Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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124 DIEMKE LT No. 6 Gleichzeitig legte der Referentdie Ziele der jüdischen Volksbewegung klar und sprach an der Hand statistischer Belege über die Erfolge, welche der Zionismus zu verzeichnen hatte. Der Vortrag machte auf die Anwesenden einen derartigen Eindruck, daß sich am 4gleichen Abend 30 Mitglieder zur Neugründung einer Ortsgruppe in die Liste einzeichneten. Da für eine ergiebige Propaganda für den Vortrag die Zeit zu knapp war, so hofft man, diese Zahl noch um ein beträchtliches steigern zu können. Es hatte hier bereits vor acht Jahren eine Ortsgruppe bestanden. Diese war jedoch infolge Wegzugs einzelner Mitglieder und mangels Unterstützung durch auswärtige Ortsgruppen eingeschlafen. Der Erfolg zeigt, wie wichtig es ist, über die Propaganda in den größern Städten die Arbeit auf den kleinern Ortschaften nicht zu vergessen. Es sollte Pflicht einer jeden Ortsgruppe sein, die in ihrem Bereich wohnenden Juden, auch wenn sie noch so gering an Zahl sind, für die zionistische Idee durch Aufklärung und Wacherhaltung des Interesses zu gewinnen. So könnte unsere Bewegung durch Zuführung bisher brachliegender Kräfte sicherlich bedeutend verstärkt werden. Österreich Prag. Die Kongreßversammlung der F. Z. V. und der Barissia in Prag faßte unter lebhaftem Beifall einstimmig folgende Resolution: Die im Hotel zum „Goldenen Engel" versammelten zionistischen Wähler erklären sich von den Ausführungen des Delegierten Dr. Alfred Eiigel vollkommen befriedigt, sprechen ihm und Herrn Anton Glaser für ihre Haltung am IX. Kongresse Dank und Vertrauen aus, danken dem E. A. C. für seine Mühe und Arbeit und erwarten von jedem Zionisten, daß er sich den Beschlüssen des Kongresses unterwerfe. Prag. Der Verein der jüdischen Hochschüler Bar Kochba in Prag beschloß einstimmig: Der Verein erklärt sich nach Anhörung und Beratung des Referats seines Delegierten, Professor Freud aus Teplitz, mit dessen Stellungnahme auf dem Kongreß in jeder Hinsicht vollkommen einverstanden und billigt diese Stellungnahme, mit welcher sich der Delegierte in Übereinstimmung mit den Beschlüssen der westösterreichischen Landsmannschaft befunden hat. — Einen gleichen Beschluß faßte der „Spolek Zidovskych akademikü Theodor Herzl", der mit dem Verein Bar Kochba den IV, böhmischen Wahlkreis bildet. Stockerau. Am 30. Jänner 1910 veranstaltete unser Verein „"Zion" einen öffentlichen Vortragsabend. Herr Dr. Robert Beer (A. H. der Ivria-Wien) hielt das Referat: „Der IX. Kongreß". Für seine beredten Worte erntete er aufrichtigen, lauten Applaus. Dann folgte eine interessante „Diskussion de Zionisticis", die die zahlreich erschienenen Gäste vollends befriedigte. Die Sammlung zugunsten des J. N. F. ergab ein günstiges Resultat. Einige Mitgliederanmeldungen waren der Erfolg des Abends. Troppau. Am 8. Januar 1910 fand die neunte Generalversammlung des zion. Vereins „Jescburun" Troppau statt, zu welcher sich viele Mitglieder eingefunden hatten. Der Rechenschaftsbericht des Obmannstellvertreters Herrn Dr. Fritz Eckstein, aus dem die erfreuliche Entwicklung des Vereins zu entnehmen war» wurde mit großem Beifall aufgenommen. Der Verein zählt 90 ordentliche Mitglieder und 28 außerordentliche Mitglieder. Für den Jüdischen Nationalfonds und die Ölbaumspende hat der Verein K 1539.32 abgeliefert, für das „Hygienische Institut" K 100.— und für Schekel K 165.60. Außerdem wurden dem „Bezalel" 18 Mitglieder gewonnen und eine größere Anzahl Kol.-Bank-Aktien und P. L. D. C-Aktien abgesetzt. Die Wahlen ergaben folgendes Ergebnis: Obmann Herr Karl Weinreb, Obmannstellvertreter Herr Dr. Fritz Eckstein; als Ausschußmitglieder die Herren Gustav Finzi, Dr. Gallus, Max Schwarz, Albert Schlesinger, Heinrich Slatner, Ernst Ornstein und Goldbach. Unter anderm wurde auf den Antrag des Herrn Finzi beschlossen, anläßlich des Eintritts in das zehnte Vereinsjahr der Siedlungsgenossenschaft K 50 zu spenden und eine Bezalelaussteilung in größerm Stil in den nächsten Wochen zu veranstalten. Wien. Am 30. Januar konstituierte sich der „Klub zionistischer Arbeiter, der zum Zweck hat, jüdische Arbeiter, Angestellte und Privatbeamte auf rein zionistischer Basis zu vereinen. Der Klub unterstellt sich dem I.-Ö. D.-K. Die vorgenommenen Wahlen ergaben: Obmann: Samuel Terner; I. Schriftführer: Stark Ludwig; II. Schriftführer: Adolf Bock; Kassierer: Bernhard Distelfeld; Bibliothekar: Leon Wassermann; Nationalfondskommissär: Max Hirsch; Beisitzer: Wilhelm Einig. Zuschriften an Samuel Terner, Schriftsetzer, Wien XVIII, Gentzgasse 52;7. Festabend Bar Kochba, Prag Der Verein der jüdischen Hochschüler, Bar Kochba in Prag, veranstaltete am 18. Januar einen Festabend. Jakob Wassermann las ein Kapitel aus den „Juden von Zirndorf" und eine kurze Novelle. Wenn das Jüdische in einer Persönlichkeit dieser Art im Unausgesprochenen liegt, wenn das gleichgültige Wort, das von seinen Lippen kommt, ein jüdisches Wort ist, so führt er jeder jüdischen Bestrebung Energien zu. Mit reichern Händen spendet, wer sich ganz dem Judentum weiht; Berthold Feiwel charakterisierts die Tendenzen in der Entwicklung des modernen jüdischen Lebens, die in letzter Linie zur freudigen, optimistischen Bejahung führen. Nachdem solange durch das Judentum und über das Judentum gesprochen war, sprach das Judentum selbst. Leo Gollanin (Berlin) sang ein paar ostjüdische Volkslieder, sang sie ganz erfüllt vom Leben dieses Volkes, und das Publikum antwortete mit hellem Jubel. Der Abend gelang als ein glänzendes Fest. Bezalelaussteilung in Wien In den Räumen des Österreichischen Kunstvereins, in drei kleinen, aber gemütlichen Zimmern, ist die Ausstellung der Bezalelschule untergebracht. Zionistische Hochschüler, Mitglieder des Vereins „Bar-Kochba" und befreundeter Korporationen empfangen die Besucher und übernehmen die Führung durch die Ausstellung. Schon die Anordnung und Aufstellung der Gegenstände verraten viel Liebe und Geschmack. Die Räumlichkeiten sind größer als z. B. in Hamburg, die Erzeugnisse der einzelnen Ateliers konnten daher übersichtlicher vorgeführt werden. Im ersten Zimmer sind Bilder und Radierungen in Holzrahmen mit anmutigen Perlmuttereinsätzen ausgestellt. Die Rahmen stellen häufig Umrisse von Mauern, Zinnen und Türmen im jüdischen Stil dar. Es ist ein einfacher, aber künstlerischer Schmuck. Die Bilder sind Kopien oder auch Originalradierungen von Bezalelschülern. Im zweiten Zimmer schmücken die Spitzenarbeiten des Frauenkulturvereins die Wände; die feinen weißen Ziersachen, auf blauem Hintergrund angebracht, machen einen ausgezeichneten Eindruck. Auch einige Teppiche sieht man, der größte Teil ist im dritten Zimmer ausgestellt. Über die Eigenart der Bezalelschen Teppichknüpferei brauchen wir nicht zu berichten. Am meisten finden Beifall die Teppiche in zarten Farben, die Ornamente aus jüdischen Buchstaben, die Komazmotive, die Verwendung von Formen, den Oberresten altjüdischer Baukunst entnommen, all diese unaufdringliche, anmutige, durch ihre Einfachheit und Anspruchslosigkeit gewinnende Originalität, rufen freudiges Erstaunen hervor. Die großen Teppiche, der persische und der 32 qm große, legen von der Leistungsfähigkeit der Teppichabteilung Zeugnis ab. Mit Genugtuung konstatiert man, daß an den meisten ausgestellten Objekten, auch an sehr kostbaren, der Zettel „Angekauft" prangt. Um die Erwerbung der niedlichen Filigranarbeiten und die stilvollen Damaszener Erzeugnisse wird sogar eifrig gekämpft. Die Wiener Palästinaausstellung macht dem Verein „Bar- Kochba" alle Ehre. Sie vermittelte der Wiener Judenschaft die Kenntnis der hoffnungsvollen Anfänge einer bodenständigen jüdischen Kunst, die in Arbeit wurzelt. Hoffen wir auch, daß für die Erzeugnisse des palästinensischen Kunstgewerbes in,Wien ein Absatzmarkt gewonnen würde. Die Mitglieder des Kulturvorstands und des Humanitätsvereins „Bnai-Brith" besuchten in großer Zahl die Ausstellung. Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß Prof. Schatz überall Gegenstand allerherzlichster Ovationen war. Galizien Konstituierung des zionistischen Arbeitskomitees Tarnow. Samstag den 5. Februar konstituierte sich das neugewählte Arbeitskomitee für Tarnow in folgender Weise aus den Gesinnungsgenossen: Obmann: Dr. Salz, Obmann-Stellvertreter: Ed. Schwager, Sekretär:'Berkelhammer, Kassierer: Dr. Spann, Nationalfondskomrnissär: Dr. Gottlieb, Kommissär für Shareklub und „Bezalel": Dr. Daniel. Ferner gehören dem Arbeitskomitee an die Gesinnungsgenossen: Dr. Goldberg, Dr. Menasche, Joachim Neiger, Abraham Brandstätter, Tisch, Rottenberg, Safier und Schudmak. In der ersten Sitzung wurde beschlossen, in den nächsten Tagen eine große Volksversammlung einzuberufen zum Zwecke der Sammlung von Beiträgen für die vom IX. Kongreß beschlossene Oppenheimers che Siedlungs-Genossenschaft. Für den 9. Februar war eine außerordentliche Komiteesitzung einberufen, auf deren Tagesordnung folgende besonders aktuelle Fragen gestellt waren: 1. Stellungnahme der Partei zu der von der Kahal-Oique in Angriff genommenen Gründung eines kaufmännischen Gremiums mit obligatorischem Befähigungsnachweis für das Handels-