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Die Welt · 1910-02-04 · 5 (4.2.1910) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ein Buch über die Schmittah Von Herrn Oberrabbiner Kuk ist jüngst ein neues Buch „Schabbath ha Arez" erschienen, welches die im lautenden Jahre besonders aktuelle Schmittahfrage behandelt. Im ersten, einleitenden Teil werden die auf diese Frage bezüglichen Abhandlungen der talmudischen Literatur übersichtlich gruppiert und eingehend erörtert. Der zweite, halachische Teil gibt praktische Anweisungen für die zurzeit vorkommenden einzelnen Fälle. Die jüdische Bevölkerung in Safed Safed, 7. Januar. Die allgemeinen Zustände unserer Stadt werden hauptsächlich von ihren geographischen Verhältnissen bestimmt: 838 m über dem Meeresspiegel gelegen und von allen Seiten von hohen, steinigen Bergen umgeben, ist für Safed der Verkehr mijt der übrigen Welt äußerst schwierig und kostspielig. Weder nach Tiberias, der nächst gelegenen Stadt, mit der sie berührenden Eisenbahnlinie Haifa—Damaskus, noch nach Haifa, der nächsten Hafenstadt, ist mit Wagen oder sonstigen leichten Verkehrsmitteln zu gelangen. Der gesamte Verkehr von Safed mit der Außenwelt wird daher durch Maultiere und Kamele vermittelt. In frühern Zeiten, als die Einwohnerzahl noch klein und ihre Bedürfnisse noch gering waren, war dadurch der Lebensunterhalt in Safed sehr billig. Alles, was man zur Lebenshaltung brauchte, Nahrungsmittel und einfache Kleidung, wurde in der Stadt selbst oder in den sie umgebenden Dörfern produziert. Und da die Bauern nichts nach andern Plätzen ausführen konnten, mußten sie, bei der geringen Zahl der Safeder Konsumenten, alles recht billig abgeben. Es mag sein, daß eben die erwähnte Billigkeit der Lebensrnittel von je ein Lockmittel für die jüdischen Einwanderer gewesen ist. Es kam als Anziehung hinzu, daß Safed einige Jahrhunderte hindurch der Hauptsitz der Kabbalah und der jüdischen Mystik war. In der jüdischen Geschichte ist Safed durch das Wirken Rabbi Jossef Karos, des Verfassers des „Schulchan Aruch", Rabbi Isaak Lurjes, des Begründers der praktischen Kabbalah, und anderer berühmter Männer bekannt. Gegenwärtig leben in Safed ca. 1O0O0 Juden, 4600 Mohammedaner und 400 Christen. Die frühere Billigkeit der Lebenshaltung ist durch die Zunahme der Bevölkerung und die Steigerung der Ansprüche geschwunden, da jetzt die meisten Nahrungsmittel und fast alle sonstigen Gebrauchsartikel aus Haifa oder Bayrut importiert werden müssen. Gelegenheit zum Verdienen ist selten zu haben. Der Safeder Jude ist an sich nicht träge und arbeitsscheu. Als vor Jahren in der benachbarten Kolonie Rosch-Pinah die Seidenfabrikation bestand und überhaupt jeder landwirtschaftliche Arbeiter die Hoffnung hegte, später einmal von der Administration des Baron Rothschild kolonisiert zu werden, pflegten täglich hunderte Safeder Juden dort in der Fabrik und in den Weinbergen zu arbeiten. Mit dem Eingehen der Fabrik und mit dem Schwinden der Aussicht auf Kolonisieruug hörten sie auch auf, nach Rosch-Pinah zu gehen. Jetzt leben kümmerlich einige hundert Familien als Handwerker und im Kleinhandel. Alle übrigen leben fast ausschließlich von der Chalukkah, deren Einnahmen sich zwar in letzter Zeit, wohl infolge der erstarkten Palästinapropaganda, wesentlich vermehrt haben, die jedoch mit der Zunahme der Chalukkahreflektanten nicht gleichen Schritt zu halten vermögen. Eine Folgeerscheinung dieser Lage ist die stets andauernde Auswanderung der jungen, männlichen Bevölkerung nach Amerika und Australien. Das Verlassen der schönen Heimat ist ihnen nicht leicht, und es kommt auch vor, daß sie, nachdem sie gewisse Ersparnisse gemacht haben, nach Safed zurückkehren. Es verdient noch erwähnt zu werden, daß durch die Höhenlage der Stadt, wie auch der sonstigen günstigen klimatischen Verhältnisse, hier der Gesundheitszustand im allgemeinen ein befriedigender ist. Der hiesige jüdische Menschenschlag gilt als der schönste in Palästina. Militäraushebung in Safed und den urnliegenden Kolonien Hier waren 108 Aschkenasim und 30 Sefardim gestellungspflichtig. Atisgehoben wurden 8 Aschkenasim und 5 Sefardim. Von Rosch-Pinah sind 4 Gestellungspflichtige als tauglich befunden, hingegen sind die von Mischmar-Hajarden sämtlich von dem Militärdienst befreit worden. Von den hiesigen Christen sind 2, von den umliegenden christlichen Dörfern über 100 ausgehoben worden. Erbauung eines jüdischen Krankenhauses Durch *die Munifizenz der Baronin Rothschild in Paris ist hier in letzter Zeit ein jüdisches Krankenhaus erbaut worden. Die Notwendigkeit eines Krankenhauses war um so größer, als auch, außer der hiesigen jüdischen Bevölkerung, die benachbarten obergaliläischen Kolonien und ebenso im Sommer die Einwohner von Tiberias in medizinischer Beziehung auf Safed angewiesen sind. Das Krankenhaus, das etwa 100000 Frcs. kosten wird, befindet sich in hoher, schöner Lage, gegenüber dem englischen Missionshospital. Der äußere Bau, der nach den Anweisungen des Architekten Rogoff aufgeführt ist, ist bereits beendet und man beginnt nun die innere Einrichtung der Anstalt. Die Bibliothek?;Schareh Zion". Jaffa, 10. Januar. Die hiesige Bibliothek „Schareh Zion", die zum Andenken des russisch-jüdischen Belletristen L L. Lewanda vor mehrern Jahren begründet wurde, wurde bis jetzt durch die Subventionierung der Odessaer Komitees zusammen mit einem Zuschuß von den hiesigen Freunden der Bibliothek erhalten. Die Bibliothek enthält zirka 7000 Bücher, viele Journale und Tageszeitungen. Sie wird rege besucht und bildet für die ärmern Volksschichten die einzige Stätte für geistige Erholung und gesellige Zusammenkunft. Um so unangenehmer war man überrascht als man erfuhr, daß das Odessaer Komitee seine Subvention zu sistieren gedenke. Zur Besprechung der Lage fand eine Versammlung der Freunde der Bibliothek statt. Der vorgelegte Rechnungsausweis zeigt, daß im letzten halben Jahre 3107 Frs. aufgebracht worden sind, und zwar: Subvention des Odessaer Komitees 1504 Frs., Mitgliedsbeiträge 543 Frs, Leihgebühr für die Bücher, Vermietung des Saales für Versammlungen und diverse Spenden und Einnahmen 1060 Frs. In der Versammlung wurde beschlossen, das Jaffaer Publikum zu einer großem materiellen Anteilnahme an der Bibliothek zu bewegen. Wie wir hören, ist inzwischen auch vom Odessaer Komitee der Bibliothek eine jährliche Subvention von 1200 Frs. wieder zugesichert worden. o o o o o o o |j C o o o o o o o Jj AUS DER BEWEGUNG Deutschland Berlin. Am 15. Januar fand im Burghotel eine Versammlung der Berliner Misrachigruppe statt, zu der sich sowohl Mitglieder als auch Gäste zahlreich eingefunden hatten. Herr Dr. R. Lesczynski hielt das Referat, der IX. Kongreß und die Misrachikonferenz. Der Redner schilderte zuerst die eifrige Arbeit der mittlerweile auf 5000 Schekelzahler angewachsenen Föderation vor und auf dem Kongreß. Diese Tätigkeit, wie auch die allgemeine Anerkennung, die der Misrachi in Haniburg fand, sind ja inzwischen der breitesten Öffentlichkeit bekannt geworden. Im weitern Verlauf gab der Referent einige beachtenswerte Notizen über die Organisation und das Statut. Die Organisation ist dem allgemeinen zionistischen Organisationsstatut nachgebildet. Das Bureau der Fraktion mußte wegen des ständigen Anwachsens unserer Arbeiten weiter ausgestaltet werden. Die Anstellung eines Parteisekretärs wurde notwendig, die Kosten hierfür werden durch einen Misrachi-Parteifonds aufgebracht. Das Präsidium des Misrachi setzt sich zusammen aus den Herren Rabbiner Reimes-Lida, als Ehrenpräsident, Dr. Feuchtwanger, Prof. Weyl, Prof. Sulzbach und B. Stern. Zum Schluß forderte der Redner die anwesenden Nichtzionisten auf, aus dem Kongreß die Konsequenzen zu ziehen und sich der Organisation anzuschließen; und ging ausführlich auf alle Vorwürfe ein, die man dem Zionismus gemacht hat. An das vorzügliche Referat schloß sich eine von beiden Seiten recht lebhaft und angeregt geführte Debatte über das Verhältnis des traditionellen Judentums zum Zionismus an, die jedoch leider wegen der vorgerückten Zeit nicht zu Ende geführt werden konnte. In kurzer Zeit wird eine weitere Versammlung stattfinden, die dann hauptsächlich der Fortsetzung dieser Diskussion dienen soll und sehr interessant zu werden verspricht. Meine!: Am 30. Januar hielt Dr. Julius Rosenfeld-Königsberg i. Pr. in öffentlicher, gut besuchter Versammlung einen Vortrag über den „Zionismus und seine Bestrebungen". Reicher Beifall lohnte die trefflichen Darlegungen. Einer Bitte entsprechend berichtete Dr. Rosenfeld noch einiges über den IX. Kongreß. Die Debatte, an 2*

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