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Die Welt · 1910-02-11 · 6 (11.2.1910) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 6 DIE^ELT 131 wenn man es so nennen kann, — zu urteilen, wie sie will, aber York-Steiner mit Katzengold in einem Atem zu nennen, das ist zu stark, diesen Ton lassen wir Alten den ersten, schwersten Kämpfern gegenüber nicht anschlagen und werden uns, wenn es im Interesse unserer Sache sein muß, noch ganz anders wehren. Es ist zu bedauern, daß keiner von den Herren von der Türkenstraße eine so starke Persönlichkeit ist wie York-Steiner. Falls einmal eine Agitationsversammlung einberufen wird und York-Steiner spricht, so hat eben derselbe katzengoldverkündende York-Steiner mehr Sympathien durch sein bloßes Erscheinen am Podium geweckt — und dadurch auch für unsere Idee, — als diese Herren durch eine vielstündige Rede. Ich spreche von Tatsachen und aus Erfahrung. Theodor Felix NOTIZEN Das Pariser Ghetto! Wo fängt das Ghetto in der französischen Metropole an? Wo hört es auf? Wenn sie den Boulevard Clichy entlang wandeln, mitten im Gewühl der Menge sich befinden und in ein Seitengäßchen, gleichviel welches, gedrängt werden, da stoßen sie auf das jüdische Leben, das wie seine Träger unwandelbar, unzerstörbar ist, sich ewig gleich bleibt, im galizischen Städtchen und in der modernen Revolutionsstadt dieselben Merkmale aufweist. Eine neue oder richtiger alte Welt, die mit der uns rings umgebenden keine Spur von Ähnlichkeit zeigt, tut sich vor uns auf. Kleine, baufällige Häuser, die unter der Last des Alters zusammenzubrechen scheinen, erheben sich an Stelle der modernen Kunstbauten, die den Stolz der Pariser bilden. Finstere Goluthgestalten, auf deren Gesichtern das Martyrium unseres ganzen Stammes zu lesen ist, zuweilen mit Kaftan und langen Locken an den Schläfen, schlendern schweren Schrittes umher. Schwatzende Weiber kauern an der Türschwelle — ganz wie zu Hause. Vom kinderarmen Paris, eine häufige Klage und Besorgnis der Patrioten, ist hier n chts zu merken. Lustig und spielend winden sich die Kinderscharen durch die krummen, engen Gäßchen. Da, — an der Ecke ein judisches Teehaus. Der Inhaber wird kurzweg von aller Welt „Vetter" genannt. Vetter macht gute Geschäfte; denn unsere jüdischen Arbeiter huldigen glücklicherweise nicht dem Alkohol. Das warme Getränk wird bevorzugt. In dem rauchdurchschwängerten Räume wird gespielt, leider allzuviel gespielt, gezecht und politisiert. Die Politik, die in Frankreich alles ankränkelt, ist eine der Hauptleidenschaften der Immigrierten. Sozialisten und Syndikalisten, Terroristen und ganz einfache Revolutionärs führen hier das große Wort. Die Zionisten lassen sich nur s-lten vernehmen. Sie rekrutieren sich aus den sogenannten petits Bourgeois. Auch kleine Geschäfte werden hier gemacht — und „Schiduchim" geschlossen. Der Schadehen ist der älteste Stammgast dieses Lokals. Von ausgelassener Lustigkeit und Frivolität, die Haupteigenschaften des arbeitenden Franzosen, ist hier keine Spur. Gesang und Tanz gehören zu den seltenen Amüsements. Nur einmal, an einem Samstagabend, vernahm ich einige hebräische und arabische Weisen. Es waren Söhne unserer Kolonisten, die sie anstimmten. Ein paar Schritte weiter — und das Ghetto verschwindet. Das bekannte Pariser Straßenbild taucht wieder auf: die lustig-lärmende Volksmenge, die sich drängt und stößt, die langweiligen Bonames, die Engländer mit dem Baedeker in der Hand, die Reklameschreier — und Droschken, Kutschen, Lastwagen, Automobils, Autobusse —- endlos. Halt! Jetzt können sie, ohne Gefahr zu laufen, passieren* Sie biegen links in ein Nebengäßchen ein. Da haben sie es wieder, das jüdische Ghetto. Aber es dauert wieder nicht lange Zehn Schritte vorwärts — und sie sind im lärmenden, vergnügten, künstlerischen Paris. Ein anderes Quartier: Rue de Rivoli, eine der Hauptgeschäftsstraßen. Rechts das immense Gebäude des Hötel de Ville, links der große Basar. In der Mitte ein gewaltiger Volkshaufen, der sich zwischen Wagen und rasenden Automobilen schlängelt. Ein Blick in eine schmile Seitenstraße — und das jüdische Ghetto taucht aufs neue auf. Es nimmt hier einen festern, größern, ausgedehnteren Charakter an: der Zentralpunkt, Rue des Rosiers, läßt sich leicht von den ihn rings einschließenden Gäßchen und Passagen unterscheiden. Alle sind zwar gleich schmal, finster und entsetzlich unsauber, aber doch in der Rue des Rosiers, da ist die Quelle, da pulsiert das echte, volle, warme jüdische Leben. Metzger-, Bäcker-, Spezerei- und Buchhändlerläden mit jüdischen Schildern sind hier in Massen, zahlreich sind hier die jüdischen Cafes und Restaurants, auch ein jüdisches Theater und unzählige Synagogen, die nach den Ländern und Städten der Eingewanderten benannt sind (Warschauer-Schül, Rumänische Schul), befinden sich in derselben Straße. Die Umgangs- und Verkehrssprache ist der Jargon, mit französischen Brocken durchsetzt. N'est-ce pas, mein Boutique hat sich gut developpet, eine Phrase, die man häufig hören kann. Das traurigste ist, daß die Neuankömmlinge einen förmlichen Wettbewerb um diese verpesteten Häuser veranstalten. Die Preise steigen von Tag zu Tag. Eine klägliche Zweizimmerwohnung, ohne Wasserleitung und Gasbeleuchtung, ohne die geringste sanitäre Einrichtung (das Wort Hygiene ist hier nicht angebracht) wird mit vier- und fünfhundert Franken jährlich bezahlt. Die Ursache ist einfach. Der Franzose, wie kindersücht'g er sich auch jetzt gebärdet, liebt die kleinen Würmer nicht. Eine jüdische Arbeiterfamilie, die sich aus sechs Personen zusammensetzt, findet in einem halbwegs säubern Hause keinen Einlaß. In der rue des Rosiers, des Ecouffes, oder wie diese kleinen, engen, schmutzigen Gäßchen heißen, sind die Concierges minder anspruchsvoll, sie nehmen die armen gehetzten Juden in Massen auf, aber für teures Geld. Die armen jüdischen Kinder werden in erstickenden Räumen zusammengepfercht, aber sie sind froh, nach der langen Wanderung eine Unterkunft g3funden zu haben. Glücklicherweise sind diese Judenviertel im Vergleich zu denen Londons und New Yorks unansehnlich klein. Nach einigen Minuten Wegs beginnt wieder der breite Boulevard, mit der Fülle von Licht und Luft. Man atmet erleichtert auf. Aber nicht weit, — Place de la Bastille — und das Bild des jüdischen Elends ist wieder vor unsern Augen. Dieselben engen, finstern, verpesteten Gäßchen, dieselbe erstickende Luft, die gleiche Misere. So geht's immerfort. Ein kontinuierliches Auf und Ab, eiii ewiger Wechsel von Licht und Finsternis, von überreifer Kultur und mittelalterlicher Barbarei, von überschwenglichem Luxus und namenlosem Elend. Wo fängt das Ghetto an? Wo hört es auf? Niemand kann die Grenzen abstecken. Les extremes se touchent. Auf den volksbelebten Boulevards mit ihrem Licht- und Luftnieer sind die Sklavenketten scheinbar abgeschüttelt, die Ghettomauern niedergerissen, aber Hnks im Nebengäßchen erstehen sie von neuem, fester, stärker denn je. Dr. Asra Berkowitz Für das Mikro-Biologische Institut sind eingegangen: Bei der Jüdischen Kolonialbank in London: Von the Federation of American Zionisls, New-York . . Doli. 7.— Bei der Administration der „Welt" in Köln: Durch Joseph Oppenheimer, Frankfurt, laut Ausweis im „Frankfurter Israelitischen Familienblatt" ...... .Jt 30.— Von Federatiunei Zionistilor din Romania durch M. Heinr. Schein, Galatz: Piatra: Verein „Zeirei Zion" gesammelt durch die Herren J. Schwarz und Segall..............Lei 6.75 Odobesti: Verein Hatchio..........20. — Harlau: Verein Abarbanel: Carl Silber, Rosa Silber ä 5. —; Ad. Mihalescu, J. Losner, Bereu Lazarovici ä 3.—; S. Baiusch, Artur Francisky-(Cotnar), A. Aronsohn, L. Steinberg ä 2.—; Jos. Kindler 1.50; D. Honig, J. Juster, Itic Leibovici, Sarn. M. Segall, Leon Ghips- (Botosani), Nuta Bercovici, Alter Mayer, N. Belisch, H. Goldenberg, Pincu A. Segall-(Botosani), H. Bacal, Gross-iDeleni), S. Zalmanovici ä 1.—; M. Scharf, Jos. Landau ä —.50, zusammen..........„ . . „ 42.50 Jasi: Verein Or Zion Dr. M. Nordau.........„ 100.— Focsani: Hermann Mayer..............„ 6.— Campina: Durch Herrn Ingenieur J. Brill gesammelt . . „ 65.— Moinesti: Hermann Theiler 100.—, Lipa Thei-ler 20.—, Paul Theiler 10.—, Theodor Theiler 10.—......., 140. — Tescani: Sal. Leventer 1.—, Jancu Grünberg 5.— . . . „ 6.— P. Iloie: Verein Bnei Zion gesammelt.........„ 17.95 Galatz: Jean Silberstein 100.—M. H. Schein 40.—, Julius Goldenberg 5.—, Julius Flittmann 5.— ........ 150.— Bukarest: Verein „Idealul": X. Y., Avram Goldenberg, Mendel Grünberg ä 5.—; Johann Goldenberg, Michel Zeltzer ä 3.—; Schalom Gelehrter, A. Benjamin, Sam. Löwenthal, Jacob Rubin, S. Blumenfeld ä 2.—; Emil Eckstein, Stud. J. Rubinstein, Rabinovici, David Löbel, Max Abramovici, J. Herscovici, Jacob Rubin, David Bloch, Filip Lazarovici, Jean Schauholz, Barbu Socianu ä 1.—. Rosen, Iscovici, X. Y. Z. ä —.50......„ 43.50 Piatra: Verein Zeirei Zion: M. Z. Catz 5.—; Sam. B. Catz, Carol Abram ä 2.—; Marcu Moscovici, Marcu Seifensieder, Haim Berall, Moise Moscovici, Avram Goldenberg, A. Balaban, Herrnann Spiegier, Haim H. Leibovici,

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