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Die Welt · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 7 DIE3^ELT 149 Ich hörte meinem Freund mit der größten Spannung zu, ich erwartete irgendeine dramatisch bewegte Schilderung seines Lebens, ich glaubte, er bereite kalt einen Knalleffekt vor, und als er schloß, ohne weiter fortzusetzen, war ich ganz enttäuscht. Zuerst schwieg ich, sammelte meine Gedanken und sagte dann so zu mir selber: „Ah so, nur eine Stufe höher als ich . . ., und dachte noch hinzu . . ., heute sind wir doch gleich." Wir erreichten noch müde und hungrig an jenein Abend etwa gegen zehn Uhr die glückliche Hosenstadt, und fanden gleich beim Eintritt in die Stadt Unterkunft und Nachtquartier . . ., im städtischen Polizeiarrest . . . Zu unserm Glück oder zu unserm Unglück wurden wir beim Eintritt in die Stadt von zwei Polizisten, die uns augenscheinlich mißtrauten, angehalten und nach Pässen gefragt. Da wir außer unserm Gebetriemen nichts bei uns hatten —, wurden wir in Gewahrsam genommen und durften alle drei auf derselben Pritsche unsere müden Häupter ausruhen. . . . Den Rest brauche ich wohl nicht zu erzählen. Alle sind gleich behandelt worden. . . . Die Arrestanten prügelten uns mörderisch und die Polizei schob jeden von uns nach seiner Heimal ab. Von dem „Verkäufer" habe ich niclils mehr gehör! . . interessiert mich auch nicht . . .. aber mein Freund hat es noch verhältnismäßig weit gebracht..... Er schreibt die Briefe für alte Juden an ihre Kinder in Amerika, hungert auf eigne Faust und philosophiert in Freiheit ... o o o o o o o o o o o o o o J AUS DER BEWEGUNG (fZT o o o o o IL o o o o o o o Banksitzungen Am 13. Februar fanden im Haag Board-Sitzungen der Anglo Palestine Company und der Anglo Levantine Banking Company statt, an denen der Präsident des Direktoriums, Herr David Wolffsohn, sowie die Direktoren Herren Kann und Cowen, der Manager Herr Hirsch, Herr Direktor Levontin aus Jaffa und auch Herr L. Keßler teilnahmen. Aus den Beratungen des Direktoriums der A. P. C. ist besonders die Vorlage des Geschäftsberichts pro 1909 zu ermähnen, aus dem sich ergibt, daß die Geschäfte der A. P. C. sich auch im abgelaufenen Jahre höchst befriedigend entwickelt haben. Die Summe der von ihr in palästinensischen Geschäften investierten Kapitalien hat sich gegen das Vorjahr um 2 Millionen Pres., nämlich von Pres. 5 200 Ö00 auf Frcs. 7 200 000 vermehrt. Das Direktorium beschloß, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 41/(!°/o (wie im Vorjahre) vorzuschlagen und dem Reservefonds reichliche Dotationen zuzuführen. Anfang voriger Woche fand in London unter dem Vorsitz des Präsidenten des Direktoriums, Herrn Dr. N. Katzenelson, auch eine Direktoriumsitzung des Jewish Colonial Trust statt. Deutschland Mainz. Einen schönen und anregenden Verlauf nahm die zionistische Versammlung, die am 13. d. hier im blauen Saale der Stadthalle stattfand. Nach begrüßenden Worten des Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe, Herrn'H. Bloch, erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, Frankfurt a. M., ein gediegenes Referat über den IX. Kongreß, in welchem er von der hohen Warte einer über den Parteien stehenden Beurteilung ein packendes Bild des Kongresses entrollte. Als zweiter Redner referierte Herr Bendorf über die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft, indem er in scharfen Umrissen ein klares Bild dieses großangelegten Projekts entwarf. Ein gemütliches Beisammensein, das einen regen Gedankenaustausch über das Gehörte veranlaßte, beschloß den schönen Abend, der der hiesigen Ortsgruppe einige neue Mitglieder zuführte. Berlin. Am Sonnabend, den 13. d. M., abends, fand ein von der Misrachigruppe einberufener allgemeiner Diskussionsabend statt, an dem die vielen in den bisherigen Diskussionen unerledigt gebliebenen Fragen in umfassender Weise erörtert werden sollten. Es wurde in der Hauptsache über die Begriffe Jüdische Nation und Religion debattiert, außerdem über das Verhältnis des Zionismus zu den messianischen Erlösungsideen. Es wurde hierbei viel die außerordentlich anregende Broschüre des Papaer Raws (Der Zionismus im Lichte der Orthodoxie) herangezogen, die für Interessenten der hiesigen Misrachigruppe bei Dr. R. Leszynsky (Grunewald, Rheinbabenallee) zu minimalen Preisen zur Verfügung steht. Die Diskussion, die wohl alle Anwesenden außerordentlich befriedigte, zog sich bis gegen Mitternacht hin; die Sammlung für den Misrachifonds ergab euie beträchtliche Summe. Hamburg. Das lebhafte und anhaltende Interesse für den Zionismus, das der Kongreß geweckt hat, fand einen überzeugenden Ausdruck in dem außerordentlich zahlreichen Besuch einer von der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona auf Dienstag den 8. d. M. nach dem Velodrom einberufenen öffentlichen Versammlung und in der gespannten Aufmerksamkeit, mit der die Versammlung den meisterhaften Ausführungen des Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin über den „Zionismus nach dem IX. Kongreß, Rückblick und Ausblick" folgte. Der Redner erinnerte zunächst daran, daß schon einmal ein Kongreß — der erste — in Deutschland geplant, aber durch einen „Protest" vereitelt worden war. Es sei ein Fortschritt, daß jetzt, kaum 12 Jahre später, von keiner Seite den Vorbereitungen und den Verhandlungen des Hamburger Kongresses irgendein Widerstand entgegengesetzt worden sei. Denn die vor einigen Tagen in Hamburg-Altona von einigen wenigen Orthodoxen gegründete Organisation „Moria", über die in wichtig aussehenden Telegrammen in der Tagespresse berichtet worden sei, und die allerdings eine Gegenorganisation gegen den Zionismus sein wolle, sei ernsthafter Beachtung nicht wert. Wie die „Moria" auch in den offiziellen nichtzionistischen Kreisen bewertet wird, geht aus einer von Herrn Dr. Klee im ausdrücklichen Auftrag der offiziellen Vertretung der deutschen Orthodoxie abgegebenen Erklärung hervor, daß ohne ihr Vorwissen die „Moria" ins Leben gerufen sei, und daß die offizielle Vertretung der deutschen Orthodoxie es weit von sich weise, sich in irgendeiner Weise an einem gegen den Zionismus gerichteten Unternehmen zu beteiligen. Der Referent wandte sich dann eingehend den Ergebnissen des Kongresses zu, als deren wichtigste er die unbedingte Aufrechterhaltung des Basler Programms, das er ausführlich besprach, und das ein rocher de bronce sein müsse für alle Zeiten und Verhältnisse, und die Förderung intensiver Palästiner Arbeit bezeichnete. In letzterer Beziehung sei besonders wichtig die Schaffung der Agrarkreditbank, der Beschluß, die Bankpolitik möglichst auf Palästina zu konzentrieren und die Bewilligung von Mitteln für das Oppenheimersche Siedlungsprojekt, dessen Arbeiten einen erfreulichen Fortgang nähmen. Von nicht geringer Bedeutung sei auch die Tatsache, daß zum IX. Kongreß zum ersten Male Vertreter der türkischen Judenheit erschienen seien. Mit Liebe müsse man auch in Zukunft treu und fest zur selbstgewählten Leitung stehen, der für ihre Tatkraft und Opferfreudigkeit viel Dank geschuldet werde und sie durch tätige Arbeit unterstützen. Unerläßlich sei es, immer und immer wieder an die Gesamtjudenheit zu appellieren und sie zu tatkräftiger Mitarbeit zu werben. Die vollendeten Ausführungen des Redners lösten stürmischen Beifall aus, dem der Vorsitzende, Herr Dr. Kalmus, auch noch in herzlichen Worten des Dankes an Dr. Klee Ausdruck gab. Einschließlich der durch den Vortrag neugewonnenen Mitglieder sind jetzt in den sechs Wochen seit dem Kongreß bereits über 150 neue Mitglieder der Ortsgruppe beigetreten.

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