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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Kongreßmajorität zu stärken. (Beifall.) Zuletzt sprach Dr. Ludwig Dörneny (N.-F.-Kommissär für Ungarn). Er sprach vor allem in der ihm eignen, kernigen Art von den zionistischen Institutionen und deren Fortschritt und verglich dieselben mit der Arbeit der Repräsentationsjuden in Ungarn, die uns stets verleumden und angreifen. „Der Zionismus ist eine politische Bewegung, wie es auch dessen Zweck erfordert. Wir bedürfen keiner Vermittler, keiner neologen oder orthodoxen Vermittlungskanzlei (offizielle Vertreter der ungarischen Juden), wir verhandeln unmittelbar mit den betreffenden Regierungen." Dr. Dömenys Ausführungen haben die Zuhörerschaft fast fasziniert. Ein orkanartiger Beifallssturm begleitete seine Worte, in welchem er die Entgegnungen der destruktiven Gegner entkräftete. Nach ihm meldete sich Dr. Kassai zu Wort, der seiner Anerkennung unsern Delegierten gegenüber Ausdruck gab. Er schlug folgende Resolution vor, die einstimmig angenommen wurde: „Die am 30. Jänner im Neuen Rathaus tagende Budapester jüdische Volksversammlung spricht ihr volles Vertrauen zum Engern Aktionskomitee aus und ersucht das Lokalkomitee, der Ungarländischen Zionistischen Organisation, diese Vertrauenskundgebung dem Aktionskomitee zur Kenntnis zu bringen." Unter Absingen der Hatikwah endete die imposante Volksversammlung. Der rege Tätigkeit entfaltende Miavaer Ziönistenverein hat im dortigen Oberstuhlrichter (Bezirkshauptmann) Dr. Fihlberger einen tatkräftigen Förderer gefunden und hat daher beschlossen, denselben zum Ehrenmitglied zu wählen. Ein Regierungsvertreter als Ehrenzionist! Ja, ist denn der Zionismus nicht staatsgefährlich und unpatriotisch? werden unsere Assimilanten fragen. L. B. Schweiz Zürich. In überaus gut besuchter Versammlung — der geräumige Saal des Blauen Seidenhofes war voll besetzt — erstattete Herr Dr. David Strauß, der Delegierte Zürichs am IX. Zionistenkongreß in Hamburg, seinen Bericht über den Verlauf desselben. In klarer anschaulicher Weise gab der Referent ein Bild von dem bewegten Leben des Kongresses, schilderte den mächtigen Eindruck der Eröffnungssitzung, der Reden Wolffsohns und Nordaus. Er bedauerte den persönlichen verletzenden Ton gegen Wolffsohn, mit welchem Dr. Pasmanik die Diskussion eröffnete und der unzweifelhaft schuld gewesen sei an dem für die russische Landsmannschaft so unerwünschten Ausgang bei der Wahl der Leitung. Präsident Wolffsohn habe sich der Situation als vollständig gewachsen gezeigt. Dies, sowie die etwas abstoßende Art der Kritik der russischen Delegierten haben Wolffsohn die lebhafte Sympathie der Mehrheit des Kongresses verschafft, welche die bisherige Leitung für eine weitere Amtsperiode bestätigte, nachdem sich eine andere Zusammensetzung der Leitung nach Vorschlag des Permanenzausschusses als unmöglich erwies. Großer Applaus lohnte den Berichterstatter für sein lebendiges, ansprechendes Referat, für welches der Präsident, Herr Horn, namens der Versammlung herzlichst dankte. Nach einer Pause, während welcher eine Sammlung für den Nationalfonds vorgenommen wurde, gelangte die Kritik zum Wort. Da hörte man denn auch Stimmen, die sich nicht so ganz befriedigt aussprachen über die Resultate des Kongresses. Man hörte da bei aller Anerkennung für die Arbeit Wolffsohns auch das lebhafteste Bedauern über die dauernde Beiseiteschiebung der russischen Landsmannschaft, sowie das Betonen der Notwendigkeit, von dem System der autokratischen Leitung einmal zu dem demokratischen Prinzip eines mehrgüedrigen verantwortlichen Kollegiums zu gelangen. Das Verhalten der deutschen Landsmannschaft bei den Wahlen wurde getadelt, da es zu keinem Fortschritt in der Zusammensetzung der Leitung kommen ließ. Ussischkin, Dr. Tschlenow und auch Dr. Pasmanik wurden in Schutz genommen. Auch von poalezionistischer und misrachistischer Seite wurde das Wort genommen; es war eine würdige, belehrende und interessante Debatte. In der Replik besprach der Herr Referent sämtliche Ausführungen der Diskussionsredner, für jeden eine treffende Antwort findend. Seine Rede klang aus in Worten des Lobes für den arbeitenden Zionismus. Rauschender Beifall der Versammlung quittierte. Es war eine imposante Veranstaltung der hiesigen Ortsgruppe. Holland Ein Interview mit Herrn J. H. Kann Der „Joodsche Wächter", das Organ der niederländischen Zionisten, bringt ein Interview mit Herrn J. H. Kann, dem wir folgende bemerkenswerte Äußerungen entnehmen: Es ist unwahr, -- meinte Herr Kann, — daß sich auf dem Kongreß ein prinzipieller Unterschied zwischen Ost und West herausgestellt hat. Es war nur ein Meinungsunterschied. Das Drängen nach größerer Konzentration der Arbeit in Palästina muß als ein Einstoßen offener Türen betrachtet werden. Die Leitung ist sich der Wichtigkeit der Palästinaarbeit vollkommen bewußt. Ebenso braucht auch das Direktorium des Jewish Colonial Trust keinen Ansporn, utn größere Summen in Palästina zu placieren. Alles, was in dieser Beziehung möglich ist, geschieht schon heute, und es ist bezeichnend, daß die Anglo Palestine Company bis jetzt den vollen Betrag des Kredits, der ihr von dem Jewish Colonial Trust bewilligt wurde, gar nicht ganz in Anspruch genommen hat. Man soll nicht aus dem Auge verlieren, daß das heutige Palästina ein junges Land ist. Einerseits unterschätzt man die Wichtigkeit der Vorarbeiten, die in einem langsam aufblühenden Lande doppelt nötig sind, um einem unserer Sache^ gefährlichen Mißlingen vorzubeugen, anderseits würde leicht eine große Krise entstehen können, wenn man auf ein solches Land einen goldenen Regen niederließe. Etwas von dieser Art haben wir 1907 in Palästina erlebt und die bittern Früclite davon geerntet. Es ist unrichtig, wenn man meint, daß das E. A. C. die Palästinaarbeit beschränken will. Wo es kann, will das E. A. C. auch Neues in Palästina unternehmen. Die Leitung kann es aber nicht billigen, wenn die Opposition durch das heftige Drängen nach Palästinaarbeit an allem andern vorbeisieht. Das E. A. C. steht vollkommen auf dem Standpunkt der sogenannten Synthese der praktischen und politischen Arbeit und sieht in dieser Synthese kein Verwischen der Grenzen. Aber was will die Opposition? Sie wünscht schon jetzt Massenemigration nach dem Orient; die Emigranten sollen türkische Staatsangehörige werden und weiter nichts! Mir scheint aber, daß wir damit nicht zufrieden sein könnten. Die Folge wäre, daß wir Ottomanen mosaischer Konfession werden würden, und nicht eine wiederauflebende jüdische Nation neben den andern Nationalitäten des ottomanischen Reiches. So würde man die eine Assimilation gegen die andere eintauschen, — und davor warnt Dr. Nordau mit Recht: „diesen Tausch könnte man anderswo billiger vollziehen." Wir wollen mehr: ein Abkommen mit der Türkei soll uns die Sicherheit verschaffen, daß die Juden in größerer Zahl in Palästina einwandern können und nie gezwungen werden können, ihre Nationalität aufzugeben. Und wenn man von den großen politischen Linien spricht, die die Opposition übersieht, so meint man eben solche Maßregeln, die der Entwicklung und der Wiedergeburt des jüdischen Volkes neben den andern Nationalitäten im ottomanischen Reiche Raum lassen.1 Was die Forderungen der russischen Landsmannschaft anbetrifft, so meint Herr Kann, daß es nicht angängig ist, an die Spitze unserer Organisation ein Komitee zu stellen. Wir sind nocb nicht so weit, daß wir rein ministeriell regiert werden können. Wir können einen Kapitän, der das Schiff führt, noch nicht entbehren. Und die Frage, wo die Leitung ihren Sitz haben soll, erachtet Herr Kann für ziemlich unbedeutend. Die Hauptsache ist, daß dort, wo der Präsident wohnt, auch das Zentrum der Organisation sein soll Herr Kann besprach noch einen Fehler unserer Kongresse, und zwar die von inkompetenten Personen ausgeübte Kritik an der Bank. Solche Kritik diskreditiert die Bank und die Bewegung in den Augen Anderer. Künftighin sollte man die Besprechung der Bankpolitik — z. B. die Uberführung der Gelder nach Palästina — und die Besprechung von Fragen, die die Geschäftsführung der Bank betreffen, voneinander trennen. Besprechungen ^über den ersten Punkt gehören natürlich auf den Kongreß. Kritik' über die tägliche Geschäftsgebarung aber gehört in die Versammlung der Aktionäre. In großen Zügen malte Herr Kann dann aus, wie er sich das Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre vorstelle. Wir werden für unsere praktische Arbeit in Palästina zu einem Zusammengehen mit allen großen jüdischen Körperschaften kommen müssen. Die Landkolonisation soll in die Hand genommen werden, damit immer mehr neue Kolonien gegründet werden. Weiter ist die Reformierung des Unterrichtswesens sehr dringend. Nicht nur in den Kolonien, sondern auch in den Städten, und zwar nach einem einheitlichen Plan. Die Kinder sollen schon früh davon durchdrungen werden, daß die Juden auf das Land zurück müssen. Garten- und Ackerbauschulen kann man nicht entbehren. Sie werden eine Verminderung des traurigen Proletariats in den Städten zur Folge haben. Herr Kann meint, daß ein besonderes Finanzinstilut die Kolonisation leiten soll. Es sollen sich ferner Genossenschaften von Auswanderern konstituieren, die für einander haften sollen. Diese Auswanderer sollen dann durch jährliche Ratenzahlungen den Boden in Besitz erwerben (System der PalestineLand DevelopmentCompany). Der Vorteil der Genossenschaften wird sein, daß die Emigranten einander kontrollieren werden und daß in dieser Beziehung das bsste Menschenmaterial nach Palästina einwandern wird.

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