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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Es wurde beschlossen, mit der Schekelsammlung sofort zu beginnen, auch wurde eine Resolution angenommen, worin sich die Konferenz für die vom Kongreß angenommene Resolution erklärt, die die hebräische Sprache als die offizielle Sprache der zionistischen Bewegung feststellt. Ein Vorschlag des Vereins aus Manchester, wonach Schritte unternommen werden sollten, um die Vereinigung des Order of Ancient Maccabeans mit der Federation herbeizuführen, wurde, da die Vertreter des Vereins aus Manchester nicht anwesend waren, dem Vorstand zur Erwägung überlassen. Abends fand eine öffentliche Versammlung im Beth-Zion statt. Die Herren Qreenberg, Dr. Strauß, Wassilewski, Massel und Rubenstem hielten enthusiastische Ansprachen. Folgende Resolution wurde unter lebhaftem Beifall einstimmig angenommen: Diese Versammlung Londoner Zionisten und von Vertretern der zionistischen Vereine Englands, die anläßlich der Jahreskonferenz der English Zionist Federation versammelt sind, erklärt ihre unwandelbare Anhänglichkeit an das zionistische Ideal und ihr volles Vertrauen zu dem verehrten Führer, Herrn Wolffsohn, und den Mitgliedern des Aktionskomitees. Nach der öffentlichen Versammlung fand ein sehr schön verlaufenes Bankett statt. Besyndern Beifall fanden die Ausführungen eines christlichen Freundes der Bewegung, des Herrn William Grand, des Herausgebers der Monatsschrift „Frohe Nachricht". Leeds. In einer großen Versammlung unter dem Vorsitz des Herrn Moser erstattete Dr. Weitzmann seinen Bericht über den Kongreß. In dem Bericht kam die scharf ablehnende Stellung des Redners gegenüber der Kongreßmajorität voll zum Ausdruck. Die Rede wurde sehr beifällig aufgenommen. Von der Fassung einer Resolution wurde Abstand genommen. Liverpool. In einer großen Versammlung erstattete Herr Moss Qreenberg Bericht über den Kongreß, Einmütig wurde eine Vertrauenskundgebung für Herrn Wolffsohn und das Aktionskomitee angenommen. Edinburg. In einer vom Order of Ancient Maccabeans und der zionistischen Ortsgruppe gemeinsam veranstalteten Versammlung wurde nach Entgegennahme des Kongreßberichts einmütig eine Vertrauenskundgebung für Herrn Wolffsohn und das Aktionskomitee angenommen. Vertrauensresolutionen für Herrn Wolffsohn und das A. C. wurden des weitern beschlossen in Newcasüe, Belfast, Dublin, Glasgow, London usw. Rußland Odessa (Resolution). Die Mitglieder des Vereins „Kadimah" in Odessa fühlen sich veranlaßt, nach Anhörung des Kongreßreferates ihres Delegierten Nahum Schimkin und nachdem sie sich über den wahren Charakter des Kampfes klar geworden sind, der auf dem IX. Kongreß zwischen den Vertretein der verschiedenen zionistischen Strömungen ausgebrochen ist, ihr Bedauern über die Handlungen und Bestrebungen der Führer der russischen Organisation sowie ihr volles Vertrauen und ihre Dankbarkeit gegenüber dem Präsidenten des E. A. C. für seine fruchtbare zionistische Tätigkeit auszusprechen. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Auf des Messers Schneide Die politische Situation verschärft sich. Ganz Bulgarien ist in nationaler Oberhitzung, in allen Städten finden aufgeregte Meetings statt, die stürmisch zum Krieg auffordern, die Presse schleudert Brandartikel, an der Grenze finden blutige Zwischenfälle statt zwischen bulgarischen und ottomanischen Truppen. Die Rüstungen in der Türkei werden energisch betrieben. Reserven sind einberufen, die beurlaubten Offiziere in ihre Regimenter zurückbeordert, Munitionsaufträge ergangen, die Grenzgarnisonen vier- und fünffach verstärkt, und das zweite und dritte Armeekorps haben Befehl erhalten, für alle Eventualitäten bereit zu sein. Die militärischen Bevollmächtigten der Türkei sind aus den europäischen Hauptstädten nach Konstantinopel zusammenberufen und die jungtürkischen Führer ebenfalls zu einer außerordentlichen Besprechung hier eingetroffen. Die Lage ist also ernst im höchsten Grade. Serbien und Montenegro scheinen mit Bulgarien im Einverständnis oder ein solches jeden Tag zu erwarten. In Griechenland geht alles drunter und drüber, was für einen vor einem Angriff stehenden Nachbarstaat auch kein angenehmer Zustand ist. In tiefes Dunkel gehüllt, aber doch beunruhigend genug, ist das Verhalten der Großmächte. Zwar scheint der tunesisch-tripolitanische Grenzzwischenfall mit Frankreich nicht die schlimme Bedeutung zu gewinnen, die befürchtet werden mußte; dagegen scheint England sich zu gewissem Vorgehen vorzubereiten. Wenigstens melden die Blätter, daß es ein Geschwader im persischen Golfe zusammenzieht, um angeblich antienglischen Ausschreitungen türkischen Militärs in Bassorah zu begegnen. Die meiste Aufmerksamkeit vielleicht verdient aber der Annäherungsversuch Rußland- Österreichs, der den feindlichen Ring um die Türkei gänzlich schließen würde, wenn er zustande käme; denn nur auf Kosten der Türkei könnte das gelingen. Jetzt rufen die türkischen Blätter, das eine verdeckt, das andere offner, nach einem Bündnis mit Deutschland; wer weiß aber, ob nicht zu spät. Die Juden der Türkei rüsten sich gleich den andern reichstreuen Elementen zu besondern Opfern, die am Ende dringend nötig werden könnten. In diesem Sinne plant die „Aurore" eine besondere jüdische Veranstaltung zugunsten der Flotte. Mit den ottomanischen Juden werden auch die Zionisten von Herzen wünschen, daß die Türkei aller ihr drohenden Schwierigkeiten glücklich Herr werden möge. Einfluß der äußern Lage auf die innere Politik Es tritt immer klarer und klarer hervor, daß die gefahrvolle Situation des ottomanischen Reichs zum großen, vielleicht entscheidenden Teile die Folge der in der innern Politik begangenen Fehler ist In der Tat sind die Verwicklungen von der griechischen und bulgarischen Seite her erst durch die von jungtürkischer Seite diesen Nationalitäten wie allen andern gegenüber bewiesene radikale Haltung zu ihrer ganzen Bitterkeit gekommen. Wir haben diese Entwicklung seinerzeit bei Annahme des berüchtigten Paragraphen 4 des Vereinsgesetzes vorausgesagt, und die Ereignisse haben unsere Befürchtungen vollauf bestätigt. Die Türkei als Nationalitätenstaat kann ihre Ruhe und Festigung nur auf der Basis der gegenseitigen Liebe und Toleranz aller sie komponierenden Elemente gewinnen, und bei der Rassenverwandtschaft einiger dieser Elemente mit den ethnischen Elementen der Nachbarreiche war auch deren Freundschaft nur zu erreichen oder zu erhalten, wenn eben den inländischen Volksindividualitäten ein gewisses Entgegenkommen bewiesen wurde. Leider ist von den jungtürkischen Führern die Schaffung dieser im Psychologischen wurzelnden, aber weit ins Politische hinaustragenden Basis verabsäumt worden. Man gab sich einer platonischen, verschwommenen, allgemein gehaltenen Hoffnung auf eine Einigung der Elemente hin. für die man aber wenig mehr tat, als Komitees begründen und R?den halten. Zur Beruhigung des nationalen Gewissens der einzelnen Völkerschaften, zur Erhaltung oder gar Entfaltung ihrer nationalen Energien tat man nichts; im Gegenteil, man suchte sie aus Furcht vor einer abergläubisch gefürchteten Hypertrophie derselben, nach Möglichkeit zu unterbinden. Überall trat ihnen, das Gespenst der Separatismus-Verdächtigung entgegen und schuf Unterdrückung anstatt der Freiheit, die von dem neuen Regime erwartet wurde. Kein Wunder, wenn mit wenig Liebe erwidert wurde und wenn unter den Völkerschaften Mazedoniens längst entschlummert geglaubte Tendenzen wirklich wieder auferstanden und nunmehr drohen, zu bewaffnetein Einschreiten der verwandten Nachbarländer zu führen. Das ist eine gar traurige, beklagenswerte Folge. Wie weit die dargeleg'e Erscheinung auch mit dazu beigetragen haben mag, die anfangs der konstit-itionellen Türkei günstig gesonnen erscheinenden Großmächte ihr zu entfremden, sei hier nur angedeutet. Es scheint nun erst, freilich besorglich spät, die richtige Erkenntnis an den interessierten Stellen aufzudämmern. Dieser Erkenntnis ist auch die impulsiv vertretene Forderung, scheint es, entsprossen, die heute der „Jeune Türe" an die Regierung stellt: „Unverzüglich eine Art innerer Entente, einen allgemeinen Landesfrieden schließen, der Forderung Aller Genüge zu leisten, ohne Unterschied, soweit sie nur mit den allgemeinen Interessen des Staates vereinbar sind". Auch die Regierung scheint unter Hakki Pascha gemach auf diese Bahn überzulenken, wenigstens ist das Programm des neuen Kabinetts in diesem Sinne zu interpretieren. Auch ist jetzt schon die schwerste Bestimmung des in Mazedonien angewendeten Bandengesetzes abgehoben worden und eine Reihe Verwaltungsmaßregeln für die Provinzen in diesem Sinne erlassen worden. Hakki persönlich scheint auch mit Energie darauf hinzuwirken, daß endlich eine dauernde Entente zwischen der Regierung und dem ökumenischen Patriarchat geschaffen wird, und daß endlich der armenische Patriarch durch Erfüllung der Forderungen seines schwergeprüften Volkes in die Lage kommt, seine Demission zurückzuziehen. Die jungtürkische Regierung und das Komitee werden nicht vergessen, daß auch die Juden unter den nationalen Elementen des Reiches sind, denen auch eine nationale Sehnsucht zu erfüllen ist.

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