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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 5 DIE30EELT 103 durch die glänzenden Namen der Mitarbeiter, durch interessante, aktuelle, populärwissenschaftliche und feuilletonistische Beiträge, durch einen schönen, den Bedürfnissen der hiesigen Bevölkerung angepaßten Stil und durch gefällige äußere Ausstattung gekennzeichnet. Diese zionistische Schöpfung hat lebhaften Anklang in der Hauptstadt gefunden, auch in den Provinzhauptstädten ist das Interesse rege und fordert zu energischer Ausnutzung heraus. Die Redaktion liegt in Händen ^unseres Ges. Hermoni. In Adrianopel ist ein neues jüdisch-spanisches Blatt „La Boz de la Verdad" unter Leitung des Herrn Joseph Barishac herausgekommen. In Smyrna gedenkt die „Association des Anciens Eleves de l'A. J. U." vom 1. Februar ab eine zweisprachige Zeitschrift „Le Trait d'Union" in spanisch und französisch herauszugeben. In Konstantinopel endlich ist ein neues humoristisches Blatt, rEl Gracioso", redigiert von Herrn Victor Levy, herausgegeben von „La Boz", ans Tageslicht getreten. Man sieht, die jüdische öffentliche Meinung in der Türkei beginnt, sich immer reger zu entfalten. Kongreßberichte In Salonik hat unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse David Florentin vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, zu der auch viele Spitzen der Saloniker Gemeinde zählten, über den IX. Kongreß berichtet. Der Vortrag war in vier Teile gegliedert: Zionismus und Türkei, Organisation des Zionismus, Gründungen und Institutionen der Bewegung, und Praktische Resultate des Kongresses. Die Rede erweckte, dem „Journal de Salonique" zufolge, das bekanntlich durchaus nicht zionistenfreundlich ist, einen unbeschreiblichen Enthusiasmus. Zionistisches aus Beirut Am 25. Dezember fand im Beth-Am zu Beirut eine Feier zu Ehren des Hamburger Kongresses statt. In vollkommener, bisher nie derartig hervorgetretener Harmonie sah man Sepharadim und Aschkenasirn an diesem Abende vereinigt. Herr Farhi, früherer Lehrer des Französischen an der Schule der Alliance, hielt eine begeisternde arabische Rede über den Zionismus und die hebräische Sprache. Herr Selim Man führte ebenfalls in arabisch aus, es sei unmöglich, Jude zu sein, ohne Zionist zu werden. Die Begeisterung in der Versammlung war allgemein. Notizen Smyrna: Die jüdischen Handelsangestellten der Stadt haben sich organisiert undM die Anerkennung der Behörden für ihre Organisation erhalten. — Üsküb: Die jüdische Jugend hat eine Darlehnskasse gebildet zu dem Zweck, den zum Militärdienst Eingezogenen zu Hilfe zu kommen. Brussa: Die Alliance Israelite hat die Talmud Torah der Stadt von ihrer Schule abgetrennt und sich von ihr zurückgezogen, und damit dreihundert arme Kinder der leistungsunfähigen Gemeinde überlassen. Konstantinopel: Der Sultan spendete für die deutsch-jüdische „Vereinsschule'* (Fondation Goldschmidt) aus Anlaß des zugunsten dieser Schule veranstalteten Balles 25 türkische Pfund. |^^~^ACHRICHTEN ~^g] Deutschland Moritz Warburg Am 29. Januar verschied in Hamburg im 73. Lebensjahre Herr Moritz Warburg, der Seniorchef des Bankhauses M. M. Warburg & Co. Mit ihm ist ein Philantrop großen Stils aus der alten Schule dahingegangen. Moritz Warburg war stets bemüht, den Pflichten gegen das Judentum nach bestem Können nachzukommen; er war ein Mann positiv-religiöser Überzeugungen und hat sein Haus zur Stätte gut-jüdischer Traditionen gemacht; sein Bankhaus, das wesentlich seiner Tätigkeit den Weltruf verdankt, war an jüdischen Feiertagen an der Börse nie vertreten. So wandte sich denn seine Tätigkeit innerhalb der Gemeinde, der er einen guten Teil der Arbeitskraft widmete, vor aUem religiösen und erzieherischen Fragen zu, er war ein eifriger Förderer des auf dem Standpunkte des überlieferten Judentums stehenden deutsclvisraelitischen Synagogenverbandes, und die innere Auschmückung der neuen Gemeindesynagoge dieses Verbandes, in der, wie erinnerlich, der Festgottesdienst vor dem Kongreß stattfand, ist nicht zuletzt seiner Munifizenz danken. Seit Jahrzehnten befand er sich in führender Stellung sowohl beim deutsch-israelitischen Waiseninstitut, wie auch bei der Talmud-Thora-Realschule. Namentlich diese Schule, die mit Recht den Ruf einer vorzüglich geleiteten Anstalt genießt, erfreute sich seines besonderen Interesses. Seit vielen Jahren war es sein Bestreben, für sie neue, allen modernen Ansprüchen genügende Räume zu schaffen. Eine hierzu eingeleitete Sammlung, an deren Spitze sich er und seine Söhne stellten, hat die Erfüllung seines Wunsches gesichert. Wenige Stunden vor seinem Tode, am letzten Freitag abend, konnte er im Kreise seiner Familie das Modell des neuen Schulhauses vorführen. Wo immer es sonst zu helfen galt, innerhalb der Gemeinde selbst oder bei der Not der Juden im Osten, war Warburg bereit, zu helfen mit Rat und Tat. Zu jüdisch-politischen Fragen nahm der Verstorbene kaum Stellung; er vertrat mit Bewußtsein die „nur philantropische" Richtung, und ließ sich von diesen Grundsätzen auch bei der Teilnahme an den Arbeiten der Alliance Israelite Universelle und des Hilfsvereins der Deutschen Juden leiten. Bei den gelegentlichen Konflikten zwischen den beiden Organisationen waren seine Sympathien durchaus auf Seiten des Hilfsvereins. Hamburg und das gesamte deutsche Judentum verlieren in ihm einen der immer seltner werdenden Vertreter großen Vermögens und reicher äußerer Erfolge, denen das Bekenntnis zum Judentum Glück und Stolz bedeutet. Breslau. Am 26. Januar fand unter dem Vorsitz des Vorsitzenden, Rabbiner Dr. Rosenthal, die ordentliche Generalversammlung der Breslauer Ortsgruppe der Alliance Israelite Universelle statt. Nach einer längeren lebhaften Debatte wurden folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1. Die Breslauer Ortsgruppe der A. I. U. protestiert gegen Form und Geist der von Herrn Geheinirat Goldberger am 23. Mai v. Js. gehaltenen und im Jahresbericht der Alliance veröffentlichten Rede. Sie ist der Meinung, daß in dieser Rede, in der die Kompetenzen des Vorsitzenden der Deutschen Konferenzgemeinschaft weit überschritten wurden, eine Form der Kritik geübt wurde, die der Devise der Alliance und den Intentionen ihrer Begründer zuwiderläuft. 2. Die Breslauer Ortsgruppe der A. I. U. spricht in gleicher Weise wie in der letzten Generalversammlung ihr Bedauern darüber aus, daß in den offiziellen Mitteilungen der Monatsschrift „Ost und West" auch während des vorigen Jahres mehrfach ein ihres Erachtens wenig angemessener Ton gegenüber Vertretern abweichender Meinungen geherrscht hat. Der Vorsitzende versprach, die Resolutionen bei der Tagung der Deutschen Konferenzgemeinschaft am 8. Februar zu vertreten. Bei der darauffolgenden Wahl des Lokalkomitees wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt, an Stelle des leider heimgegangenen Professors Dr. Benno Badt wurde Herr Joseph Kober neugewählt. Schluß der Versammlung gegen 111'> Uhr. Eine antizionistische Organisation in Hamburg« Altona Der große propagandistische Erfolg des Neunten Kongresses scheint gewissen Leuten in die Glieder gefahren zu sein. Wir lesen in den Hamburger Blättern: „In einer gestern, 31. Januar, stattgefuntlenen Versammlung von hervorragenden Mitgliedern der Israelitengemeinden Hamburgs und Altonas ist beschlossen worden, eine Organisation „Moria" zu gründen. Sie verfolgt das Ziel, ein Gegengewicht zum Zionismus zu bilden, alle kleinern Kolonisationsvereine zu einer großen Palästinaorganisation zusammenzuschließen und die Israeliten in allen Ländern zu einer lediglich praktischen Arbeit auf dem Boden Palästinas heranzuziehen. Es ist zugleich beschlossen worden, in allen Zentren der jüdischen Gesamtheit gleiche Organisationen zu schaffen." Über die Natur dieser eigentümlichen und selbstverständlich mit großem Tamtam angekündigten Gründung erfahren wir aus absolut verläßlicher Quelle folgendes: Das Haupt dieser rein-orthodoxen, antizionistischen „Organisation" ist der Oberrabbiner von Altona, Herr Dr. Lerner, der seit Jahren an dem Plane arbeitet und sich bisher in Ungarn und Rußland vergeblich um Atihänger bemüht hat. Der über Erwarten große Erfolg des Kongresses und insbesondere das rapide Wachsen des Misrachi in Hamburg-Altona hat den Herrn Oberrabbiner veranlaßt, jetzt an Ort und Stelle seine Wissenschaft zu entfalten. Eine kleine Anzahl wenig bekannter und einflußloser Orthodoxer hat sich darauf hin zur Bekämpfung des Zionismus zusammengefunden; man will sich ausschließlich an die Strenggläubigen wenden, um sie vor dem siegreichen Misrachi zu warnen und um die Misrachischen selbst mit allen Mitteln zum Abfall von der Gesamtorganisation zu bringen. Man erwartet Hülfe aus Frankfurt a. M. Ob der Zionismus diese, furchtbare „Konkurrenz" überleben wird?

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