Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 DIEMELT 147 und Unhaltbarkeit. Und als er zu „bauen" anfing, zu bauen am liegt eine erschütternde innere Revolution. Unter den Palästinawerk, blieb er ein „Verneiner", -- ein Negierer des Golus. Grundlegern unseres nationalen Zukunftsgebäudes stand Lilienblum Zwischen dem Zerstörer, der „Chatawth Neurim" in der vordersten Reihe. Und es war ihm gegönnt, die Anfänge und dem Bereuenden^Bauenden, dem „Derech Teschuwa" der neuen jüdischen Wirklichkeit mitzuerleben. (□□□□□□ o vi -o / FEUILLETON □□□□□DJ DIE DREI... Von Samuel Max Melamed (Schluß) Eine geraume Weile lagen wir auf unsern Röcken im Gebüsch, ohne miteinander zu sprechen. Mein Freund lag auf dem Bauche und hatte seinen Kopf in die Erde versenkt. Neben ihm lag der „Verkäufer", in sich zusammengekauert, sein Gesicht mit seiner;;Geschäftsjacke" bedeckt, als wollte er das Licht abwehren. Ich lag auf dem Rücken ausgestreckt und schaute in die Nebelflecken, die in der Luft schwammen. Ich wollte einschlafen, aber es war unmöglich. Bald meldete sich der Hunger wieder. Ich schluckte den hungrigen Speichel hinunter und suchte den Hunger zu vergessen, aber vergebens. . . Ich fühlte eine Mattigkeit über mich kommen, und da ich wußte, wohin solche Zustände führen, näherte ich mich meinem Freunde und fing mit ihm ein Gespräch an, um mich zu zerstreuen. . . „Wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte ich zu meinem Freunde. „Noch ungefähr zwanzig Kilometer", antwortete er trocken. „Haben Sie schon einmal diesen Weg zurückgelegt?" fragte ich, nur um zu fragen. „Schon mehr als einmal", antwortete er, ohne sein Gesicht von der Erde abzuwenden. Ich wurde neugierig. „Kennen Sie jemanden in der Hosenstadt?" „Die Leute kennen mich, ich kenne nur wenige Leute in jener Stadt." „Haben Sie dort vielleicht einen näheren Bekannten, bei dem Sie eventuell einkehren können?" Ja, — aber einkehren bei —, das ist wohl nicht möglich." „Warum?" „Erstens ist er in Trauer und dann, er hat selbst neun Kinder und nur zwei Stuben." „Nun Sie sagen, daß er in Trauer ist, wahrscheinlich ist doch jemand bei ihm gestorben, — da können Sie doch —, Sie verstehen ..." Er wehrte halb beleidigt ab, „nein, nein, und ich bin ganz und gar kein Ersatz ..." Ich wollte nicht mehr fragen, denn es interessierte mich nicht, aber ich fragte doch weiter, um zu hören und mich zu zerstreuen. „Für wen trauert Ihr Bekannter?" „Sein Sohn ist vor kurzem gestorben." „Wie alt ist er geworden?" „Vierzehn Jahre." „War er lange krank?" „Nein, — immer —, das heißt, kein Brot ..." Ich wurde neugierig. „Was heißt kein Brot? Meinen Sie es buchstäblich oder bildlich?" „Ich habe Ihnen gesagt, was ich unter Brot verstehe . . . Aber in diesem Fall war Brot eine Hose." Meine Neugierde wuchs von Minute zu Minute. „Ist er wegen einer Hose gestorben? Wegen einer Hose stirbt man doch nicht". Mein Freund erhob sich von der Erde, setzte sich wieder hin, überlegte einen Augenblick und sagte in entschiedenem Ton: ,;Ich sage Ihnen, er ist wegen einer Hose aus der Welt geschieden. Sie mögen es glauben oder nicht". Allein ich ließ es nicht dabei bewenden und fragte weiter. „Ist Ihr Bekannter kein Hosenschneider, wie alle andern in dieser Stadt auch?" „Ja, er ist ein Hosenschneider, aber er arbeitet nur für Bürger und nicht für Lieferanten ..." Ich machte eine ungläubige, skeptische Miene. Mein Freund schaute mich an und wurde ärgerlich. „Ich hatte Sie für klüger gehalten", fing er vorwurfsvoll an. „Ich hielt Sie für einen erfahrenen Mann, der vieles auf den Wink versteht, am Ende sind Sie nicht klüger als tausend andere auch. Da hätten Sie schon zum satten Teil der Menschheit gehören dürfen. Aber da wir doch nichts* besseres zu tun haben und Sie noch so eine ungläubige Miene machen, will ich Ihnen kurz die Geschichte erzählen. Aber fragen Sie dann nichts mehr. Die ewige Fragerei ist überhaupt kein Beweis von übermäßiger Klugheit." Der Verkäufer und ich näherten uns noch mehr meinem Freund, und ohne daß wir noch unserseits etwas gesagt hatten, fing er mit der Erzählung an. „Reb Welwele, mein Bekannter, bei dem ich jetzt hätte einkehren können, ist ein Privatschneider, wie sein Vater und Großvater auch, ein ehrlicher Jud, der alles im Leben hat, eine Frau, zehn Töchter, einen uralten Vater, nur kein Brot, oder wie Sie sagen nur kein Glück. Er hatte nur einen Sohn, Zalki, ein bescheidener, ruhiger und in sich gekehrter Knabe. Er war die Freude seiner Eltern und seiner Familie. Den Tag über lernte er fleißig in Glieder und abends half er seinem Vater die Nähte steppen. Die Eltern liebten ihren. Sohn über alle Maßen und behandelten ihn sehr gut, Er durfte im großen Gebetbuche seines Vaters beten, im Winter am Ofen schlafen, und er erhielt sogar jede Woche sein Taschengeld —, eine Kopeke in bar. Als folgsames Kind gab ,.er natürlich die gesammelten Groschen wieder her, sobald sie die gute Mutter von ihm verlangte, und es kam oft vor, daß die Mutter ihm die paar Spargroschen abnehmen mußte. Sie erhielt zwar ihr Wochengeld von ihrem getreuen Welwel, allein für Frühstück und Abendbrod reichte es nicht aus, und für Mittag nur, wenn man sich mit Kaltem begnügte. Besonders am Freitag war sie immer geldbedürftig: denn sie mußte für dreizehn Personen die Sabbatmahlzeil vorbereiten,