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Die Welt · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 7 DIE HÄKELT 151 in dieser Beziehung den ersten Platz in öalizien und Österreich einnimmt. Denn von den 36000 K. in Galizien gesammelter Spenden für den Nationalfonds und die Ölbaumspende entfällt auf das südgalizische Distriktskomitee die schöne Summe von 12648 K., was mehr als ein Drittel der Gesamtsumme ausmacht. Die Stadt Stanislau selbst brachte zu dieser — für galizische Verhältnisse immense Leistung — den Betrag von 2623 K., im Gegensatz zu 1814 K. des Jahres 1908, auf. Laut statistischer Berechnung des Referenten macht das 61/« Heller pro Kopf der südgalizischen jüdischen Bevölkerung aus. An dem Ergebnis beteiligten sich 65 Orte, in denen sich besondere Ortskommissionen oder einzelne Vertrauensmänner des Nationalfonds befinden, von denen wiederum 21 Orte mit mehr als 100 K. ausgewiesen sind. Für diverse zionistische Zwecke — Schekolim ausgeschlossen — ist in Südgalizien die Summe von 6383 K. und für den „Bezalel" zu Händen des Schatzmeisters, Gesinnungsgenossen Bertrand Hamburg, über 1700 K. geleistet worden. In seinen weitern Ausführungen machte der Referent einige wichtige Vorschläge zur Vermehrung der Einnahmen des Nationalfonds, und wandte sich ganz gerechterweise gegen den sich in Galizien leider allzusehr verbreitenden Eintragungsunfug in das Goldene Buch, wodurch einerseits gewissermaßen gegen die Intentionen der Spender gehandelt und anderseits die Bedeutung dieses Buchs herabgewürdigt wird. Redner forderte auf, mit mehr Vorsicht und wählerischer vorzugehen. (Beifall.) Nach der über dieses und das zweite Referat durchgeführten Diskussion ist der Distriktskomitee-Leitung Decharge erteilt worden. Hierauf wurde nach einer kurzen Debatte die in unserer vorigen Nummer bereits enthaltene Resolution gefaßt. Unter anderm ist auch beschlossen worden, eine Distriktssteuer einzuführen und einen besoldeten Sekretär anzustellen. Einige Resolutionen betreffs .die Palästina- und Kulturtätigkeit des Distrikts sind dem neugewählten Distriktskomitee [als Direktiven zugewiesen worden, Folgende Distriktsleitung wurde teils wieder-, teils neugewählt: Dr. Schur, Dr. Sußmann, Dr. Laufer, Henisch, Tropp, Dr. Jonasz, Seeliger, Dr. Rittermann, Stenzel, Auerbach, Dr. Magnes (alle in Stanislau), ferner Dr. Rosenheck (Kolomea), Dr. Byk (Stryj), Dr. Pachtmann (Drohobycz) und Osias Horowitz (Kossow). Um 10 LJhr abends schloß der Vorsitzende, Gesinnungsgenosse Dr. Schur, mit einer warmen Ansprache den Distriktstag, worauf die „Hatikwah" angestimmt wurde. Frankreich (Von unserm Berichterstatter) Paris. Die Debatten über die Ereignisse des IX. Zionistenkongresses, die bereits mehrere Versammlungsabende unserer hiesigen Gesinnungsgenossen in Anspruch genommen, haben diese Woche ihren Höhepunkt in einer öffentlichen, äußerst zahlreich besuchten Versammlung erreicht, die sich zu einer grandiosen national-jüdischen Manifestation gestaltete. Sie war um so mächtiger und eindrucksvoller, als sie nicht von einem geschlossenen Verein, sondern von einer vielhundertköpfigen Menge ausging, unter denen sich auch viele hochangesehene französische Juden und Jüdinnen befanden. Eine sonst seltene Erscheinung in zionistischen Versammlungen, die die Ansicht bekräftigt, daß die Hoffnung auf die Eroberung der Hochburg der Assimilation nicht ganz vergebens ist. Was dieser zionistischen Kundgebung ihr besonderes Gepräge gibt und das Interesse der ganzen zionistischen Welt verdient, ist eine französische Rede unsers Altmeisters Max Nordau, die sich derjenigen von Hamburg würdig anreiht, eigentlich als ein Kommentar der Kongreßwoche aufgefaßt werden darf. Die Versammlung wurde vom Präsidenten der Föderation, Dr. Alexander Marmorek, eröffnet, der Herrn Dr. Reich das Wort zur Berichterstattung über die Kongreßverhandlungen gab. Dr. Reich sprach mit großer Verve und fand vielen Beifall. Hierauf ergriff Frau Dr. Kritzewsky das Wort. Sie unterzog die Ergebnisse der Hamburger Tagung einer scharfen Kritik und suchte augenscheinlich unsern Nordau zu einer ausführlichen Klarlegung seines Standpunktes zu veranlassen. Das gelang ihr auch vollständig. Mit der Ruhe und Gelassenheit und dem blendenden Witz, die ihn stets auszeichnen, erwiderte der greise Führer auf alle die Vorwurfe, die in letzter Zeit gegen ihn erhoben wurden. Seitdem er der zionistischen Organisation angehöre, begann der Redner, habe er nie nach Popularität unter den jüdischen Massen gestrebt. Sein einziges Ziel wäre: seine Pflicht als Jude zu erfüllen; und mit diesem Pflichtbewußtsein sei er auch nach Hamburg gegangen. Die türkische Revolution habe einen gewaltigen Eindruck auf die zionistische Welt gemacht. Mit dem Optimismus, der die Stärke, zuweilen aber auch die Schwäche des jüdischen Volkes bilde, glaubte dieses, seinem Ziele sich ganz nahe zu finden. Da habe er, Redner, es für seine Pflicht gehalten, das jüdische Volk aus diesem Traumzustande in die Wirklichkeit zurückzuführen. Er erwarte von den Massen keine Dankbarkeit, denn sie^ständen unter dem Eindruck des Augenblicks. Wenn dieser sie trügt, sind sie enttäuscht. Die türkische Umwälzung habe für das Judentum keine große Bedeutung. Denn wenn der Despotismus auch geschwunden sei, die Männer, die Institutionen (roter Zettel) seien dieselben geblieben. Redner hielt es für notwendig, dies dem jüdischen Volke klarzumachen, aber anderseits auch die türkische Nation von der maßgebenden jüdischen Tribüne herab über die wahren Absichten und Ziele des Zionismus aufzuklären. Die Türkei stelle uns jetzt unannehmbare Bedingungen. Sie verlange, daß wir uns im ottomanischen Reiche zerstreuen, zersplittern und ottomanisieren sollen. Wir wollen die türkische Sprache erlernen, — ein Jude erlernt ja alle möglichen Sprachen mit Leichtigkeit, wollen auch gute Ottomanen sein — aber die einzige Bedingung, die wir stellen, sei: Als jüdische Nationalität in Palästina leben zu können. „Und", fügte der Redner unter dem Beifallssturm der Anwesenden hinzu, „wir sind an maßgebender Stelle gehört worden." Daß unsere Bemühungen auf Schwierigkeiten stoßen, läge daran, daß es unter uns Juden Leute gibt, die von einem blinden Haß gegen die jüdische Renaissance- Bewegung besessen sind, und jede perfide List anwenden, um unsere Bewegung aufzuhalten und zu hemmen. Diese Leute sagen den Türken: Ihr braucht Menschenmaterial! Wir geben euch so viel ihr wollt. Wir stellen gar keine Bedingungen. Palästina ist uns gleichgültig. Wir schicken euch die Juden, wohin ihr wollt. Wir wünschen nichts als Türken, die türkischsten Türken aus ihnen zu machen. Durch diese Verräter seien die Jungtürken irregeleitet worden. Sie antworten uns: Wir brauchen euch nicht. Ihr stellt Bedingungen, andere sind bescheidener und anspruchsloser. Deshalb bleibe uns nichts anderes übrig, als zu warten; nicht etwa auf einen Messias, oder daß es unter uns keine Verräter gebe, daß wir alle Engel werden. Nein. Wir wollen warten, bis die Türkei das Fiasko des Unternehmens unserer Gegner wahrnimmt, was nicht ausbleiben wird, und unsere loyalen Absichten einsieht. Wir wollen nach Palästina gehen, nicht um dort Brot zu essen, das könnten wir anderswo vielleicht billiger und besser haben, sondern um moralische Satisfaktion zu erlangen; die Realisierung unserer geschichtlichen Existenz. Das jüdische Volk habe durch seine tausendjährige Existenz bewiesen, daß es eine relative Ewigkeit besitzt, die türkischen Parteien aber werden nicht ewig am Ruder bleiben. Was die eine nicht erlaubt, das werde eine andere bewilligen. Wir wollen unterdessen nicht die Hände in die Taschen stecken und müßig warten, sondern an den andern Aufgaben arbeiten, die außerhalb Palästinas unser harren: Erziehung des Volkes und Stärkung unserer Organisation. Zur Frage der Polemik unserer russischen Freunde übergehend, bemerkt der Redner, daß er es Wolffsohn gesagt habe, er würde gerne die Verantwortung und die Leitung in den Händen der Kritiker sehen, wenn es die gegenwärtige Lage nur erlauben würde. Die Russen kritisieren stets, sind aber nie mit einem praktischen Programm hervorgetreten. Wie wenig praktisch sie sind, beweist die Forderung der Gründung einer Agrarbank. Solange in der Türkei kein Hypothekengesetz existiert, sei ein derartiges Unternehmen unweigerlich zum Bankerott verurteilt. Die Russen hätten zu viel Phantasie. Diese sei zwar in der Kunst sehr förderlich, aber unbrauchbar für das reelle Leben. Sie faßten Beschlüsse, die unrealisierbar seien. Es sei keiner auf dem Kongreß gewesen, der es ihnen gesagt habe. Redner durfte als Präsident nicht polemisieren. Er habe sich auch deshalb anfänglich geweigert, die Präsidentenwürde anzunehmen. Wir dürfen den Mut nicht sinken lassen. Wenn in 24 Stunden der türkische Despotismus gefallen, was können nicht andere 24 Stunden für das jüdische Volk bringen? Deshalb müsse man arbeiten und sich nicht in Gegensätze von Ost und West, von praktischem und politischem Zionismus ergehen. Wenn wir neue Anhänger werben, in Palästina neue zionistische Vereine gründen, ist das nicht ebensolche praktische Arbeit, als wenn man ein Stückchen Land kauft, um es brach liegen zu lassen? Nicht Landerwerb sei augenblicklich für das jüdische Volk von großer Wichtigkeit, sondern Aufklärung der öffentlichen Meinung in der Türkei und die Gewinnung der dortigen Juden für unsere große Sache. „Das ist mein Programm", schloß der Redner unter tosendem Beifall, „arbeiten wir alle." Rumänien Galatz. (Resolution.) Die im Eisenwerger Tempel versammelten Zionisten begrüßen nach Anhörung des Berichts über den IX. Kongreß David Wolffsohn aufs herzlichste und drücken ihm ihre Sympathien aus.

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