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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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100 DIEEqKELT No. 5 Die Produktivgenossenschaft von Oppenheimer betrachtet Herr Kann noch zu sehr als ein Experiment, als daß man auch dabei mit andern Organisationen zusammengehen könnte. Im Falle des Gelingens wird man sich aber mehr und mehr dafür interessieren. Für einen solchen Ansiedlungsplati kommt, neben der Ansiedlung der alten Kolonien, auch die Gründung neuer Kolonien in Betracht. Auch zweckmäßige Förderung von industriellen Unternehmungen gehört in den Arbeitsplan, wie Herr Kann solches in seinem Referat auf dem Kongreß ausgeführt hat. Vor allem muß aber durch gemeinschaftliches Vorgehen die Aufhebung des Einwanderungsverbots in Palästina (wenn dies auch in der Praxis nicht sehr drückend ist) sowie der Gesetze, die den jüdischen Landbesitz beschränken, angestrebt werden. Herr Kann meint indessen, daß es nicht notwendig ist, mit einem Zusammenarbeiten mit den andern Organisationen zu warten, bis die gesetzlichen Garantien erworben sind. Wir müssen aber als Zionisten, dieselben mit aller Kraft anstreben. England (Von unserm Berichterstatter) Jahreskonferenz der English Zionist Federation Die .lahreskonferenz der English Zionist Federaüon fand am Sonntag den 30. Januar in dem Sitzungssaal der Neuen Synagoge in London statt. Präsident Dr. Charles Dreyfuß führte den Vorsitz; eine große Zahl Delegierter von Vereinen aus London und der Provinz, wie auch Vertreter der Nationalfondskommission und der „Ivriah" nahm an den Verhandlungen, die um 9V* Uhr des Morgens begannen und mit einer kurzen Unterbrechung bis nach 8 des Abends dauerten, teil. Die Zahl der Delegierten betrug 39, die Nationalfondskommission hatte 9 und die „Ivriah" 2 Vertreter entsandt. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Halbjahreskonferenz erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht. Die Federation umfaßt jetzt 41 Vereine in 25 verschiedenen Städten mit einer Zahl von über 3000 organisierten Mitgliedern. Verschiedene Provinzvereine haben sich in den letzten Jahren aufgelöst. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Vereine von Zeit zu Zeit von einem offiziellen Vertreter aufgesucht würden. Leider stehen aber der Federation hierfür Mittel nicht zur Verfügung. Der Verein in Bristol ist neu organisiert worden, drei neue Vereine in Leeds, Nottingham und Glasgow haben sich angegliedert. Die Federation steht in Korrespondenz mit Gesinnungsgenossen in Singapore (Indien), und es ist Aussicht vorhanden, daß sich dort bald ein zionistischer Verein bilden wird. Während des letzten Jahres versandte der Vorstand der Federation regelmäßig Berichte an die Vereine und gab von Zeit zu Zeit Aufforderungen und Zirkulare usw. heraus. Die Vereine waren sehr tätig, die Mehrzahl der Mitglieder des Federationsvorstandes nahmen tätigen Anteil an den Versammlungen in London und den Provinzstädten. Der Sekretär der Federation sprach bei 21 Versammlungen, davon 10 in der Provinz. Die Federation hat ein Schekelflugblatt in einer Auflage von 17 000 Exemplaren unter den Vereinen verteilt. Auch über die Palestine Land Development Company wurde ein Flugblatt herausgegeben. Außerdem gelangten noch mehrere Broschüren zur Ausgabe (vergleiche den Bericht des Aktionskomitees beim Kongreß, Absatz: England). Der Order of Ancient Maccabeans, der 1300 Mitglieder umfaßt und 3000 Schekel gesammelt hat, ist beim Aktionskomitee urn Anerkennung als besondere Federation eingekornmen. Die Frage wurde auch auf dem IX. Kongreß kurz erörtert, und es wurde beschlossen, die Sache der Entscheidung des Großen Aktionskomitees zu überlassen. Dr. Strauß beantragte die Annahme des Berichts. Die Debatte beschäftigte sich mehr mit dem IX. Kongreß als mit dem Bericht, mit dem man sich durchweg sehr einverstanden erklärte. Herr H. Sacher lobte die Arbeit des Federationsvorstandes, kritisierte dagegen das Verhalten der Delegierten auf dem Kongreß. Dadurch, daß diese sich den russischen Vorschlägen widersetzt hätten, hätten sie einen Mißgriff begangen. Die jetzigen Leiter der Bewegung seien gegen die praktische Arbeit in Palästina, sie sprächen immer von allen möglichen Schwierigkeiten. Mr. L. I. Greenberg nannte Herrn Sacher den Ismael der Bewegung, seine Hand sei gegen alle andern. Es sei nicht wahr, daß die Bankdirektoren der praktischen Arbeit in Palästina abgeneigt seien. Vor dem Eintritt des Herrn Greenberg und des Herrn Cowen in die Leitung der Bank sei der Vorschlag gemacht worden, ihr Vermögen jn Konsols anzulegen, und weil man sich dem widersetzt habe, seien Dr. Gaster und Herr Bentwich ausgeschieden. Es sei auch nicht richtig, daß der J. C. T. die A. P. C. beschränke. Die Depositen der A. P. C. seien so groß, daß die Direktoren keine Möglichkeit hätten, sie angemessen zu verwenden. Es sei auch nicht richtig, daß das E. A. C. gegen die Agrarbank sei. Es habe Auftrag gegeben, die Frage zu untersuchen. Dr. Ruppin habe aber festgestellt, daß die Errichtung einer Agrarbank jetzt unpraktisch und sogar gefährlich sei. Vor einigen Tagen habe Dr. Weizmann von einem Zwiespalt zwischen Ost- und Westziontsten gesprochen. Das sei absurd, es bestehe kein tatsächlisher Gegensatz zwischen den russischen und den westlichen Zionisten. Seien Dr. Katzenelson, Feldstein und Barbasch keine Russen? Die English Zionist Federation sei für Herrn Wolffsohn eingetreten, weil er das Prinzip verkörpere, die Bewegung nicht in die Hände der Russen sinken zu lassen. Niemand wolle die Russen von der Bewegung ausschließen, aber sie hätten in Hamburg gezeigt, daß sie schlecht organisiert seien und unfähig, eine andere Leitung zu finden. Die English Zionist Federation habe trotz aller Angriffe ausgezeichnete Arbeit geleistet» die beste seit vielen Jahren. Die Herren J. I. Loewy und J. K. Goldbloom verteidigten warm die Arbeit der Federation. Herr Goldbloom sagte, daß Dr. Weizmann noch vor einem Jahre erklärt habe, es sei in England kein Bedürfnis nach zwei verschiedenen Plattformen für die Bewegung. Habe er heute noch diese Ansicht? Herr Norman Bentwich erläuterte, daß sein Vater seinerzeit für die Anlage der Gelder des I. C. T. in Konsols eingetreten sei, weil damals praktische Arbeit in Palästina noch unmöglich gewesen sei. Die Meinungsverschiedenheiten in der zionistischen Bewegung seien analog denen zwischen Radikalen und Liberalen innerhalb der liberalen Partei in England, und ebenso wie dort, müßten auch hier beide Flügel in der Leitung vertreten sein. Nachdem noch verschiedene Redner gesprochen hatten, erklärte Herr Cowen, daß die Konferenz verpflichtet sei, die Selbstverleugnung des Herrn Wolffsohn anzuerkennen, die er bewiesen habe, indem er die Leitung nach dem Zusammenbruch der russischen Vorschläge wieder übernommen habe. Man habe ihn und seine Freunde angegriffen, weil sie angeblich zu praktisch und kaufmännisch verfuhren und keine Ideale' hätten. Wenn sie keine Ideale hätten, wären sie überhaupt nicht in der Bewegung. Sie seien Idealisten und wünschten, ihre Ideale in die Wirklichkeit umzusetzen. Aber sie müßten mit einer gefährlicheren Feindschaft innerhalb als als außerhalb rechnen, und darum sei der Fortschritt der Bewegung aufgehalten. Er behaupte, daß Prof. Warburg sich selbst mehr geschadet habe dadurch, daß er den Protest der A. I. K. O. gegen die zionistische Organisation unterzeichnet habe, als seine (Cowens) Angriffe es vermocht hätten. Es sei nicht wahr, daß die A. P. C. oder der I. C. T. den palästinensischen Institutionen Hindernisse in den Weg gelegt habe. Die Palestine Land Development Company wolle Land kaufen und es in kleinen Stücken parzellieren; aber der Direktor der A. P. C. sage, daß, wenn man Land kaufen wolle, man das Land nehmen solle, daß die A. P. C. bereits drei Jahre im Besitz habe, zwei Grundstücke, die noch zu haben seien. Herr Kann sei unausgesetzt mit praktischer Arbeit in Palästina beschäftigt und habe einen Ingenieur ausgeschickt, um die Frage der Wasserversorgung Jerusalems zu studieren. Man gehe so schnell vor, wie man könne, aber man müsse nicht nur mit der nichtjüdischen und jüdischen Gegnerschaft rechnen, sondern auch mit der Opposition innerhalb der Bewegung. Darum appelliere er an die Versammlung und an alle Zionisten, die wahre Lage zu erkennen und die Hände der Führer zu kräftigen. Hierauf wurde der Bericht einstimmig angenommen. Auf Antrag des Vorsitzenden gelangte sodann folgende Resolution gegen 2 Stimmen zur Annahme: Diese Konferenz billigt die Tätigkeit der englischen Delegierten auf dem Hamburger Kongreß, da sie glaubt, daß jeder Delegierte sich in seiner Haltung von dem gemeinsamen Ziele aller Zionisten bestimmen ließ, der Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes als einer Nation in Palästina. Sie ruft allen Zionisten Englands die Notwendigkeit unbedingter Loyalität gegenüber den Entscheidungen des Kongresses ins Gedächtnis und wünscht ihr volles Vertrauen zu Herrn Wolffsohn, als dem Führe; der Bewegung, und dem vom Kongreß ernannten Aktionskomitee zum Ausdruck zu bringen. Hierauf wurde der Kassenbericht erstattet und angenommen. Es folgte die Beratung über eine Reihe interner Punkte hinsichtlich der Finanzverwaltung der Federation, der Propaganda usw. über die sich Einmütigkeit ergab. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Ehrenpräsident: Sir Francis Montefiore; Präsident Dr. Charles Dreyfuß, Vizepräsident L. I. Greenberg und Dr. Strauß (Bradford); Schatzmeister: S. B. Rubenstein; Beisitzer: I. Cowen, Goldbloom, Keßler, N, Bentwich, Ginsburg, Nathan und Eisen in London, Dr. Fuchs, M. Jacobs, Raffalovich, Burstein, Sol. Goldberg, S. I. Levy, Danziger, Ettinger und Dr. R Harris in den Provinzstädten.

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