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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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104 die3|kelt N'o. 5 Rußland (Von unserm Berichterstatter) Eine jüdische Beratung in Petersburg Vor einiger Zeit fand in Petersburg eine Beratung, der Vertreter der örtlichen jüdischen Intelligenz unter Teilnahme von Gästen aus der Provinz statt, auf welcher die Judenfrage im allgemeinen sowie auch die Frage der Durchführung der Resolutionen der vor einigen Wochen stattgefundenen Kownoer Konferenz berührt wurden. Wie bekannt, existiert in Petersburg ein Bureau zwecks gemeinsamer Tätigkeit mit den jüdischen Deputierten der Duma, welche infolge ihrer geringen Zahl und als alleinige Vertreter des jüdischen Volkes oft des Rates und der Hilfe bedürfen. Seit längerer Zeit ließen sich in diesem Bureau drei Strömungen bemerken: Eine Gruppe besteht aus den frühern Mitgliedern der „Volksgruppe", die zweite bilden die frühern Mitglieder der „Volkspartei", die sich auch demokratische Gruppe nennt, die dritte Gruppe bilden die Zionisten. Alle diese Gruppen stehen in fortwährendem Kampf untereinander. Die sogenannten „Gruppisten" haben nun versucht, für das Bureau Vertreter der Intelligenz aus der Provinz heranzuziehen, um auf diese Weise seiner Tätigkeit wie auch der Tätigkeit der jüdischen Delegierten einen volkstümlichem Charakter zu verleihen. Von der andern Seite strebte diese Gruppe danach, die ihr unsympathischen Elemente aus dem Bureau zu dimittieren. Zu den Verbannten sollten Rechtsanwalt Grusenberg, der Deputierte der ersten Duma, Bramson, Dr. Salkind und der Redakteur des „Razswjet", Idelson, gehören. Dieser Beschluß stieß aber auf starken Widerspruch seitens des Deputierten Nisselowitsch, welcher aufs entschiedenste erklärte, daß er sich den Resolutionen der Beratung nicht unterziehen wird, falls die von den „Gruppisten" verbannten Personen zur Beratung nicht eingeladen werden. Nach langen Unterredungen wurden eingeladen: Rechtsanwalt Grusenberg, Dr. Salkind und der Schriftsteller Tri w us. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die Frage, ob man die Judenfrage gegenwärtig in der Duma behandeln soll. Für diesen Antrag plädierte am eifrigsten der Deputierte Nisselowitsch, doch blieb er infolge seiner Abreise unentschieden. Die Frage der Gemeindereform wurde einer Kommission von 16 Personen übergeben, unter denen sich einige Fachleute befinden, die. diese Reform im Geiste der Kownoer Konferenz durchführen sollen. Die Konferenz hat beschlossen, bei den Deputiertenwahlen in Odessa einen jüdischen Kandidaten aufzustellen. Aus der Konferenz über berufliche Frauenbildung in Wilna Am 9. Januar fand in Wilna die Eröffnung der Konferenz über die berufliche Bildung der jüdischen Frauen statt. Die Konferenz eröffnete Baron David Ginzburg. Ins Präsidium wurden gewählt: Baron Ginzburg, Feinberg, Frumkin, Syrkin aus Minsk, Lurie aus Pinsk, Ing. Bolotin und die Damen: Dobruschkin, Autokolski, Korabelnik u. a. Nach langen Debatten wurden folgende Resolutionen gefaßt: 1. Die jüdischen Bildungsvereine sollen Elementarvolksschulen für jüdische Frauen organisieren, in welchen Unterricht in Handarbeiten und Zeichnen in rationeller Weise erteilt werden soll. 2. Zwecks Besserung der Lage in den Frauenberufen muß die allgemeine wie auch die professionelle Bildung außerhalb der Schulen und zwar innerhalb der breiten Massen entwickelt werden. 3. Die Konferenz spricht sich dafür aus, daß die Berufsschulen von den allgemeinen Schulen abgesondert werden müssen. Eine Berufsschule muß so beschaffen sein, daß die sie absolvierenden Schülerinnen imstande sind, ihre Kenntnisse praktisch zu verwerten. In den Orten, wo es nicht möglich ist, diese zwei Arten von Schulen zu teilen, müssen sie vorläufig zusammenbleiben. 4. Die Konferenz anerkennt die Wichtigkeit der gemeinsamen Beratungen der auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung sich betätigenden Personen und sieht in ihnen ein Mittel zur Förderung ihrer Tätigkeit. Der Tod des Rabbi Israel Itzehok Jacob von Alexandrow Nach einer langen und schweren Krankheit ist vorige Woche im Alter von 59 Jahren einer der größten chassidischen Rabbis in Polen, Rabbi Israel Itzehok Jacob von Alexandrow, gestorben. Der Verstorbene zeichnete sich durch seinen scharfen Verstand und hohen Seelenadel aus. Es wird erzählt, daß er ein Anhänger der palästinensischen Idee war. Das Begräbnis fand mit großer Feierlichkeit statt. Viele Tausende von Anhängern des Verstorbenen strömten aus allen Städten zusammen, um ihrem Rabbi den letzten Dienst zu erweisen. Ihre Zahl wird auf nahezu 20 000 geschätzt Die Rabbinerkomtnission in Petersburg Das Departement für religiöse Angelegenheiten hat schon den Tag der Eröffnung der Rabbinerkommission festgesetzt, und zwar auf den 13. März. Die Arbeiten dieser Kommission sollen, wie es lautet, einen ganzen Monat dauern und bis Ostern fertig werden. Sollten aber bis zu dieser Frist nicht alle auf der Tagesordnung stehenden Fragen zur Behandlung gelangen, so werden die Sitzungen nach Ostern fortgesetzt. Das Material, welches vom Departement gesammelt wurde, ist sehr groß, enthält aber kaum etwas Wichtiges und berührt nicht die ernsten und wichtigen Fragen und erwähnt mit keinem Wort die.Frage der Organisation der jüdischen Gemeinden, welche jetzt auf der Tagesordnung steht. Das Departement beabsichtigt das gesammelte Material in zwei Kategorien einzuteilen. Die wichtigeren und allgemeineren Fragen kommen zur Behandlung auf der Konferenz, die besonderen und weniger wichtige Fragen werden der Kommission übergeben, deren Arbeiten sich über die Dauer der Konferenz erstreckt. Soweit man voraussehen kann, ist. von dieser Rabbinerkommission und Rabbinerkonferenz nicht viel zu erwarten. Eine Beratung über Emigrationsangelegenheiten Am 24. Januar findet in Petersburg im Handelsministerium eine Beratung statt, deren Ziel die Ausarbeitung eines Gesetzprojektes über die Emigration sein soll. An der Beratung sollen die Vertreter aller Ministerien, einige Dumamitglieder, ausländische Gesandte, Börsenvorsteher, Vertreter der russischen Schiffsgesellschaften, Vertreter der „Ica" und der „Ito" teilnehmen. Auf der Tagesordnung stehen unter andern die folgenden Fragen: 1. Die Begrenzung der Emigration im Falle des Militärdienstes, gerichtliche Strafe usw. 2. Die Paßfrage. 3. Konzentration der Emigration durch russische Häfen. Emigranten, welche durch ausländische Häfen fahren, sollen keine Begünstigungen zur Verfügung gestellt werden. 4. Die Frage der Ernigrationsagenten. 5. Die Frage der Tarife und Schiffskarten. 6. Die Gründung spezieller Organisationen und Staatsorgane. 7. Bestrafung derjenigen, welche gesetzwidrig emigrieren. Zur Jtsdenfrage in der Duma Der Deputierte Nisselowitsch beabsichtigt in der nächsten Zeit ein Gesetzprojekt über die Abschaffung des jüdischen Ansiedlungsrayons in die Duma einzutragen. Diesen Schritt unternimmt Nisselowitsch aus eigener Initiative. Er hat eine große Zahl von Unterschriften gesammelt und zwar von der ganzen Dumaopposition. Von der oktobristischen Fraktion haben 75°<o das Projekt unterzeichnet, von den rechten Parteien — sehr wenige. Bergjuden auf der Ethnographischen Ausstellung Im Petersburger Kunstmuseum Kaiser Alexanders des Dritten wurde die erste Ethnographische Ausstellung eröffnet. Im ersten Ausstellungssaal, welcher Sammlungen aus Kaukasien enthält, befindet sich eine Sammlung von Kleidern und Geräten der Bergjuden, die großes Interesse der Kunstkenner erweckt. Die Konferenz der Leiter der jüdischen professionellen Schulen in Wilna In diesen Tagen findet in ^ilna eine Beratung über die Frage der Fachschulen für jüdische Mädchen statt. An der Beratung werden sich beteiligen die Leiterinnen und Verwalterinnen dieser Schulen und auch einige Vertreter der jüdischen Intelligenz. Auf der Tagesordnung stehen verschiedene Fragen über die Lage der jüdischen Handwerker. Das Palästina-Ressort ersucht uns um Abdruck folgender Notiz: In Jaffa ist eine Wäscherei und Färberei, die hier seit fünf Jahren besteht und einen jährlichen Reingewinn von ca. 3000 Frcs. abwerfen soll, zu verkaufen, da der jelzige Inhaber krank ist und nach Europa ziehen muß. Zur Übernahme sind etwa 2000 Frcs. erforderlich. Außerdem müsse der Käufer in der Wäscherei und Färberei ein tüchtiger Fächmann sein und langjährige Erfahrungen haben. Vielleicht meldet sich bei Gelegenheit darauf bei Ihnen ein Reflektant. Nähere Auskünfte erteilt Herr Dr. Arthur Ruppin, Jaffa (Palästina).

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