Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Apathie versunkene jüdische Öffentlichkeit aufgerüttelt. In manchen Orten nimmt der Wahlkampf einen geradezu stürmischen Charakter an. Einige Rabbiner in Polen wandten sich an die Bevölkerung mit einem Aufruf, in welche sie zur Wahl von Rabbinern auffordern. Diesen Vorschlag motivieren sie folgenderweise: Es ist bereits bewiesen, daß Rabbinerkommissicnen, trotzdem sie auch zur Lösung weltlicher Angelegenheiten einberufen werden, nicht imstande sind, für diese Angelegenheiten etwas zu leisten. Das einzige Gebiet, wo sie etwas leisten können, ist das geistlich-religiöse. Auf diesem Gebiete sind aber die Rabbiner die besten und kompetentesten Kenner. Kiew. Einem neuen Erlaß des Ministeriums gemäß haben bereits 150 jüdische Familien das Wohnrecht in Kiew verloren und müssen die Stadt spätestens am 15. April verlassen. Die Ausweisung von weiteren 450 jüdischen Familien steht bevor. Insgesamt werden ungefähr 5000 jüdische Seelen aus Kiew vertrieben. Rabbiner Mosch in Moskau wurde von der Behörde aufgefordert, bei Eintragung jüdischer Geburten in die Register streng darauf zu achten, daß die betreffenden Namen echt-jüdisch lauten müssen. Wie echt-russisch das Interesse der Regierung an dieser Bestimmung auch ist, ist es nichts destoweniger für uns beschämend, wenn eine derartige Zurechtweisung in diesem Lande nötig sein kann. Palästina (Von unserm Berichterstatter) Perez Smolenskyfeiern in Palästina Zu Ehren des 25jährigen Todestages Perez Smolenskys, dieses in unserer neuhebräischen Literatur ebenso wie in der Geschichte der nationalen, jungjüdischen Bewegung gleich hervorragenden Dichters und Streiters, wurden in Palästina Andachtsfeiern veranstaltet, in denen von berufener Seite, zum Teil von Männern, die persönliche Freunde von Smolensky waren, der Bedeutung dieses Mannes gedacht wurde. Smolenskyhain Ein ewiges Denkmal in Erez-Israel diesem nationalen Vorkämpfer zu setzen, beschlossen die Arbeiter des Nationalfondsgutes in Beth-Arif. Kurz auf die Anregung folgten Beschluß und Ausführung. Am Chamischah-Assar b'schwat wurde eine interne Feier veranstaltet und nahe am Wirtschaftshause eine Fläche von 4 Dunam mit Zierbäumen verschiedenster Art bepflanzt. Die Kosten des Pflanzmaterials brachten die dort vom Verein Ölbaumspende beschäftigten ca. 30 Arbeiter aus eigenen Mitteln im Betrage von 100 Frs. auf. In der darauffolgenden, mondhellen Nacht wurde auf einem Hügel ein großes Feuer angezündet (Hadlakah) und schwungvolle Ansprachen von Agronom Wilkansky und den Arbeitern gehalten. Zum Andenken an diesen Tag ließ der gegenwärtige Inhaber der dem Nationalfondsboden benachbarten Athidfabrik, Herr Kodriansky, die Arbeiter von Beth-Arif ins Goldene Buch eintragen und stiftete einen Baum im Smolenskyhain. Die nächsten 5 Ölbäume wurden vom Personal des Paläs:inaamts gestiftet. Auch in Jaffa fand der Plan der Pflanzung eines Smolenskyhains, sobald er nur bekannt wurde, großen Anklang, und es wurden in Kreisen der Lehrer und Schriftsteller zunächst für diesen Zweck 15 Bäume gestiftet. Jaffa, 27. Januar. Heute, am Todestage Perez Smolenskys, wurde hier im Saale der Mädchenschule eine Smolenskyfeier veranstaltet. Herr Matkus Kahn, der ein Mitarbeiter der von Smolensky herausgegebenen Monatsschrift „Haschachar" und ein persönlicher Freund des Dichters war, schilderte die Epoche wie auch die Persönlichkeit Smolenskys, die in den schlimmsten Tagen der Assimilation von nationaler Begeisterung und idealstem Streben getragen wurde. Herr Duschmann las bereits veröffentlichte Erinnerungen an Smolensky (von Kahn) vor, worauf Herr Dr. B. Mossinsohn auf die Bedeutung Smolenskys für die Gegenwart einging. — Im hiesigen Arbeiterklub sprach gestern I. Ch. Brenner über Smolenskys Leben und Wirken. Jerusalem, 26. Januar. Im hiesigen Beth-Am wurde heute eine Smolenskyfeier abgehalten, die von einem überaus großen Publikum besucht wurde. Die Redner des Abends waren Ben-Jehudah und Markus Kahn, beide ehemalige Mitarbeiter des Haschachar. Es wurden besoncers Smolenskys Bedeutung als Erneuerer des natürlichen hebräischen Stils und Mitbegründer der neuhebräischen Literatur beleuchtet. Frl. Waitz, Herr Eisenstadt und Frau Ben-Jehudah ergänzten die Ausführungen der Referenten. Der hebräische Schriftsteller Wolf Schur ist in Chicago im Alter von 79 Jahren verschieden. Aus Rußland eingewandert, begründete er hier eine hebräische Wochenschrift unter dem Namen „Hazdispah", die aber keine lange Dauer hatte. Am III. Zionistenkongreß nahm er als Delegierter teil. So KORRESPONDENZEN °S Diese Rubrik, für die die Redaktion keine Verantwortung trägt, ist Zuschriften aus dem Leserkreise zum freien Meinungsaustausch offen Richtigstellung Nach der Mitteilung'in der Welt Nr. 5 S. 100 hat Herr J. Cowen gelegentlich der Jahreskonferenz der English Zionist Federation behauptet, daß ich den Protest der A. I. K. O. gegen die zionistische Organisation unterzeichnet habe. Ich erkläre hingegen 1. daß es sich nicht um einen Protest handelte, sondern um ein Memorandum einer Anzahl Herren, an die türkische Regierung, in welchem sie die Hilfe derselben für ihre Kolonisationsarbeit erbitten, bei welcher Gelegenheit sie unter anderm erklärten, daß sie keine Zionisten seien, keine nationalen Aspirationen haben, und nur beabsichtigen philanthropisch zu arbeiten; 2. daß tatsächlich das Memorandum nur von Nichtzionisten unterschrieben war, und mein Name ebensowenig wie der ven Dr. Friedemann und Heymann unter dem Memorandum stand, übrigens auch schon deshalb nicht stehen konnte, da wir alle drei nicht dem geschäftsführenden Ausschuß der A. I. K. 0. angehören; 3. daß es sich für uns nur darum handelte, ob wir gegen das Memorandum als eine Schädigung des Zionismus protestieren sollten, was ich und Dr. Heymann, die wir auch für Dr. Friedemann Vollmacht hatten, — nicht taten, da wir in dem Memorandum eine Schädigung unserer Bewegung nicht erblicken konnten; 4. wenn — wie behauptet wird, — Herr Dr. Nossig dieses Memorandum in Konstantinopel in gehässiger Weise gegen den Zionismus ausgespielt hat, was er übrigens bestreitet, so hat dies mit dem Inhalt des Memorandums nichts zu tun. Berlin, 5. Februr 1910. O. Warburg Wien, 8. Februar 1910. Ich wäre Ihnen zum größten Dank verpflichtet, wenn Sie folgende Zeilen veröffentlicheil wollten : Als ich den Bar-ICochba-Palästina-Abend miterlebte, da ward ich in frühere Zeiten versetzt, wo unsere lieben Alten, wie Prof. Kellner und York-Steiner. öfters belehrend und erläuternd wirkten, und da man noch dazu Gelegenheit hatte, Martin Buber kennen zu lernen und dann noch gar Prof. Schatz, da war der Jubel in vieler Herzen von neuem groß über die Größe und Erkenntnis des Zionismus. — Seit langer, langer Zeit haben wir keinen solchen Abend miterlebt und viele Erinnerungen an Herzl sind wachgerufen worden. Unser jetziges System in Wien, charakterisiert durch Radikalismus, hat viele fast schon Früchte tragende Äste vernichtet und eine große Anzahl von Leuten, die uns schon sehr nahe standen, abgestoßen. Es muß einmal öffentlich gefragt und konstatiert werden: Wieso kommt es, daß unsere alten Herren, wie z. B. York- Steiner sich von ihrer politischen Tätigkeit ganz zurückgezogen haben und was auch sehr zu bedauern ist: Herr York-Steiner schreibt für gerade nichtzionistenfreundliche Zettungen. Sollte Herr York-Steiner sich auch von diesem oft an Taktlosigkeit grenzenden Radikalismus abgestoßen fühlen? . . . Wenn.man den Bericht über den Palestine-Bar-Kochba-Abend in der „Jüdischen Zeitung" liest, so findet man folgenden Passus: „Nach dem Golde Bubers folgte das Katzengold York-Steiners." Es steht ja der „Jüdischen Zeitung" frei, über diesen Vortrag, —