Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 DIE3^ELT 79 Veranstaltungen zionistischer Hochschüler Sonntag den 23. d. M. fand im Kursalon ein jüdisch-literarischer Abend des Vereins „Theodor Herzl" statt. Den einleitenden Vortrag hielt Dr. Martin Bub er. Es war ein fein pointiertes Essay über das Thema: „Der Jude und sein Werk". Das Wesen jüdischen Schaffens und Gestaltens wurzelt in der Qualität des Juden und in dem ewigen Ringen nach Überwindung der Zweiheit, in der Sehnsucht nach Einheit. Der fesselnde, sprachlich meisterhafte Vortrag fand reichen Beifall. Jakob Wassermann las da eine Novelle und ein Kapitel seines Romans „Alexander in Babylon". Konrad Löwe vom Hofburgtheater trug ergreifend und vornehm „Die Toten der Wüste" von Bialik vor. Das monumentale Dichterwerk übte eine mächtige Wirkung. Die Übersetzung von Dr. Ernst Müller, insofern auf Grund seines Vortrages ein Urteil möglich ist, ist eine bemerkenswerte, geschmackvolle Arbeit. „Sand und Sterne" von Frug und „Der Psalmen sager" aus Bubers „Legende des Baalschem" bildeten den Abschluß des Abends. Wir können nicht umhin, unserm Bedauern Ausdruck zu geben, daß die miserable Akustik des Saales den Genuß bedeutend beeinträchtigte. Anläßlich seiher 25 semestrigen Gründungsfeier veranstaltet der Verein „Bar-Kachba" eine „Bezalel-Ausstellung in den Räumen des Österreichischen Kunstvereins, der Mittwoch den 26. d. M. ein Palästinaabend im Bayrischen Hof mit Boris Schatz, Prof. Leo Kellner und York-Steiner als Vortragenden vorangehen wird. Die Ausstellung umfaßt alle Erzeugnisse des „Bezalel", die in Hamburg zu sehen waren, ergänzt durch eine spätere Sendung und eine Rahmensammlung, die nach Hamburg nicht mehr rechtzeitig gelangt waren. Die Festlichkeit findet am 7. Februar mit einer Verkaufs messe im Stadtpark ihren Abschluß. Wir zweifeln nicht, daß der Erfolg, den der „Bezalel" in München, Berlin und Hamburg davongetragen hat, ihm auch in Wien treu bleiben wird, wo es so viele kunstsinnige und kaufkräftige jüdische Hausfrauen gibt. Pilsen. Der Verein Zion sandte folgende Resolution: Die eben tagende VII. Ordentliche Generalversammlung des jüdischen Volksvereins „Zion" in Pilsen spricht unserm geliebten Präsidenten der Zionistischen Organisation für sein opferbereites, unermüdliches und weises Wirken für die jüdische Nation den innigsten Dank aus und dokumentiert ihm die wärmste Sympathie. Neusandez. Die heutige Versammlung der Neusandezer Zionisten hat nach Anhören des Rechenschaftsberichts des Delegaten Herrn Dr. Leon Silber mann einstimmig beschlossen, dem hochgeehrten Präsidenten Herrn Wolffsöhn vollstes Vertrauen und Anerkennung auszusprechen. Sanok. (Resolution.) Auch die Misrachigruppe in Sanok erachtet es als ihre nationale Pflicht, dem hingebungsvollen, selbstlosen und unermüdlichen Leiter unserer weltumspannenden Organisation, Herrn David Wolffsohn, ihr weitgehendstes und unbeschränktes Vertrauen auszusprechen, und drückt dabei das lebhafte Bedauern darüber aus, daß von einer gewissen Seite gesinnungsgenössischer Schreier noch immer die nicht bloß unproduktive, sondern auch schadenverheißende Opposition ausgeht, ferner daß der ansehnlichste Repräsentant des jüdischen Geistes, Generalsekretär N. Sokolow, seine segensreiche Federarbeit und Tätigkeit überhaupt der Bewegung in einem so kritischen, folgenschweren Moment entzogen hat. Distriktstag des Mähr.-Schles. Distriktskomitees Der diesjährige ordentliche Distriktstag des Mähr.-Schles. Distriktskomitees findet am Mittwoch den 2. Februar 1910, nachmittags 2 Uhr, in Prerau, Restauration Haas, statt. Am 6. Februar 1910 findet in Stanislau der V. ordentliche Distriktstag des südgalizischen Distriktes statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1909. 2. Rechenschaftsbericht der N. F.-Kommission. 3. Die gegenwärtige Lage im Zionismus und unsere nächsten Aufgaben. (Referat und Diskussion.) 4. Neuwahlen. 5. Anträge. Beginn 11 Uhr vormittags. Ort: Verein „Erez Israel" (Sobieskigasse). Am Distriktstag nehmen Teil mit Sitz und Stimme: 1. Mitglieder des D. K., 2. Vertrauensmänner, 3. Delegaten der Vereine, und zwar wählt jeder Verein auf je 50 Mitglieder einen Delegierten, 4. Vertreter der Schekelgruppen an Orten, wo kein Verein besteht. Die Wahlresultate müssen 8 Tage vorher dem D. K. bekannt gegeben werden, damit die Legitimationskarten an die Delegaten rechtzeitig verschickt werden können. Die Vertrauensmänner werden dringend ersucht, die rechtzeitige Vornahme der Wahlen zu veranlassen und auch dem D. K. mitzuteilen, ob sie selbst am Distriktstage teilnehmen werden. Mit Zionsgruß. für das Südgaliz. Distrikts-Komitee in Stanislau M. Henisch, Dr. Sam. Schur England Glasgow. Der Order of Ancient Maccabeans veranstaltete am 16. Januar in der Beth-Herzl-Halle eine Massenversammlung, in der der Delegierte beim Neunten Kongreß, Herr H. Handelmann, seinen Bericht erstattete. Nach der Berichterstattung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Versammlung drückt dem zionistischen Führer, Herrn David Wolffsohn, und den übrigen Mitgliedern des Engeren A. C. ihr vollkommenes Vertrauen aus und verpflichtet sich, die Bewegung mit aller Kraft zu unterstützen. Eine ähnliche Resolution mit dem Zusatz, daß „die Glasgower Abteilung des 0. 0. A. M. der Erklärung nicht zustimmt, die auf dem Kongreß seitens des O. 0. A. M. für die russische Resolution abgegeben wurde, da der Glasgower Delegierte ausdrücklich beauftragt war, sich der russischen Resolution zu widersetzen" wurde vormittags in der Mitgliederversammlung des Vereins mit großer Majorität angenommen. Belfast. Die Generalversammlung der Belfast Dorshei Zion Society, die am Sonntag den 15. Januar stattfand, nahm folgende Resolution einstimmig an: „Die Belfast Dorshei Zion Society spricht Herrn Wolffsohn, als dem Führer der Zionisten volles Vertrauen aus und verpflichtet sich, ihn in weitestem Maße zu unterstützen. Frankreich (Von unserm Berichterstatter) Die französische Presse von Rechts und Links, die gewöhnlich in externen jüdischen Angelegenheiten, will sagen anläßlich der Pogrome in Rußland, eine" wohlwollende Neutralität bewahrt, wie es sich übrigens einer verbündeten Nation gegenüber geziemt, ist gegenwärtig von einer überreizten Nervosität, einem heftigen Kongreßfieber heimgesucht worden. Sie tobt, wütet, schimpft, hetzt und verleumdet unter dem Deckmantel einer wohlmeinenden Kritik. Natürlich geschieht es auf Veranlassung und im Auftrage unserer assimilationssüchtigen Freunde, die die Zeit für geeignet halten, ihr Reformprogramm, das in einer Verleugnung und Besudelung aller echt jüdischen Ideale besteht, der erstaunten Mitwelt kund^utun. Fast scheint es, als hätten unsere kosmopolitischen Stammesgenossen mit den Antisemiten eine geheime Verabredung getroffen, denn auch diese benutzten die Tagung des jüdischen Parlaments dazu, um über das Judenvolk herzufallen. Der Leser erwarte nicht, daß ich ihm all das wüste Geschwätz des „Journal des Debats", der „Action", der „Libre Parole" usw. serviere. Es wäre schade um die Zeit und das Druckpapier. Die alten stumpfen Waffen wurden wieder hervorgeholt, lauter abgedroschene Argumente, höchstens eine etwas größere Dosis Gift, Haß und Bosheit. Die Pariser Zionisten nehmen dieser Preßkampagne gegenüber eine würdige, ruhige Haltung ein. Ihr Interesse ist hauptsächlich den Ergebnissen des IX. Kongresses gewidmet, die in endlosen Debatten diskutiert und kritisiert werden. Zwei Versammlungen, beide äußerst zahlreich besucht, wurden mit diesen Debatten ausgefüllt. Die Rednerliste ist noch nicht geschlossen. Am 5. Februar werden Nordau und Marmorek, dieser zum zweiten Male seit Ende des Kongresses, das Wort ergreifen, andere werden ihnen auf die Tribüne folgen. Von den bisher gehaltenen schwungvollen Reden ist an erster Stelle diejenige unseres Vorsitzenden Dr. Marmorek hervorzuheben, der bekanntlich eines Unwohlseins halber dem Kongresse nicht beiwohnen konnte. Marmorek ist von den Verhandlungen in Hamburg aufs schmerzlichste enttäuscht. Und dies aus doppeltem Grunde. Erstens hat der Kongreß nicht gearbeitet, ja nicht einmal die Bedingungen und Voraussetzungen zur Arbeit geschaffen. Denn die Kommissionen, die in jeder Volksvertretung die eigentliche parlamentarische Arbeit leisten, wurden nicht einmal gewählt, zweitens und hauptsächlich wurde der Kernpunkt der nationalen Frage der zwecklosen Polemik wegen fast unberührt gelassen. Die Kluft zwischen westeuropäischen und osteuropäischen Juden wurde erweitert, der Gegensatz zwischen politischem und praktischem Zionismus künstlich verschärft. Für Marmorek gibt es nur eine einzige