Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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gewerbe in Tarnow, welche Institution einv neues Instrument politischen Terrors in den Händen der Assimilanten zu werden verspricht; 2. der Bau eines jüdischen Volkshauses zusammen mit einem Schulgebäude für die „Safa Berura"-Schule, dessen Mangel sich besonders empfindlich fühlbar gemacht hat. Stanisfau. (Resolution.) Die am 6. Februar 1910 tagende Distriktskonferenz des südgalizischen Distrikts drückt dem Engeren Aktionskomitee ihr vollstes Vertrauen sowie den Wunsch aus, die reale Arbeit in Palästina möge intensiver betrieben werden. Dr. Schur. Leib Inslicht. Jacob Tillinger. Jeschua Zewi Stadien. Rußland Moskau« Der Verein „Bnei-Zion" hat in zwei Sitzungen die Berichte von vier Delegierten am Hamburger Kongresse vernommen und die Lage des Zionismus in den letzen Jahren, wie auch im gegenwärtigen Moment, im Zusammenhange mit der Tätigkeit der Leitung, einer allseitigen Diskussion unterworfen. Der Verein ist einstimmig zu folgenden Schlüssen gelangt: 1. Das E. A. C. hat seine Aufmerksamkeit der materiellen Seite der Bewegung gewidmet und war viel zu wenig für ihre kulturellen, politischen und organisatorischen Interessen, wie auch für die großen Aufgaben, die vor uns in Palästina stehen, zu leisten bestrebt. . 2. Die Interessen der Bewegung fordern, daß an der Spitze der Organisation ein Kollegium stehen soll, von dem ein Teil (nicht weniger als drei) in einem großen Zentrum wohnen muß. Dieses leitende Organ trägt kollektiv die Verantwortung vor der Organisation und wählt selbt den Vorsitzenden aus seiner Mitte. Rumänien Braila. (Resolution.) .Nach Anhörung des Kongreßberichts des Federationspräsidenten Schein sendet die soeben stattgehabte zionistische Massenversammlung dem verehrten Aktionspräsidenten Wolffsohn ihren tiefgefühlten Dank und die Versicherung ihres unerschütterlichen Vertrauens. England Bradford. Im hiesigen jüdischen Klub, wovon sehr viele Mitglieder Zionisten sind, wurde diesen Sonntag eine jüdische Bibliothek von Herrn Jacob Moser eröffnet. Dieser wurde der Name Moser- Bibliothek gegeben zu Ehren des 70. Geburtstags des Herrn Moser. Viele Mitglieder schenkten der Bibliothek Bücher, so daß dieselbe mit gegen 100 Bänden eröffnet werden konnte. Herr Rabbiner Dr. Strauß leistete Hilfe in der Wahl der Bücher. Ägypten Kairo: Zu den bedeutendsten Symptomen des Aufschwungs jüdisch-nationalen Lebens in Kairo gehört auch sicherlich die Gründung eines jüdischen Turnvereins unter dem Namen „Die Makkabäer", welcher nach fünf Monaten seines Bestehens, trotz seiner sparsamen Mittel dank der aufopfernden Mühe seines Gründers und Turnwarts Gg. Maggiar, bereits erfreuliche Ergebnisse aufzuweisen vermag. Sonntag den 2. Januar veranstaltete der Verein im Schulhofe der jüdischen Gemeinde ein Turnfest, zu dem ein überaus zahlreiches Publikum aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten herbeigeströmt war. Vor dem Eingänge ragten an beiden Seiten der ägyptischen Fahne die jüdischen Magen-Dawid-Banner. Der umfangreiche Hof war reich illuminiert und mit geschmackvollen Arabesken geschmückt, auf deren Grund sich die zionistischen Bilder vorzüglich ausnahmen. Das Fest wurde mit der „Hatikwah" eröffnet, worauf die „Makkabäer" eine Reihe von Sonder- und Massenübungen in geschicktester Weise aufführten, die auf die Zuschauer einen sehr günstigen Eindruck machten. Besondern Beifall ernteten die Schüler der jüdischen Gemeindeschule, die mit blauweißen Fähnchen in den Händen, ebenso stramm wie graziös, einige Massenübungen ausführten. Auch war der von Gg. Schapiro neugegründete Knabenverein „Altneuland" in corpore vertreten und ließ uns wiederholt anmutsvolle hebräische Melodien vernehmen. Unser bewährter Gg. Cäleff hielt eine schwungvolle Rede, in der er den Wert der Turnkunst und deren besondere Bedeutung für das jüdische Volk besprach. Seine Rede war von anhaltendem Beifall begleitet. Das Fest wurde dann mit der glänzenden Ausführung mehrerer Turnpyramiden geschlossen. Brief aus Konstantinopel (Von unserrrt Berichterstatter) Beruhigung Die gefürchteten Komplikationen auf dem Balkan sind wieder einmal nicht eingetreten, erfreulicherweise. Zwar ist noch alle Beunruhigung nicht vorüber, aber das ärgste scheint doch vermieden. Bulgarien gegenüber hat die Pforte ein weites Entgegenkommen gezeigt, indem sie den al en Handelsvertrag provisorisch noch auf ein Jahr verlängerte, indem sie den schlimmsten Paragraphen des mazedonischen Bandengesetzes abschaffte und mehrere Todesurteile gegen bulgarische Bandenfiihrer in Kerkerhaft abmilderte. Damit sind, wenn auch nicht die eigentlichen Ursachen für ein agressives Vorgehen Bulgariens, die eroberungspsychologische sind, so doch jedenfalls die Vorwände dazu, hinfällig geworden. Auf der anderen Seite hat Griechenland, das durch den Beschluß, die konstituierende Nationalversammlung einzuberufen, die Türkei äußerst erregt hatte, durch kluge Beschwichtigung, vor allem durch Vertagung der Versammlung auf ein Jahr, das schlimmste abgewendet. Und wenn die Kabinette die Wahrheit sprechen, sind die Mächte nun doch halbwegs entschlossen, der Kretafrage eine endliche Lösung im Sinne der Türken zu geben. So kehrt denn langsam die Beruhigung wieder. Trotzdem hat man immer noch mit unerwarteten Verwicklungen zu rechnen; die Zeit des Vorlenz ist auf dem Balkan immer eine gefährliche, und die vergangenen Monate haben zur Genüge bewiesen, daß es an Gelegenheiten, der Türkei von draußen her Stiche und Schläge zu versetzen und damit immer neue Beunruhigungen zu schaffen, niemals fehlt. Und doch sollte Europa der neuen Türkei endlich eine größere Zeit der Ruhe lassen, um die tatsächliche und endgültige Probe ablegen zu können, ob sie zum Fortschritt und Aufstiege imstande ist oder nicht. Das Scheitern aller bisherigen Versuche hat in dem bösen Willen von außen eine unabweisliche Entschuldigung. Die Miilets Den Armeniern dauert der Patriarchatskonflikt zu lange. Obwohl nun den Forderungen des Monsignor Turian, der noch immer seine Demission aufrecht erhielt, keineswegs von der Regierung die gewünschte Nachachtung gegeben wurde (so ist einer der Hauptanstifter des Adanaer Gemetzels, — der ehemalige Pogrom kaimakam aus Jaffa, — Assaf Bey, nur zur Enthebung seines Amtes verurteilt worden), so glaubte doch die Vertretung der Nation, dem guten Willen des neuesten Kabinetts dem armenischen Volke gegenüber Vertrauen schenken zu müssen. Die armenische Synode hat daher Msgr. Turian aufgefordert, seinen Patriarchenstuhl wieder einzunehmen. Der umgekehrte Vorgang vollzieht sich wieder einmal bei den Griechen. Dort ist der ökumenische Patriarch in persönlichen Konflikt mit der Synode geraten und hat seine Demission angeboten. Kompliziert wird der Vorfall dadurch, daß der Kirchenfürst bei den Massen sehr beliebt ist, die ihm gegen seine Widersacher Rückhalt gewähren. Die Regierung hat sich bisher nicht eingemischt. Die Albanesen leben im flammenden Bruderzwist — um das Alphabet. Man sollte kaum glauben, daß eine solch untergeordnet, eigentlich philologisch erscheinende Frage, derartige Konsequenzen herbeiführen kann. Aber wenn hier die lateinischen Buchstaben gegen die arabischen stehen, so ist das eine tiefpolitische Frage. Die Albanesen hatten in eigener Sprache bislang überhaupt keine Literatur. Adoptieren sie jetzt die arabischen Schriftzeichen, so nähern sie sich kulturell mehr dem Orient und der Zentralregierung; wählen sie das Lateinische, so werden sknicht nur der Kultur des Okzidents, sondern vor allem auch der Propaganda von italienischer und österreichischer Seite zugänglicher, die eine große Gefahr für die Staatseinheit, für die Erhaltung Albaniens als türkische Provinz ist. Es ergibt sich aus diesen Prämissen, daß die jungtürkische Regierung alles daran wendet, um die Entscheidungzugunsten des Arabischen ausfallen zu lassen, und daß ihre Opposition unter den Albanesen, das sind die Intellektuellen, die Nationalisten, für das Römische eintritt. Wie es den Anschein hat, sind die Massen für den Standpunkt der Regierung. Aber das Problem ist von der Lösung noch weit entfernt und setzt ganz Albanien in Unruhe. Die Juden machen große patriotische Anstrengungen zugunsten der Flotte: Feste, Versammlungen, Lotterien. In der Balater Synagoge (die Synagogen sind also doch zuweilen für anderes offen als für den Gottesdienst) sprach jüngst zu diesem Zwecke der Großrabbinatssekretär; vergangenen Samstag tat Rabbi Nahum desgleichen in Ortaköy. Der Chachambaschi legt nach wie vor das größte Gewicht auf möglichst enge Beziehungen zu den Regierenden. So lud er auf vergangenen Mittwoch Talaat Bej zu einem Teeabend ein; da aber der Minister bis Mitternacht ausblieb, wurde die Ein-