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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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So war das Distriktskomitee auch im abgelaufenen Berichtsjahre von dem ehrlichen Streben beseelt, durch ruhige, zielbewußte Arbeit in dem seiner Leitung anvertrauten Gebiete die hohen Ziele des Zionismus zu fördern, und wird es wohi auch die Aufgabe der neu zu wählenden Leitung sein, auf denselben Wegen in erster Linie Palästinaarbeit zu betreiben. Die geänderten politischen Verhältnisse der Türkei, das immer lebhafter pulsierende neue Leben im Lande unserer Väter, die Ausgestaltung der dort schon geschaffenen Institutionen pochten mit starker Hand an die Tür des jüngst vorübergegangenen IX. Kongresses in Hamburg, nahmen bei den Beratungen daselbst den weitesten Spielraum ein, legen es aber auch jedem einzelnen Gesinnungsgenossen nahe, selbst emsig beim Werke zu sein, immer neue Anhänger und Mitarbeiter zu gewinnen und die nötigen Mittel herbeizuschaffen, damit auf dem Boden unseres wiedererrungenen Heimatlandes jetzt schon die Grundmauern zu dem stolzen Baue gelegt werden können, in dem unser vielgeplagtes, vielverlästertes Judenvolk eine gesicherte Wohnstätte finden soll. Wien. Dem Jahresbericht des „Zionistischen Zentralvereins" entnehmen wir folgendes: Als wir die Leitung des Vereins am 10. Februar 1909 übernahmen, fanden wir alles im Zustande einer völligen Verwahrlosung vor. Der Verein war nach mehrjähriger Untätigkeit völlig außer Kontakt mit seinen Mitgliedern gekommen und die breitere Öffentlichkeit, ebenso wie die engern Kreise der Partei hatten an seine Existenz vollständig vergessen. Unsere erste Aufgabe sahen wir daher darin, die versprengten Glieder zu sammeln und wieder zu einem lebendigen Vereinskörper zu gestalten. Es ist uns auch gelungen, einen verläßlichen Mitgliederstock von 228 Gesinnungsgenossen zu sammeln; gewiß keine imponierende Ziffer, aber immerhin ein Anfang, auf dem sich weiterarbeiten lassen wird. ... Unsere Arbeit hatte in kurzer Zeit den Erfolg, daß wir nicht nur von unserer Parteiorganisation, sondern auch von uns ferne stehenden Körperschaften bei den verschiedensten Aktionen und Veranstaltungen herangezogen wurden. Vor allem gingen wir daran, das Vereinsleben auszugestalten und Fühlung mit unsern Mitgliedern zu suchen. Zu diesem Zwecke haben wir an jedem Dienstag in unserm Vereinslokale Diskussionen veranstaltet, bei denen in kurzen Referaten alle aktuellen, zionistischen und parteitheorelischen Fragen zur Debatte gestellt wurden. Solcher Diskussionsabende fanden 18 statt. Ferner wurde der Lesesaal reaktiviert, der schon einmal bestanden hatte und neu eingerichtet. Es liegen in demselben derzeit 57 Zeitschriften und Tagesblätter, darunter fast die gesamte hebräische Presse, auf. Der Lesesaal war in der Zeit vom 6. März ds. J., dem Tage seiner Eröffnung, von zirka 5000 Personen besucht. Leider zeigte sich auch hier die mangelnde Anteilnahme unserer Mitglieder, welche nur einen verschwindenden Bruchteil der Frequentanten bildeten. Die israelitische Kultusgemeinde Wien hat uns für Zwecke des Lesesaales in entgegenkommender Weise eine Subvention von Kr. 200.-- bewilligt; ferner stellte uns die Redaktion der Jüdischen Zeitung eine Anzahl von Zeitungen bereitwilligst zur Verfügung, Vom Zentralverein wurde auch im Auftrage des innerösterreichischen Distriktskomitees die Schekelagitation für Wien organisiert und durchgeführt, und zwar mit gutem Erfolg, denn es gelang, die Zahl der Schekelzahler auf die doppelte Höhe der im Vorjahre erreichten Ziffer zu bringen. In der Berichtsperiode wurden die folgenden Veranstaltungen abgehalten, welche alle massenhaft besucht waren und auf alle Anwesenden nachhaltigen Eindruck ausgeübt haben. Am 23. Februar. Versammlung im Cafe Konkordia: Referenten die Herren Davis Trietsch, Aaronsohn und Pastor Eberhard. Am 8. Juli. Trauergottesdienst im Stadltempel, L, Seitenstettengasse. Redner Rabbiner Dr. David Feuchtwang, Kantorale Funktionen, Oberkantor Don Fuchs. Am 10. Juli. Gedenkversammlung im Hotel Stephanie, IL, Taborstraße. Redner die Herren Adolf Böhm, Dr. Leopold Meisel, Samuel Bettelheim, Reichsratsabgeordneter Adolf Stand; Rezitationen Herr Egon Brecher. Am 11. Juli. Grabbesuch am Döblinger Friedhof, woran Deputationen des mährisch-schlesischen Distriktskomitees und unserer ungarischen Gesinnungsgenossen teilnahmen. Am 14. Oktober. Vortrag des Gesinnungsgenossen Dr. Franz Oppenheimer, Universitätsdozenten in Berlin, im Hotel Bayerischer Hof. Dieses gewohntermaßen rednerisch glänzende und inhaltlich gediegene Referat über die Arbeitsmethoden in Palästina vereinigte alle, die am Zionismus Interesse und für Wirtschaftsfragen Verständnis besitzen. Am 26. Oktober. Palästina-Vortrag im Hotel Bayerischer Hof des Gesinnungsgenossen Dr. Heinrich Loewe, kgl. preuß. Universitätsbibliothekar in Berlin, mit Lichtbildern. Diese Veranstaltung hat wie kaum irgendeine den Enthusiasmus auch der Fernstehenden entzündet und den Eifer unserer massenhaft versammelten Gesinnungsgenossen für die Arbeit in Palästina neu belebt. Galizien Tarnöw. In der am 9. Januar behufs Entgegennahme des Berichts unseres Kongreßdelegierten, Herrn Dr. Abraham Salz, stattgefundenen Parteiversammlung der Schekelgruppe Tarnöw wurde nach eingehender Diskussion dem Delegierten das Absolutorium mit Dank für seine Stellungnahme am Kongresse erteilt, sowie auch folgende Resolution einhellig gefaßt: „Die Versammlung schließt sich mit dem ganzen Herzen dem, dem hochverehrten Präsidenten der zionistischen Partei am IX. Kongresse für seine Tätigkeit und Leistungen ausgesprochenen, Danke an und drückt ihm das vollste Vertrauen aus." Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Das vom IX. Kongreß hervorgerufene Interesse für den Zionismus hat seitdem nicht nur keine Schwächung erlitten, sondern ist dank der hierortigen eifrigen zionistischen Arbeit noch gesteigert worden. Der Zionismus wird in der Presse immer öfter besprochen, und es zeigt sich immer mehr die Unzulänglichkeit des offiziellen Organes („Magyarorszägi Cionista Szerve*et"), welches monatlich bloß einmal erscheint. Es wurde daher vom Lokalkomitee beschlossen, einen Preßfonds zu gründen, um die Herausgabe eines Wochenblatts — welches für die Verbreitung der Idee in Ungarn unbedingt notwendig ist — zu ermöglichen. Zu diesem Zweck soll vor allem die 1000-Kronenspende unseres braven Gesinnungsgenossen Wilhelm Klein verwendet werden, jedoch nur unter der Bedingung, daß die einlaufenden Spenden eine entsprechende Höhe erreichen. Die Vorfälle am Kongresse und die Lage der Bewegung werden mit einer Leidenschaftlichkeit besprochen, die an die Ugandazeiten erinnern läßt. Am 23. Jänner haben die Budapester Kongreßdelegierten Ludwig Bato und Andor Zsoldos ihren Wählern Bericht erstattet. Es entspann sich eine mitunter erregte Debatte, an welcher u. a. die Herren Dr. Schönfeld, Roth, Prof. Bokor, Horvär, Prof. Bokor teilnahmen. Es ist insbesondere über die Haltung der ungarländischen Delegierten in den die Föderation betreffenden Fragen gesprochen worden, in welchen allerdings einige Differenzen zu bemerken waren, doch haben sich alle Redner — ohne Ausnahme — einstimmig für die gegenwärtige Leitung ausgesprochen. Am 16. Jänner erstattete Herr Samuel Bettel heim, Mitglied des Aktionskomitees, im Pozsonyer „Ahavat-Zion-Verein" vor einem zahlreichen Publikum das Referat über den IX. Kongreß. Nach den Anreden des Vizepräses, Herrn Komlösi, und des Präses der „Makkabäa", Herrn jur. L. Jordan, schilderte der Referent die Vorgänge auf dem Kongreß und schloß seine Rede mit einem Appell an die Jugend. Uie Budapester Zionisten haben es auch verstanden, den Eindruck des Kongresses zu Agitationszwecken auszunützen. Am 30. Jänner veranstaltete das Budapester Delegiertenkomitee im Prunksaale des Neuen Rathauses der Haupt- und Residenzstadt eine Volksversammlung, welche sich zu einer imposanten Kundgebung für den zionistischen Gedanken gestaltete. Den Vorsitz führte Herr Dr. Leopold Osztern, der in kurzer Rede die Wichtigkeit des Kongresses hervorhob. Ihm folgte der Vortrag des Ingenieurs Armin Beregi, der in meisterhafter Weise die Kongreßstimmung schilderte. Er hob insbesondere die Bedeutung des Oppenheimerschen Projekts hervor und setzte auf Grund sozialhistorischer Daten die weltgeschichtliche Wichtigkeit desselben auseinander. „Dieses Projekt" — führte der Redner aus — „ist nur eine jener Kulturgaben, mit welchen das jüdische Volk die Menschheit seit Jahrtausenden beschenkt. Endlich eine Tat, die das jüdische Volk nicht nur für die ganze Welt, sondern auch für sich vollbringen will!" Stürmischer Beifall belohnte den Redner, nach dem Herr Leopold Lebowitsch das Wort ergriff. Er führte dem Publikum die wichtigsten Ergebnisse des Kongresses vor Augen und berief sich auf den würdevollen Verlauf desselben. Den Juden wird vielfach nachgesagt, sie vertrügen sich nicht, doch wurde dieses Gerücht vom Kongresse zerstört. Er sprach sich gegen die Kongreßopposition aus, in deren Ans-Ruder-Gelangen er einen schweren Schlag für die Bewegung sehen würde. Es muß sich jeder Jude, der Interesse an seinem Volke hat, der Bewegung anschließen, um die jetzige besonnene

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