeinde, und zwar bei den Aschkenasim stattfinden. Seit dem Hinscheiden Rabbi Samuel Salants wird dahin gearbeitet, einen von allen Klassen und Schichten anerkannten Waad zu wählen, der das Vertrauen von Jerusalem wie auch der ausländischen Judenheit haben soll. Auf die Einladung der Bne-Brithloge fand in dieser Angelegenheit eine Besprechung von Delegierten aus 15 Vereinen statt. Zu einer endgiltigen Klärung ist man noch nicht gelangt. Misrachikolonie Jerusalem, 7. Februar.. In der hiesigen jüdisch-orthodoxen Bevölkerung ist ein starker Drang bemerkbar, aus dem bisherigen beschaulichen Leben herauszutreten und zu tätiger Arbeit in der Landwirtschaft überzugehen. Es haben sich bis nun zu diesem Zwecke zwei Vereine, „Achusath Nachiah" und „Kehillath Jakob", gebildet, die insgesamt ca. 50 Mitglieder haben. Sie haben bereits nicht unbeträchtliche Summen in der Anglo-Palestine Company deponiert. Sie hoffen besonders von Milchwirtschaft, Gemüse- und Geflügelzucht, die sie in der Nähe von Jerusalem betreiben wollen, leben zu können und wollen zu diesem Zwecke eine besondere Kolonie gründen. Elektrische Straßenbahn in Beirut Beirut, 7. Februar. Seit fünf Monaten gibt es bei uns eine elektrische Straßenbahn. Die elektrische Kraft bezieht sie aus dem Hundsfluß (Nahr il Kelb), in dessen Tal sie ein mächtiges Stauwerk errichtet hat. Die Bahn durchläuft alle Straßen von Beirut und bildet besonders eine billige Verbindung mit Räs-Beirut, wo sich das amerikanische College befindet. Der Einheitspreis für eine Fahrt in der zweiten Klasse ist ca. 10, in der ersten Klasse ca. 15 Centimes. Anfänglich kamen einige Verunglückungen von Passanten vor. Jetzt scheint sich das Publikum bereits an die Bahn gewöhnt zu haben, denn in letzter Zeit sind keine Unglücksfälle mehr vorgekommen. Nach Damaskus ist Beirut die zweite syrische Stadt, die eine elektrische Straßenbahn hat. Hoffentlich werden bald die beiden nächsten großen Städte Syriens, Aleppo und Jerusalem, diesem Beispiele folgen. Der Hafenbau in Haifa Haifa, 7. Februar. Seit langem spricht man davon, daß in unserer Stadt ein Hafen angelegt werden soll. Obwohl man den Hafenbau stets als bald bevorstehend bezeichnete, ist doch bis unlängst nichts in dieser Richtung geschehen. Erst in diesen Tagen ist eine Kommission von Ingenieuren aus Konstantinopel hier angelangt, um die für den Hafenbau notwendigen Vermessungsarbeiten vorzunehmen. Es gewinnt somit den Anschein, daß der für den hiesigen Handel so notwendige Hafen nun endlich gebaut werden wird. Ein jüdischer Tierarzt in Galiläa Chederah, 7. Februar. Herr I. Samsonow, der in diesem Jahre in Paris die tierärztliche Hochschule absolviert hat, hat sich jetzt in Haifa niedergelassen. Er ist der Sohn eines hiesigen Kolonisten und ist zugleich der erste jüdische Tierarzt in Palästina. Nach einem Abkommen, das er mit unserer Kolonie getroffen hat, ist er verpflichtet, einmal wöchentlich unsere Kolonie zu besuchen, einen Kolonisten zu unterweisen, wie man bei gewöhnlichen akuten Krankheiten zu verfahren habe, und bei besondern Anlässen aus Haifa für 20 Frs. zu kommen. Herr Samsonow bezieht von unserer Kolonie ein jährliches Gehalt von 900 Frs. Reform der Talmud-Thora Pethach-Tikwah, 7. Februar. Die hiesige Talmud-Thora befindet sich im laufenden Schuljahr unter der Leitung des Herrn