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Die Welt · 1910-02-18 · 7 (18.2.1910) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 7 DIE^ELT 143 verlangen. Sie wollen, müssen und sollen heraus, und zwar nach dem Lände, das für sie aus allen ideellen und praktischen Gründen den Ort des geringsten Druckes darstellt, dem einzigen Lande, das ihnen die Pforten weit öffnet, dem Lande ihrer tausendjährigen Sehnsucht. * Dort wollen wir sie zusammensiedeln in so dichter Masse und in solcher sozialen Gliederung, daß niemals der Judenhaß ihre soziale Lage zu stören vermag. „Wer von euch Westjuden jetzt oder in Zukunft persönlich an diesem großen Menschheitswerke mitschaffen will, ist willkommen; soll doch auch dem Nichtjuden das Tor des jüdischen Landes weit geöffnet sein! Aber niemand fordert, niemand erwartet sogar von euch, daß ihr persönlich unter den Pionieren sein werdet. Wer sich als Bürger fühlt seines Landes, wer mit seiner Sprache und Kultur, seinen Sitten und seinem Rechte verwurzelt ist, soll bleiben, ungekränkt, ungescholten, und nach allen Bürgerkronen seines Volkes ringen, zur Ehre dieses Volkes, aber auch zur Ehre des jüdischen Stammes, dem er entsprossen ist. „Aber daneben soll er mitarbeiten an jenem andern Werke, daß der Ehre des jüdischen Stammes gilt. Setzt eure Intelligenz und Tatkraft, setzt eure materiellen Mittel ein zur Neuschöpfung eines jüdischen Volkes im Lande seiner Väter. Wenn ihr das tut, so sollt ihr auf der Ehrentafel dieses neuen Volkes eingeschrieben werden, auch wenn ihr eures Volkes treue Bürger bleibt. „Damit dient ihr einer Idee — und doch auch euch selbst, wie man denn überhaupt auf die Dauer nur richtig steuert, wenn man sich nach den Sternbildern der Ideale richtet. Denn je höher sich das Niveau der jüdischen Masse im Osten hebt, um so mehr verliert in eurem Volkstum der Judenhaß an Boden, und um so geringer wird die Zuwanderung in euer Vaterland, die euch jetzt eine so ungeheure Versorgungs- und Erziehungslast aufbürdet und den Antisemitismus mit einwandern läßt." Wenn wir so sprechen, so sprechen dürfen, sicher, daß uns die Östler nicht dementieren, sicher vor den Scheltworten: „Assimilanten! Chauvinisten! Philozionisten!" usw.; — wenn wir so sprechen dürfen, unter dem Beifall und Verständnis der Ostjuden, dann ist unsere Propaganda ein Kinderspiel und ihr Erfolg gesichert. Solange sie aber nur denjenigen als Zionisten, ja Juden anerkennen, der die Psychologie des russischen Paria hat oder sich autosuggeriert, — solange werden wir nicht nur (worauf nichts ankommt), persönlich zu leiden haben, weil wir zwischen Baum und Borke stehen, sondern wir werden auch mit unserer Werbearbeit nicht vorwärts gelangen. Und darauf kommt allerdings sehr viel an! Nun wird man uns triumphierend entgegenhalten: „Wodurch unterscheidet sich denn dieser sogenannte westjüdische Zionismus von dem jüdischen Philanthropismus? Wollen denn nicht Hirsch, Rothschild, die Alliance Israelite, die Chowewe Zion ganz dasselbe?'4 Nicht im mindesten! Sie wollen einzelnen, bestenfalls vielen einzelnen helfen: das liegt uns ganz fern. Wir wollen eine Gesamtheit organisieren! Jene wollen gedeihende Juden, bestenfalls gedeihende Judendörfer schaffen, — wir wollen ein jüdisches Volk schaffen. Nicht einen jüdischen Staat. Seit die Türkei Verfassungsstaat geworden ist,, hat dieser Gedanke unter uns fast alle Anhänger verloren. Die türkische Verfassung genügt uns als „öffentlich-rechtliche'Sicherung" durchaus und gewährleistet uns alles, was wir brauchen: die Selbstverwaltung in der Gemeinde und in den Provinzialparlamenten, wenn wir nur erreichen, was wir wollen: Schaffung einer dichten, alle Erwerbszweige gleichmäßig besetzenden, namentlich auf bäuerlichagrarischer Basis ruhenden jüdischen Bevölkerung, die überall im Lande die Mehrheit ausmacht. Dann herrscht sie in allen Dingen der Selbstverwaltung und herrscht mit im Zentralparlament, — und das ist natürlich auch die Absicht und der Wunsch der verfassungstreuen Ottomanen nichtjüdischen Stammes. Wenn dieses Ziel erreicht sein wird, so wird das jüdische Volk in Palästina neben seinem jüdischen Stammesbewußtsein auch jüdisches Volksbewtißtsein und o^ttomanisches Reichsbewußtsein haben, ganz so wie der Bayer oder der Proveneale neben ihrem Reichsbewußtsein doch noch ein gesundes partikularistisches Teil Volksbewußtsein besitzen. Und das ist gut so! Denn ein Orchester klingt um so besser, von je zahlreichern Instrumenten es besetzt ist, — freilich müssen sie Takt mit einander halten. Deutschlands und Frankreichs Kultur beruht nicht in letzter Linie auf dem Wettbewerb der verschiedenen Stämme und Landesteile. Wo die Freiheit den Kapellmeister macht, wie in der Schweiz, gibt das Zusammenspiel selbst, verschiedener Sprachstämme den reinsten Klang! In diesem, nur in diesem Sinne wollen wir in Palästina ein jüdisches Volk bilden. Wir denken an keinen Judenkönig mit Ministern, Hofstaat und Harem, und haben keine Sorge, ob sich ein jüdischer Admiral wird finden lassen, der nicht seekrank wird. Wir pfeifen auf alle staatsrechtliche Souveränität und wollen nicht einmal einen Vasallenstaat bilden, nur einen Landesteil mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung und jüdischer Selbstverwaltung in dem Umfange, wie sie in allen Kulturstaaten ohne Schaden für den Staatszusammenhalt besteht. Aber das wollen wir auch! Und darin unterscheiden wir uns grundsätzlich von den Philanthropen. Nicht die Mildtätigkeit treibt uns, sondern das jüdische Stammesbewußtsein. Wir wollen das alte edle Reis des Stammes, das über Jahrtausende herübergerettet worden ist, wieder in seine Muttererde senken, damit es zum weithinschattenden Riesenbaume eines verjüngten Volkes heranwachse, der die Blüten und Früchte einer neuen, hohen, jüdisch-nationalen Kultur trage, zur Ehre des Stammes, zur Ehre aller Stammesgenossen der ganzen Welt. Meine Anklagen Von H. York»Steiner (Fortsetzung) Die Romantiker Jede in die Welt gesetzte Idee lebt ihre eigene, in ihr selbst beruhende Existenz, und jede auf Qrund dieser Idee entstandene Organisation ist dieser Idee Untertan. Niemals kann die Organisation willkürlich diese Idee ändern, ohne schweren Schaden zu leiden und zu stiften. Zeit und Umstände bringen taktische Änderungen, solche 9*

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